Aug 29 2007
Über deinem Dach ist des Herrn Dach
Über deinem Dach ist des Herrn Dach, ein christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest für vier Personen.
Sprecher: An einem Sonntag in der Ernte hatte ein Bauer im Emmental viel Korn draußen auf dem Feld liegen. Als er am Nachmittag an den Bergen Wolken aufziehen sah, rief er das Gesinde zusammen und sagte:
Bauer: Rasch hinaus, gehäufelt und gebunden, es wettert auf den Abend, bringen wir tausend Garben trocken ein, so gibt’s danach Wein genug.
Sprecher: Diese Worte hörte seine 80jährige Großmutter. Mühsam, auf zwei Stöcke gestützt, kam sie daher und sagte:
Großmutter: Johannes, Johannes, was denkst du? So lange ich mich zurückerinnern mag, ward hier am Sonntag nie eine Handvoll eingeführt, und meine Großmutter hat mir gesagt, sie wisse auch nichts davon, und doch sei immer Segen dabei gewesen, und von Mangel haben wir hier nichts gewusst. Und wenn es noch Not am Mann wäre, Johannes, ein nass Jahr!… Aber trocken war’s bis dahin, und trocken wird es wieder werden, und Nasswerden schadet dem Korn nicht. Und würde es ihm schaden, so hast du zu denken. Der Herr, der das Korn gegeben, gibt auch den Regen… und wie er’s gibt, hast du es anzunehmen. Johannes, tu es nicht, ich bitte dich!
Sprecher: Das Gesinde hatte umhergestanden. Die Alten machten ernsthafte Gesichter, die Jungen aber lachten nur und meinten, das Altväterische sei abgetan, jetzt sei es eine neue Welt.
Bauer: Großmutter, hab nicht Kummer? Alles muss einmal zum erstenmal geschehen. Unserem Herrgott wird das nicht viel ausmachen ob wir heute schaffen oder schlafen, und ebenso lieb wird ihm das Korn unterm Dach als der Regen sein. Was drin ist, ist drin. Man braucht deswegen nicht Kummer zu haben; denn wie es morgen sein wird, weiß niemand. Los, Buben, auf und gebunden, die Zeit wartet nicht.
Großmutter: Johannes, Johannes!
Sprecher: Aber der junge Bauer hörte nicht auf seine Großmutter, und während sie betete und weinte, führte Johannes Garben ein, Fuder um Fuder; mit Flügeln schienen Menschen und Tiere angetan. Tausend Garben waren unter Dach, als die ersten Regenstropfen fielen. Schwer, als wären es Pfundsteine, fielen sie auf die dürren Schindeln. Der Bauer trat mit seinem Leuten in die Stube.
Bauer: Jetzt, Großmutter, jetzt ist alles unter Dach, und alles ist gut gegangen, mag es stürmen, wie es will, und morgen schön oder bös Wetter sein, ich hab’s unter meinem Dach.
Großmutter: Johannes, aber über deinem Dach ist des Herrn Dach.
Sprecher: Als die Großmutter das sagte wurde es hell in der Stube, dass man die Fliegen sehen konnte an der Wand und ein Donner schmetterte übers Haus, als ob er alles mit einem Streich in Millionen Splitter zerschlagen würde.
Knecht: Es hat eingeschlagen!
Sprecher: Alles stürzte zur Tür hinaus. Das Haus stand in vollen Flammen. Aus dem Dach heraus brannten bereits die eingeführten Garben. Alle stürzten durcheinander. Wie vom Blitz geschlagen war auch jede Besonnenheit. Die alte Großmutter allein behielt klare Besinnung; sie griff nach ihren beiden Stöcken sonst nach gar nichts, suchte die Tür und einen sicheren Platz und betete:
Großmutter: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme Schaden an seiner Seele.
Sprecher: Das Haus brannte ab bis auf den Boden. Gerettet wurde nichts. Auf der Brandstätte stand Bauer und sprach:
Bauer: Ich hab’s unter meinem Dach. Aber über deinem Dach ist des Herrn dach, hat die Großmutter gesagt.
Sprecher: Und seit dieser Stunde sagte er nichts mehr als das.
Bauer: Ich hab’s unter meinem Dach, aber über deinem Dach ist des Herrn Dach, hat die Großmutter gesagt.
|
|
Name: Über deinem Dach... (B) Klicks: 33 |