Petrus: Ist die Tür auch wirklich verriegelt?
Johannes: Ja!
Kleophas: Wie lange sitzen wir hier schon?
Matthäus: Fast sechs Stunden.
(Pause)
Petrus: Es klopft! Nicht öffnen! Wer weiß, wer da ist.
(nochmals klopfen)
Matthäus: Wir müssen öffnen. Das ist nicht unser Haus. Der Herr ist tot. Jetzt holen sie uns auch! Mach die Tür auf.
Johannes: Es ist die Magd des Joses. Ich öffne. – Was ist? Sind die Juden da?
Magd: Nein, nein. Joses läßt nur fragen, ob ich euch etwas heraufbringen soll. Ihr habt seit gestern früh nichts gegessen. Ihr habt einen schweren Tag hinter euch. Wollt ihr nicht trinken?
Johannes: Nein, Danke. Sage Joses es ist freundlich von ihm an uns zu denken. Aber wir haben keinen Hunger. (Magd geht, Johannes setzt sich)
Petrus: Es hat alles so gut angefangen. Wir dachten doch alle, Er würde uns endlich, endlich von diesen Römern befreien. Welche Macht besaß Er! Die Leute haben auf Ihn gehört, sind mit Ihm gegangen. Hätte Er einmal nur zum Kampf gegen Rom aufgerufen, Er hätte genügend Männer zusammengefunden, die mitgezogen wären.
Matthäus: Aber jetzt ist alles aus. Jesus ist tot. Mit Ihm sind unsere Hoffnungen und Träume ins Grab gestiegen. Am liebsten wäre mir, die ganze Geschichte hätte gar nicht angefangen, dabei war der Beginn so vielversprechend…
Kleophas: Hoffentlich holen uns nicht noch die Pharisäer. Dann ist alles aus. Wißt ihr was, ich gehe jetzt nach Hause. Jerusalem ist mir zu unruhig und unsicher. Jetzt, wo alles keinen Zweck mehr hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als dort hinzugehen, wo ich herkomme.
Petrus: Ich sehe überhaupt keinen Sinn. Was könnte die gewesene Geschichte auslöschen? Wir sind gebrandmarkt, mein Lebensinhalt ist versickert, wie Wasser im Sand.
Johannes: Ich kann mir nicht helfen, aber soll das alles sein, was von den 3 1/2 Jahren übriggeblieben ist? Wirklich alles?! Jesus – der Inbegriff alles Guten, alles Gütigen ist hingerichtet worden. Er lebt nicht mehr. Aber das war doch keine Seifenblase, kein Luftballon, der platzt und kaputt ist. Die Wunder – seine Macht, einfach aus? Wo ist das Mächtige, das Übernatürliche, das uns die ganze Zeit begleitete? Wo???
Matthäus: Ich möchte einfach hier sitzen bleiben. Mich nicht bewegen, nicht überlegen – nur grübeln… noch ein bischen in Erinnerungen bohren, bis ich irgendwann das gleiche mache wie du, Kleophas, nach Hause gehen, an meine Arbeit und zu der Familie zurück.
Petrus: Warum waren wir zu feige, bei Jesus zu bleiben, als Judas Ihn verriet?
Kleophas: Hör auf, Petrus. Es ist vorbei! Aus! Jesus ist tot. Jetzt hilft uns nichts mehr. Es gibt nicht mal einen Strohhalm, an dem wir uns festhalten können.
Petrus: Trotzdem. Ich selbst habe vorher so rumposaunt, und habe nicht geahnt, wie nah das alles war. Ich habe mir vorgestellt, Er würde bei Angriffen Seine übernatürliche Macht gebrauchen, würde mit den Blitzen in Seinen Augen alle Feinde zu Boden schlagen, Seine Stimme wäre genug um die Legionen Rom’s auseinander zu treiben wie Sandkörner, aber… …plötzlich hing Er an diesem Holz. Rauhes, ungehobeltes Holz. Da gingen mir die Augen auf: Er stirbt! Ich hätte schreien mögen, daß die Stimme ihren Dienst versagt hätte, und – habe geschwiegen. Und mit mir schwieg das Leben, es schwieg, weil es nicht ankam gegen den Tod, der auch langsam mein Hoffen, meine Visionen angriff und sie besiegte. Nichts davon lebt mehr. Warum lebe ich?!
Johannes: Es wird dunkel draußen! Ich will in den Garten Gethsemane gehen. Ich will alleine sein. (Johannes geht)
Kleophas: Ja, es ist ein günstiger Augenblick. Ich gehe nach Emmaus. Kommt einer mit?
Matthäus: Ja ich, Kleophas.
(Musik)
Sprecher: Die Zeit schlich dahin, als wären Minuten so lang wie Stunden. Den übriggebliebenen Jüngern wurde gar nicht bewußt, daß sie schon lange nichts mehr zu sich genommen hatten, die Fenster waren verhängt, es drang nur gedämpftes Licht in den Raum. Nach und nach trafen die Frauen ein, Maria, die Mutter Jesu, Maria Magdala, Johanna und noch einige, die Jesus nachgefolgt waren. Aber nichts veränderte in irgend einer Weise die düstere Stimmung, in der alle eingekettet schienen. Der Schmerz hatte sie derart betäubt, sie waren unfähig klare Gedanken zu fassen oder in den Erinnerungen Trost zu finden, zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Die überdimensionale Angst vor den Obersten des Volkes tat das übrige. Sie waren eingekerkert, wurden festgehalten. Irgendwann, viel später kam Bewegung in den Raum.
J.Maria: Wollen wir gehen, Magdala, Johanna? Ich habe den Balsam hier in der Tasche.
Magdala: Ja, ich glaube es graut der Morgen. Wir hatten ja keine Zeit ihn einzubalsamieren. Gut, daß wir die Salben schon besorgt haben. Komm, Maria, ich stütze dich, du bist ganz müde und überanstrengt.
Johanna: Diese letzte Tat hat mir bisher noch den Halt gegeben. Es gibt mir ein bischen Kraft, wenn ich daran denke, Jesus die letzte Ehre zu erweisen. Nur – wie soll es weitergehen?
Magdala: Last uns erst mal diese Sache tun. Ich werde in das Leben nicht mehr zurückfinden. Überhaupt – kann man noch leben? Wie gut war es vor dem Tode unseres Herrn! Da gab es Freude, da gab es Sinn, Ziel und Aufgabe. Wie gern hörte ich Seine Reden! Sie waren so voller Schwung, so voller Majestät! Oft dachte ich, der Boden müßte beginnen zu beben. Der Himmel brannte, wenn die Sonne im Meer unterging, die Sterne sagten zu jedem Wort Jesu: Ja! Diese Menschen um Ihn herum wurden förmlich umarmt von dieser Liebe des Herrn! Woher hatte Er sie?!
J.Maria: Mein Sohn, mein Kind! Es ist tot!! Es war mehr als ein Sohn. Er war mein – mein Wegweiser, Er war die Basis, die mir Halt gab. Nicht ich habe ihn erzogen, Er hat mich belehrt, hat mir gezeigt, was Leben ist. Er war mehr als ein Mensch. Warum kam es so weit, daß die Menschen ihn kreuzigten?
Johanna: Die Tür, der Stein!! Das fällt mir erst jetzt ein. Vor das Grab wurde doch ein Stein gewälzt! (entsetzt) Wir können Jesus nicht einbalsamieren!!! Keiner würde uns helfen.
Sprecher: Dieser Funke, Jesus noch einmal zu sehen, ihm, der Sitte nach, das letzte Geleit zu geben, verglühte. Nur langsam gingen sie weiter. Doch dann geschah ein Wunder, das sogar die Jünger in dem Haus auf die Beine brachte.
*** Lied/Musik ***
Petrus: Was sagst du, Maria? Das kann doch nicht sein. Du bist übermüdet! Leg dich ein bischen hin und Schlaf aus. (zu Johannes) Die verliert den Verstand. Sie braucht dringend Ruhe. Sag der Magd, sie soll kräftiges Essen für Maria zubereiten. – Wo ist eigentlich Magdalena?
Johannes: Weiß ich nicht. Sie ist nicht mit Johanna und Maria gekommen. Es kann doch nicht sein, das mit Jesus!! – Ich sage der Magd Bescheid.
(Magdala kommt)
Magdala: Petrus, Johannes. Jesus lebt! Er lebt! Er lebt wirklich! (Hall) Ich habe ihn gesehen, mit ihm gesprochen. Unser Herr ist stärker als alle , stärker als der Tod.
Petrus: Sie auch! Da stimmt doch was nicht. Johannes, komm schnell. Magdalena sagt, Jesus ist nicht mehr tot.
(Johannes kommt)
Magdala: Das Grab ist leer! Der Stein weg, die Tücher liegen auf dem Boden, ganz ordentlich. Hätten sie ihn gestohlen, hätten sie die Tücher nicht ordentlich zusammengelegt. Aber dann war ich im Garten, ganz alleine, Maria und Johanna sind zurückgegangen, da spricht jemand zu mir, ich drehe mich um, denke es ist der Gärtner, aber Er, ER ruft mich bei meinem eigenen Namen. "Maria" hat Er gesagt, und in diesem einzigen Wort liegen 1000 Welten, das ganze Universum, all die Liebe, die je empfunden werden kann liegt in diesem Wort. Schlagartig wird mir klar: Jesus lebt, lebt! Ich soll euch dies von ihm ausrichten. Er wird zu uns kommen!
Petrus: Komm Johannes, schnell, ich will sehen, will wissen, was da los ist.
(Musik setzt ein)
Sprecher: In Windeseile hat sich die Nachricht in ganz Jerusalem ausgebreitet. Die Menschen, die Jesu Tod herbeigesehnt und gewünscht haben, greifen zu Notlügen und Bestechungen. Die Grabwache wird mit Geld Stillgehalten. Mit dem Appell an die Vernunft, mit Vorwürfen an die Jünger, sie hätten ihn gestohlen, Tote können nicht auferstehen, wird dieser Nachricht entgegengearbeitet. Die ganze Macht der Hölle bäumt sich gegen den herrlichen Sieg, den Sieg Jesu Christi über den Tod, auf. Doch auf der anderen Seite sind Menschen, die diese Nachricht trinken, wie wertvolles Wasser in der Wüste, in sich aufnehmen und nicht müde, nicht satt davon werden, sich gegenseitig zu erzählen und auszutauschen.
(Musik Ende)
Kleophas: Er erklärte uns sachgemäß und verständlich die Prophetie. Mir war alles ganz klar was Er sagte und in meinem Inneren glühte etwas, das ganz langsam begann und anschwoll, ich hatte das Gefühl, in mir stieg etwas unbeschreiblich helles, freundliches hoch. Und dann beim Abendmahl brach Er das Brot. Da schlug es bei mir ein. Als ob ich vorher blind gelaufen wäre und ich zum ersten mal sehen konnte. Dieses Bewußtsein: Er ist Jesus. Er ist der Herr! Da war Er auch schon verschwunden. Sofort sind wir zu euch zurückgegangen, obwohl es dunkel war, um euch das zu sagen. Wir sind frei! Frei!!
Matthäus: Diese lähmenden Ketten der Angst, dieser Zwang zur Mutlosigkeit. Weg! Wir leben neu. Jesus lebt, wir leben. Alles neu.
Petrus: Ich will raus, auf’s Dach; es in die Stadt schreien, will zu jedem Haus, jedem Menschen laufen und rufen: Jesus lebt. Er ist stärker. Sollen kommen, wer will. Mir kann nichts passieren! Jesus lebt, jetzt hat jede Angst, jede Strafe ihre Schrecken verloren, macht die Fenster auf, die Tür frei.
J.Maria: Laßt uns aufbrechen. Wir sollen doch nach Galiläa gehen. Dort werden wir ihn sehen. Beeilt euch!
Magd: (kommt dazu) Ich soll euch ausrichten, das Essen ist fertig.
Johanna: Danke, das ist freundlich, aber wir brechen auf. Das Essen kann warten. Seid ihr fertig? Laßt uns gehen.
Sprecher: Und sie sahen Jesus. Alle. Er sprach zu ihnen, gab die letzten Anweisungen, überwältigte sie mit der einzigartigen Majestät und Würde eines Schöpfers der Welt, eines Sohnes, dessen Vater die höchste Instanz ist. Sie sahen ihn, schauten so lange, bis Er längst nicht mehr zu sehen war, ihre Augen anfingen zu brennen. Aber das Feuer der Auferstehung Christi, die Freude und Lebenskraft war in ihren Herzen unauslöschlich eingesetzt.
(Hall + Musik)
Petrus:
Geht hinaus in alle Welt!
Predigt das Evangelium!
Breitet die Freude aus!
Freude für die, die einsam sind,
für die, die traurig sind,
für die, die Angst haben,
für die, die mit Sünde belaste sind.
Für die, die keine Hoffnung haben
und die, die krank sind.
Freude für die, die ihr Leben beenden wollen,
für die, die Liebe brauchen,
für die, die Durst nach dem Wasser des Lebens haben.
Freude für die, die unruhig leben
und die, die leiden.
Freude gibt Jesus. Eine Freude, die länger bleibt als das Leben auf der Erde. Eine Freude, die durchträgt, motiviert, die nicht abhanden kommen oder unterdrückt werden kann. Eine Freude, die unser Leben erhebt, belebt. Neu macht. Jesus machte und macht jetzt alles so neu, als hätte es keine Traurigkeit, keine Vorgeschichte gegeben. Jesus lebt! Er ist wirklich auferstanden!!!
(Musik)
ENDE