Aug 22 2007
Allein entscheiden?
Sprecher: Jochen und Bettina hatten eine größere Wohnung bekommen. Die Einrichtung war ziemlich komplett, nur im Eßzimmer fehlte noch der Glasschrank.
Verkäufer: Nun, ich kann noch eine Vitrine anbieten. Sie ist allerdings etwas größer als die Sie zuvor gesehen haben.
Jochen: Die gefällt mir. Bettina, ist die nicht schön?!
Bettina: Ja, aber die ist zu…
Jochen: (wendet sich an den Verkäufer, unterbricht Bettina) Sagen Sie, was kostet diese Vitrine?
Verkäufer: Sie kostet 499,-€.
Jochen: Ich denke, wir nehmen diese. Sie sagt mir mehr zu.
Bettina: Aber Jochen, die paßt doch gar nicht…
Jochen: Was meinst du, die paßt nicht? Die Wand ist doch 3,40 m breit. Das reicht für dieses Möbelstück. (wendet sich an den Verkäufer) Wann können wir die Vitrine abholen oder haben Sie noch welche auf dem Lager.
Verkäufer: Moment mal. Da müßte ich einmal nachsehen. (geht)
Bettina: Aber diese paßt nicht zu unserer Einrichtung. Eine schwarze Vitrine im Eßzimmer, wo sonst alles andere Möbel "Eiche hell" ist! Die andere paßt besser zu unserem Stil.
Jochen: Die war doch kleiner. Hier kannst du viel mehr unterbringen.
Bettina: Die andere kostete nur 300 €. Wir müssen doch auch an unseren Geldbeutel denken.
Verkäufer: (kommt wieder) Wir haben noch eine im Lager.
Jochen: Gut. Vielen Dank für Ihre Beratung.
Sprecher: Das junge Ehepaar verließ das Möbelhaus. Bettina überlegte, wie sie Jochen überzeugen konnte, daß die zuletzt gesehene Vitrine nicht so gut war. Jochen dagegen plante schon den nächsten Urlaub. Während er über verschiedene Reiseziele erzählte, merkte er nicht, wie wortkarg Bettina auf dem Heimweg war.
-Musik-
Bettina: Jochen ist immer noch nicht da. Ich warte schon seit einer Stunde auf ihn. Er sagt mir doch sonst immer, wenn er Überstunden machen muß. Das Essen wird schon kalt. Dann lohnt es sich nicht mehr zu dem Möbelmarkt zu fahren.
Jochen: (kommt eilig heran) Hallo Bettina! Na, du wartest sicher schon lange auf mich. Ich muß im Eßzimmer etwas Platz machen, damit ich die Vitrine aufstellen kann.
Bettina: Was? Die Vitrine?
Jochen: Da staunst du, nicht wahr? Ja, ich bin sofort nach der Arbeit zum Möbelhaus gefahren und habe die schwarze Vitrine gekauft, die uns gestern so gut gefiel.
Bettina: Du meinst, die dir gut gefiel.
Jochen: Ja, schau mal. Hier ist Platz genug. Jetzt kannst du endlich all dein Geschirr unterbringen. Das hast du dir doch schon lange gewünscht.
Sprecher: Bettina war enttäuscht, aber sie wollte Jochens Freude nicht verderben und schwieg. Auch das Abendessen verlief recht schweigsam. Anschließend ging Bettina zur Chorprobe, während Jochen die Vitrine aufbaute. Er hatte gerade seine Arbeit beendet, als es klingelte. Sein Freund Helmut stand vor der Tür.
Jochen: Hallo, Helmut, schön, daß du kommst.
Helmut: Hallo, ich habe dich schon lange nicht gesehen und da Ellen heute Spätschicht hat, wollte ich mal bei dir hereinschauen. Du scheinst aber beschäftigt zu sein?
Jochen: Nun, ich bin gerade mit der Arbeit fertig. Unsere neue Vitrine steht.
Helmut: Nicht schlecht. Sie fällt richtig auf.
Jochen: Vor allem kann man eine Menge Geschirr unterbringen. Das hat sich Bettina immer gewünscht. Aber..
Helmut: Was aber?
Jochen: Ich glaube, ihr gefällt dieser Glasschrank gar nicht.
Helmut: Wie, habt ihr ihn nicht zusammen ausgesucht?
Jochen: Sagen wir mal, sie war dabei, aber ich habe ihn gekauft. Ich wollte sie damit überraschen. Ich dachte, wenn sie erst einmal zu Hause steht, wird diese Vitrine ihr schon gefallen.
Helmut: Und? Wie hat sie reagiert?
Jochen: Sie war überrascht, doch sagte sie nichts.
Helmut: Ich glaube, du hast etwas zu voreilig gehandelt.
Jochen: Vielleicht.
Helmut: Weißt du, in letzter Zeit beschäftige ich mich mit dem Philipperbrief. Kapitel 2,2 u. 3 ist mir gerade in Bezug auf unsere Ehe wichtig geworden. Wir können es ja jetzt lesen.
Jochen: Ja, gerne. (schlägt die Bibel auf, liest) "So macht meine Freude dadurch vollkommen, daß ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst."
Helmut: Besonders der letzte Teil sprach mich an: achte einer den andern höher als sich selbst. Ich überlegte, wie ich Ellen meine Achtung zeigen kann. Dabei fiel mir auf, daß ich für Ellen zu wenig Zeit hatte, weil ich mich zu sehr mit meinen Hobbys beschäftigte.
Jochen: Hm, so habe ich es noch nicht gesehen. Es stimmt. Ich wollte, daß Bettina mich beim Aussuchen begleitete. Aber die Entscheidung habe ich alleine getroffen, weil ich meinte, es besser beurteilen zu können. Ich wollte ihre Zustimmung. In den Worten dieses Verses gesprochen, habe ich meine Ehre gesucht. Hätte ich sie höher geachtet als mich, hätte ich sie mitreden lassen.
Helmut: O, Jochen, es ist schon spät. Ich muß Ellen von der Arbeit abholen. Auf Wiedersehen!
Jochen: Auf Wiedersehen! (Helmut geht) Bettina muß ja auch gleich von der Chorprobe kommen. Ich möchte die Sache noch heute Abend regeln.
Bettina: (kommt dazu) Hallo, Jochen. O, die Vitrine steht schon. Du hast gute Arbeit geleistet.
Jochen: Bettina, es tut mir leid, daß ich so eigenmächtig gehandelt habe. Ich hätte mit dem Kauf warten und mit dir darüber sprechen müssen. Statt dessen habe ich dich enttäuscht. Kannst du es mir verzeihen?
Bettina: Gerne vergebe ich dir. Weißt du, ich habe während der Probe überlegen müssen, weshalb es bei uns zu solchen Situationen kommt. Ich denke, es liegt daran, weil wir Gott nicht in unsere Entscheidungen mit einbeziehen
Jochen: Du hast recht. Wenn wir beide nach Gottes Willen trachten, fällt es sicherlich leichter eines Sinnes zu sein.
(richtet sich an das Brautpaar mit einem Wunsch im Sinne des Anspiels)