Nov 17 2007
Die versäumte Gnadenzeit
Die versäumte Gnadenzeit, ein christliches Gedicht zum Thema Ewigkeit für 3 Personen
Else: Wie freut es mich dich noch daheim zu treffen
Du gönnst gewiss ein Plauderstündchen mir
In meinem Zimmer fühle ich mich so einsam
Drum komm ich, liebe Liese, heut zu dir.
Liese: Meine liebe Elsa: du bist mir stets willkommen
Komm nimm nun Platz an meinem kleinen Tisch
Dein heiteres und munteres Geplauder
Erhält mich selber munter und frisch
Else: Was seh ich hier auf deinem Tische liegen
Ist’s nicht ein Brief von deinem Mütterlein?
Liese: Du hast’s erraten liebe Freundin mein
Er trat vor einer halben Stunde ein.
Else: Meine liebe Liese wie würde ich mich freun
Wenn ich wie du, noch eine Mutter hätt
Die mir in treuer Mütterliebe Liebe
Auch dann und wann ein Brieflein schreiben tät.
Doch meine Mutter ist schon längst gestorben
Schon lange bin ich in fremder Leute Hand
Ich hörte nie der Eltern süße Stimme
Mir klang noch nie ein Mutterwort ans Ohr
Aus diesem Grund möcht ich dich herzlich bitten
Ließ mir doch einmal deiner Mutter Brieflein vor.
Liese: Du weist meine Freundin, dass ich dich herzlich liebe
Und dass vor dir ich kein Geheimnis hab
Schon längst hast du Vertrauen mir erwiesen
Ich weiß, du schweigest gerne wie das Grab
Drum nimm ihn selbst, den Brief in deine Hände
Und ließ nur alles was darinnen steht
dann merkst du auch was täglich meine Mutter
Für mich, die einzige Tochter, hat von Gott erfleht.
Lied: Hast du schon empfangen Gottes Kraft und…
(Elsa nimmt den Brief u. liest während gesungen wird)
Elsa: O sag Liese kannst du den Inhalt recht verstehn?
Ich muss gestehn, ich fasse vieles nicht.
Für manches was dein Mütterlein geschrieben?
Fehlt mir bis jetzt noch der Erkenntnis Licht.
Liese: Ei, freilich ich kann alles wohl verstehn
Und weiß auch gut was meine Mutter meint
Else: Sag, würdest du mir nicht etwas Aufschluss geben
Und einiges erklären, liebe Freundin.
Liese: Recht gerne - was möchtest du dann gerne wissen?
Else: Es ist mir da zum Beispiel aufgefallen
Dass in dem schönen Brief die Worte stehn
„O eile doch in deines Heilands Arme
bekehre dich und rette deine Seel.
Schau, zweimal hat der Herr um dich geworben
Zu deinem Führer, Jesum dich erwählt
Was will denn deine Mutter damit sagen?
Noch nie hab solche Worte ich gehört
Obwohl ich schon so weit herumgekommen
Und man in vielen Dingen mich geehrt.
Liese: In meinem Heimatdorf im Schwabenlande
Versammelt sich in einem Nachbar Haus
Ein kleiner Kreis von gottesfürchtgen Leuten
Bei einem Mann genannt der Arme Klaus,
Sie alle stehen fest zum Worte Gottes
Sie haben einen guten Glaubensgrund
Zum Unterschied von andern Christen Leuten
Sagt man zu ihnen nur, sie gehn im Grund
Zu diesen Leuten geht auch meine Mutter
Ich selber musste öfter mit ihr gehn
Und weiß noch gut was ich in jenem Kreise
So oft gehört und auch mit angesehn
Es wird dort über Heiligung geredet
Von Ruhe und von Verlassensein
Sogar von Schächer Gnade hört ich reden
Und eines Tages von der Hölle Pein.
Sie möchten jedermann zu Jesu kehren
Dies sind für mich schon längst bekannte Dinge
Ich will versuchen sie dir zu erklären
Wenn dich dies eine Thema so erfreut
Ich frag dich also: bist du schon bekehrt
Gehörst auch du schon zu den Gotteskindern
Sie rühmen viel das göttliche Erbarmen
Und sagen, es ist getilget meine Sünde
Auch ich der ich ein Sünder bin bei Gott in Gnaden
Ein Himmelserbe und ein Gotteskind.
Else: O Liese kannst du denn dies alles glauben?
Ist da nicht etwas von der Schwärmerei?
Ist das nicht Täuschung bei den guten Leuten?
O sag mir dieses froh und frei.
Liese: O, nein das ist nicht Schwärmerei gewesen
das ich bei jenen frommen Leuten sah.
Ich habe selber öfter wahrgenommen
Wie Sünder suchten Heil auf Golgatha.
Und wenn ich gar an meine Mutter denke
Wie glücklich sie in ihrem Heiland war
Welch eine Freude sie in ihrem Heiland hatte
So schwinden meine Zweifel ganz und gar
Ich selbst bin ja dem Heil so nah gewesen
Und fühlte tief der Sünde bittren Schmerz
Ich hab es selbst im Innern schon empfunden
Als einstens ich geschaut, mein sündges Herz
Lied: Beinah bekehret.
Else: Noch nie hab solche Dinge ich vernommen
Für mich ist alles dies ein neu Gebot
Durch diesen Brief von deiner lieben Mutter.
So manches neu durch meine Seele zieht
Wie gerne würde ich dies Glück erfahren,
Zu dem schon lang mein Innerstes mich trieb
Doch sag mir noch, was meint denn deine Mutter
Wenn sie dir schreibt wie’s hier im Briefe steht
„Schon zweimal hat der Herr um dich geworben
O warte nicht bis es für dich zu spät!“
Liese: Sie meint damit, ich soll mich bald bekehren
So lang ich stehe in der Gnadenzeit
Schon zweimal stand ich an des Grabes Pforte
Doch hat der Herr vom Tode mich befreit.
Else: Es wundert mich, dass du in all den Jahren
Dein gutes Mütterlein so sehr betrübt
Ich konnte aus dem Briefe klar verstehen
Wie sehr sie dich von Herzen immer liebt,
Wie ich denselben eben durchgelesen
Fiel hier mir diese verflossne Stelle auf
Ich glaub es fielen Tränentropfen
Als sie von innerer Rührung schrieb darauf
Es sagen mir die Tränen deiner Mutter
Wie sehr sie dich auf falschem Wege währt
Du solltest Ihren heißen Wunsch erfüllen
Weist du ja nicht wie schnell sie sinkt ins Grab
Ich kann in diesem dich gar nicht verstehen,
was hält dich denn von der Berührung ab?
Liese: Meine liebe Else, ich bin noch jung von Jahren
Vergnügungen, Sport und Gesellschaft mir gefällt
Ich möchte zuerst das Leben noch genießen
Man ist ja doch nur einmal auf der Welt.
Else: Was ich in dieser Stunde hab vernommen
Das hat mit Macht mein Innerstes bewegt
Durch deinen Brief hat Gott zu mir gesprochen
Und mir den Ernst’ des Lebens hat gelegt.
Darf ich den Brief nun mit nach Hause nehmen
Ich möchte dich, von Herzen darum bitten
O gib ihn mir, und sage bitte zu.
Liese: Wenn du ihn willst kannst du ihn mit dir nehmen
Ich weiß ja schon was meine Mutter will.
Steck ihn nur ein, du gibst ihn ja nicht weiter
Und schweigst bei allem andern still.
Else: Ich danke, dass du ihn mir hast gegeben
Schon morgen bringe ich ihn dir zurück
Doch nun auf Wiedersehen bis morgen Abend
Ich wünsche dir zu deiner Arbeit Glück.
Lied: O lass den Geist nicht von dir fliehen
Else: Ein neues Leben hat für mich begonnen
Verändert ist mein Herz, mein Sinn,
Ich bin nun Jesu Eigentum geworden
Ja staune nur wie ich so glücklich bin
Ich danke dir aufs neu für deine Güte:
Dass du den Brief mir gestern anvertraut
Durch diesen Brief hab ich den Herrn gefunden
Zu Ihm im Glauben heute aufgeschaut.
Liese: Ich bin erstaunt von dir dies zu vernehmen
Erzähl nur mir wie das gekommen ist.
Ich hör es gern und freue mich im Stillen
Dass du, meine Freundin gerettet bist.
Else: Wie das gekommen, will ich gern erzählen
Zuweil dir solche Dinge ja bekannt
Ich ging nach Haus und las den Brief aufs Neue
Bis ich darin auch Bibelstellen fand
Ich ließ sofort mir eine Bibel holen
Und suchte da den angegebenen Spruch.
Bald nahm ich deinen Brief in meine Hände
Und bald las ich im teuren Bibelbuch
Und so ist Stund um Stunde dann vergangen
Ich fand die ganze Nacht nicht Schlaf, noch Ruh
Gar mächtig war mein Innerstes ergriffen
Die teure Bibel machte ich nicht zu.
Auf einmal sah ich mein verfehltes Leben
Und aller meine Sünden große Schuld
Zum ersten mal warf ich mich auf die Knie
Und suchte ernstlich Jesu Gnad und Huld.
Im Geiste sah ich schon der Hölle Schrecken
Ich fühlte meiner Sünde große Schuld
Ich betete bis an den lichten Morgen
Und suchte Frieden für mein armes Herz.
Am Morgen kam die Hausfrau an mein Zimmer
Und brachte Kaffee, wie sie sonst getan
Und fragte mich ob ich bin krank gewesen
Sie sah mir gleich den Schmerz und Kummer an
Ich musste offenherzig ihr erzählen
Was ich in der vergangnen Nacht erlebt
Sie sagte dann, es freut mich dies zu hören
Dann weiß ich für Sie einen guten Rat,
Ein Prediger wird gerne ihnen helfen
Der mich einst selbst zum Herrn geführet hat
Sie holte Ihn, und bald war er erschienen
Und zeigte mir den Weg durchs Wort des Herrn
Er betete so ernst für meine Rettung.
Ich lauschte allein, willig und gern
An seiner Seite suchte ich den Frieden
Und habe Gnade mir von Gott erfleht
So flossen heiße bittre Reuetränen
Wir harrten lang im ernstlichen Gebet.
Und endlich schwand die Unruh meines Herzens
Ich fand Vergebung, Frieden, Ruh und Heil.
Aus lauter Huld und göttlichem Erbarmen
Ward mir, dem Sünder, Jesu Gnad zuteil.
Meine liebe Liese, du weißt nun wie’s gegangen
Ich denke, auch du freust dich recht mit mir
willst du nicht auch bald dich dem Heiland weihn
Ihm öffnen heut noch deines Herzens Tür?
Liese: Mit Staunen hab ich alles dies vernommen
Und mich von Herzen darüber gefreut
Ich dachte eben da du mir erzähltest
Aufs neue wieder an die Jugendzeit,
Wär ich nur damals auch gerettet worden.
Als mir die Gnade Gottes nahe war
Doch heute fühl ich mich wie abgestorben
Die Welt hat mich verhärtet ganz und gar.
Else: O reiß dich los, dann pilgern wir zusammen
Den schmalen Pfad, den Kreuzesweg, hinan
Von heute an will ich zum Heiland eilen
O liebe Liese, lass mich nicht allein
Als Pilger nach der obern Heimat ziehn
Bleib mir als treue Freundin nun auch zur Seit
O komm zum Herrn verändre deinen Sinn
Liese: Ich will gewiss nicht gänzlich ferne bleiben,
Auch such ich später Jesu Angesicht.
Ich möchte auch ein Himmelserbe werden
Ich komm gewiss zum Herrn, doch heut noch nicht.
Else: Ich möchte gerne deiner Mutter schreiben
Ihr danken für den segensreichen Brief
Und wird gewiss von Herzen sie sich freuen
Dass Gott durch ihren Brief mich zu sich rief
Du hast wohl nichts dagegen einzuwenden
Voll Glück und Freude ist mein Herz so voll
Ich will von dir auch noch ein Grüßlein schreiben
Doch nun auf baldiges Wiedersehen, leb wohl.
Lied: „O lass den Geist nicht von dir fliehn.“
Else: Ich hab dir etwas Wichtiges mitzuteilen
Die letzte Zeit bin ich an diesem Ort.
Zum letzten mal komm ich zu dir, der Freundin
Schon morgen reise ich vom Städtchen fort
Ich geh nach Rasel in die Bibelschule
Und widme freudig mich dem Studium
Denn später möcht ich Gottes Wort verkündigen
Das teure süße Evangelium.
Liese: So ist denn doch die Nachricht angetroffen
Die du in jener Zeit erwartet hast
Wie gerne würde ich morgen mit dir gehen
Auf dieses Glück beneide ich dich fast
Meine liebe Else ich seh dich ungern scheiden
Du warst mir immer eine gute Freundin
Du hast so oft mich in Geduld getragen.
Und alle Zeit es mit mir gut gemeint.
Else: Zum letzten mal möcht ich ans Herz dir legen
Schieb die Bekehrung nicht mehr länger auf.
Dein Heiland wartet ja auf dich schon lange
Bald kann beendet sein dein Lebenslauf.
Denk nur wie würde deine liebe Mutter
Durch deine Rettung glücklich und erfreut
Drum möcht ich dir zum letzten male sagen
Komm doch zu Jesu in der Gnadenzeit.
Liese: Es soll geschehen, ich will es dir versprechen
Bald reiß ich mich von Welt und Sünde los
Ich hoff, in Kürze kann ich es dir schreiben
Ich setz es durch, doch sieh’ der Kampf ist groß.
Else: Ja, mache ernst und rette deine Seele
Eh es für dich auf ewig ist zu spät.
O Liese öffne bald dein Herz dem Zug der Gnade
So lang der Herr vor deiner Türe steht
Es bietet dir die Welt nur leere Freuden
Drum richte ernst auf Ihn den Glaubensblick
Ich hab an dich nun noch die einz´ge Bitte
Gib jenen Brief mir auf die Reise mit
Ich heb ihn auf als ein teures Angedenk.
Und trag ihn gerne mit mir Schritt für Schritt
Er soll mich stets an mich und dich erinnern
Und all’zeit an dein gutes Mütterlein,
Und mich zu großer Dankbarkeit bewegen,
So lang ich darf auf Erden sein.
Liese: Recht gerne will ich dir denselben geben
Ich habe ja noch viele andre hier
Die meine Mutter mir geschrieben
So leb denn wohl, meine Else, der Herr mit dir.
Else: Für dies Geschenk möcht ich dir herzlich danken
Durch dies mir Gott die Hand der Rettung bot
Und sehen wir auf Erden uns nicht wieder
So hoff ich droben, nun behüt dich Gott.
Lied: „Beinah bekehret…“
Autor: Ihr Festgenossen, lasst euch noch berichten
was ich von diesen beiden Freundinnen noch weiß
Es wird gewiss nicht ohne Segen bleiben
Für manche hier in unserm trauten Kreis.
Du fragst, wie ist denn alles noch gekommen
Nach dem die beiden Freundinnen sich getrennt
Die Else ist bald in den Dienst des Herrn getreten
Wie sie es früher selber hat gewünscht
Mit Ernst hat sie für ihren Herrn gewirket
Segensreich und treu in einer Stadt
Wo sie nur Seelen fand die gerne lauschten
Das Wort des Herrn sie treu verkündet hat
Sie stand so freudig in der schönen Arbeit
Sie zeugte mutig für das Wort des Herrn
Sie wies die Sünder zu des Heilands Freuden
Und half, wo sie nur konnte, immer gerne
Der alten Freundin hat öfters sie geschrieben
Ob wohl sie gar wenig von ihr hat gehört
Und bald danach hat sie die Spur verloren
Die Liese hat sich wohl nie zu Gott bekehret
Es sind dann 20 Jahr ins Land gegangen
Für unsre Zeugen Gottes viel zu schnell
Da plötzlich klopft‘s in mitternächtgen Stunde
Man ruft die Else in ein Hospital
Sie sollte rasch zu einer Kranken kommen
Die, wie man dachte, schon im Sterben lag
Dass sie, eh ihre Todesstunde naht
Ihr noch ein Trostwort von Jesu sagt.
In kurzen Augenblicken war sie fertig
Und bald trat sie ins Krankenzimmer ein.
Sie sah der Kranken gramverhärtete Züge.
Bestrahlt vom matten düstren Lampenschein
Sie wies sie hin auf Jesu Huld und Gnade
Und mahnte sie an ihren nahen Tod
Sie redete von Gottes Vatertreue
Und fragte sie, sind sie versöhnt mit Gott?
Da zog die kranke ihre Stirn in Falten
Und rief: für mich gibt’s keine Gnade mehr
Der Herr ist lange schon von mir gewichen
Ich sehe schon das finstre Höllenheer.
Da kniete sie bei ihrem Lager nieder
Und faltete die Hände zum Gebet
Und hat für diese angefochtne Seele
Erleichterung und Vergebung laut erfleht.
Doch mitten im Gebet ruft nun die Kranke
O schweigen sie, es hat doch keinen Wert.
Mir armen großen fluchbeladnen Sünder
Wird keine, Huld und Gnade mehr gewehrt.
Die Else suchte sie nun zu ermuntern
Und sagte: die Gnade sei für alle da
Es floss einst für alle Menschensünder
Das Blut am Kreuz auf Golgatha
O teure Seel, er will auch dich noch retten
Er will ja nicht, dass sie verloren gehn
O kommen sie zu diesem Sünderheiland
Sie müssen gläubig nur auf Jesu sehn
Die Kranke aber schüttelt mit dem Kopfe
Für mich gibt’s nur noch Zorn Gericht
Ich fühle schon in mir der Hölle Schrecken
Es ist erlöscht in mir der Gnade Licht
In meiner Jugendzeit wollt Gott mich retten
Er hat so oft so liebevoll gelockt
Im Übermut hab ich die Gnad verscherzt.
O arme Seel, der Schächer fand noch Gnade
Sogar am Kreuz in seiner Todesstund.
Du darfst noch heut mit mir zum Paradiese
Tat ihm der Herr in seiner Gnade kund.
Als dieses Wort in Liebe sie gesprochen
Fiel auf die Kranke ein heller lichter Schein
Sie denkt, sind das nicht mir bekannte Züge
Könnt das nicht Liese, meine Jugendfreundin sein?
Und wie sie es der Kranken sagen wollte
Ein Schrecken ihr durch alle Glieder geht
Mit lautem Wort hört sie dieselben rufen
Zu spät, auf Ewig ist’s für mich zu spät.
Dies war das letzte Wort der armen Kranken
Mit diesem Ruf ging sie zur Ewigkeit
Ein starker Blutstrom floss aus ihrem Munde
Vorbei ist’s nun mit ihrer Gnadenzeit.
Tief war die Dienerin des Herrn erschüttert
Nach diesem Aufschrei hat ihr Herz gebebt
Sie sah im Geist die finstre Macht des Bösen
Sie hatte ähnliches noch nie erlebt
Kein Wort kam über ihre blassen Lippen
Bis auf dem Tisch sie eine Karte fand
Auf dem ihr Auge sah mit Schmerz und Staunen
Der Name ihrer Freundin stand.
Da konnte sie sich nicht mehr länger halten
Sie warf sich weinend nieder auf die Knie
Und rief in ihrem innern Leid und Weh
So war nun doch umsonst des Heilands müh
Musst ich in deiner letzten Nacht dich finden,
Und hören deinen letzten Jammerschrei?
Es wird mir lange in den Ohren klingen
Dein letzter Schreckensruf zu spät, vorbei!
Ich danke dir, du treuer Herr, aufs neue
An meiner lieben Freundin Totenbett
Dass du in deiner großen Heilandsliebe
Mich einst befreit von Satans Macht und Kett
Ich bin‘s nicht wert, dass du mich hast gerettet
Und meine Freundin die mir den Brief gegeben
Ist nun verloren in die ew’ge Nacht
Noch treuer will ich dir mein Heiland dienen
Dir danken bis in alle Ewigkeit
Dass du mir einst dem Himmelsweg gezeiget
Und mich vom ew’gen Tode hast befreit.
Sie ging dann heim im Herze tief bekümmert
Und dachte über dies Erlebnis nach
Und hat aufs neue diesen Brief gelesen
Die sie entnommen ihrem Schreibtisch hat
Am Sonntag drauf hat sie mit heil’gen Ernst
Die Leute all‘ zur Buße neu gemahnt
Und mancher hat durch diese ernste Predigt
Die Wichtigkeit der Gnadenzeit erkannt.
Sie sah in manchem Auge eine Träne
Als sie der Freundin Ende hat erzählt.
Manch Sünderherz hat in der ernsten Stunde
Sich losgemacht und Jesus Christ erwählt
Und du, mein lieber Freund, in diesem Saale
Der du bis heute fern geblieben bist
Und die Bekehrung bisher aufgeschoben
O, werde heute doch ein wahrer Christ.
Komm jetzt in deines Heilands Retterarme
Weil jetzt aufs neu ein Ruf an dich ergeht.
Damit nicht auch am Ende deines Lebens
Bei dir es heißt; Auf ewig ist’s zu spät.
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