Nov 23 2007
Geweihte Hände
Geweihte Hände
Es waren meine Hände voll
mit goldner Schätze Glanz.
Manch Kleinod, den ich liebevoll
gehütet lebenslang.
Da kam mein König wunderbar,
berührte meine Hand.
Und alles, was mir köstlich war,
sank vor mir in den Sand.
Er sprach: „Nur leere Hand allein
kann Mir zum Dienste tauglich sein.”
Es waren meine Hände oft
von Erdenstaub bedeckt.
Mein Tun, von dem ich Heil erhofft,
war elend und befleckt.
Mein König, der Sein Blut vergoß,
berührte meine Hand.
Und Seine Heilung mich durchfloß
und jeder Flecken schwand.
Er sprach: „Nur reine Hand allein
kann Mir zum Dienste tauglich sein.”
Es waren meine Hände heiß
vom Schaffen früh und spät.
Erregt in fieberhaftem Fleiß
und lässig zum Gebet.
Mein sanfter König trat herzu,
berührte meine Hand.
Und siehe, himmlisch süße Ruh
in Seinem Dienst ich fand.
Er sprach: „Nur stille Hand allein
kann Mir zum Dienste tauglich sein.”
Es waren meine Hände voll
in selbsterwählter Kraft.
Doch ach, des eignen Lebens Mark
nicht Gottes Werke schafft.
Mein König kam mit Macht herbei,
berührte meine Hand.
Und all mein eignes brach entzwei,
Sein Geist mich überwand.
Er sprach: „Nur meine Hand allein
kann deiner Hand den Sieg verleih’n!”
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