Nov 29 2008
Gute Eisbahn
Gute Eisbahn, ein christliches Anspiel zu Weihnachten und zum Thema Gehorsam für 6 Personen
Sprecher: Es war ein herrlicher Wintertag. Blitzblank funkelte die Eisbahn im Sonnenschein und lud Jungen und Mädchen zum Schlittschuhlaufen ein. Wie gut, dass heute Samstag war und ein schulfreier Nachmittag!
Unter den eifrigsten, die gleich nach dem Essen auf dem Eis erschienen, waren auch Otto Schmidt und sein jüngerer Freund Paul Maler. Otto hatte heute wieder mal einen besonderen Plan ausgeheckt, in den er nun seinen Freund einweihte.
Otto: Weißt du, Paul, so schön wie heut bekommen wir es nicht wieder. Das muss ausgenutzt werden. Was meinst du dazu, wenn wir einen richtigen Ausflug machen? Im Sommer bin ich mal mit meinem großen Bruder im Kahn bis nach Bublitz gerudert, fein war das! Da sind wir in einem gemütlichen Gasthof eingekehrt und haben frisches Landbrot mit Hartkäse gegessen, das hat geschmeckt, sag ich dir! Wie wär’s wenn wir heute auf unseren Schlittschuhen hinliefen? Ich hab extra ein paar Groschen mitgebracht. Und so weit ist es auch nicht. Ungefähr zwei Stunden hin, eine Stunde Pause, und zwei Stunden zurück – dann sind wir gegen sieben wieder hier! Komm, das machen wir!
Sprecher: Paul überlegte. So sehr ihn der Vorschlag auch lockte, so widerstrebte es ihm doch, ohne die Zustimmung seiner Mutter einen solchen Ausflug zu unternehmen. Seine Mutter war Witwe und er war ihr einziges Kind.
Paul: Meine Mutter will aber, dass ich rechtzeitig zu Hause bin. Sie mag es nicht, wenn ich im Dunklen draußen bin. Sowieso – ich darf auf dem Eis nur soweit laufen, dass ich das Dorf noch sehen kann!
Otto: Ach, kleiner, meinst du denn, ich dürfte soweit laufen? Wir fragen erst gar nicht, dann verbietet es uns auch keiner. Einmal ist keinmal!
Sprecher: Paul zögerte immer noch.
Paul: Meine Mutter legt aber sehr viel Wert darauf, dass ich meine Schulaufgaben am Samstag mache! Damit der Sonntag für andere Dinge zur Verfügung steht.
Sprecher: Und doch – die Versuchung war zu groß, und schon liefen sie los über die blanke Fläche.
Die erste Stunde verging wie im Flug, die zweite wurde ihnen schon länger, und sie begannen sich nach dem Ziel, und damit nach Rast, Ausruhen und einer guten Mahlzeit, zu sehnen.
Paul: Wir sehen das Dorf ja immer noch nicht!
Otto: Wie kommt das nur? Damals bei der Kahnfahrt kam es mir doch auch nicht so lange vor!
Sprecher: Und nun – wieder eine halbe und eine ganze Stunde verging.
Otto: Bublitz ist ja immer noch nicht zu sehen!
Paul: Ich werde langsam müde und die Dunkelheit bricht auch schon herein.
Sprecher: Der Aufenthalt auf dem Eis wurde von Minute zu Minute unangenehmer. Paul begann zu weinen und auch Otto, so sehr er sich auch dagegen wehrte, bekam es langsam mit der Angst zu tun.
Otto: Was sollen wir machen? Umkehren und den Weg zurück laufen?
Paul: Nein, es ist doch schon viel zu dunkel und außerdem sind wir schon viel zu müde.
Otto: Also vorwärts, Bublitz muss doch bald in Sicht kommen.
Sprecher: Aber schlimm blieb die Sache auch dann. Kein Gedanke daran, heute noch nach Hause zu kommen – sie hofften, dass sie noch eine Unterkunft im Dorf finden würden.
Otto: Wie werden sich die Eltern wohl ängstigen?
Paul: (ganz verweint und jämmerlich) Endlich, endlich…!
Sprecher: Blinkten in der Nähe des Ufers nicht Lichter auf?
Otto: Endlich!!!
Sprecher: Mühsam schnallten die beiden mit ihren vor Kälte starren Fingern die Schlittschuhe von den schmerzenden Füßen und humpelten ins Dorf.
Otto: Da ist ja eine Gaststätte! (klopfen)
Wirt: (kritische Blicke auf die Jungen) Wo kommt ihr denn her? Seid ihr von daheim fortgelaufen?
Sprecher: Auf Ottos kleinlaute Erklärung hin nickte der Wirt ein paar Mal und sagte dann:
Wirt: So geht’s, wenn man auf eigenen Füßen stehen will und eine Rücksprache mit den Eltern nicht mehr nötig zu haben glaubt. – Nach Bublitz habt ihr gewollt?
Da hättet ihr dem Fluss auf der anderen Seite folgen müssen. Dies hier ist Friedrichshagen. Das ist mehr als doppelt so weit! Ihr könnt froh sein, dass die Sache noch so abgelaufen ist. Und nun wollt ihr hier übernachten? Habt ihr denn Geld dafür?
Sprecher: Zaghaft zog Otto die vier Groschen aus der Tasche und hielt sie dem Wirt hin – ob das wohl reichte? Der Wirt schüttelte den Kopf.
Wirt: Das reicht bei Weitem nicht, denn ich wette, ihr habt bestimmt großen Hunger und Durst, und morgen werdet ihr euch auch nicht mit leerem Magen auf den Weg machen wollen – wenn ihr überhaupt im Stande dazu sein werdet.
Sprecher: Die Jungen ließen die Köpfe hängen. Auch Otto, der sonst nicht so leicht in Verlegenheit geriet, hatte alle Zuversicht allen und Mut verloren.
Wirt: Nun. (Pause) Auf einen Schlafplatz und einen Schluck Milch mit Brot soll’s mir nicht ankommen. Aber ich hoffe, ein zweites Mal macht ihr solch einen Streich nicht wieder!
Sprecher: Er setzte ihnen warme Milch, Brot und Käse vor – ach, wie anders hatten sie sich dieses „Päuschen“ ausgemalt! Als sie gegessen hatten, machte der Wirt ihnen in der Scheune neben dem Gasthof ein warmes Strohlager zurecht und gab ihnen ein paar dicke Decken.
Otto und Paul sanken vor Erschöpfung bald in tiefen Schlaf.
Sprecher: Am nächsten Morgen weckte der Wirt die beiden.
Wirt: Nun, wie ist’s? Ich habe meinen Wagen angespannt und will euch nach Hause fahren. Auf Schlittschuhen kämet ihr heute nicht mehr hin. Um eurer Eltern willen tu ich’s. Ich habe selbst Kinder und weiß, wie das ist, wenn man sich Sorgen macht um solche Taugenichtse!
Sprecher: Ach ja, die Eltern! Das Herz wurde den beiden Jungen schwer bei den Gedanken an das bevorstehende Wiedersehen. Und doch mussten sie dem freundlichen Wirt dankbar sein, dass er sie so schnell wie möglich nach Hause befördern wollte.
Wirt: Da, die ersten Häuser aus eurem Dorf!
Paul: Da, unser Haus.
Sprecher: Ein Nachbar hatte sie gesehen und sagte es den Eltern.
Otto: Sie haben uns wahrscheinlich im ganzen Dorf gesucht und die ganze Nacht vergeblich gerufen!
Sprecher: Sie schämten sich maßlos.
Auch Pauls Mutter hatte die Heimkehrenden bemerkt. Eilig stürzte sie hinaus, nahm den vom Wagen springenden Paul in die Arme und drückte ihn wieder und wieder ans Herz.
Mutter: Mein Junge, mein Kind, hab ich dich wieder! Wie konntest du mir solchen Kummer machen!
Sprecher: Der Wirt, der sich verstohlen die Augen wischte, wendete und fuhr davon, während Otto, der gleichzeitig mit Paul abgestiegen war, bedrückt und beklommen nach Hause ging. Zögernd öffnete er die Zimmertür und sah den Vater mit einem übernächtigten, bleichen Gesicht am Schreibtisch sitzen. Die trüben, traurigen Blicke straften ihn härter als die größte Strafe. Was konnte er vorbringen, sich zu entschuldigen, sie zu versöhnen?
Otto: Vater, – ich hab das nicht gewollt. Nie hätte ich euch absichtlich Angst und Sorge gemacht! Wir wollten ja nur nach Bublitz, wollten am selben Tage noch zurückkommen. Es war eine Riesendummheit von uns, dass wir nicht umgedreht haben und in die andere Richtung gelaufen sind. Wir haben soviel Angst ausgestanden! – Ach, bitte, vergebt mir!
Vater: Leichtsinn führt immer in die falsche Richtung, Otto, und diesmal hat es dich hart getroffen. Ich hoffe, dass diese Lehre dir für die Zukunft zur Warnung dient. – Deine Schlittschuhe bleiben die nächsten acht Tage auf ihrem Regal.
Sprecher: Otto schluckte an seinen Tränen. Eine ganze Woche nicht aufs Eis! Vielleicht taute es dann schon bald, und er konnte überhaupt nicht mehr Schlittschuhlaufen! Aber es geschah ihm, das fühlte er, nur Recht.
Mit nassen Augen reichte er die Schlittschuhe dem Vater hin.
Otto: Nimm sie, Vater – nur sei wieder gut!
Sprecher: Dann ging Otto in sein Zimmer. Vor seinem Bett kniete er nieder und bekannte auch Jesus seinen Ungehorsam. Es war ihm voll bewusst, dass er sich nicht nur seinen Eltern gegenüber unrecht verhalten, sondern dass er auch Gottes Wort missachtet hatte und die Vergebung durch den Herrn Jesus brauchte. Er kannte den Bibelvers:
Otto: Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn dies ist wohlgefällig vor dem Herrn.
Sprecher: Gab es Menschen in der Welt, die es besser mit ihm meinten, als seine Eltern? Und lag nicht ein besonderer Segen darin, ihnen zu vertrauen und ihnen unnötigen Kummer zu ersparen? Er wusste, so wollte es auch der Heiland. Von ganzem Herzen demütigte er sich vor ihm. Als er von seinen Knien aufstand, konnte er sich wieder freuen.
Die Erinnerung an diesen Wintertag hat Otto später vor manchen unbedachten Streichen zurückgehalten.
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