Sep 29 2007

Die Herbergssuche

Geschrieben von bekki at 11:58 in Weihnachten

Die Herbergssuche, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 6 Personen

Sprecher: Familie Mayer ist auf dem Weg vom Weihnachtsgottesdienst nach Hause. Kerstin ist schon ganz aufgeregt, weil sie die Bescherung zu Hause kaum mehr erwarten kann.

Mutter: Na, wie hat euch der Weihnachtsgottesdienst gefallen?

Frederik: Ganz gut. Besonders die Geschichte mit dem Jesuskind.

Kerstin:  Also, wenn wir damals gelebt hätten und Maria und Josef wären in unsere Gegend auf Herbergssuche gewesen, dann hätten sie nicht im Stall übernachten müssen.

Mutter:  Wo denn sonst?

Kerstin:  Natürlich bei uns zu Hause im schönsten Zimmer. Und Jesus hätte mein früheres Baby-Bett bekommen.

Frederik:  Und von mir einen Teddy-Bär, damit er besser schlafen kann.

Vater:  Das ist sehr lieb von euch, aber Gott hat sich sicher etwas dabei gedacht, dass Jesus ganz armselig zur Welt kommen sollte und nicht etwa in einem Haus oder sogar in einem Palast. Später sagte ja Jesus selbst von sich, dass er nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern dass er uns dienen und sogar sein Leben für uns geben will.

Kerstin:  Ja schon, aber trotzdem hätten wir ihn aufgenommen.

Sprecher:  Unterwegs denkt Frederik:

Frederik:  Hoffentlich ist ein Fahrrad bei den Weihnachtsgeschenken dabei, und Legosteine.

Sprecher:  Und Kerstin fragt sich:

Kerstin:  Ob ich wohl die Bügelperlen bekomme und die Bücher und …

Vater:  Ich bin froh, wenn wir endlich im warmen Zimmer sind. Es ist heute wirklich furchtbar kalt und jetzt fängt es auch noch an zu schneien. – Aber … was ist denn da vorn los? Unter dem Baum scheint ein Mann zu sitzen. Es sieht so aus, als ob er schläft. Kommt, wir schauen, ob wir helfen können.

Kerstin:  Ach Papa, wir wollen doch heim.

Frederik:  (flüsternd) Vielleicht ist es ein Räuber, der uns überfallen will!

Vater:  Unsinn. Ein Räuber bei der Kälte und dazu noch auf dem Boden? Bestimmt nicht!

Sprecher:  Der Vater schüttelt den Mann an der Schulter. Der alte Mann schreckt auf.

Herr Weller:  Was ist los?

Mutter:  Sie sind wohl eingeschlafen. Ist ihnen etwas passiert?

Herr Weller:  Ich wollte meine Tochter besuchen, die hier im Ort wohnt. Es sollte eine Überraschung werden. Aber leider war sie nicht zu Hause und ich machte mich auf den Rückweg zum Bahnhof. Dabei bin ich dann auf einer vereisten Pfütze ausgerutscht und habe mir den Knöchel verstaucht. Ich konnte kaum auftreten, deshalb habe ich mich erst mal eine Weile hierher gesetzt. Dann muss ich wohl eingeschlafen sein.

Mutter: Das hätte aber schlimm ausgehen können. Bei dieser Kälte heute wären Sie vielleicht erfroren. Sie sind ja schon ganz durchgefroren. Kommen Sie, wir helfen ihnen auf und dann gehen Sie mit uns, um sich erst mal aufzuwärmen. Wir wohnen nicht weit weg von hier.

Herr Weller:  Vielen Dank für ihre Hilfe. Wissen Sie, ich habe nur noch meine Tochter. Lange habe ich sie nicht gesehen. Weller, heiße ich übrigens.

Sprecher:  Der Vater stützt Herrn Weller beim Gehen. Währenddessen tuscheln die Kinder hinter ihrem Rücken.

Kerstin:  Das schöne Weihnachtsfest ist verdorben.

Frederik:  Ja, wegen dieses fremden Mannes.

Sprecher:  Zu Hause setzen sie Herrn Weller auf einen Stuhl und legen sein Bein hoch. Die Kinder schauen mit trotzigem Gesicht zu. Beide haben die gleichen Gedanken. Frederik spricht sie aus:

Frederik:  Wann gibt es denn endlich die Geschenke?

Mutter:  Habt noch ein wenig Geduld, Kinder, bis ich Herrn Weller versorgt habe. Diese Geschichte erinnert mich irgendwie an Maria und Josef. Auch sie sind weit herumgelaufen und standen vor verschlossenen Türen. Sicher waren sie hungrig und müde, wie Herr Weller jetzt auch. Wolltet ihr nicht dem Jesuskind das schönste Zimmer im Haus geben? Das könnt ihr jetzt tun.

Kerstin:  (trotzig) Wie soll das denn gehen? Herr Weller ist doch nicht Jesus, sondern ein alter Mann.

Mutter:  Jesus hat selbst einmal gesagt: „Was ihr einem armen oder hilfsbedürftigen Menschen an Hilfe gegeben habt, ist genauso, als ob ihr es mir gegeben hättet.“

Sprecher:  Kerstin und Frederik schauen sich nachdenklich an. Die Eltern laden Herrn Weller ein, heute bei ihnen zu bleiben. Seine Tochter, die er besuchen wollte, ist die Nachbarin von nebenan mit ihren vier Kindern. Frau Maier weiß, dass sie erst am nächsten Tag wieder nach Hause kommen wird.
Zuerst essen sie miteinander und dann beginnt die Bescherung. Kerstin und Frederik dürfen abwechselnd aus der Kinderbibel die Weihnachtsgeschichte vorlesen. Als sie an die Stelle kommen, wo die Engel singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden“, fängt Herr Weller an zu weinen. Betroffen schauen ihn die anderen an.

Herr Weller:  Sie müssen entschuldigen das ist mir jetzt aber wirklich peinlich. Wissen Sie, ich habe jahrelang im Streit mit meiner Tochter gelebt. Ich habe sie lange nicht gesehen und auch keinen Kontakt mehr mit ihr gewollt. Meine Frau ist dieses Jahr gestorben. Bei der Beerdigung haben wir nur ein paar Worte miteinander gewechselt. Aber seitdem denke ich immer mehr über mein Leben nach. Ich möchte mich jetzt mit ihr versöhnen und im Frieden mit ihr leben können. Deswegen musste ich jetzt gerade so weinen. Es steht ja in der Bibel, dass Gott den Menschen Frieden schenken will. – Entschuldigen Sie bitte, und machen Sie weiter mit ihrer Feier. Ich will Sie nicht durcheinander bringen.

Sprecher:  Frederik und Kerstin finden das gar nicht so schlimm, dass Herr Weller geweint hat. Sie wünschen ihm, dass er und seine Tochter sich wieder richtig lieb haben können. Nach der Bescherung sitzen alle noch eine Weile zusammen und singen ein paar Weihnachtslieder. Herr Weller meint vor dem Schlafengehen noch:

Herr Weller:  Morgen werde ich zu meiner Tochter gehen und wenn ich in einer Stunde nicht wieder hier bin, dann hat es geklappt!

Sprecher:  Am nächsten Morgen schauen Frederik und Kerstin erwartungsvoll hinter Herrn Weller her. Sie sehen, wie er noch ein bisschen humpelnd auf das Haus seiner Tochter zugeht, wie er klingelt und wie er nach kurzer Zeit ins Haus gelassen wird. Nach einer Stunde kommt er wieder hinaus. Kerstin und Frederik sind enttäuscht.

Frederik:  Oh nein, es hat nicht geklappt.

Sprecher:  Doch dann sehen sie, wie alle vier Kinder hinter ihrem Opa aus dem Haus kommen und mit ihm zusammen einen kleinen Rundgang im Garten machen. Kerstin und Frederik sehen einander glücklich an.

Kerstin:  Schön, dass unsere Freunde jetzt auch einen Opa haben.

Frederik:  Und jetzt haben Herr Weller und seine Tochter sich auch wieder lieb. Das ist schön.

Quelle: „Der Kinderadventskalender“ / Cornelia Mack / hänssler

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