Mrz 12 2008

Die Verleugnung des Petrus

Die Verleugnung des Petrus, ein christliches Anspiel zu Karfreitag und Ostern für 12 Personen

Autor:   Palästina, ein herrliches Land, dem Volk der Verheißung gegeben. Ein Land, wo die Liebe des Ewigen besonders sichtbar wird. Überall Felder und Gärten, gleich einem Paradies, das Gott den Menschen schenkte. Wohin das Auge auch nur hinschaut, sei es auf die unendlichen Weiten, die blumigen Wiesen oder die felsigen Berge der Wüste, sie alle zeugen von der Allmacht des Schöpfers.
Auf einer der vielen Anhöhen dieses Landes liegt die Stadt Jerusalem. Schon von Ferne können die Pilger, die sich auf dem Weg dorthin befinden, die stolz aufragenden Türme sehen. Die Menschen eilen in größeren oder in kleineren Gruppen der großen Stadt zu. Denn wieder feiert man das Passa und die Menschen kommen in die Stadt ihrer Väter, um im heiligen Tempel anzubeten.

Reisender:   Sind sie nicht zufällig ein Hiesiger? Ich würde gerne etwas mehr von diesem Propheten hören; denn bis in unsere Gegend ist nur ein Gerücht von Ihm gekommen.

Bewohner:   Ja, dieser Prophet ist sehr bekannt, Er predigt in Wort und Tat, Er lehrt das Böse zu verzeihen und ein Opfer für den Nächsten zu sein. Viel Gutes hat Er getan. Er half allen, die zu Ihm in ihrer Not kamen. Ob Taube oder Stumme - sie verließen Ihn mit einem dankbaren Herzen. Die Aussätzige reinigte Er, aus den Besessenen trieb Er die Teufel aus, Tote auferweckte Er und manch ein Blinder wurde sehend. Sogar Sünde hat Er vergeben.

Reisender:   Wird Er zum Fest kommen?

Bewohner:   Glaube kaum, denn das ganze Synedrium wurde sich einig den Gottes Sohn zu töten. Die Juden sind gegen Ihn, - aus Neid natürlich.

Autor:   Unterdessen gedenken alle an den Auszug aus Ägypten. So kommt der Abend, sie essen das Lamm in den Häusern, hinter verschlossenen Türen. Und in einem von diesen Häusern, fern aller Sorge und Störung, ist Jesus mit seinen zwölf Jüngern. Sie haben sich zum Abendmahl versammelt. Jetzt liegen sie zu Tische in dem vorbereiteten, ruhigen Raume, essen das Brot und trinken den Wein. Jesus spricht zu ihnen voller Liebe, doch sind es sonderbare Worte. Er spricht von Seinem Tode, von dem Verrat und von den Wunden; dass Er die Sünden der ganzen Welt tragen wird. Nach dem Abendmahl gehen sie in den Garten, ihre Schritte in der Finsternis dem Bach Kidron zuwendend. Sie können in der Finsternis soeben den Weg erkennen. Auf den Weg zwischen mächtigen Ästen umweht sie die Frische der Nacht und vom Himmel funkeln friedlich die Sterne. Der Mond gleitet still über die Wipfel der Bäume. Der Wind streicht ihnen wie ein Altbekannter über die Köpfe. Während sie so auf dem Wege daher gehen, machen die Jünger sich Gedanken, wo wohl Judas verblieben ist. Sie schauen sich um, doch er ist nirgends zu sehen. Hier ist auch schon der altbekannte Ort „Gethsemane“. Wie oft sind sie mit Jesus hier gewesen.
Doch jetzt lässt Jesus die Jünger allein, außer drei - Johannes, Jakobus und Petrus. Diese nimmt Er mit in den Garten der alten Oliven. Und in tiefer Traurigkeit sagt Jesus: „Ich bin betrübt bis in den Tod, Ich gehe dorthin, um zu beten.“ So ging Er weg und ließ sie allein. Er fiel zu Boden und betete. Im Todeskampf erhob Er sein Angesicht zu Gott. In tiefer Trübsal rief Er: „O, mein Vater, es geschehe Dein Wille. Doch bitte Ich, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an Mir vorübergehen.“

Johannes:   Hörst du, Petrus, wie Er betet? Ich habe von Ihm so etwas noch nie gehört. Wie betrübt Er ist.

Petrus:   Ja, es ist als ob sich etwas Schreckliches ereignen wird. - Doch ich bin so müde.

Johannes:   Er hat aber gesagt, wir sollen wachen, - besonders wir drei.

Jakobus:   Schau mal, die anderen schlafen schon alle. Ja, wir sind heute sehr müde geworden. Warum wohl Judas nicht unter uns ist?

Johannes:   Er ist schon vom Abendmahl weggegangen. Petrus, schläfst du schon? - Ich glaub, ich schlaf auch gleich ein.

Autor:   Jetzt tritt Jesus zu ihnen und findet sie schlafend. „Könnt ihr nicht eine Stunde mit Mir wachen? Wacht und betet, “ - sagt Er zu ihnen und verlässt sie wieder. In unbeschreiblicher Not schreit Er zum Vater ohne Unterstützung von den Freunden zu haben. Er schreit um Hilfe vom Himmel. Die Freunde waren von dem Rauschen der Baumwipfel und dem Zirpen der Grashüpfer eingeschläfert. Sie hatten einen lauten und ruhelosen Tag hinter sich. Der Wind, der in gewissen Abständen über die Köpfe der Schlafenden wehte, trug das dumpfe Stöhnen Jesu an ihr Ohr. Er schien sie wecken zu wollen, damit sie ihrem trauenden Meister zur Hilfe kämen. Der Mond schien wieder einmal hinter den Wolken hervor und sah vorwurfsvoll auf die schlafenden Jünger. Es sah aus, als wolle die ganze Schöpfung Jesus zu Hilfe kommen, um Ihn zu trösten, Ihn zu stärken. Nur die Jünger lagen friedlich da und schliefen.
Doch jetzt hörte man aus irgendeiner Richtung Lärmen und Schreien. Jesus kam nun zu seinen Jüngern, weckte sie und sprach: „Steht auf, es ist nahe gekommen, der mich verrät“.

Petrus:   Was ist das für ein Lärm?

Jakobus:   Sie kommen hierher.

Johannes:   Eine Menge mit Lanzen und Fackeln, - Soldaten sind dabei. Ob sie wohl jemanden suchen?

Autor:   Der Garten erfüllte sich mit einer wütend lärmenden Menge. Er wurde von den Fackeln erhellt. Die Jünger schauten verständnislos und besorgt auf ihren Meister. Was wird jetzt passieren?
Petrus sieht Judas näherkommen und hört ihn sagen:

Judas:   Sei gegrüßt, Rabbi!

Petrus:   Judas… ?! Johannes, siehst du es? Wir haben uns gefragt, wo er geblieben ist, - siehst du, er ist der Verräter.

Autor:   Unterdessen umringte die Menge Jesus, so wurden die Jünger einfach zur Seite gedrängt. Nun fing man an Ihn zu verlachen und zu spotten. Man drehte Ihm die Hände nach hinten und stieß Ihn zum Garten hinaus. Die ganze Menge drängte sich auf den Weg, der aus dem Garten führt.

Petrus:   Johannes! Was ist denn das? Man hat Ihn gefangen genommen und führt Ihn weg. Wie konnte Jesus das zulassen? Was wird jetzt mit Ihm passieren?

Johannes:   Was mit Ihm sein wird? Hast du nicht gesehen, mit welcher Schadenfreude sie Ihn umringt haben? Ich fürchte es wird alles bös enden.

Petrus:   Sie werden Ihn wohl zu dem Hohepriester bringen.

Johannes:   Ja, ich habe einen Knecht des Hohepriesters unter ihnen gesehen, - ich gehe mit ihnen, ich kann nicht in Unwissenheit über Sein Ergehen bleiben. Komm Petrus.

Jakobus:   Wohin wollt ihr, Petrus, Johannes? Seht, unsere Freunde sind alle weggelaufen.

Johannes:   Wir gehen hinter der Menge her, um zu erfahren, was mit Jesus passieren wird.

Autor:   Und so folgten sie der Volksmenge. Der Zug hatte sich in die Länge gezogen. Irgendwo vorne musste Jesus sein. Umgeben von Soldaten und Dienern mit Lanzen, Schwertern und Stöcken. Es sah aus, als hätten sie einen großen Verbrecher gefangen. Überall hörte man Gelächter, heiseres Schreien und Fluchen. Der Straßenstaub, der von den Füßen der Menge erhoben war hing schwer über den Köpfen der Menschen und erschwerte die Sicht und das Atmen. Es schien, als wollte er die Menge zum Stillstand bringen. Bald kamen sie zu dem Palast des Hohepriesters Kaiphas. Die Menge strömte in die geöffneten Pforten. Das hat es noch nie gegeben. Noch nie waren die Tore so gastfrei geöffnet gewesen wie diesmal. Heute aber dient die allgemeine Ablehnung und Feindschaft zu dem Heiligen Gefangenen als Eintrittskarte. Die Ältesten und Schriftgelehrten sind versammelt. Sie suchen falsche Zeugen, um auf irgendeine Weise den Schuldlosen zu beschuldigen und zum Tode zu verurteilen.

Johannes:   Komm, Petrus, wir gehen auch in den Hof.

Autor:   Der ganze Hof des Hohepriesters hatte sich in eine Mördergrube verwandelt. Während der Hohe Rat falsche Zeugen suchte, machten die Diener Feuerstellen auf dem Hof. Alle Gekommene wärmten sich am Feuer. Mit scharfer Beurteilung redeten sie von dem, was vorging. Petrus näherte sich unentschlossen dem Feuer und streckte zögernd seine Hände aus. Die neben ihn stehende Magd rückte etwas zur Seite.

Dienerin:   Komm etwas näher, wärm dich nur. Warte mal, bist du nicht einer von seinen Jüngern? Ich guck auch schon, dass du so schüchtern bist. Als ich dich letztens in der Stadt mit Ihm sah, warst du mutiger.

Petrus:   Was du nicht sagst? Ich kenne Ihn nicht, ich schwöre. Wie konntest du mich mit Ihm sehen?

Dienerin:   Ja, ja, erzähl nur.

Autor:   Petrus verschwand in die Mitte des Hofes und wärmte sich jetzt am anderen Feuer. Da ging eine Frau an ihm vorbei. Sie trug ein Bündel Kleinholz und stieß Petrus damit zufällig an.

Frau:   Entschuldigung, ich bin so unvorsichtig. O, was machst du denn hier? Du warst doch auch mit Jesus!?

Petrus:   Ach was, ich kenne Ihn überhaupt nicht. Ich war nicht mit Ihm.

Frau:   Ist nicht wahr, du warst mit Ihm. Ich hab dich doch gesehen.

Petrus:   Ich muss weg von hier. Es kennen mich hier anscheinend mehrere. - Es ist so finster in der Seele. - Es ist so weit gekommen, dass ich Ihm absagen musste.

Diener:   Hör mal, bist du nicht auch einer von den Jüngern des Nazareners?

Petrus:   Nein, nein, du wirst dich wohl irren.

Diener:   Natürlich habe ich mich geirrt. Selbst deine Sprache verrät dich. Genau, du warst mit dem Galiläer.

Petrus:   Nein, stimmt nicht.

Autor:   In diesem Augenblick krähte der Hahn. Nun kamen Petrus die Worte in den Sinn, die Jesus ihm am Abend sagte: „Bevor der Hahn kräht, wirst du mich drei mal verleugnen.“ Petrus ging vom Hof und weinte bitterlich.

Petrus:   Ich habe Ihn verleugnet! Ich, der vor kurzem noch stolz behauptet habe, es niemals zu tun! Ich hatte sogar versprochen mit Ihm in den Tod zu gehen, mit Ihm zu sterben! O, warum, warum habe ich es nur getan?!… Eine große Schuld habe ich mir dadurch aufgeladen, die mich zu erdrücken droht. Ob mein Meister sie mir jemals verzeihen kann?… Aber Sein Blick… Sein letzter Blick… er war nicht vorwurfsvoll, sondern voller Liebe und Erbarmen. O, Herr, wolltest Du mir damit sagen, dass Du mir schon vergeben hast?! Mir, der ich so kläglich versagt habe?

Autor:   Jesus wurde immer noch beschuldigt und gequält. Danach wurde Er gekreuzigt. Vor Seinem Tode übergab Er seine Mutter dem Lieblingsjünger. In der neunten Stunde schrie Er laut; „Es ist vollbracht!“ und verschied. Er starb, doch das, was der Himmlische Vater vorhatte, war vollbracht. Unsere Rettung, die Versöhnung mit Gott war jetzt geschehen.

- Lied -

Autor:   Nun kam Josef und bat um den Leib Jesu. Er legte Ihn in Garten in sein Grab und wälzte einen Stein vor die Tür. Man stellte Hüter vor dem Grab und versiegelte den Stein.
Morgen ist der Sabbat, ein Ruhetag…

Johannes:   Petrus, du hast dich sehr verändert, du bist so blass. - Ach, die armen Frauen, die können kaum gehen, besonders die Mutter. Ich werde ihr helfen, denn Jesus hat sie ja vor dem Tod mir anvertraut.

Petrus:   Ja, Johannes, geh nur, ich komm später nach. Ich muss jetzt etwas allein sein.

Autor:   Der Sabbat war vergangen. Der erste Tag der Woche brach an, die Morgenröte erhellte den Osten. Der Wind säuselte leise in den Blättern des Gartens, die Vöglein zwitscherten, die Tauperlen glänzten in den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne. In aller Frühe gingen die Frauen mit Spezereien zum Grab, sie hinterließen Spuren in dem nassen Gras. Sie wollten den Leib ihres lieben Meisters salben.

Magdalena:   Was ist denn das? Maria, mir ist unwohl. Ich habe das Gefühl, als ob die Erde bebt und unter den Füßen verschwindet.

Maria:   Nicht nur als ob, es ist tatsächlich ein Erdbeben, komm, wir laufen schnell zum Grab.

Magdalena:   Sieh mal, der Stein ist abgewälzt und das Grab ist leer. Jemand hat den Herrn weggetragen.

Maria:   Und wer ist da in weißen Kleidern?

Engel:   Wen sucht ihr? Jesus, den Gekreuzigten? Er ist auferstanden, Er lebt! Geht, sagt es Seinen Jüngern, auch Petrus. Jesus wird vor euch nach Galiläa hingehen.

Magdalena:   Er ist auferstanden, Er lebt! Gott sei gepriesen, ich werde Ihn wieder lebendig sehen!

Maria:   Komm, wir laufen zu den Jüngern und teilen ihnen die Freude mit, denn sie sind ja noch in Trauer.

Magdalena:   Ja, komm schnell:

Maria:   (zu Petrus und Johannes gewandt)
Freunde, Jesus lebt! Er ist auferstanden!!!

Magdalena:   Wir waren beim Grabe und ein Engel hat es uns gesagt!

Maria:   Der Engel sagte noch, dass wir hingehen und es euch allen sagen sollten, besonders auch Petrus.

Petrus:   Mir? Auch mir?

Johannes:   Petrus, komm, wir laufen zum Grab und sehen uns das selber an.

Autor:   Das Grab war leer, nur die Leinwand lag darin. Petrus und Johannes waren nun davon überzeugt und kehrten freudig zurück. Doch in den Augen Petrus sah man noch die Traurigkeit.

Johannes:   Was ist denn mit dir, Petrus? Wir sollen uns doch jetzt freuen, und du siehst noch so traurig aus.

Petrus:   Ach, Johannes, Er will mich sehen. Aber wie soll ich Ihm in die Augen schauen? Dort, auf dem Hofe habe ich Ihn dreimal verleugnet, bevor der Hahn krähte. Ich sagte, dass ich Ihn nicht kenne. Und Jesus hat es mir ja schon vorher angekündigt. Wie kann man so etwas vergeben?

Johannes:   Petrus, du zweifelst noch an Seiner Vergebung? Er will dich ja persönlich sehen und das sagt schon aus, dass Er dir vergeben hat.

Petrus:   Johannes, wie gut, dass Jesus auferstanden ist! Mit Ihm sind auch alle unsere Hoffnungen aufgelebt. Komm, wir gehen zu den Freunden und berichten ihnen, was wir gesehen haben. Vielleicht weiß jemand noch nichts von dem Auferstandenen.
Jakobus, Jesus ist auferstanden!!!

Jakobus:   Seid ihr beim Grab gewesen?

Johannes:   Ja, Er lebt!! Christus ist auferstanden!!!

Alle drei Jünger:   Er ist wahrhaftig auferstanden!!!

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