Sep 23 2008

Der Großvater

Geschrieben von at 20:02 in Neujahr

Der Großvater, ein christliches Anspiel zu Neujahr für 5 Personen

Sprecher: Es war ein schöner Wintermorgen. Draußen glitzerten im Raureif Baum und Strauch; und in die freundliche Stube warf die liebe Sonne ihre Strahlen hinein, als wollte sie mithelfen, das Stübchen recht behaglich zu machen. Der Großvater im Lehnstuhl freute sich der Sonnenstrahlen und sagte leise vor sich hin:

Großvater: Das Jahr nimmt einen guten Anfang.

Sprecher: Nicht so froh wie der alte Mann war der Knabe dort am Fenster. Hans, der Enkel des Großvaters, sah durch das Guckloch, dass die Sonne in die Eisblume des Fensters gemacht hatte. Da draußen tummelten und vergnügten sich seine Freunde im Schnee und er musste hier drinnen dem Großvater aufwarten. Das gefiel dem Hans nicht. Und noch weniger gefiel ihm, dass der Großvater sagte:

Großvater: Hans hole dir die Bibel und lies mir den 23. Psalm vor.

Sprecher: Mürrisch tat es der Hans. Und weil er’s nicht gern tat, las er so schlecht, dass der Großvater ihm stillschweigend die Bibel fortnahm, um selbst zu lesen. Und als der Großvater las, nahm der Junge die Gelegenheit wahr und huschte aus dem Zimmer. Damit übertrat er das gebot seiner Mutter, die ihm streng befohlen hatte:

Mutter: Du bleibst beim Großvater bis ich wiederkomme!

Sprecher: Die Freunde empfingen ihn mit lautem Geschrei, und im Nu war eine regelrechte Schneeballschlacht im Gange. Doch merkwürdig, Hans überkam bald eine so starke Unruhe, dass er sagte:

Hans: Haltet mal eben an, ich will schnell mal nach meinem Großvater sehen.

Kamerad: Unsinn!

Sprecher: riefen die anderen Jungen.

Kamerad: Du willst dich nur drücken. Mach keine Flausen und bleib hier.

Hans: Nein, ich muss nach dem Großvater sehen.

Sprecher: Damit lief Hans schnell ins Haus zurück. Wie gut war es, dass er kam. Die Bibel lag auf der Erde, und der Großvater lag zurückgelehnt in seinem Lehnstuhl. Seine Augen waren geschlossen; das Gesicht war so weiß wie der Kalk an der Wand.

Hans: Großvater!

Sprecher: Rief Hans erschrocken. Keine Antwort. Noch einmal:

Hans: Großvater!

Sprecher: Wieder keine Antwort. Und noch ein paar mal rief der Junge. Aber der Großvater gab keine Antwort. Bleich und regungslos lag er im Lehnstuhl, die herabhängenden Hände waren ganz kalt. Da packte den großen Jungen die Reue. Nun war der Großvater am Ende gar tot, und er war zuletzt so unfreundlich zu ihm gewesen, war sogar trotz seiner Mutter Verbot davongelaufen. Hans weinte bitterlich, kniete vor Großvater und betete.

Hans: Ach, lieber Heiland, lass doch den Großvater noch einmal wieder aufwachen und noch bei uns bleiben. Vergib mir meine Schuld und alle meine Sünden. Ich will dich und auch den Großvater recht lieb haben. Amen.

Sprecher: Dann war es ganz still im Zimmer. Nur die Uhr tickte leise. Hans sah, dass es gleich 11:00 Uhr war. Da würde die Mutter bald kommen. Wie sie wohl erschrecken, wie sie wohl weinen würde! Die Tränen kamen Hans wieder, als er daran dachte, wie groß das Leid der Mutter sein würde. Da schlug es 11:00 Uhr, und von dem Schlag der Uhr erwachte der Großvater wieder.

Großvater: Bist du da Hans?

Sprecher: Fragte er leise.

Hans: Ja, Großvater!

Großvater: Bring mir einen Schluck Wasser.

Sprecher: Hans brachte es.

Großvater: Junge mir wurde vorhin so schlecht, und du warst nicht da. Komm, hilf mir, dass ich ins Bett komme.

Sprecher: Hans stützte den alten zitternden Mann, und dabei fiel eine Träne auf des Großvaters Hans.

Großvater: Du weinst Hans?

Hans: Ja, lieber Großvater.

Sprecher: rief der Junge schluchzend.

Hans: Du sollst nicht sterben!

Großvater: So, warum denn nicht?

Hans: Weil ich dich noch lieb haben will. Ich will auch bei dir bleiben und nie mehr fortlaufen, Großvater.

Sprecher: Großvater lächelte und legte sich ganz leise ins Bett. Dann fragte er:

Großvater: Willst du das wirklich?

Hans: Ganz gewiss, Großvater! Ich bat den Heiland um Vergebung, und ich will ganz neu anfangen.

Sprecher: Da zog der Großvater den Knaben an sich, legte ihm die zitternde Hand aufs Haupt und sagte innig:

Großvater: Gott segne dich Hans! Gerade heute morgen habe ich für dich gebetet, dass der Herr sich deiner annehmen und dich das lieben lehren wolle. Mein Gebet ist erhört und deins auch, Hans. Du hast einen guten Anfang gemacht, das macht mich froh.

Sprecher: Dem guten Anfang ist ein guter Fortgang gefolgt. Es war deutlich an Hans zu spüren, dass der Herr etwas an ihm getan und einen neuen Menschen aus ihm gemacht hatte. Die Mutter hatte einen folgsamen Jungen und der Großvater keine bessere Stütze und keinen liebevollen Vorleser als den Hans. Der Großvater hatte noch einige Jahre gelebt, und Hans hat ihm oft seine freie Zeit geweiht, und ihm aus der Bibel oder sonst aus Büchern vorgelesen. Und von dem schönen Neujahrsmorgen haben sie noch oft miteinander gesprochen.

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