Apr 25 2008

Heimgekommen

Geschrieben von at 05:36 in Muttertag

Heimgekommen; ein christliches Anspiel zum Muttertag für 7 Personen

Sprecher: Hell und lieblich glänzte er, der goldene Abendstern in das kleine Gasthofzimmer des Restaurants „Allemannia“, an der Hauptstraße. Ein junges kräftiges Mädchen in Tiroler Tracht stand dort am Fenster und blickte träumerisch in den stillen Abend hinaus. Das Zimmer lag nach dem Hof, ferne von allem Lärm, sonst hätte das wohl die dunkeln Wolken von des Mädchens Stirn verscheucht, das so in der Stille seinen Gedanken überlassen war.
Maria Weller, war die erste Altsängerin der Tiroler Gesellschaft „Rainer“ die hier im Restaurant ihre Vorstellungen gab. Man konnte nicht denken, dass die lustige Maria auch ernsten Gedanken zugänglich war. Hatte wohl jener Brief, der neben ihr auf dem kleinen Tisch lag, dies Wunder zuwege gebracht, das sie ans Träumen kam? Die Adresse zeigt in großer, fast unleserlicher Handschrift den Namen Maria Weller. Und den Inhalt des Briefes lass sie immer und immer wieder.

Maria: Mein Kind, mein einziges liebes Kind!
Endlich habe ich mit viel Mühe deine Adresse erfahren. Du bist eine Sängerin geworden. Armes Kind wie unglücklich musst du sein! Ich will Vaters Uhr verkaufen, dir das Geld schicken für die Reise, komm wieder heim! Wir blicken immer nach dem Abendstern, der so hell in unsere Kammer scheint, wenn wir zu Bett gehen, weißt du es noch, und wir denken wenn er dich grüßen könnte und dir sagen, wie wir um dich traurig sind. Dein Bruder ist im Herbst gestorben, ich bin mit Nanni allein und bin krank, wenn du doch kommen wolltest und uns helfen. Gott helfe dir fliehen.
Es grüßt und küsst dich deine alte Mutter und Nanni.

Sprecher: Darum blinkte er wohl heute Abend so hell, der Abendstern, er wollte sie grüßen! Maria zog schnell die Gardinen am Fenster zusammen. Sie wollte ihn nicht sehen. „Komm heim; komm heim!“ schien er zu winken mit seinem hellen Glitzern. Ja daheim war es so schön gewesen, bis der Herr aus der Stadt kam und sie fortlockte, ihr viel vorredete von ihrer herrlichen Stimme, und kommenden Triumphen, bis gegangen war, heimlich und still, weil die Mutter es nicht wollte und immer mahnte: „Arbeite brav und bleib daheim, die Welt ist falsch, und das Glück ist nur Schein.“ Ja so war es gewesen nach mancherlei Not und Beschämung, nach manch bitterer Erfahrung von der Lieblosigkeit fremder Menschen war sie endlich zu dieser Gesellschaft gekommen, und ihre gute Stimme hatte ihr die ersehnte Ehre und Huldigungen in Fülle gebracht. Aber unglücklich war sie, davon konnten die Nächte erzählen, die ihre Tränen gesehen, und der Abendstern, der ihr in die traurige Augen geschaut hatte.
Ach wenn sie heim könnte, heim in das stille Dorf zu den einfachen Leuten.
Maria wagte es kaum zu beten, sie hielt sich zu schlecht, sie, die Mutter so betrübt hatte, aber ein Seufzer stahl sich oft über ihre Lippen:

Maria: O, Gott, ich möchte heim, hilf mir! Und nun steht es noch in dem Brief „Komm heim!“
Die gute Mutter meinte, die paar Mark für Vaters Uhr langen für die Reise, doch ich habe auch noch Geld, aber die Schande und Schmach im Dorf wenn ich heim käme? Und was würde der junge Mann sagen, der mir die Ehe versprochen, er ist so vornehm, so schön, kann ich das alles lassen um der Mutter willen? Mitgehen würde er nicht, er ist zu gut erzogen, wie er oft sagte, wenn ich von dem stillen Dorf sprach.

Sprecher: Tausende Gedanken kreuzten sich in dem Herzen des Mädchens und hätten sie wohl lange ruhelos gemacht, da wurde die Tür aufgerissen. Ein blonder Kopf mit einem Tirolerhut schaut herein:

Kind: Maria, schnell, wir müssen aus Podium, der Saal ist voll, du musst ja ein Solo singen, was hast du gewählt? Gewiss was Lustiges?

Sprecher: So plauderte die Kleine an Marias Arm gehängt in dem sie dieselbe in den Saal zog. Die Lichter glänzen, die Stimmen schwirren durcheinander, alles ist voll Erwartung und Freude. Maria aber ist es so unsagbar wehmutsvoll ums Herz, sie lächelt nicht einmal die sonst von Lust überschäumt. Blumensträußchen fliegen ihr zu, sie bückt sich nicht einmal danach. Nur einmal flammt eine dunkle Röte in ihr Gesicht, ein junger Mann grüßt dort aus der Ecke, sie schüttelt den Kopf, er wendet sich lachend an seine Gefährten. Zuerst wird ein Chor gesungen dann wird Marias Solo angekündigt. Tief atmet sie auf, dann klingt es im glockenreinen vollen Alttönen den stillen Saal:

Maria: Wenn du noch eine Mutter hast.

Sprecher: Einen Augenblick herrschte im Saal noch lautlose Stille, als Maria geendet hatte, dann aber brach ein jubelnder Beifallssturm los: „Herrlich, einzig!“ hörte man sagen, so hat sie noch nie gesungen. Ihr Entschluss war zum letzten Entscheidungskampf gekommen.
Heim nur noch an schwachen Fäden hing ihr Zaudern und Zögern. Eine Sorge war es die sie drückte. – Würde der Direktor sie gehen lassen? Wenn er nun Entschädigung verlangte? Maria war nach ihrem Auftreten hinaus geeilt in den stillen Garten, sie hatte für diesen Abend frei. Der Direktor schwelgte in Entzücken. Da saß sie nun im silbernen Vollmondschein auf einer Bank des Gartens, sie schaute hinauf zu dem sternbesäten Nachthimmel einer flimmerte besonders hell, sie nickte ihm zu – „ja ich komme.“ Da trat der junge Mann an ihre Seite, der sie vorhin im Saal gegrüßt hatte. Er nahm ihre Hände und sagte:

Peter: Maria, du hast einzig schön gesungen, dein Lied hat einer Mutter den Sohn wiedergegeben, ich kann nichts anders beginnen, ich muss heim zu meiner tiefgekränkten Mutter. Maria du kannst nicht die Meine werden, meine Mutter hat mich nötig, ich bin ihr Stolz, ihre Hoffnung. O dein Lied! Wer hat es dich singen heißen? Es brach mir das Herz, Maria, kannst du mir vergeben?

Maria: Ich habe dir nichts zu vergeben, Peter; ich bin gerade so ein ungeratenes Kind wie du, ich muss zu meiner Mutter, ihre Gebete ziehen mich heim, und ein Engel hieß mich dieses Lied singen. Sehen sie dort den Abendstern. Meine Mutter schreibt, jeden Abend, trage sie ihm Grüße auf, an mich, siehst du er glänzt wie der Mutterblick.

Sprecher: Die beiden jungen Menschenkinder schauten hinauf zu dem leuchtenden Gestirn, und ein tiefes Sehnen füllte ihre Brust – heim – heim – ein Sehnen nach jenem Heim dort oben, dem sie noch so fern waren. Peter reiste noch in derselben Nacht zu seiner Mutter in die Residenz die mit Freudentränen den verloren geglaubten empfing. Durch Gottes Güte und Gnade kam er in christliche Kreise und lernte dort den Weg zum Himmel finden. In seinem Schreibtisch barg er ein kleines Bild von einem jungen Mädchen in Tirolertracht, er betrachtete es oft in stiller Stunde und dankte Gott für jenes Begegnen mit Maria.

Als Maria sich zur Umkehr nach Hause erheben wollte, fiel ihr Blick auf einen Beutel, ein Zettel lag dabei: Für deine Mutter von Peter. Sie bat noch am selben Abend den Direktor um ihre Entlassung und nach Einigung zur Bezahlung einer gewissen Summe war sie frei. Sie schrieb es voller Freude an ihre Mutter und rüstete sich zur Reise. Am nächsten Tag sorgte sie noch einige nötige Einkäufe, da händigte eine Dame ihr ein Blättchen ein. „Komm heim!“ stand oben drüber, sie nickte lächelnd. Die Dame trat zu ihr in der Meinung eine Gleichgesinnte gefunden zu haben. Sie gingen miteinander und Maria hörte aus dem Munde der Dame was sie seit ihrer Konfirmation Unterricht nicht mehr gehört, dass sie verirrt und verloren war weit ab vom Vaterhause; so erzählte sie nun freimütig ihr Geschick und dass sie jetzt heim wolle. Die Dame bat ihr freundlich Unterkommen in ihrem Hause an bis zur Abreise. O wie gerne folgte sie derselben! Da wehte andre Luft als sie dieselbe bis jetzt geatmet hatte. Alles Interesse in diesem Hause schien sich um eine Person zu drehen, um einen, den sie wohl kannte, aber vergessen hatte – Jesus. Von Ihm sprach man bei der Arbeit, für Ihn sang man Lieder und wunderbar – bei Ihm schien man auch Kraft, Trost und Freudigkeit zu empfangen wenn vereint alle niederknieten und mit Ihm redeten wie ein Kind mit seiner Mutter. Maria kam sich vor wie im Traum. Sie wurde mit so viel Liebebehandelt, wie ein Kind des Hauses und nicht wie eine Sängerin, die jedes Anrecht auf Hochachtung verloren hatte. Man schenkte ihr ein neues Testament, man fragte und belästigte sie nicht mit Ermahnungen. Abends saß sie oft am Fenster und las, sie schaute dann wohl auf zu dem leuchtenden Abendstern. Am Tage vor ihrer Abreise kam sie weinend in das Zimmer der gütigen Dame und schluchzend brachte sie hervor:

Maria: Ach, ich möchte auch mit Jesus reden können, wenn ich nur dürfte.

Dame: Ja warum dürfen sie nicht?

Maria: Ich bin’s nicht wert, ich bin so weit verirrt.

Sprecher: O das war die Stunde da ein verirrtes Kind vor dem Vaterhaus steht und klopft, wo ein verlorenes Schaf nach Rettung schreit. Und der Vater sollte nicht auftun, der Hirte sein Schäflein nicht lösen und in seine Arme nehmen? Wer sucht, der findet und wer anklopft den wird aufgetan. An jenem Abend war Marias Stimme die lauteste beim Lobgesang nach Tisch. Als sie beim Schlafen gehen noch einmal zu dem bekanten Stern blickte, schien ihr sein Leuchten nur das eine zu sagen, was ihr das Liebste geworden: Jesus. Das war eine fröhliche Heimreise, denn der Abschiedsgruß trug Hoffnung des Wiedersehens.
Während Maria auf der Reise ist wollen wir vorauseilen in das Dorf wo eine Mutter um ihr Kind weint. Die alte Frau Weller ist recht krank und schwach geworden. Armut und Not halten ihren Einzug ins Stübchen. Der Pfarrer des Dorfes sitzt an ihrem Bett, sie zu trösten. Er liest ihr das 14. Kapitel aus dem Evangelium Johannes vor, spricht er mit ihr über den Trost des Heilandes: Euer Herz erschreckt nicht. Die kranke hört begierig dieses kostbare Evangelium, sie kann nicht mehr alles begreifen, aber das fasst sie, dass sie nicht erschrecken soll, weil der Heiland alle Schrecken des Todes und der Hölle für sie getragen.

Mutter: Ach Herr Pfarrer, ich bin so in Angst um meine Maria. Ja, da hab ich noch den Schrecken im Herzen, sie ist ein verirrtes Kind, ach wird sie je vom guten Hirten gefunden werden?

Pfarrer: Euer Herz erschreckt nicht und fürchte sich nicht.

Sprecher: Dann betet der Pfarrer mit ihr. Leise, leise zieht der Abend herauf und der leuchtende Abendstern schaut wie gewöhnlich in das kleine Zimmer. Die Kranke ist eingeschlafen und Nanni ist im Garten. Da tritt leise eine schlanke Gestalt ins Zimmer, vorsichtig geht sie ans Bett, setzt sich ganz still um nichts zu stören.

Mutter: Maria!

Sprecher: seufzt die Schlafende halb im Erwachen. Die Blicke begegnen sich im stummen Erkennen, ist es ein Traum? Die Mutter wischt sich die Augen. Maria aber fällt ihr um den Hals:

Maria: O Mutter, liebe Mutter vergib mir!

Mutter: Euer Herz erschreckt nicht und fürchte sich nicht.

Sprecher: sagten die welken zitternde Lippen.

Mutter: Du bist da, alles ist gut, du bist daheim!

Maria: Ja Mutter, daheim und durch Gottes Gnade auf dem Heimweg.

Sprecher: Maria schaute zu dem leuchtenden Abendstern, ihr ist als freue er sich und glitzere vor Lust das sie daheim ist. Sie durfte ihr Mütterlein noch pflegen, bis sie in die selige Ruhe eingegangen ist. Maria diente fortan dem Herrn als eine treue Dienerin, die noch mancher verirrter Seele den Weg zum Vaterhause zeigte.

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