Apr 25 2008

Eine Mutter

Geschrieben von at 05:41 in Muttertag

Eine Mutter, ein christliches Anspiel zum Muttertag für 4 Personen

Sprecher: Jedes Mal, wenn das erste Sonntagsläuten sich verloren hatte, trat Mutter Rode, die Witwe eines Kleinbauern; schon in das Gebetshaus. Sie setzte sich hin, wo sie jeden Sonntag saß. Und verschwand, wenn das Amen verklungen war, als erste aus dem Haus. Oft hatte sich der Pastor darüber Gedanken gemacht, warum sie so scheu war.
Einmal wollte er sie besuchen, aus irgendeinem Grunde. Als sie ihn kommen sah, zog sie sich auf der Stelle zurück. Aber es half nichts, der Pastor folgte ihr, da war sie sehr freundlich und bot ihm sofort einen Stuhl an. Er sprach mit ihr unter anderem von ihrem Sohn, der das Predigerseminar besuchte und kurz vor dem Examen stand.

Mutter: Er wollte es so der Junge – und ich bin froh, dass er’s bald geschafft hat.

Pastor: Es ist Ihnen sicher schwer gefallen, ihn soweit zu bringen.

Mutter: Ach, im Grunde doch nicht. Mein Tragkorb, den ich zum Markt schleppen musste, wurde leicht, wenn ich dachte, dass es für ihn war, meinen Jungen.
Wissen Sie, er hatte schon als kleiner Junge den Wunsch, Prediger zu werden. Warum? Fragte ich ihn manchmal. Damit ich beten lerne, wie du es kannst, Mutter, gab er zur Antwort; dann sollen’s andere von mir lernen.
Ein guter Junge, mein letzter Besitz, seitdem seine beiden Brüder im Krieg geblieben sind.

Pastor: Gefallen sind sie?

Sprecher: O ja, dann konnte er sie verstehen, dass ein Mensch sich in sich selber zurückzog.
Ein paar Wochen später kam der Sohn. Die Mutter war glücklich – aber der Sohn schien voll Unruhe. Bei der ersten Begegnung mit dem Pastor spürte dieser, dass er etwas auf dem Herzen hatte.

Sohn: Ja, es betrifft meine Mutter und mich. Ich gehe in die Mission. Nach einiger Zeit soll ich zu den Mohammedanern nach Afghanistan. Aber ich weiß nicht, wie ich es meiner Mutter beibringen kann, ohne ihr allzu weh zu tun.

Pastor: Vergessen Sie nicht, eine Mutter versteht alles… sprechen Sie doch mit ihr.

Sprecher: Er nahm es sich vor. Aber ein paar Tage später kam er wieder zum Pastor.

Sohn: Ich bring´s nicht übers Herz. Würden Sie mir nicht helfen?

Sprecher: Die Augen der müden Frau strahlten, als sie die beiden kommen sah. Der Sohn rang schrecklich mit sich. Endlich fasste er Mut. Er legte den Arm um die Mutter.

Mutter: Was hast du Junge?

Sprecher: Fragte sie betroffen. Er sprach mit knappen Sätzen von seinen Plänen. Lange schwieg sie, man ahnte, was vorging in ihrer geprüften Seele.

Mutter: Junge, hast du denn nicht an deine Mutter gedacht?

Sohn: Wie sehr, Mutter, wie sehr.

Sprecher: Die Tränen strömten ihr übers Gesicht, sie saß lange und rang mit sich. Dann stand sie auf, um einen Augenblick allein zu sein. Man hörte, dass sie nebenan leise sprach, sie betete wohl, die Männer wagten kaum zu atmen. Nach einer Weile kehrte sie zurück. Ein stiller Friede lag auf ihrem Antlitz. Es klang ganz ruhig, als sie nun sagte:

Mutter: Wenn du dich wirklich geprüft hast, Junge, und wenn es nicht dein, sondern Gottes Wille ist, dann sollst du getrost in die Ferne wandern.

Sprecher: Sie strich ihm in scheuer Zärtlichkeit übers Haar.
Einige Monate später erhielt die Frau schon ein Brief aus Afghanistan. Dann hörte sie lange nichts mehr.
Sie kränkelte, der Pastor besuchte sie oft. Immer sprach sie von ihrem letzten Kind. Sie war voll Sorge, da sie nichts von ihm hörte….
Dann kam ein Brief der Missionsgesellschaft an den Pastor gerichtet. Eine furchtbare Botschaft. Der Sohn war auf einem nächtlichen Ritt von Mohammedanern ermordet.
Ein schwerer Gang, den der Pastor nun tun sollte. Er stand einen Augenblick vor der Tür ihres Häusleins, es war, als könnte er die Hand nicht auf die Klinke legen, sie war wie tot.
Als die kranke ihn so stumm und blass in ihre Stube treten sah, hob sie sich in den Kissen. Sie starrte ihn eine Zeitlang in regungslosem Entsetzen an. Dann aber entspannte sich die furchtbare Erregung.

Mutter: Mein Junge lebt nicht mehr.

Sprecher: flüsterte sie; es war keine Frage an den Pastor gerichtet, es war eine bittere Erkenntnis, ein schmerzliches Wissen, als ob sie mit der Seele ihres Kindes immer verbunden geblieben war.

Pastor: Ja, er ist tot.

Sprecher: Nickte er voll Trauer. Sie weinte nicht einmal.

Mutter: Nun hat Gott alle drei.

Sprecher: Sie faltete nur die Hände und betete still für sich hin.
Der Abend erfüllte die Stube tiefer mit Dämmerlicht. Der Pastor hatte seine Hände auf die ihrigen gelegt. Mit einem Mal beugte er sich vor, es war, als sei die Kranke eingeschlafen. Aber nun sah er, dass ein erdenfremder feierlicher Friede ihr schlafendes Antlitz erfüllte.

Die Mutter war zu ihren Söhnen heimgekehrt!

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