Dez 11 2008

Seelische Einheit: Dient einander

Geschrieben von Christ at 22:32 in Hochzeit

Seelische Einheit: Dient einander, ein christliches Anspiel zur Hochzeit für 5 Personen

Ruth: Joachim, dieser Schlafzimmerschrank ist einfach schrecklich. 23 Jahre haben wir ihn nun schon ertragen. Er hat mit den Nachtschränken nun schon viele Umzüge überstanden. Unser Bett ist beim letzten Umzug zusammengebrochen und wir haben eine neues geschenkt bekommen. Nichts passt mehr zusammen, und am Schrank löst sich langsam das Furnier. Lass uns doch wenigstens einen neuen Schrank kaufen, den Rest können wir ja auch ohne weiteres wiederverwenden.

Joachim: (schaut sich den Schrank genauer an) Zugegeben, besonders schön sieht er nicht aus. Aber da gibt es einiges, das man beachten sollte: Er ist äußerst stabil, bis heute hat er gehalten! Und außerdem sehen wir ihn nur sehr selten, weil man das Schlafzimmer hauptsächlich nachts benutzt, und dann ist es dunkel und man schläft.

Sprecher: Soviel hatte Ruth in den 23 Jahren ihrer Ehe gelernt, dass an den logischen Argumenten ihres Mannes selten ein Weg vorbeiführt. Aber ihr fiel das Wort aus Matthäus 10,16 ein: ”Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.” Ihr Geburtstag stand vor der Tür. Jedem, der sie nach einem Wunsch fragte, gab sie bereitwillig zur Antwort: ”Ich hätte so gerne einen neuen Schlafzimmerschrank.” Ob die Verwandten und Freunde die Notwendigkeit mehr einsahen als ihr Mann? Nun, der Geburtstag kam und Ruth wurde so mit Geld beschenkt, dass es ausreichte, um einen wirklich schönen Schrank kaufen. Am Abend wandte sie sich voller Freude an Joachim:

Ruth:
Das ist doch herrlich! Nun kann ich mir doch den Schrank kaufen und dich kostet es keinen Pfennig.

Joachim: Aber Ruth, es ist doch nicht so, dass ich dir den Schrank nicht gegönnt  hätte. Ich nur einfach die Notwendigkeit ein. Und daran hat sich doch überhaupt nichts geändert.

Ruth:
(enttäuscht) Aber ich habe doch das Geld dafür. Darf ich damit denn nicht machen, was ich will?

Joachim: Doch, natürlich. Nur einen neuen Schlafzimmerschrank brauchen wir wirklich nicht.

Sprecher: Da war guter Rat teuer!

Ruth: (zu sich selbst) Soll ich nun einfach ein Schrank bestellen, ohne ihn zu fragen? Oder soll ich es bleiben lassen? Es ist doch mein Geld! Aber Gott sagt ganz deutlich: ”Einer achte den anderen höher als sich selbst.” Ich hatte Gott so oft gebeten, mir zu helfen fröhlich auf die Gedanken meines Mannes einzugehen! Und ich habe eigentlich immer nur gewonnen. Aber dieses Mal? Wieso kann mein Mann nicht verstehen, dass ein neuer Schrank mir soviel bedeutet?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder setze ich meinen Wunsch durch. Dann leben wir als Ehepaar in Missstimmung. Oder ich vertraue Gott, dass er das regelt. Er kann meinen Mann vermitteln, wie sehr mir der Schrank am Herzen liegt. Oder aber – und das fällt mir weit schwerer – Gott ist auch der Meinung, das ich den Schrank gar nicht brauche. Und das für mich mal wieder ”dran” ist, dass ich eine Lektion in Sachen Geduld lerne. Dann ist das viel wichtiger für mein Leben als der schönste Schrank.

Sprecher: Der Kampf war noch nicht ausgestanden, aber als die Wochen dahingingen, kam ein großer Friede in Ruths Herz. Der Schrank verlor seinen Stellenwert in ihren Gedanken. Ja sie hatte sogar den Eindruck, dass sie ihn wirklich nicht brauchten! Eines Tages kam der Schreiner ins Haus, um in einen alten Schrank ein paar weitere Fächer einzupassen. Er war gerade dabei, das Haus zu verlassen, als Joachim ihn bat, noch einmal zurückzukommen.

Joachim: Ruth, du wolltest doch einen neuen Schrank! Nun ist die Gelegenheit gekommen. Sag dem Schreiner doch, wie du ihn genau haben möchtest!

Ruth: (ungläubig) Meinst du wirklich?

Sprecher: Ruth erinnerte sich daran, dass sie noch Wochen vorher aus einer Zeitung den Werbeprospekt einer Möbelfirma aufgehoben hatte. Den suchte sie und gab ihn dem Schreiner in die Hand.

Ruth:
So ähnlich könnte ich ihn mir vorstellen. Können sie so etwas herstellen?

Schreiner: Mal sehen, was sich so machen lässt.

Sprecher: Nur wenige Tage vergingen. Dann kam ein Anruf von einer Möbelfirma, die mehr als eine Autostunde entfernt lag. Der Händler erklärte:

Händler: Ein Schreiner aus Schönau hatte bei uns zu tun. Er zeigte mir einen alten Prospekt und fragte nach einem alten Schrank, an dem sie Interesse hätten. Stimmt das?

Ruth: Ja, das stimmt.

Händler: Hören sie, ich habe von dem Angebot aus dem alten Prospekt noch einen einzigen Schrank übrig. Es ist ein ganz besonders wertvolles Holz. Ich könnte ihnen einen absoluten Sonderpreis machen. Auch zwei passende Nachtschränke sind da. Und die würde ich ihnen weit unter Preis dazu liefern. Sind sie daran interessiert?

Sprecher: Ruth erkundigte sich nach dem Preis und stellte fest, dass ihr Geld nur für den Schrank reichte. Dafür war er aber wunderschön. Sie bestellte den Schrank. Froh ging sie danach ins Büro ihres Mannes und teilte ihm die Nachricht mit.

Joachim:
Aber wenn du die Nachttische so günstig bekommen kannst, dann bestell sie doch gleich dazu! Wie sieht sonst der neue Schrank mit den alten Nachttischen aus? Das passt doch gar nicht!

Sprecher: Das brauchte man Ruth nicht zweimal sagen. Sie lief zum Telefon und gab die Bestellung auf. Wenn sie heute ihren schönen Schrank anschaut, dann hat er so einen großen Wert für sie, wie ein vergoldeter. Hätte sie ihren Willen durchgesetzt, hätte sie einen viel höheren regulären Preis bezahlen müssen – und sie würde sich wahrscheinlich jedesmal beim Betrachten an den schalen Geschmack eines falschen, unzeitigen Triumphes erinnern.

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