Aug 10 2007
Die Bibel in der Decke
Elisabethy: Schon wieder nur noch ein halbes Laib Brot da! Die Kinder müssen mit ihren kaputten Kleidungsstücken noch weiter auskommen. Ich hab nicht mal mehr Flicken übrig. Warum geht es gerade uns so schlecht? Warum kann mein Mann nicht ganz normal Geld verdienen? Immer muss er sich betrinken! Wie soll das bloß weitergehen?
Sprecher: Mit diesen Fragen, die sich Elisabethy stellte, kam gerade ihr Mann herein gestürzt. Woher er kam, wusste sie nicht. Doch wenigstens ließ er sich mal wieder blicken.
Elisabethy: Wo warst du nur so lange? Hast du etwas Geld verdienen können?
Enrique: Nein, aber ich will heute auf den Markt, um ein paar Tiere zu kaufen, die werde ich dann weiterverkaufen und so ein bisschen Geld machen.
Elisabethy: Wir brauchen dringend Geld. Die Kinder brauchen …
Enrique: Schweig! Es ist immer dasselbe. Musst du immer so unzufrieden sein?!
Sprecher: Und schon war ihr Mann wieder weg. Er begab sich zum großen Viehmarkt. Er war überrascht, denn heute klappte das Handeln außerordentlich gut. Mit dem Geld in der Tasche ging er los. Ehe er zur Besinnung kam, ging er wie gewohnt mit seinen Freunden in ein Gasthaus um seinen guten Handel zu feiern. Als er am späten Nachmittag irgendwo aufwachte, fasste er als erstes in seine Tasche.
Enrique: Das Geld ist weg! Ich bin bestohlen — ach nein (jämmerlich)!!! Handel, Freunde, billiger Wein – wann war das? Diesmal war es wohl zu viel!
Sprecher: Er reckte seine Glieder und machte sich mit leeren Händen und verwahrlost auf den Weg nach Hause. In zwischen war einiges geschehen… Elisabethy saß zu Hause und weinte sich tüchtig aus, nachdem ihr Mann weggegangen war. Ihre älteste Tochter Silvia kam heute früher als gewöhnlich nach Hause und sah ihre Mutter so aufgelöst in der Küche sitzen.
Silvia: (entsetzt) Mutti? Was ist passiert? Ist etwa jemand gestorben? Mutti, so sprich doch!
Elisabethy: Ach, ist es denn nicht schlimm genug, das Vater trinkt? Es ist furchtbar! Wir haben fast gar nichts zu essen, geschweige Geld für neue Kleidung und was du verdienst, reicht längst nicht!Die Sorge will ich versuchen zu tragen, aber wie soll es weitergehen? Gibt es denn gar keinen Ausweg?Ihr Kinder tut mir auch so leid, ihr konntet bis jetzt noch nicht erfahren, was ein liebender Vater ist!
Silvia: Aber dafür eine liebende und sorgende Mutti. Es wird bestimmt noch alles gut!Da fällt mir gerade etwas ein, auf meiner Arbeit ist eine “Gläubige”. Du hast bestimmt schon mal etwas davon gehört. Sie ist immer so froh, sie strahlt so eine Wärme aus. Sie hat uns zu einem Gottesdienst eingeladen. Vielleicht könnten wir da mal hingehen. Was meinst du?
Elisabethy: Ach, ich weiß nicht …
Silvia: Wir können ja immer noch weggehen!
Elisabethy: In Ordnung. Versuchen wir es mal!
Sprecher: Gott erwies seine große Gnade auch an dieser Mutter und ihrer Tochter. Sie waren durch ihre Probleme Gott näher gekommen. Ihre Verlegenheit wurde Gottes Gelegenheit. Am nächsten Abend kam ihr Mann endlich wieder zurück. Da die Tür abgeschlossen war, klopfte er.
Elisabethy: Hallo? – Wie schön, dass du wieder da bist. Komm, ich habe sogar noch etwas Abendbrot zustande gebracht.
Enrique: Seltsam, an so eine Begrüßung kann ich mich nicht erinnern.
Sprecher: Vor Staunen wusste er nichts zu sagen. Am Sonntag stand Elisabethy früher als gewöhnlich auf und machte sich zum weggehen fertig.
Enrigue: Was ist los? Wo willst du um diese Zeit hin?
Elisabethy: Ich gehe zum Gottesdienst …
Enrigue: (entrüstet) Wohin???
Elisabethy: Ich wollte dir erstmal Zeit lassen, sonst hätte ich es dir schon früher gesagt. Ich glaube jetzt an Jesus, dass er mir die Sünden vergeben hat und dass er mein Leben ändern kann…
Enrique: Unerhört! Jetzt ist sogar schon meine Frau diesem Schwachsinn verfallen! Aber ich werde dir diese Flausen noch austreiben. Warte nur!
Sprecher: Er schlug seine Frau unmenschlich. Mit jedem Schlag wurde er wütender. Die Kinder schrien. Es herrschte Terror im ganzen Haus. Dieses wiederholte sich jedes mal, wenn er getrunken hatte. Eines Tages, als er wieder getrunken hatte, kam er überhaupt nicht mehr nach Hause. Er zog nach Lima, um dort eine Arbeit zu finden. Er hörte danach auch nichts mehr von Jesus und dem Glauben. Als sein Vetter starb, erbte er ein paar Sachen von ihm, die rollte er in eine Decke. setzt sich auf seinen Esel und machte sich auf den Weg, weg von seiner Familie. In Gedanken konnte er sie noch schreien hören. In der ersten Nacht, in der er weg war, ließ er sich voll laufen. Danach ging alles schief. Er schloss sich einer Diebesbande an und verlor fast alles.
Enrique: Ich habe fast alles verloren. Mir ist nur noch die Decke mit einer alten Pfanne und ein schwarzes Buch geblieben. Ich glaube es bringt nichts …
Kumpel: Ach, sei ruhig. Komm, wir müssen uns ein bisschen Geld beschaffen. Dann geht es uns wieder gut.
Sprecher: Doch diesmal sollte es der Bande nicht gelingen. Sie mussten ins Gefängnis nach Lircay in der Provinz Huan ecvalica. Er war oft allein in seiner Zelle. So hatte er viel Zeit zum Nachdenken.
Enrique: Was habe ich jetzt davon, dass ich hier in der Zelle sitze? Warum habe ich nicht früher aufgehört! Es hätte auch gereicht, wenn ich so weiter gelebt hätte, wenn ich mich nur nicht dieser Bande angeschlossen hätte! Meine Frau, meine Kinder, mein Zu hause, alle meine Sachen – oder?
Sprecher: Er schaute in sein Deckenbündel, daß die Gefängniswärter ihm gelassen hatten. Er holte das schwarze Buch aus der Decke.
Enrique: (schlägt auf) Schade, dass ich nicht so gut lesen kann. Ich probier es mal.
Sprecher: Beim Buchstabieren jedes Wortes, fiel ihm plötzlich auf, dass dies schwarze Buch eine Bibel sei. Unwillkürlich musste er wieder an das Geschrei seiner Kinder denken, während er die Mutter schlug.
Enrigue: Nein, das Buch will ich heute nicht lesen! (tut es zurück in die Decke) Vielleicht morgen.
Sprecher: Kurze Zeit später nahm er sich wieder das Buch und las trotzdem weiter. Dann, eines Tages, als er am Fenster seiner Zelle stand, wo am meisten Licht war, las er die Worte Jesu:
Enrique: »Wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, dann bringt es viel Früchte« (denkt nach) Das ist ja wie mit meinem Acker, erst wird das Weizenkorn gesät. In der Erde stirbt es dann – und nach einer Zeit bringt es Frucht! Dann…dann, dann bin ja auch ich ein Teil dieser Ernte. Aber.. kann Gott mir vergeben? Kann ER so einem Menschen vergeben, der seine Frau geschlagen und ungerecht behandelt hat? Ich werde ihn darum bitten!
Sprecher: Diesen Hilfeschrei konnte Gott nicht überhören, er reichte ihm die vergebende Vaterhand. Jetzt spürte Enrique den Friede Gottes in sein zerrissenes Herz hinein strömen. Doch eines quälte ihn noch …
Enrique: Ich würde Gott so gerne dienen, doch hier in der Zelle geht das nicht. Oh, wie gerne würde ich auch bei meiner Familie um Vergebung bitten.
Sprecher: Er bat Gott um ein Zeichen, nämlich:Wenn Gott will, daß er ihm dienen soll, dann sollte Gott ihn aus dem Gefängnis holen, damit er bei seiner Familie Vergebung finden könnte. Am nächsten Tag schloß die Wache die Zelle auf.
Wache: Bitte schön, ihr Freilassungsbrief, sie sind jetzt frei. Sie müssen nur noch einmal unterschreiben.
Sprecher: Da Enrique sofort daran geglaubt hatte, zögerte er keinen Augenblick, er rannte auf dem schnellsten Weg nach Hause. In diesem Hause kehrte Liebe und Friede ein. Diese Familie wurde von Gott gesegnet.Durch Enrique konnten viele Familienangehörige an Gott glauben. Wenn er irgendwo jemanden einen Rat geben konnte, dann den:
Enrique: Wenn irgendwo bei dir in der Decke eine Bibel ist, dann hole sie heraus und finde Christus darin! Und wenn du keine Bibel hast, dann verkaufe deine Decke und kaufe eine Bibel! Wenn du das getan hast, wirst du froh sein!
-ENDE-
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