Nov 25 2007
Sorget nicht…
Sorget nicht, ein christliches Anspiel zum Thema Gottes Führung für 7 Personen
(leiser Glockenklang im Hintergrund)
Sprecher: Vom nahen Kirchturm ertönten zwölf Glockenschläge. Das Fenster im Zimmer des kranken Vaters stand offen. Als der letzte Schlag der Kirchenglocke verhallte hörte er wieder, wie seine Frau bei der Arbeit im Garten sang. Gerne würde er gemeinsam mit ihr im Garten arbeiten, doch nun war er ans Bett gebunden. Trotz aller Schwierigkeiten wusste Familie Müller sich geborgen, und nahm alles aus Gottes Hand, seien es gute oder schlechte Tage.
Vater: Claudia, kommst du mal herein.
Mutter: Was ist Reiner, ist dir schlecht?
Vater: Nein, mir geht’s eigentlich schon besser, doch schade, dass ich dir jetzt nicht im Garten helfen kann. Heute ist schon der neunundzwanzigste, und wir haben die Schulden immer noch nicht bezahlt, die wir machen mussten, als ich das letzte mal krank war.
Mutter: Doch ich bin Gott dankbar, dass wir nun genug Geld haben um unsere Schulden zu begleichen.
Vater: Darüber freue ich mich auch. Die Kirchenglocke hat gerade 12 geschlagen. Peter müsste ja gleich aus der Schule kommen. Am besten ist es, wir schicken ihn gleich nach dem Mittagessen mit dem Geld zu Herrn Stein.
Sprecher: Herr Stein, bei dem die Familie Schulden hatte, war Geschäftsmann und lebte im nächsten Dorf. Einige Minuten später traf Peter auch schon zu Hause ein. Sein Gesicht strahlte vor Freude, da er heute wegen des schönen Wetters keine Hausaufgaben hatte.
Peter: Mutter, weißt du was, Klaus hat einen neuen Drachen bekommen. Er hat mich gefragt, ob ich nicht dabei sein will, wenn er den Drachen steigen lässt. Darf ich nachmittags hin?
Mutter: Eigentlich könntest du ja gehen, doch geh erst zu Vater. Er hat eine wichtige Aufgabe für dich.
Peter: Vater, Klaus hat einen neuen Drachen, und wir wollten ihn heute fliegen lassen. Doch Mutter sagte, du hättest eine wichtige Aufgabe für mich.
Vater: Ich gönne dir die Freude von Herzen, aber heute geht es nicht. Du musst mir einen wichtigen Brief nach Mühlenbach, zu Herrn Stein bringen.
Sprecher: Damit war der Fall für heute Nachmittag erledigt. Peter hatte seine Enttäuschung schnell überwunden. Nach dem Mittagessen steckte der Vater vor den Augen seines Sohnes zwei Banknoten mit einem Begleitschreiben in den Umschlag und schrieb die Anschrift drauf:
Vater: H-e-r-r-n S-t-e-i-n, D-o-r-f-s-t-r-a-s-s-e 39. So Peter, bringe diesen Brief jetzt gleich zu Herrn Stein. Wo er wohnt, weißt du ja. Ich wickle ihn noch in etwas Pergamentpapier, damit er auch ja heile bleibt.
Peter: Ist in Ordnung Vater, ich mache das schon für dich.
Vater: Pass aber gut auf den Brief auf, hörst du?
Sprecher: Peter machte sich sofort auf den Weg. Doch er war noch nicht weit gegangen, da hörte er einen Pfiff. Als er sich umschaute sah er seine Freunde. Diese riefen ihm zu und versuchten ihn zu überreden einen Augenblick beim Drachensteigen dabei zu sein. Nach einigen Versuchen, den Drachen steigen zu lassen, merkten sie, dass der Schwanz zu kurz war. Sie brauchten Papier, und so bot sich unwillkürlich Peters Umschlag an. Er wollte ihn erst nicht hergeben, doch zum Ausprobieren, konnte es nicht schaden. Er würde ihn ja gleich wiederbekommen. Die Jungs waren mit dem Drachen dermaßen beschäftigt, dass sie nicht merkten wie der Himmel in kurzer Zeit dunkel wurde. Dann brauste es heran, wie es bei einem Gewittersturm oft geschieht. Plötzlich ein leises, fast unhörbares Knacken. Die Schnur riss, und der Drache flog davon.
Peter: Mein Brief! Mein Brief! Den sehe ich nie wieder. – Was habe ich bloß getan? Wie konnte ich so leichtsinnig mit Vaters Geld umgehen?
Sprecher: Schluchzend und durchnässt kam Peter nach Hause, und erzählte das Unglück seiner Mutter.
Mutter: Peter, wie konntest du nur so unüberlegt handeln. Wie lange hat Vater gespart, um dieses Geld zusammenzukriegen, dass er während der letzten Krankheit leihen musste. Geh jetzt auf dein Zimmer. Ich muss mit Vater darüber reden.
Vater: Ich habe alles mitbekommen Claudia. Wie konnte der Junge nur so ungehorsam sein?
Mutter: Er ist ja noch ein Kind! Jetzt ist alles zu spät. Wie lange haben wir dafür gespart. Was sollen wir jetzt nur machen?
Vater: Ach wäre ich doch gesund! Dann wäre das alles nicht passiert! Woher sollen wir jetzt das Geld nehmen, und übermorgen läuft die Frist ab. Dieser Junge…. (Pause) – Ach, was sind wir doch so kleingläubig! Hat uns Gott nicht schon oft aus schwierigen Situationen herausgeführt? Und weißt du Claudia, denen, die Gott lieben, dienen doch alle Dinge zum Besten, und wir lieben Gott! Lass uns diese Sorge gleich im Gebet vor Gott bringen.
Sprecher: Wir wollen nun hören, was sich am gleichen Tag in Mühldorf, dem Nachbardorf, wohin Peter von seinem Vater geschickt worden war, ereignete. Dort wohnte Familie Kettler – das waren noch junge Eltern mit zwei kleinen Kindern. Herr Kettler war schon zwei Jahre lang arbeitslos, und trotz allen Suchens war es bis jetzt nicht gelungen irgendeine Beschäftigung zu finden. Auch an diesem Vormittag war er wieder unterwegs gewesen, und traurig heimgekehrt.
Berthold: Alle Mühe, alles Schreiben umsonst! Wie soll es bloß weitergehen?!
Frau: Berthold, verliere nicht den Mut! Lass uns auf Gott vertrauen! Er kann, und er wird auch helfen, wenn seine Stunde gekommen ist. Ich hörte eben, dass in Appeldorf einige aus unserem Dorf Arbeit gefunden haben. Vielleicht versuchst du es dort einmal?
Berthold: Ja, wenn du meinst. Ich kann‘s ja versuchen. Lass uns gleich essen, und dann will ich hinfahren. Wenn du willst, kannst du in einer Stunde mit den Kindern nachkommen. Das Wetter ist so schön. Wir treffen uns dann am kleinen Wäldchen.
Sprecher: Gesagt, getan. Nach dem Essen fuhr Herr Kettler mit dem Fahrrad fort, und etwa eine Stunde später machte sich auch seine Frau auf den Weg. Als Frau Kettler das genannte Wäldchen beinahe erreicht hatte, verschwand die Sonne plötzlich hinter den Wolken. Ein heftiger Wind kam auf.
Frau: Wenn ich gewusst hätte, dass es heute noch gewittern wird, würde ich zu Hause bleiben, doch jetzt ist es zu spät. Ich muss schnell zum Wäldchen, bevor es zu regnen anfängt. (Setzt sich) So, hier werden wir nicht ganz so nass.
Berthold: Da bist du ja. Mittags war es so schön, wer hätte gedacht, dass es so stark gewittern würde? Hier können wir warten, bis das Gewitter vorüber ist.
Sprecher: Dicht aneinandergedrängt saßen sie da, und warteten das Weitere ab. Der Mann sagte nichts, und die Frau schwieg auch. Nach dem Ergebnis seiner Fahrt zu fragen wagte sie nicht, aus Furcht, eine neue Enttäuschung zu erleben. Allmählich wurde es heller und dann brach die Sonne durch die Wolken.
Berthold: So, ich glaube jetzt können wir wieder losfahren.
Frau: Ja, der Regen hat ja aufgehört.
Berthold: Was ist denn das? Da vorne, vor uns, siehst du es? Da hat sich irgendwas im Baum verfangen. Ich schaue mal nach.
Sprecher: In einem Baum vor ihnen hing ein Drache, ganz zerzaust vom Wetter und Wind. Sein langer Schwanz, der im Wind hin und her wehte, war zum Greifen nah. Es gelang Berthold das Endstück zu erwischen, zu seinem Erstaunen sah er, dass es ein zusammengerolltes Stück Pergamentpapier war. (rollt Pergamentpapier auf)
Berthold: Hast du je so etwas gesehen? Hängt doch tatsächlich ein Brief am Drachenschwanz.
Frau: Er ist ganz schön durchnässt, ob wir die Schrift noch entziffern können?
Berthold: Er ist an… an… Herrn Stein, in unserem Dorf gerichtet. Was soll man dazu sagen?
Sprecher: Beide standen vor einem Rätsel, das zunächst unlösbar schien. Zu Hause angekommen, beeilte sich Berthold, den auf so merkwürdige Weise erhaltenen Brief, dem Empfänger zu übermitteln.
Berthold: Guten Tag, Herr Stein!
H. Stein: Guten Tag, was wünschen Sie?
Berthold: Ich habe hier einen Brief für Sie.
H. Stein: Sind sie der neue Briefträger? Heute war doch schon Post.
Berthold: Nein, aber das hier ist außergewöhnliche Post. Sie hing an einem Drachenschwanz. Hier, bitte.
H. Stein: Das ist ja unglaublich! Auf so eine Art und Weise wurden mir noch keine Schulden bezahlt. Ich danke Ihnen erstmals für Ihre Mühe. Aber kommen sie doch morgen wieder, und erzählen es mir in aller Ruhe.
Sprecher: Da Herr Stein heute noch einige wichtige Sachen zu erledigen hatte, verabschiedeten sie sich voneinander. Kurz darauf rief Herr Stein bei Müllers an, von denen er soeben den Brief erhalten hatte. Doch Herr Müller war gerade beim Arzt. Ohne näheres zu erklären, sagte er, dass er ihnen morgen einen Besuch abstatten würde.
Mutter: Gut, dass du wieder da bist.
Vater: Was ist denn, du siehst ja so betrübt aus.
Mutter: Herr Stein hat vor kurzem angerufen. Er hat nach dir gefragt. Als ich ihm erzählte, dass du beim Arzt seist, sagte er nicht mehr viel, nur dass er morgen Nachmittag vorbeikommen würde.
Vater: Und was hat er sonst gesagt?
Mutter: Sonst eigentlich nichts, aber das eine ist jawohl klar, morgen läuft die Frist ab. Was wollen wir ihm bloß sagen?
Vater: Die Wahrheit, so wie es sich zugetragen hat.
Mutter: Aber sowas lächerliches wird er uns nicht glauben! Am Schwanz eines Drachens war der Brief befestigt und ist davongeflogen.
Vater: Er muss es einfach glauben, denn bis Morgen kriegen wir das Geld von keinem geliehen. Da bleibt uns nur eins: auf Gott vertrauen und an seine Allmacht glauben.
Mutter: Aber du musst doch zugeben: Das ist eine recht alberne Geschichte, die wir ihm da erzählen wollen.
Vater: Da muss ich dir Recht geben, aber in der Bibel steht auch: Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Nicht wahr?
Sprecher: Am nächsten Morgen erschien Berthold, wie verabredet, bei Herrn Stein und erzählte ihm die Geschichte in aller Ruhe nochmals.
Berthold: … Ja, und so ist der Brief doch dahin gekommen, wo er hin sollte.
H. Stein: Was wollten Sie denn eigentlich in Appeldorf?
Berthold: Meine Frau sagte mir, es bestehe die Möglichkeit dort Arbeit zu finden.
H. Stein: Sind sie arbeitslos?
Berthold: Ja leider, und das schon seit zwei Jahren.
H. Stein: Was haben sie denn früher getan?
Berthold: Ich war als kaufmännischer Angestellter beschäftigt. Aber das Geschäft ist eingegangen. Heute wäre ich für jede Arbeit dankbar.
H. Stein: (Pause) Das Erlebnis zeigt mir aufs neue, dass es bei Gott keinen Zufall gibt. Alles liegt in seiner Hand, auch das was uns völlig verborgen ist. Ich selbst bin um eine kostbare Erfahrung reicher geworden. Und Ihnen will Gott, wie ich glaube, zu einer Beschäftigung verhelfen. Ich brauche nämlich gerade einen ehrlichen Angestellten. Wollen sie in meinem kleinen Geschäft die Büroarbeiten übernehmen? – Ein hohes Gehalt kann ich Ihnen zwar nicht zahlen, aber ich denke, dass es zum Lebensunterhalt reichen wird.
Berthold: Ich danke Ihnen Herr Stein! Gott hat die Gebete erhört!
Sprecher: Kaum zu beschreiben ist die Freude, die an diesem Morgen in die Familie einkehrte! Gott hatte die Gebete seiner Kinder erhört! Doch anders sah es bei Familie Müller aus. Noch immer drückte sie die Angst, vor dem, was da kommen würde. Da klingelte es an der Haustür. Es war Herr Stein.
Mutter: Guten Morgen Herr Stein.
H. Stein: Guten Morgen Frau Müller.
Mutter: Sie kommen sicher wegen des Geldes. Am besten sprechen Sie mit meinem Mann darüber. Er ist krank, und liegt im Nebenzimmer. (gehen ein Stück)
H. Stein: Guten Morgen, Herr Müller. Wie ich sehe geht es Ihnen wieder nicht gut.
Vater: Ja, es ist wieder die gleiche Krankheit. Wir hatten kaum das Geld zusammen, um Ihnen die Schulden zu bezahlen, die ich während meiner letzten Krankheit machen musste, doch es ist uns verlorengegangen, ob Sie es glauben oder nicht. Ich hatte meinen Sohn beauftragt, ihnen einen Umschlag mit dem Geld zu überbringen, doch er hat sich unterwegs aufgehalten, um mit anderen Jungs Drachen steigen zu lassen. Sie haben den Brief an den Drachenschwanz befestigt und dieser ist ihnen abgerissen. Ich weiß, das klingt alles sehr ausgedacht, aber es war so. Und deshalb, Herr Müller, ist der Brief nicht bei Ihnen eingetroffen. Könnten Sie auf das Geld vielleicht noch etwas warten?
H. Stein: Wer sagt denn, dass das Geld nicht angekommen ist?
Vater: Ich glaube Sie wären nicht hier, wenn das Geld bei Ihnen angekommen wäre.
H. Stein: Gottes Arm ist nicht zu kurz. Ja – ich habe das Geld erhalten. Ein Mann brachte es mir, der den Drachen an einem Baum gefunden hatte. Und hier ist das Geld – sie brauchen es mir nicht mehr zurückzahlen. Es gehört Ihnen – sie haben es nötiger!!
Vater: Ich kann das alles nicht begreifen! Ist das wirklich Ihr Ernst!? Vielen Dank, Herr Stein!!
H. Stein: Danken Sie Gott, denn er hat alles so wunderbar geführt! Naja, dann ist das ja erledigt. Ich muss weiter. Auf Wiedersehen!
Sprecher: Tränen standen Herrn und Frau Müller in den Augen, als Herr Stein sie verließ! Sie konnten es immer noch nicht recht fassen. Noch für einige Minuten blieb es still im Zimmer. Schließlich fing Reiner an:
Vater: Siehst du Claudia, wir hätten uns gar nicht soviel Sorgen machen brauchen.
Mutter: Wer hätte je gedacht, dass dies alles ein so gutes Ende nehmen würde?
Vater: Lass uns daraus lernen, und unser Vertrauen täglich auf den Herrn werfen. Denn es heißt nicht umsonst: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.
|
|
Name: Sorget nicht (43KB) Klicks: 302 |
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.
