Nov 25 2007

Johannes

Geschrieben von at 14:42 in Gottes Führung

Johannes, ein christliches Anspiel zum Thema Gottes Führung für 8 Personen

Leser: Du erkennst die Not und den Jammer, du nimmst es doch in deine Hand! Der Arme verlässt sich auf dich, du bist doch der Helfer der Weisen. Psalm 10, 14.

Sprecher: Die Mutter des kleinen Johannes wurde eines Tages sterbenskrank. Der Vater hatte seinen Sohn überhaupt nicht gesehen, er starb in dem furchtbaren Krieg, als die Franzosen Preußen eroberten. Die arme Witwe musste Tag und Nacht arbeiten, um für Johannes und seinen kleinen Freund Tako, den Hund, zu sorgen. Alle drei wohnten in einer kleinen Wohnung, aber sie waren zufrieden und beteten täglich zu Gott. Als nun die Mutter im Sterben lag, kamen die Nachbarn, die auch sehr arme Leute waren und weinten um die gute Mutter, die so treu für ihren Johannes gesorgt hatte. Johannes weinte bitterlich.

Mutter: (mit schwacher Stimme) Bete noch einmal.

Sprecher: Dem Jungen fiel es sehr, sehr schwer etwas zu sagen. Seine Stimme versagte ihm fast, weil er so weinte. Aber dann sprach er doch ein Gebet, das er im Kindergottesdienst gelernt hatte:

Johannes: Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen, führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

Sprecher: Die Mutter hob noch einmal ihren Arm, legte ihre Hand auf den Kopf des kleinen Johannes und segnete in:

Mutter: Großer, allmächtiger Gott, lieber Herr und Heiland, segne und behüte meinen kleinen Johannes auf all seinen Wegen. Schenke ihm allezeit deine Gnade und ein reines Herz. Führe ihn durchs Leben, bis ich ihn wiedersehen kann im himmlischen Paradies. Sorge du für ihn als ein Vater, und tröste ihn wie eine Mutter. Ich segne dich, mein kleiner Johannes, im Namen des Herrn Jesu Christi.

Sprecher: Die Sterbende wurde ganz still, sie faltete ihre Hände und blieb in dieser Lage bis zum letzten Atemzuge liegen. – Die Nachbarsfrau drückte der Mutter die Augenlider zu und betete noch den Psalm vom Guten Hirten:

Frau: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Sprecher: Dann musste sie wieder weinen. Da der Junge keine Verwandten hatte, nahmen die armen Nachbarsleute den Kleinen und seinen einzigen Freund, seinen Tako, bei sich auf. – Obwohl sie selbst nicht allzu viel hatten, teilten sie ihre Speisen mit den beiden und beteten täglich um die Hilfe des Herrn.

Leser: Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen mit Weinen ihren Weg, sie werfen mit Tränen ihren Samen, aber sie kommen, ja sie kommen mit Freuden und bringen ihre Gaben heim. Psalm 126, 5-6.

Sprecher: Johannes war ein fleißiger Junge, täglich half er den armen Leuten, wo er nur konnte. Wenn der Mann in den Wald ging, um Kleinholz aufzusammeln, dann trug Johannes es auf einen Haufen und schob den schweren Wagen nach Hause. Im Garten half er der Frau beim Unkraut jäten und harkte die Beete und den kleinen Gartenweg. Jeden Tag suchte er für die Kaninchen allerlei Futter und fütterte die Hühner. Überall begleitete ihn sein Freund Tako. Weil er nun so allein war, sprach er immer mit seinem Hund:

Johannes: Weißt du, Tako, die Mutti ist jetzt im Paradies, dort scheint immer die Sonne, da gibt es keinen Hunger, keine Armut, keine Krankheit, keine Schmerzen, keinen Tod und deshalb auch keine Trennung mehr.

Sprecher: Als die beiden wieder einmal auf der Bank saßen, setzte sich zu ihnen ein Mann. Als er das Gespräch von Johannes mit seinem Hund hörte, lachte er darüber:

Mann: Ich glaube nur, was ich sehe und verstehe.

Johannes: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, glauben Sie nur, was Sie verstehen?

Mann: So ist es.

Johannes: Heute früh habe ich die Gänse beobachtet, wie sie Gras fressen, glauben Sie das?

Mann: Gewiss.

Johannes: Dann habe ich die Hühner und die Kaninchen mit Gras gefüttert, glauben Sie das auch?

Mann: Freilich.

Johannes: Und die Schafe und die Kühe fressen doch auch Gras, glauben Sie das auch?

Mann: Natürlich mein Junge.

Johannes: Gut, aber das Gras, welches die Tiere fraßen, wurde bei den Gänsen und Hühnern zu Federn, bei den Schafen zu Wolle und bei den Kühen zu Haaren. Glauben Sie das auch?

Mann: Gewiss.

Johannes: Ja, Sie glauben es, aber verstehen können sie es nicht.

Mann: Ach, du bist ein nichtsnutziger, dummer Junge. Deine Mutter ist tot, die wirst du nie wiedersehen!

Sprecher: Dieser Satz ging dem kleinen Johannes wie ein Stich durchs Herz. Schnell lief er zum Friedhof, setzte sich auf das Grab der Mutter und weinte bitterlich.

Johannes: Es war ein böser Mann, der dem Wort Gottes nicht glauben will. Ich werde doch meine Eltern im Himmelreich wiedersehen, denn Jesus hat gesagt: “Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.”

Leser: O Herr, zeige mir deine Wege, führe mich nach deinem Willen! Leite mich in deiner Treue, lehre mich recht! Denn du bist ja Gott, der mir hilft und beisteht. Alle Stunden harre ich auf dich. Psalm 25, 4-5.

Sprecher: Johannes und sein kleiner Hund Tako blieben die besten Freunde. Sie waren froh, bei den armen Nachbarn eine bescheidene Unterkunft bekommen zu haben. Deshalb half Johannes alle Tage fleißig im Haus, auf den Hof, im Stall, auf dem Feld und im Wald, kleine Arbeiten zu verrichten. Eines Tages verletzte sich der Mann seinen Fuß beim Fällen der Bäume. Ein schwerer Baumstamm rollte über das Bein. Der Fuß wurde dabei so zertrümmert, dass er vom Arzt abgenommen werden musste. Die Armut in diesem Haus wurde groß. – Als Johannes eines Abends schon im Bett lag und Tako neben dem Bett eingeschlafen war, hörte er wie die beiden armen Leute, die ihn ja so lieb aufgenommen hatten, im Nebenzimmer miteinander sprachen.

Mann: Weißt du, Frau, so gern ich den Johannes und seine lieben Hund noch bei mir wohnen lassen will, es geht einfach nicht. Seit meinem Unfall haben wir keinen Verdienst, und bald können wir sie nicht mehr ernähren. Ich glaube, es ist das Beste, wir bringen den Johannes in ein Waisenhaus.

Frau: Aber dorthin kann er doch seinen Hund nicht mitnehmen, wenn er seinen Tako nicht mehr hat, glaube ich, wird er bestimmt vor Kummer sterben.

Mann: Das glaube ich auch, aber was sollen wir denn machen, es bleibt uns keine andere Wahl. Wir wollen zu Gott beten, dass er dem Johannes über diese traurige Nachricht weiterhilft.

Sprecher: Johannes verstand jedes Wort, er hatte sein Ohr ganz dicht an die Wand neben dem Bett gepresst. Alles wurde noch trauriger, Johannes weinte unter seiner Bettdecke bitterlich. Er konnte gar nicht einschlafen und dachte darüber nach, was er jetzt tun sollte. – Mitten in der Nacht stand er leise auf, packte ganz still seine wenigen Sachen in ein Säckchen. Dann nahm er Tako und kletterte heimlich aus dem Fenster. Die Nacht war noch sehr kühl, und in der Ferne schrie klagend eine Eule. So wanderten die beiden über ein weites Feld. Dann gelangten sie zuletzt in einen großen Wald. Jetzt begann es schon zu dämmern und die Vögel eröffneten ihr wunderschönes Morgenkonzert. – Johannes und Tako liefen, bis sie an einen Bach kamen, und dort ausruhten. Sie tranken von dem frischen Quellwasser und aßen das letzte Brot. So liefen sie den ganzen Tag durch den Wald. Am Abend kamen sie an eine große Waldwiese. Dort stand eine kleine Hütte, die nicht einmal ein Fenster hatte. Durch eine kleine Luke krochen die zwei in den duftenden Heuschuppen. Sie legten sich in das weiche Heu und Johannes dankte Gott für die unerwartete Unterkunft.

Leser: Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt. Psalm 116,10

Sprecher: Johannes und Tako hatten sehr gut geschlafen. Liebevoll umarmte Johannes seinen treuen Kameraden, als er plötzlich vor der Heuhütte Schritte vernahm und das Quietschen eines Rades. Schnell faltete Johannes seine Hände und betete:

Johannes: Lieber Gott, beschütze uns vor Unglück und neuen Gefahren. Hilf uns bitte auch jetzt!

Sprecher: An der Tür wurde der Schlüssel gedreht und knarrend öffnete sie sich. Ein älterer Mann mit einem alten schmutzigen Zylinderhut starrte in die Hütte. Sein Gesicht war zornig.

Dieb: Was wollt ihr hier? Was fällt euch ein, euch in meinem schönen Heu herumzuwälzen. Ich will euch mit der Peitsche eure Wege lehren!

Johannes: Ach guter Mann, seid bitte nicht so böse, wir hatten uns in der Nacht verirrt und wussten nicht, wo wir schlafen sollten, weil wir ganz allein auf der Welt leben.

Dieb: Was schert mich euer Leben, arbeite lieber, dann weißt du auch, wo du schlafen kannst. Wer weiß, ob du nicht zu irgendeinem Diebesgesindel gehörst.

Sprecher: Jetzt wollte er den Jungen packen:

Johannes: Nein Herr, seid barmherzig, ich will Ihnen gerne helfen und bei Ihnen arbeiten.

Dieb: Du und arbeiten, so siehst du gar nicht aus! Also gut, ich habe heute noch viel zu transportieren, los, heraus mit euch. Wir gehen jetzt ins Dorf, um einzukaufen.

Sprecher: Der Mann lud auf seine alte Karre zwei Zentner Getreide und einen schweren Schleifstein. Dann spannte er Johannes und Tako vor das schwere Gefährt und zog mit den beiden über die Felder.

Dieb: Vorwärts, ihr Strauchdiebe, zieht gefälligst besser, damit uns die Polizei nicht erwischt!

Sprecher: Wenn es ihm nicht schnell genug ging, dann nahm er Steinchen und warf sie nach den beiden. Johannes und Tako zogen an der Karre mit letzter Kraft. Wenn wir uns nicht bald einmal ausruhen können, breche ich zusammen, dachte Johannes, der schon heftige Stiche in der Herzgegend hatte. Bald hatten sie die Spitze einer Anhöhe erreicht. Plötzlich begann die Karre wie von selbst bergab zu rollen. Johannes und Tako sprangen schnell zur Seite. Der Mann, der seine Karre und die wertvolle Ladung retten wollte, zerrte an dem Riemen, aber die Last rollte immer schneller und gefährlicher den Abgrund. Da stürzte er mitsamt seinem Diebesgut in eine Bergschlucht. Gott hatte Johannes wieder bewahrt. Beide rannten so schnell sie konnten davon.

Leser: Unser täglich Brot gib uns heute. Matthäus 6,11

Sprecher: Johannes und Tako waren von dem bösen Mann befreit. Sie wanderten weiter und hatten schon lange nichts mehr gegessen und getrunken. Beide waren so müde, dass sie nicht weitergehen konnten. Sie setzten sich auf einen Baumstamm, um ein wenig auszuruhen. Dann begann der Junge das Vater Unser zu beten:

Johannes: Unser täglich Brot gib uns heute!

Sprecher: Plötzlich kam Johannes ein Gedanke:

Johannes: Wenn die Leute zu Gott um Brot bitten, muss es auch jemand geben, der ihnen etwas gibt. Ich muss einfach den “Brotladen des lieben Gottes” suchen.

Sprecher: Er machte sich nun wieder auf und wanderte mit Tako in den nächsten Ort. Während er von einer Straße zur andern ging, dachte er immer:

Johannes: Wo kann wohl Gottes Brotladen sein?

Sprecher: Als er gerade wieder um eine Ecke bog, sah er in einem Bäckerladen ein großes Bild vom Heiland an der Tür hängen.

Johannes: Das muss der Brotladen unseres lieben Heilandes sein!

Sprecher: Johannes ging in den Laden hinein. Hm, wie duftete es in dem Bäckerladen, der voller Kuchen, Torten, Brot, Brötchen und Schokolade war. Hinter dem Ladentisch stand eine freundliche Bäckersfrau.

Johannes: Ich bin gekommen, um mir das tägliche Brot abzuholen.

Bäckerin: Ja, da bist du gerade richtig hier. Welches Brot und wie viel möchtest du den haben?

Johannes: Diese beiden kleinen Brote möchte ich bitte haben.

Bäckerin: Gern mein Junge.

Sprecher: Sie nahm die beiden Brote und wickelte sie in Papier. Johannes nahm die Brote, ging zur Tür und sagte.

Johannes: Vergelt’s Gott und schönen Dank fürs tägliche Brot.

Bäckerin: Aber, mein Junge, du hast ja vergessen zu bezahlen! Wer hat dich denn geschickt?

Johannes: (schüchtern) Mein Vater im Himmel.

Bäckerin: Hast du denn kein Geld?

Johannes: Nein, meine Eltern sind tot, und da hat mich mein himmlischer Vater zu Ihnen geschickt. Ich habe heute früh zu ihm gebetet und seinem Wort geglaubt.

Bäckerin: Welchem Wort?

Johannes: Na. “Unser täglich Brot gib uns heute.” Weil ich das Bild vom Heiland in Ihrem Laden sah, dachte ich, das muss Gottes Bäckerladen sein.

Bäckerin: (weinend) Gott segne dir das Brot, mein Junge. Wenn du wieder Hunger hast, komm nur wieder, ich will dir schon etwas zu essen geben.

Johannes: (freudig rufend) Hier ist des lieben Gottes Bäckerladen!

Sprecher: Am Abend ging die gute Bäckersfrau noch einmal um ihr Haus herum. Doch was sah sie dort? Dort war Johannes im tiefen Schlaf, mit Tako. Die Bäckersfrau besprach die Angelegenheit mit ihrem Mann, und so beschlossen sie, den Johannes bei sich zu behalten. Da sie keine Kinder hatten, gehörte dem Johannes später die ganze Bäckerei, und er nannte sie “Des lieben Gottes Bäckerladen”. Sein Geschäft war das beste in der ganzen Stadt, und wenn einmal hungernde Kinder kamen, so schenkte ihnen Johannes das “täglich Brot”.

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