Mai 05 2008

Toni auf der Heidelberger Mauer

Geschrieben von at 15:36 in Evangelisation,Frieden

Toni auf der Heidelberger Mauer, ein christliches Anspiel zum Thema Frieden und Evangelisation für 7 Personen

Klaus: Schau dir mal den Toni an. Schon wieder hat er seinen Platz an der Heidelberger Mauer eingenommen. Braucht wahrscheinlich mal wieder Geld.

Rainer: So eine Unverschämtheit. Betteln, anstatt es auf ehrliche Weise zu versuchen. Ne du, für solche habe ich keinen Pfennig über. Die sollen mit dem was sie haben klarkommen und nicht immer alles für Alkohol und Drogen ausgeben. Komm Klaus, gehen wir schnell weiter, sonst wird mein Mitgefühl doch noch erregt. (gehen schnell vorüber)

Oma: Schau mal Anne, dieser Arme Mann. Lass uns etwas Geld in seinen Hut werfen, damit er sich etwas Ordentliches zu Essen kaufen kann. Der sieht schon ganz verhungert aus.

Anne: Nein Oma, für solche Bettler ist mir mein Geld viel zu schade. Mit Sicherheit gibt er das Geld nicht für seinen Hunger, sondern für seinen Durst aus. Sieh ihn dir doch mal genauer an. Ganz heruntergekommen. Kein Wunder, dass die Bürger ihn verachten.

Oma: So sollst du nicht sprechen. (gehen vorbei)

Erzähler: Diese Bemerkungen muss Toni so oft hören und dann steigen ihm die Tränen in die Augen.

Toni: Alles ist so sinnlos auf dieser Erde. Ist man erst in diesem Teufelskreis hineingeraten, so kommt man nicht wieder heraus. Man dreht sich wie eine Spirale, die kein Ende hat. Alleine schaffe ich es nicht, hier herauszukommen, aber wer hilft mir schon?
O gäbe es doch nur einen Menschen, der mich aus diesem Schlamassel herausreißen könnte und mir hilft. Doch alles ist hoffnungslos.

- Musik -

Erzähler: Toni hat schon einiges in seinem Leben hinter sich. Als Halbwaise, von einem Heim ins andere geschoben, weil Schwächlinge nicht erwünscht waren, versucht er es zunächst mit Alkohol, der ihm wenigstens im Rausch seinen Zustand vergessen lässt. Bald genügt ihm der Alkohol nicht mehr, und er greift nach härteren Mitteln, den Drogen, von denen er nun nicht mehr loskommt. Er dreht sich wirklich wie auf einer Spirale ohne Ende, die ihn immer tiefer sinken lässt. Schon bald schlägt er sein Nachtquartier auf einer Parkbank auf und den Rest der Zeit verbringt er an der Heidelberger Mauer, um dort zu betteln. Am nächsten Tag sitzt Toni wieder auf seinem alten Platz an der Mauer, als ihn ein freundlicher junger Mann anspricht.

Paul: Guten Tag. Ich heiße Paul Müller. Ich sah sie gerade im Vorbeigehen in dieser Kälte sitzen. Es ist sicher kein angenehmer Platz. Ich möchte Sie herzlich zu unserem Teeabend einladen, wo sie sich ein bisschen aufwärmen können.

Toni: Sie müssen hier neu sein. Mit mir spricht doch sonst niemand mehr. Ich bin für sie ein Außenseiter geworden.

Paul: Dann sind gerade Sie der richtige. Kommen Sie gleich mit. Der Teeabend fängt gleich an.

Toni: Was macht ihr eigentlich auf so einem Teeabend?

Paul: Wir führen offene Gespräche, singen Lieder und anschließend hören wir Geschichten aus der Bibel.

Toni: Was, Sie glauben noch an die Bibel? Die ist doch schon total veraltet.

Paul: Sie ist zwar das älteste Buch auf der Erde, dafür aber noch das aktuellste.

Toni: Na ja, schaden wird es nicht und außerdem gibt es endlich eine warme Stube und nicht das Kopfsteinpflaster.

- Musik -

Erzähler: Als Toni am Abend die Teestube verlässt, ist er ganz begeistert. Hier hat er zum ersten Mal gespürt, dass er verstanden und akzeptiert wird. Die kleine Ansprache hat ihm sehr gut gefallen, auch wenn er noch nicht alles versteht. Besonders ein Vers ist ihm im Gedächtnis geblieben. In Gedanken sagt er ihn noch einmal auf:

Toni: Denn also hat Gott die Welt geliebt, – die Welt? Also auch mich – das er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. (Joh. 3,16)
Er ist für mich gestorben, für mich, nur weil er mich liebt. Also gibt es jemand der mir helfen kann, der mich aus diesen schrecklichen Sog herausreißen kann. Es gibt jemand, der mich liebt, mit dem ich rechnen darf, auch wenn mich alle verlassen haben.
Ich muss sofort noch einmal zurück in die Teestube und die Sache mit Gott ins Reine bringen.

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