Nov 17 2007
Entrückung
Entrückung, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 12 Personen
Autor: Wie viele andere, so begeisterte auch Viktor von Kind auf die Technik. Besonders die Autos zogen ihn an. Am Anfang gab er sich keine Rechenschaft dar-über, warum es gerade das Auto war, aber mit 17 Jahren legte sich bei ihm die Meinung fest, dass der Beruf als LKW-Fahrer vorteilhaft sei, denn man brauchte nicht schwer zu arbeiten und habe dennoch ein gutes Einkommen. Schon in seiner Kindheit hatte er viel davon gehört, wie die Fahrer „schwarz“ verdienten, und dies lockte ihn sehr. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, um jeden Preis eine Arbeitsstelle als Fahrer zu bekommen. Und er hatte dieses Ziel auch erreicht. Stolz sah er auf die Vorübergehenden, wenn er hinter dem Steuer saß. Besonders hochmütig wurde er dann, wenn sich die Taschen mit Geld füllten. Die Geldliebe, eine Wurzel alles Bösen, hatte ihn so gefangen genommen, dass er sich bald gar nicht schämte an all den schmutzigen Geschäften teilzunehmen.
Als der Sommer kam, reiften bei Viktor viele Pläne, um ans große Geld zu kommen. Seine Freunde aber waren mit ganz anderen Dingen beschäftigt, sie kamen zusammen, studierten Gottes Wort und bereiteten sich auf die Taufe vor. Viktor fühlte auch ein inneres Verlangen dazu, aber seine Arbeit und die Dienstreisen hielten ihn ab, an diesen Gemeinschaften teilzunehmen. Er wurde aber dennoch zur Taufe zugelassen, obwohl er nur schlecht vorbereitet war. Einige Wochen nach der Taufe verurteilte ihn sein Gewissen und er sagte sich von den Geschäften ab.
Nach einiger Zeit wollte Viktor heiraten. Obwohl er viel Geld dazu brauchte, verdiente er es nur auf ehrlichem Weg. Die Schwester, die Viktor heiraten wollte, war eine wahre Christin. Nachdem ihr Vater gestorben war, wurde sie von der Mutter im Sinne des Verstorbenen erzogen. Der Vater war ihr geistliches Vorbild gewesen, seine Treue und Liebe zum Herrn hatten sich tief in ihrem Herzen eingeprägt.
Sie erzitterte innerlich, wenn man ihr von den Geschäften erzählte, die Viktor getrieben hatte. Alleine, in der Stille betete sie inbrünstig für ihren Mann, dass er sich doch nicht wieder in die alten Geschäfte verwickelte. Durch ihre Beobachtungen konnte sie sehen, dass ihre Gebete nicht vergeblich waren. Es vergingen zwei Jahre. Dem jungen Paar wurde ein Sohn geschenkt, dadurch kamen auch neue Sorgen in ihr Leben. Vera war aufgefallen, dass ihr Mann immer länger nach der Arbeit ausblieb. Und was noch besorgniserregender war, dass er immer öfter sonntags in eine Dienstreise geschickt wurde. Bald darauf meldete sich Viktor von dem Dienst im Chor ab, weil er nicht zur Übstunde kommen konnte, und auch die Gottesdienste besuchte er immer seltener.
Eines Tages kam er sehr spät von der Arbeit nach Hause, Vera nahm an ihm den Geruch von Alkohol war.
Vera: Was soll das, Viktor? Ist es wahr, oder irre ich mich?
Viktor: Was ist denn?
Autor: Vera beruhigte sich, und hielt es für einen Irrtum, doch solches wiederholte sich immer öfter. Sie machte sich viele Sorgen darum, wohin das wohl führen würde. Am Anfang weinte sie alleine im Geheimen, aber später auch vor ihrem Mann.
Viktor: Wozu die Tränen? Du sitzt hier zu Hause und weißt nicht, woher das Geld kommt. Versuch es doch mal selber, dann würdest du etwas anderes sagen. Wir hatten mit dem Bauleiter ein Geschäft abgewickelt, jetzt mussten wir darauf einen trinken, um Missverständnisse zu vermeiden, aber das war ja nur ein bisschen.
Vera: Und wenn man das in der Gemeinde erfahren wird?
Viktor: Wenn du das nicht sagen wirst, wie sollen sie das denn erfahren?
Autor: Vera schwieg, denn sie wollte die Beziehung zueinander nicht zerstören. Sogar für eine Kleinigkeit konnte Viktor sie so anschreien, dass sie es kaum ertragen konnte. Die Bibel hatte er fast vergessen, die Gottesdienste besuchte er nur ab und zu, das Gebet wurde immer kürzer und seltener. Oft ging er schlecht gelaunt ins Bett, und morgens fuhr er auch ohne Gebet weg. Wenn seine Frau ihn daran erinnerte, so verschlechterte sich nur sein Verhalten ihr gegenüber.
Vera: Viktor, wann denkst du daran, dich zu ändern? Es wird doch fast in jeder Predigt erwähnt, dass wir in der letzten Zeit leben. Wir müssen immer bereit sein. Beunruhigt dich das nicht?
Viktor: Vera, wie bist du nur so komisch. Bin ich denn als einziger so? Da sind noch andere, die mit mir arbeiten. Womit sind Stefan und Peter denn besser als ich?
Vera: Ja, Viktor, du weißt auf wen du zeigen kannst. Warum siehst du nicht auf Martin oder auf Georg?
Viktor: Ja, jetzt fängst auch du noch an. Sei unbesorgt, ich habe noch Zeit.
Autor: So waren noch drei Jahre vergangen. Viktor war nur freundlich, wenn seine Frau keine Fragen über seinen geistlichen Zustand stellte. Vera weinte während dieser Zeit sehr oft. Ihre Schönheit war geschwunden, im Gesicht machten sich erste Falten bemerkbar, nachts konnte sie kaum schlafen, schreckliche Träume ließen sie oft erwachen. Ihr müdes Herz fand keine Ruhe. Ihr einziger Trost waren die Gebete. Abends, wenn alle anderen schliefen, suchte sie ihre Zuflucht im Gebet.
Nach einem Gottesdienst wollte der Älteste noch mit Viktor sprechen, aber er hat ihn so abgefertigt, dass der Bruder schwieg. Als Georg ihn ansprechen wollte, sah Viktor ihn so an, dass auch er schwieg. Nur Martin klopfte ihm auf die Schulter und sagte:
Martin: Mutig bist du, Viktor! Aber du solltest vielleicht die Kosten überschlagen.
Autor: Mit hängendem Kopf ging Viktor nach Hause. Die Zeit verging. Viktor wurde mit Georg auf eine Dienstreise geschickt. Vera freute sich, dass er diesmal nicht alleine fuhr. Sie hoffte, dass die Anwesenheit von Georg ihrem Mann vom Schlechten abhalten würde. Aber Viktor wurde davon nicht beeindruckt. Er schämte sich nicht, die anvertraute Arbeit liegen zu lassen und andere Geschäfte zu machen. Um das Ganze dann zu vertuschen, lud er den Vorgesetzten zum Essen ein. Georg aber befahl er, den Mund zu halten.
Georg: Nein, Viktor, so geht es nicht weiter. Wir haben lange Geduld mit dir gehabt. Wenn ich jetzt nach Hause komme, bringe ich diese Frage vor die Gemeinde.
Viktor: Von mir aus, wenn du eine lose Zunge hast. Und was mich angeht: Ich habe keine Angst, denn ich bin schließlich kein kleiner Junge mehr und weiß, was ich antworten soll. Ich bin ja nicht der einzige, der es so macht. Es gibt einige, die noch schlimmer sind als ich.
Autor: Die Dienstreise ging zu Ende. Viktor und Georg machten sich für die Abreise fertig.
Georg: Was hast du auf deinen LKW geladen?
Viktor: Ich hab mir nur etwas mitgenommen, die Reise muss sich ja schließlich bezahlt machen. Ich bin kein Feigling!
Georg: Viktor, ich verstehe dich nicht. Fürchtest du Gott nicht?
Autor: Der Tag neigte sich zum Abend, die Lkws kamen immer näher zur Stadt, und ließen eine dicke Staubwolke hinter sich. Georg überholte Viktor und beschleunigte die Fahrt.
Georg: Wie gut, dass ich bald zu Hause bin. Ich bin so müde. Auch die Gottesdienste habe ich während dieser Reise sehr vermisst. Vielleicht schaffe ich es, noch rechtzeitig zum Gottesdienst zu kommen.
Autor: Viktor blieb mit seiner Last hinten, Georg fuhr immer schneller der Stadt entgegen. Er wollte so schnell wie möglich zu Hause sein. (Musik) Auf einmal erleuchtete ein helles Licht den ganzen Himmel: wie ein Blitz, von Osten bis nach Westen, alles wurde hell. Georg erschrak und trat in die Bremse. Das Auto blieb stehen und er schaltete den Gang aus. Er machte die Augen zu und fühlte, dass mit ihm etwas unerklärliches passierte. Es schien ihm, als ob er vom scharfen Bremsen die Besinnung verlor. Und dann, welch ein Wunder: er konnte es selber nicht fassen, er sah kein Auto mehr, auch keine Straße.
Dann ertönte in der Höhe der liebliche Gesang der Engel. „Lasset uns freuen und fröhlich sein, und dem Herrn die Ehre geben, denn die Hochzeit des Lammes ist angebrochen und die Braut hat sich geschmückt“.
Georg, erfüllt mit einer unbeschreiblichen Freude, schwebte immer höher dem Herrn entgegen und wiederholte: Bald bin ich zu Hause. Ich bin so müde.
Als Viktor das Auto von Georg eingeholt hatte, konnte er nicht begreifen was geschehen war. Das Auto stand am Straßenrand, aber Georg selbst war nirgends zu sehen. Er schaute überall nach, im und unter dem Auto, aber er konnte niemanden finden. Ganz in Gedanken versunken, blieb er stehen.
Viktor: Wo ist er denn geblieben, was soll das heißen?
Autor: Es wurde schon Abend und keiner kam. Viktor nahm das Auto von Georg ins Schlepptau, setzte seinen Praktikanten ans Steuer und fuhr in die Stadt. Er fuhr ganz langsam, viele trübe Gedanken beunruhigten seine Seele. Das Herz schlug in ihm so, als ob es kein Herz wäre sondern eine Hammer.
Viktor: Vielleicht hat die Entrückung der Gemeinde stattgefunden?
Autor: Viktor versuchte mit aller Kraft diese Gedanken zu verdrängen, aber ohne Erfolg. Der Gedanke daran ließ ihn erzittern, obwohl er kein Feigling war. Seine Unruhe stieg noch mehr, als er in der Stadt einen stehen gebliebenen Bus sah, den seine Frau Vera normalerweise fuhr. Die Menschen erzählten, dass der Bus auf einmal stehen geblieben und die Fahrerin verschwunden sei. Von den schweren Gedanken, die ihn plagten, und der inneren Aufregung, bekam er Kopfschmerzen. Langsam fuhr er das Auto in die Garage. Dort angekommen, wollte er gleich alles seinem Vorgesetzten beichten, doch ein anderer war ihm zuvor gekommen. Im betrunkenen Zustand erzählte er lachend, dass der vollgeladene LKW von Georg bei der Brückenauffahrt stehen geblieben sei, und den anderen den anderen den Weg versperrt habe. Als sie dann zum Fahrzeug gekommen waren, war der Motor aus und der Fahrer weg. Viktors Herz wollte beim Zuhören aller Geschehnisse zerreißen. Als er selbst alles berichtet hatte, eilte er nach Hause, um genau zu erfahren, was mit seiner Frau geschehen war. Als er durchs Tor ging, hörte er, wie der Vorgesetzte lachend sagte:
Chef: Die Christen verschwinden auf einmal alle, jetzt sind wir endlich von ihnen losgekommen.
Autor: In seiner Aufregung und Eile hatte Viktor von seiner Ladung vergessen, die er unterwegs hätte verschwinden lassen, aber auf keinen Fall mit in die Garage bringen sollen. Nachdenklich blieb er stehen.
Viktor: Was soll ich jetzt tun, zurücklaufen und die Ladung verschwinden lassen, oder nach Hause gehen, um rauszufinden, was mit Vera geschehen ist.
Autor: Einen Moment stand er unentschlossen da, dann ging er nach Hause. Die Haustür war verschlossen, seine Frau und die Kinder waren nicht da, obwohl alle Sachen auf ihrem Platz waren. Der schwarze Kater schlief ruhig an seinem Ort. In seiner Aufregung wollte er schon bei dem Kater nach dem Verbleib seiner Familie fragen. Doch dann schien es ihm, als ob es nicht ein Kater sondern selbst Satan wäre, der sich über die Not des Hausherren freute. Viktor ging aus dem Haus, und macht sich auf den Weg zum neuen Ältesten. Der frühere wurde aus unerklärlichen Gründen entlassen und ein neuer wurde vom Kreis geschickt. Als Viktor an die Haustür klopfte, machte ihm ein kleiner Mann mit fragenden Augen die Tür auf. Während Viktor sprach, bemühte sich der Mann, seine Aufregung nicht zu zeigen. Dann versicherte er ihm, dass aus dem Kreis keine Vorwarnung gekommen sei. Aber mit dieser Antwort war Viktor nicht zufrieden. Draußen begegneten ihm die Frau und die Mutter vom Peter, die von einer Geschäftsreise zurückgekehrt waren. Und sie berichteten auch, was mit ihnen unterwegs geschehen war.
Mutter: Wir fuhren mit dem Zug nach Hause, auf einmal schrie eine Frau auf und sagte, dass ihr Mann in einem Nu verschwunden sei Als der Mann nicht gefunden wurde, sollte der Zug weiterfahren. Doch dann bemerkte man, dass der Lokomotivführer und sein Gehilfe auch weg waren. So musste jeder selber zusehen, wie er nach Hause kam.
Autor: Auch wenn die Sonne noch nicht ganz untergegangen war, so war es nach Viktors Meinung doch schon alles dunkel. Er entschloss sich zum früheren Ältesten zu gehen, zu dem er so unfreundlich gewesen war. Der Bruder, der von allen geschätzt wurde, wohnte etwas weiter weg. Er verdiente seinen Lebensunterhalt am Werktisch. Doch jetzt war da keiner zu sehen, nur zwei unfertige Hocker standen neben dem Tisch. Das Haus war auch leer. Auf dem Weg dahin sah Viktor, wie sich einige Männer und Frauen in kleinen Gruppen versammelten und aufgeregt über etwas sprachen. Aber jetzt war alles klar: …der Herr war gekommen und hatte seine Gemeinde zu sich entrückt! Er wollte schreien, brachte aber keinen Laut hervor. Seine Brust war wie zugeschnürt. Er fiel besinnungslos zu Boden.
Als er wieder zu sich kam, war es schon ganz dunkel geworden, ein kühler Wind wehte vom Fluss her. Die umliegenden Häuser waren hell beleuchtet, nur im Hause des Ältesten war es dunkel. Als Viktor die Augen aufmachte, sah er den neuen Ältesten mit seiner Frau, Andreas und Peter mit seiner Frau und Mutter und noch einige neben sich stehen. Jeder beeilte sich so schnell wie möglich, das zu erzählen, was er wusste. Manche Familien waren ganz verschwunden, andere nur zur Hälfte, wieder andere waren ganz zurückgeblieben. Es gab auch solche, die die Weinenden zum Spott machen wollten, aber es gelang ihnen nicht so recht. An diesem Abend hörte man kein Geschrei, keine Lieder, keine lauten Gespräche. Einige hatten sich im Hause des früheren Ältesten versammelt. Sie saßen alle ganz still und schauten nach oben, als ob sie sich wünschten, ihre Brüder da zu sehen oder wenigstens eine schmale Tür durch die man hineingehen könnte. (Musik) Alles war umsonst. Am dunklen Himmel schimmerten nur einige Sterne, als ob sie um die Zurückgebliebenen trauerten. Die Anwesenden fielen auf ihre Knie, und ein herzzerreißender Schrei kam aus ihrer Brust heraus: Herr, Herr, öffne uns! Willst Du dich nicht über uns erbarmen? Wie viele Jahre haben wir den Spott der Welt ertragen, verschiedene Angriffe und Vorwürfe. War das denn alles umsonst!? Herr, sei uns gnädig, erhöre uns! Aber es kam keine Antwort. Sie schrieen so lange, bis sich der Mond am Himmel zeigte, als ob er sagen wollte: Zu spät! Die Sterne und das leer gewordene Haus wiederholten: Zu spät, zu spät, zu spät für immer.
Die kleine Gruppe hatte das Haus des Ältesten noch nicht verlassen. Als sie sich alle etwas beruhigt hatten, fing die Frau des neuen Ältesten als erste an zu sprechen:
Frau: Ich kann das einfach nicht verstehen, sie waren alle gläubig, gingen zum Gottesdienst, ertrugen Spott und Hohn der Leute, aber wie war es denn mit uns? Ich z.B. war fast immer auf dem Gottesdienst, habe im Chor Solo gesungen, manchmal auch Kranke besucht. Warum bin ich denn zurückgeblieben? Und warum ist mein Mann geblieben? Er ist doch der Älteste, und wie er gepredigt hat, das war doch nicht mit jenen Ungebildeten zu vergleichen!?
Viktor: Ich denke, das liegt daran, dass wir zwar Gläubige waren, aber nicht auf den Herrn gewartet haben. Meine Frau Vera hat mir oft gesagt, dass der Herr bald kommt. Ich war dem Knecht ähnlich, der sagte: „Mein Herr kommt noch lange nicht.“ Ich wusste, dass der Herr kommen würde, die seinen abzuholen, aber ich dachte, es würde noch nicht bald geschehen.
Ältester: Ich habe viel im Buch der Offenbarung gelesen und nach meiner Berechnung war das Kommen des Herrn noch weit entfernt. Aber wie tief habe ich mich geirrt. Meine Frau und ich waren auch keine Wartenden auf den Herrn.
Viktor: Und ich war immer mit der Fahrt in die Großstadt beschäftigt und hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Zum Abendmahl und zu Festen bin ich noch gekommen, aber sonst hatte ich keine Zeit. Ich wollte gerne ein Haus haben und dazu braucht man viel Geld.
Ältester: Wir dachten an unser irdisches Haus aber für das himmlische hatten wir keine Zeit.
Autor: Dann krähte auf einmal ein Hahn und das Gespräch war beendet. Es ging ihnen so, wie Petrus: sie wollten nur noch bitterlich weinen. Der Sonntagmorgen und auch der ganze Tag war sehr trüb. Es wehte ein kalter Wind mit Nieselregen. Jedoch gingen an diesem Tag viele Menschen zum Bethaus. Als letzte kam der Älteste mit seiner Frau. Alle Anwesenden schwiegen, sie sahen auf den Ältesten und erwarteten von ihm einige Erklärungen. Aber er schaute sie alle verständnislos an. Es war keiner da, um den Gottesdienst durchzuführen; keine Prediger, kein Chor, kein Dirigent. Die Versammelten fingen an miteinander zu reden. Einige bekannten offen ihre Sünden und Vergehungen, wegen denen sie meinten zurückgeblieben zu sein.
Mann: Dass ich nicht bereit wäre, ist mir nie in den Kopf gekommen. Ich verstehe das auch jetzt noch nicht. Vielleicht war der Grund dafür, dass ich sehr wenig zum Gottesdienst kam. Aber es kam immer etwas dazwischen, einmal die Arbeit, dann die Gelegenheit noch etwas dazu zu verdienen, diese Gelegenheiten wollte ich nicht verpassen. Wenn ich doch die Zeit zurückholen könnte, dann würde ich alles anders einrichten.
Autor: Er ließ den Kopf hängen. Tränen rollten ihm übers Gesicht.
Julia: Ich weiß auch nicht, weshalb ich geblieben bin. Die Gottesdienste habe ich nicht schlechter als die anderen besucht. Ich war auch im Chor, alle wissen wie ich gesungen habe. Das einzige, das nicht gut war, war mein schnelles Beleidigtsein. Manchmal konnte ich wegen einer Kleinigkeit so hochfahren, dass mein Georg nur schwer aufatmete. Und wo ist er jetzt? Gestern habe ich auf ihn gewartet, er hatte versprochen nach Hause zu kommen, und ist immer noch nicht da.
Viktor: Ich wollte dich nicht aufregen. Gestern, als wir zusammen nach Hause gefahren sind, stand sein LKW auf einmal am Straßenrand, aber er war nirgendwo zu finden, da habe ich es begriffen, dass der Herr ihn zu sich genommen hatte.
Julia: Ist das wahr?
Viktor: Ja!
Julia: Ich warte hier auf ihn, und er ist schon bei dem Herrn. Einer wird genommen, der andere zurückgelassen.
Viktor: Bei mir ist das genauso.
Anna: Ich habe nicht schlechtes getan. Ich wünschte auch nie jemandem etwas Schlechtes. Aber meine Zunge ist an allem schuld. Ich wollte immer alles wissen und erzählte es weiter. Wenn ich doch lieber stumm währe, als so gesprächig.
Autor: Sie weinte bitterlich. Draußen tobte ein Unwetter, große Regentropfen schlugen ans Fenster, als ob sie die Tränen der Unglücklichen noch vermehren wollten. Jeden quälte nur das eine: Warum haben wir die kostbare Zeit verscherzt, als man noch umkehren konnte?
Wer kann in unsrer Zeit die Tiefe der Not dieser Menschen ermessen. Sie standen schon einige Jahre im Glauben, haben Spott und Hohn von der Welt ertragen, um Christi Willen gelitten. Aber jetzt waren sie lau geworden, haben aufgehört zu wachen, und waren nicht bereit zum Kommen des Herrn.
Lieber Zuhörer! Wie steht es um dich? Bist du bereit Jesus zu begegnen, oder bist du auch lau geworden, und musst einst beschämt dastehen?
Eile zu Jesus, bevor die Gnadentür verschlossen ist!
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