Mrz 20 2008

… und ihre Lampen verlöschen

Geschrieben von sanfterose at 22:59 in Evangelisation

…und ihre Lampen verlöschen, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation

Sprecher: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an.“

Jesus, der Sohn Gottes, erfuhr das Verstoßen werden von Anfang an seines irdischen Lebens. Es gab keinen Raum für ihn. Von denen, die nicht zum Volk Gottes gehören, ist ja auch nichts anderes zu erwarten, aber wie steht es mit seiner Gemeinde? Steht er da vielleicht draußen und ist das Problem Laodicäas aktueller denn je?

Hat die erschütternde Klage Jeremias über das Volk Gottes nicht auch heute noch, trotz vieler Gemeindeaktivitäten ihre traurige Berechtigung: „Sie haben ihr Angesicht härter gemacht als einen Fels, sie haben sich geweigert, umzukehren.“

Vor dem Hintergrund der Wiederkunft Christi hält diese Erzählung aus einer norwegischen Kleinstadt der Gemeinde Jesu einen Spiegel vor!

Der Gottesdienst in der „Gottesgemeinde“ war zu Ende und die Möglichkeiten für Zeugnisse wurden gegeben, als sich der Bootsbauer Alexander Lyngeid mit ruhigen Schritten nach vorn bewegte. In der Hand hielt er die aufgeschlagene Bibel. Ein paar Männer mittleren Alters bewegten sich unruhig auf ihren Plätzen, als wollten sie hinausgehen; doch irgendetwas hielt sie fest. Andere beugten sich nach vorn und verfolgten jeden Schritt des Mannes mit gespanntem Blick. Die Ältesten auf ihren erhöhten Plätzen sahen sich ratlos an; aber da nickte Pastor Björnas als wolle er sagen: „Lasst ihn nur reden!“

Lyngeid: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an!“ Kann man sich so etwas denken, dass es irgendwo einen Raum gibt, der Jesus verschlossen bleibt? Dabei soll er doch drinnen sein und das Menschenherz völlig ausfüllen, so das kein Raum für andere Dinge überbleibt! Aber warum steht er draußen? Warum fand er keinen Raum als er zum ersten Mal auf diese Erde kam? Es geschah nicht aus Bosheit, das sie ihn in den Stall wiesen. Nun die Herberge war eben voll belegt. Sie hatten tatsächlich keinen Platz mehr. Wie kam es, dass er wieder hinaus muss aus dem Herzen, wo er einmal drin war? Er wurde hinausgedrängt. Das Herz hat seinen Platz anderen Dingen eingeräumt.

Sprecher: Augenblicklich nahmen die Höhrer Stellung zu dem was gesagt wurde. Der ganz vorne sitzende Großhändler Andreas Mobekk lehnte sich betont gleichgültig weit nach hinten. Es war schon Jahre her, seit er und seine Frau sich bekehrt hatten. Die Leute dieser kleinen Stadt hielten ihn für sehr reich. Er war hinreichen klug, um Geld zu verdienen, in dieser Hinsicht sogar ein wenig zu klug. Er verfügte auch über genug Herzensgüte, um wenigstens sich und seinen Leuten ein gutes Leben nicht zu versagen. Auf seinem Gesicht war Ablehnung zu lesen, als wollte er dem Stachel wehren, den er in sein Gewissen eindringen fühlte. Neben ihm saß seine Mutter – eine offenherzige alte Frau, die einen lebendigen Glauben besaß.

Lyngeid: Was hat aber nun den Platz angenommen? Eine heimliche Sünde? Ehrgeiz? Dein Geschäft? Ein anderer Mensch?

Sprecher: Hinter Mobekk saß Stian Röst, der Büroangestellte der Firma „Andreas Mobekk“, der dem Redner jedes Wort begierig abnahm. Er war 30 Jahre alt und schon länger verlobt. Er hätte schon länger verheiratet sein können, aber wie sollte er mit seinem Gehalt eine Familie ernähren? Um etwas zu erübrigen, hatte er sich seit vielen Jahren nicht mehr richtig satt gegessen. Doch er sehnte sich nach einem eigenem Heim.

Lyngeid: Das Herz ist mit eigenem Christentum ausgefüllt, Christus selber steht aber draußen! Begreift ihr das? Meine Freunde, es ist ein schlechter Tausch, den lebendigen Herrn Jesus Christus hinzugeben für ein totes Christentum! Ich frage mich, ob nicht die Gemeinde hier drinnen sitzt, während Jesus draußen steht.

Sprecher: Mit einem Ruck wechselte der Pastor die Haltung.

Björnas: Du, Bernd, mir scheint, er wird etwas weitschweifig.

Bernd: Nein, lass ihn nur ruhig weiter reden.

Lyngeid: Wir sind eine große Gemeinde – die größte in dieser Stadt, was wir ja nicht ohne Stolz hervorzuheben pflegen. Wir haben immer das Größte von allem: die größte und schönste Kirche, die größte Orgel, den größten Kindergottesdienst. Wir haben auch von allem das Beste: die besten Prediger, die beste Kirchenordnung. Unsere Lehren reihen sich logisch aneinander, und das ist auch gut so. Aber welchen Platz nimmt Jesus mit seinem Leben und mit seiner Liebe in dem Ganzen ein? Was sagt er dazu? Vielleicht ein schmerzliches, hilfloses „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an; ich stehe draußen.“?
Wir machen uns gegenseitig Konkurrenz wie im Geschäftsleben. Der christliche Betrieb nimmt unsere Gemeinden gefangen. Wo ist bei alledem noch Raum für Jesus? Sind wir eine „Gottesgemeinde“ ohne Gott? Steht…

Sprecher: Eine Stimme fing an zu singen. Einige zuckten zusammen, und blickten sich um; allmählich sangen dann alle mit. Lyngeid begab sich traurig auf seinen Platz.

Musik

Lina: Waren viele Leute in der Kirche, Mutter?

Mutter: (traurig) Ja, an Leuten fehlte es nicht.

Lina: (erstaunt) An Leuten fehlte es nicht? Woran denn dann?

Sprecher: In diesem Moment trat Mobekk ins Zimmer.

Mobekk: (aufgeregt) So ein Besserwisser!

Lina: Kann mir bitte einer sagen was los ist?

Mobekk: Ja doch Lina. Da war dieser Bootsbauer. Er redetet davon, dass Jesus überall draußen stünde – vor den Türen der Gemeinde, der Herzen, der Häuser und…

Mutter: (unterbricht) … der Geschäfte.

Mobekk: Von Geschäften verstehst du nichts, Mutter. Der Bootsbauer versteht auch nichts davon. So ein Unsinn! Man muss doch Christenleben und Geschäft auseinander halten!

Mutter: Das geht nicht, Andreas! Das gerade wollte der Bootsbauer doch sagen.

Lina: Na – und wie ging es weiter?

Mobekk: Nun, wir haben ihn niedergesungen.

Lina: (erschrocken) Niedergesungen habt ihr ihn?

Mobekk: Ja, - denn sonst würde er wahrscheinlich immer noch reden! So muss man das machen! Ich muss schon sagen, - das war…

Mutter: (unterbricht) … schändlich! Und wie schändlich das war.

Sprecher: Andreas Mobekk und seine Frau schüttelten nur den Kopf über die alte Mutter und bald hatten sie den Bootsbauer vergessen. Vergessen die Worte von dem, der vor der Tür steht.

Akkord auf dem Klavier

Sprecher: Am selben Abend ging Stian Röst tief in Gedanken nach Hause. Was Lyngeid sagte, war wie ein Blitz in ihn und in die meisten jungen Leute gefahren. - In welche Hektik waren sie doch alle geraten. Jeden Abend gab es irgendetwas zu tun: Bibelstunden, Vorträge, Männerabende, Arbeitsbesprechungen für Sonderveranstaltungen, wer gut singen konnte fand Aufnahme im Kirchenchor und hatte bei jeder Probe anwesend zu sein. Man war kaum noch zu Hause. Jeder wurde zur Mitarbeit herangezogen. Dabei übersah man in christlicher Liebe die unchristlichen Schatten im Alltagsleben der lieben Brüder und Schwestern, seien sie nun Mitglieder oder noch nicht. Das ganze glich einer Wüste, über die der Ruf des Bootsbauers einsam und verlassen verhallte. Dann wurde der Ruf mit Gesang erstickt. Sie hätten alle miteinander weinen sollen – doch sie sangen.

Das Niedersingen der Gemeinde hatte den Bootsbauer Lyngeid tief verwundet. Aber es half einem über vieles hinweg wenn man eine liebevolle Ehefrau und Kinder hatte, und vor allem wusste Lyngeid, das hinter jeder Wolkenbank Sterne leuchten – auch hinter den dunkelsten. Ein Freudenstrahl drang zu ihm hindurch als sein Lehrling Sascha zu ihm kam.

Sascha: Ich komme zu dir wegen der Sache mit der Tür…

Lyngeid: Hast du sie denn nicht zugemacht?

Sascha: Nein, ich meine nicht die Tür der Werkstatt. Ich meine das, was du am vergangenen Sonntag sagtest.

Lyngeid: Und jetzt Sascha?

Sascha: Ich fürchte das er bei mir draußen steht.

Lyngeid: Klopft er an?

Sascha: Ja, das tut er schon lange.

Lyngeid: Dann musst du ihn einlassen.

Sascha: Das ist es ja gerade – ich weiß nicht wie ich es machen soll.

Sprecher: Die beiden setzten sich hin und beteten miteinander. An diesem Tag übergab Sascha sein Leben dem Herrn Jesus.
Sie hatte gerade zu Ende gebetet als Lyngeids Tochter hereinkam.

Doris: Papa, du sollst bitte sofort rein kommen, Pastor Björnas und Bernd warten auf dich.

Sprecher: Die Freude über Saschas Bekehrung lag noch auf Lyngeids Gesicht, als er in die Wohnstube trat, wo die beiden Männer auf ihn warteten.

Björnas: Hm – tja, wir kommen wegen des Vorfalls am Sonntag. Ich kann nicht billigen, dass du so sprichst.

Lyngeid: Und das ich niedergesungen wurde?

Björnas: (heftig) Das hattest du nicht anders verdient!
(ruhiger) Du musst aufhören, die Gemeinde fortwährend zu provozieren! Du lehrst ein Christentum, das sich in unserer Zeit nicht verwirklichen lässt! Du treibst Gottes Wort auf die Spitze und stiftest Unruhen in unseren Reihen.

Lyngeid: Ist denn Gottes Wort so gefährlich?

Björnas: Du wendest Gottes Wort auf die Kleidung der Menschen an, auf ihr Essen, ihren Umgang und ihre Geschäfte…

Lyngeid: (unterbrechend) …und ihre Bekehrung.

Björnas: Richtig! Und die Folge davon ist, dass viele unsrer jungen Gemeindeglieder beunruhigt werden.

Lyngeid: (erfreut) Werden sie das wirklich?

Björnas: (streng) Du tätest besser daran dich nicht darüber zu freuen. Du verärgerst die Leute und beschwerst das Gewissen. Du gefährdest sie…

Lyngeid: Es gibt keine größere Gefahr als die der Vermischung.

Björnas: Das sind Theorien die du am besten für dich behältst! Verschiedene Gemeindeglieder haben mir schon zu verstehen gegeben, dass sie sich zurückziehen wollen, wenn sie nicht in Ruhe gelassen werden. Und das können wir uns nicht leisten.

Lyngeid: Es handelt sich wohl um reiche Leute?

Björnas: Hm – ja, ich kann es ruhig sagen. Andreas Mobekk ist ziemlich erregt. Es wäre ja nicht gerade schön, wenn er aufhörte sein…

Lyngeid: Korban zu entrichten.

Björnas: Korban?

Lyngeid: Man sagt doch Korban, wenn ein Sohn seinen Eltern etwas vorenthielt und es stattdessen Gott gab.

Björnas: Was hat das denn mit Mobekk zu tun?

Lyngeid: Nun, er gibt Gott, und das sehr öffentlich, damit es auch alle wissen, das was er seinen Arbeitern an Lohn abzieht.

Musik

Sprecher: Pastor Björnas hatte immer ein Auge für die Bedeutung der Erweckung gehabt. Sie mussten dann und wann sein, wenn ein Gemeindeleben blühen sollte. Deshalb hielt er ständig Ausschau nach Erweckungspredigern. Das war auch das Thema der heutigen Gemeindeversammlung.

Björnas: Und nun haben wir noch einen Punkt. Und zwar handelt es sich um eine Reihe von Erweckungsveranstaltungen. Der Vorstand hat beschlossen der Gemeinde vorzuschlagen, dass wir Pastor Ling einladen, einen Monat bei uns zu evangelisieren. Bitte äußert eure Meinung.

Sprecher: Die meisten waren mit dem Vorschlag einverstanden.

Björnas: Das heißt nun für uns: alle Kräfte mobilisieren – Kirchenchor, Orchester, Werbung, Gebetsgemeinschaft. Ein jeder soll einmal alles andere beiseite stellen und mitmachen. Die Jugend soll in Bewegung gesetzt werden.

Lyngeid: Nur ein paar Worte! - Vor einiger Zeit besuchte uns ein Bruder und predigte uns das Evangelium – ein einfacher schlichter Mann. Ich meine den Evangelisten Elvegard. Seinen Evangelisationsversammlungen gingen weder musikalische oder gesangliche Darbietungen, noch Gebetgemeinschaften voraus. Wir stellten nichts beiseite, um ihn anzuhören. Mutlos und arm reiste er wieder von uns. Wir hätten ihn einsetzten sollen, denn er brauchte Hilfe. Dieser Ling…

Mobekk: Wir verlieren uns hier doch wohl zu sehr in Dingen, die hier nicht hingehören.

Björnas: Ja, wir müssen weiterkommen. Es ist also….

Bernd: Verzeihung! Wir tun Bruder Lyngeid Unrecht. Er soll seine Meinung äußern.

Björnas: (ungeduldig) Also bitte. Lyngeid…

Lyngeid: Ich wollte nur feststellen das wir unsere Hoffnungen auf Menschen setzten und nicht auf Gott. Das war alles.

Björnas: Es ist also beschlossen, dass wir Ling einen Monat zu uns bitten. Bleibt lediglich noch die Honorarfrage. Was wollen wir ihm geben?

Lyngeid: 200 Kronen!

Björnas: (genervt) Aber Lyngeid! So wenig können wir dem Mann doch nicht anbieten!

Lyngeid: Genauso viel hat auch Elvegard damals bekommen.

Mobekk: (aufgeregt) So ein Vergleich! Es gibt immerhin gewisse Unterschiede!

Lyngeid: Das wusste ich nicht! Vielleicht hat Ling eine größere Familie. Elvegard hatte eine Frau, fünf Kinder und eine alte Mutter zu versorgen.

Mobekk: (gereizt) Unterschiede in der Begabung meine ich.

Lyngeid: Aha! Die Begabung soll also honoriert werden?!

Mobekk: (böse) Was denn sonst??? Das macht man doch überall.

Lyngeid: Aber nicht in der „Gottesgemeinde“.

Mobekk: Wie macht man es denn da?

Lyngeid: „Umsonst habt ihr ’s empfangen, umsonst gebt es auch.“ Der Prediger soll nach der Bedürftigkeit und nicht nach der Begabung belohnt werden.

Björnas: Wir wollen ein Lied singen ehe wir weitergehen.

Sprecher: Zum zweiten Mal wurde der Bootsbauer niedergesungen. Er beugte sein Haupt und sank langsam in sich zusammen, richtete sich aber sofort wieder auf, um laut und klar mitzusingen.

Björnas: Die Frage bleibt: wieviel…

Mobekk: 400 Kronen. Der Mann muss soviel bekommen, dass er während seiner Tätigkeit bei uns leben kann, ohne sich einzuschränken.

Björnas: Gut, es bleibt dann dabei. Jetzt müssen wir noch eine Angelegenheit regeln: Ist jemand bereit Bruder Ling bei sich aufzunehmen?

Sprecher: Jetzt machten sich einige Gemeindeglieder so klein wie möglich.

Dirigent: Leider geht es bei mir diesmal nicht.

Mobekk: Wir müssen ihm ein Hotelzimmer besorgen.

Björnas: Nein, das wirkt so kalt.

Lyngeid: Ich will ihn gerne aufnehmen. Er soll mir willkommen sein.

Musik

Sprecher: Pastor Ling hätte es woanders nicht besser haben können als bei Lyngeids. Die Familie umgab ihn mit einer frischen Freundlichkeit. Solch einen guten Geist hatte er noch nirgendwo verspürt.
Auch die Stimmung der Evangelisation war gleich von Anfang an derart, dass etwas geschehen musste. Der Ruhm war Ling voraus geeilt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt.
Von dem Moment, wo Ling anfing zu predigen, hatte er die Gemeinde in seiner Gewalt. Nach dem Gebet und dem lauten Gesang hatte er seine Rede begonnen. Sie war ein Appell an den gesunden Menschenverstand, jedoch von rührenden Geschichten eingerahmt, so das die Leute fast Tränen vergossen.

Ling: Ich möchte mit der Aufforderung, sich für Jesus zu entscheiden, schließen. Ihr könnt das wenn ihr nur wollt. Hebt die Hand wenn ihr zu Jesus wollt.
Ist jemand der sich bekehren will? Tut es jetzt – jetzt – noch heute Abend! (Pause, dann monoton und eindringlich). Prüft euch ernstlich, junge Seelen! Denkt an die Ewigkeit! Willst du nicht Gott gehören? Entscheide dich jetzt! Ja, da heben einige die Hände. Noch jemand? (Pause) Wie ist es hier auf dieser Seite? Und auf der Empore? Denkt an den Tod! Die Zeit eilt dahin. Entscheide dich! Bedenke deine erhobene Hand wird dein ewiges Geschick entscheiden.
Für euch gilt es euren Entschluss festzuhalten. Gott segne euch.

Sprecher: So wurde die Gemeinde entlassen. Diejenigen, die ihre Hand gehoben hatten, waren in der Menge verschwunden. Niemand ging mit ihnen in die Seelsorge.
Pastor Ling stand noch ganz unter der Nachwirkung des Abends, als er bei Lyngeids etwas nervös von seinen Erfolgen berichtete.

Ling: Es war herrlich Bruder! 15 Seelen heute Abend! Gottes Gnade ist groß!

Lyngeid: Glaubst du, dass es auch 15 Seelen im Himmel waren?

Ling: Im Himmel?

Lyngeid: Ja, denke an den, der da oben zählt.

Sprecher: „Glaubst du, dass es auch 15 Seelen im Himmel waren?“ Diese Frage ließ den Evangelisten die ganze Nacht nicht mehr los. Jetzt ging ihm auf, dass man seine irdische Bahn vom Himmel aus verfolgte. Gott war ihm so nahe, und ihm war gar nicht wohl dabei.

Musik

Sprecher: Der Evangelist Ling war in vielen Dingen unsicher geworden und doch gingen die Versammlungen wie gewohnt weiter. An einem Abend wurde er tief erniedrigt. Bei Lyngeids saß man noch zum Abendessen zusammen. Doris, die Tochter, kam auch gerade von der Abendversammlung zurück.

Doris: (freudig) Mama, Papa, ich habe mich heute Abend bekehrt.

Lyngeid: Da freuen wir uns sehr Doris, aber erzähle doch mal wie es kam?

Doris: Nun Papa, kannst du dich an den Abend erinnern als du vom anklopfen sprachst? Seit damals klopfte Gott gewaltig an meine Herzenstür. Heute Abend war es der alte Schuhmacher. Er legte ein Zeugnis ab und las aus der Bibel: „Er hat uns alle geliebt und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut.“ Und da habe ich es verstanden.

Lyngeid: Da sieht man es wieder – das Wort Gottes ist es das lebendig macht.

Sprecher: Ling wünschte allen eine Gute Nacht und ging in sein Zimmer. Er weinte und betete die ganze Nacht. Er, Pastor Ling, suchte die Ehre, eine Seele gerettet zu haben. Und Gott hatte einen alten Schuhmacher als sein Werkzeug gebraucht. Ling war erschreckt über seine große Verantwortung als Seelsorger. Bei der ersten Gelegenheit, als er mit Lyngeid allein war, fragte er:

Ling: Sage mir doch was an meiner Verkündigung falsch ist?

Lyngeid: Wenn ich dir jetzt antworte, so vergiss bitte nicht, das du mich darum gebeten hast.

Ling: Nein!

Lyngeid: Du betreibst religiöse Fabrikarbeit.

Ling: Und was fabriziere ich?

Lyngeid: Törichte Jungfrauen.

Ling: Mit dieser Antwort hast du eine große Verantwortung auf dich genommen. Jetzt musst du mir das auch erklären.

Lyngeid: Törichte Jungfrauen kennzeichnet dass sie Bekenntnisse ablegen, in denen kein Leben ist. Bekenntnisse können sich die Menschen selber zurecht machen. Leben kann nur Gott erwecken. Deine Verkündigung schafft wohl Bekenner, aber es wird aus ihr kein Mensch zum Leben erweckt.
Es ist nämlich kein Evangelium darin. Du gehst davon aus, dass der Mensch im Grunde genommen gar nicht so schlecht ist. Gott braucht nur das Gute in ihm zu veredeln, das heißt seinem Willen aufzuhelfen. - Bist du selber wiedergeboren?

Ling: (zögernd) Ja-a-a, (bestimmt) das will ich doch meinen.

Lyngeid: War es deine Willensanstrengung oder eine Tat Gottes?

Ling: Du redest doch Unsinn! Das ist doch beides vollkommen dasselbe. Gott stählte meinen Willen – das ist doch dann eine Tat Gottes.

Lyngeid: Geboren vom Willen eines Mannes. -
Jetzt verstehe ich jedenfalls besser als zuvor, wie deine Fabrikation abläuft. Du kratzt die letzten Reste des menschlichen Ichs zusammen, gibst dem Schrotthaufen einen geistlichen Anstrich und so entsteht religiöses Leben im alten Menschen. Aber Gott will nicht den guten Willen eines Menschen. Denn der Wille des Menschen ist böse, er ist verloren. Erst dann, wenn der Mensch unter dem Druck des Heiligen Geistes kraftlos wird, kann Gott ihm mit seiner Kraft begegnen und neues Leben schaffen. Ach Ling.- Du hast dem Menschen viele Anregungen gegeben – Anregungen für den alten Menschen; aber du hast es versäumt, ihnen das Wort Gottes zu predigen.

Ling: Ich bin in die Tiefe gestoßen. Gott helfe mir. Ich halte heute Abend hier meinen letzten Gottesdienst. Ich muss nach Hause, um erst einmal mit mir selber ins Reine zu kommen.

Sprecher: An diesem Abend entschuldigte sich Ling bei den Ältesten der Gemeinde und reiste ab. Damit war die Erweckung zu Ende. Eine Schar neuer Gemeindeglieder besuchte zwar die Gottesdienste, aber doch mit dem sicheren Anzeichen, dass sie wieder entgleiten würden. Ihre menschliche Kraft begann zu erschöpfen. Aber Pastor Björnas verstand es meisterhaft sie, durch allerlei Beschäftigungen, an die Kirche zu binden.

Musik

Sprecher: Es war an einem der ersten Tage im April als die Lyngeids Nachricht von Pastor Ling bekamen. Pastor Ling schrieb, dass er jetzt Frieden mit Gott im Herzen habe.
Außerdem kündigte an, das er zu einer neuen Evangelisation kommen würde um seine Fehler mit Gottes Gnade wieder gut zu machen.
Während sich die Lyngeids von Herzen über Gottes Werk freuten, war bei Mobekks gespannte Stimmung. Im Osten stand eine schwarze Wolkenwand, die sich langsam immer höher hinaufschob. Die Luft hatte einen schwefelgelben Farbton angenommen.

Mobekk: Wie dunkel es wird!

Sprecher: Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Wie ein Protest gegen seine Worte zuckte draußen ein Blitz. Sein Wiederschein ließ die entsetzten Gesichter Mobekks und seiner Frau aufleuchten. Nur die alte Mutter Mobekk saß ruhig auf ihrem Platz. Da krachte es schmetternd in der Nähe, als ob der Himmel abstürzen wolle. Mobekk war schon immer etwas ängstlich bei Gewitter, aber jetzt schien es ihm als ginge die Welt unter.

Mobekk: Wir leben in einer ernsten Zeit. Man spricht von der Wiederkunft unseres Herrn. Es ist gut wenn man bereit ist.

Lina: (ängstlich) O Andreas, glaubst du das Jesus wiederkommt?

Mobekk: Ich weiß es nicht. Es sieht bedenklich aus. Ich mache mir Gedanken. Bin vielleicht doch ein wenig geizig gegen meine Angestellten gewesen. Muss noch überlegen ob ich nicht dem ganzen Personal mehr Lohn gebe.

Lina: (aufgeregt) Mutter, hast du es gehört? Jesus kommt wahrscheinlich wieder.

Mutter: (freudig) Das wäre schön!

Lina: (entsetzt) Aber Mutter! So etwas ernstes!
Nun lass doch auch mal das Stricken, dann lesen wir schnell etwas in der Bibel.

Mutter: Aber ich muss mit diesen Strümpfen fertigwerden.

Lina: Aber denke doch, wenn Jesus nun kommt?

Mutter: Dann findet er mich bei der Arbeit, Lina. Ich werde ihm die Hände entgegenstrecken und sagen: Hier bin ich, Herr Jesus! Ich danke dir, das du gekommen bist.

Lina: (entsetzt) Aber Mutter!

Mutter: Nun Lina, wer zu ihm gehört, freut sich auf sein Kommen.

Mobekk: Aber wir gehören doch auch zu ihm.

Mutter: Nein, leider seid ihr nicht sein.

Mobekk: Ich muss schon sagen, du bist mir ja eine schöne Mutter.

Mutter: Ihr solltet euch bemühen, den Frieden Gottes zu gewinnen, solange noch Zeit ist. Sonst bleibt ihr vor der Tür des Hochzeitssaales stehen, wie die törichten Jungfrauen, die kein Öl in ihren Lampen hatten.

Musik

Bernd: Ich habe nicht gedacht, dass es so ernst mit unserer Gemeinde steht! Aber was tun? Austreten?

Lyngeid: Austreten sollten eigentlich die Gottlosen.

Bernd: Aber das tun die ja doch nicht!

Lyngeid: Und darum hat Gott geboten, dass man sie hinaus tun soll.

Bernd: Das klingt so hart.

Lyngeid: Die Gemeinde will freundlicher sein als Gott. Aber Gott hat uns die Gemeindezucht als Heilmittel gegeben, um die Gemeinde gesund zu erhalten und zu bewahren. Dadurch sollen Seelen nicht abgestoßen, sondern gerettet werden. Eine Gemeinde, die die Sünde duldet, geht zugrunde.

Bernd: Aber wir haben doch Gemeindezucht.

Lyngeid: Auf dem Papier, ja! Aber was ist das Ergebnis? Ungehindert sind wissentliche Sünden im Gange. Die Weltlichkeit und das Namenschristentum greifen im schnellen Tempo um sich.

Akkord

Sprecher: Im Herbst sollte das 50 – jährige Jubiläum der Gemeinde gefeiert werden. In Verbindung damit sollten große Feierlichkeiten stattfinden, vorbereitet von vielen Händen. Die Sänger sollten ein großes Gesangstück Bachs, eine Kantate, einüben und dann vortragen. Als die Vorbereitungen im vollen Gange waren, kam die Ankündigung das Pastor Ling wieder in die Gemeinde käme.
Diesmal predigte er anders:

Ling: Gott kennt nur zwei Völker. Mir aber scheint es, als wären es drei. Zu der dritten Völkergruppe gehören die, welche zwischen den anderen beiden stehen möchten. Die „Hinkenden“. Die „Religiösen“. Die christlich oder halbchristlich leben, ohne wiedergeboren zu sein. Die, welche an der christlichen Arbeit teilhaben, ohne geistliches Leben zu besitzen. Die törichten Jungfrauen.

Sprecher: Jetzt wurden die Versammlungen weniger besucht, solche Worte wollte keiner hören.
Eines Abend besuchte Pastor Ling den Bootsbauer Lyngeid und sie unterhielten sich als Doris das Gespräch unterbrach:

Doris: Der Chor droht auseinandezubrechen.

Anna: Jetzt, wo das Fest vor der Tür steht?

Doris: Es gab ein Durcheinander ohnegleichen. Eine Anzahl Mitglieder will nicht mehr mitmachen.

Lyngeid: Und warum nicht?

Doris: Sie sagen, sie haben es satt, sich in jeder Versammlung ausschimpfen zu lassen. Sie würden mit den törichten Jungfrauen verglichen. Da könnten sie nun ebensogut Schluss machen, um kein Ärgernis mehr zu erregen.

Lyngeid: Und wie ging es weiter, Doris?

Doris: Der Dirigent hatte große Schwierigkeiten bis er die Gemüter beruhigt hatte. Der Ling würde ja bald abreisen und dann würde alles wieder ins alte Gleis kommen. Und nun müsse man vernünftig sein um alle Kraft für die Kantate einzusetzen. Kaum hatten sich die meisten wieder beruhigt, brachte Sascha alles wieder durcheinander. Er fragte, ob es nicht die beste Lösung sei, wenn sich alle zu Gott bekehrten. Und da weinten ein paar Frauen vor Wut los.

Anna: Und wie ging die Sache aus?

Doris: Man einigte sich, das Problem bis nach dem Fest ruhen zu lassen. Dann wolle man zusammenkommen und…

Ling: (unterbrechend) …sich bekehren?

Doris: Ich bin nicht sicher, ob sie das dachten.

Lyngeid: (nachdenklich) Sonderbar, wie ihnen dieses Fest zu schaffen macht! Es sieht so aus, als ob alles wichtige aufgeschoben wird, bis es vorbei ist.

Sprecher: Es stimmte in der „Gottesgemeinde“ gärte es. Lyngeid verglich diesen Zustand mit dem Grollen eines Vulkans vor dem Ausbruch.
Eines Abends kam Stian Röst bei Lyngeid vorbei. Er hatte geheiratet und war vor einigen Monaten Vater geworden, doch er war einsamer als je zuvor. Und während dieser ganzen Zeit wahrte er den Schein gegenüber der Kirche. Er fühlte die Leere in seinem sogenannten Christenleben, eine Leere die er durch verschiedene Unternehmungen füllen wollte. Unternehmungen, die oft hart an der Grenze des Schicklichen lagen.

Lyngeid: Geht es dir nicht gut? Bist du im Zweifel über dein Verhältnis zu Gott?

Röst: Nein, darüber bin ich im klaren. Ich gehöre zu den Gottlosen… und Verlorenen.

Lyngeid: Du kannst Erlösung finden.

Röst: Theoretisch weiß ich das auch. Aber in der Praxis geht das nicht. Ich habe bei Mobekk Geld unterschlagen und kann es nicht mehr lange verheimlichen. Die Fälschungen in den Büchern sind plump, wie ich jetzt merke. Und die Sache mit Gott und seinem Gericht macht mir zu schaffen. Was soll ich bloß tun?

Lyngeid: Das ist eine ernste Sache. Geh doch zu Mobekk und sag ihm alles.

Röst: Der stell mich doch vor das Gericht.

Sprecher: Röst brach plötzlich zusammen. Lyngeid redetet auf ihm ein und bot Stian Röst an mit ihm zusammen zu Mobekk zu gehen.

Lyngeid: Wann wollen wir gehen?

Röst: Mir kann es gleich sein. Meinetwegen schon morgen früh. Aber es wäre mir unangenehm wenn Mobekk einen Skandal daraus machen würde, jetzt vor dem großen Jubiläumsfest. Vielleicht wollen wir doch abwarten bis es vorbei ist.

Lyngeid: Ich halte das Aufschieben allerdings für gefährlich.

Musik

Sprecher: Der große Tag war gekommen: Das 50 – jährige Jubiläum der Gemeinde. Die Kirche war überfüllt mit festlich gekleideten Menschen, Sänger und Instrumente füllten die Bühne.
Festmarsch eröffnete die Versammlung und nach einem kurzen Gebet gab Pastor Björnas einen Überblick über die innere Entwicklung der Kirche. Mit vollen Händen streute er Weihrauch um die Gemeinde und deren Arbeitskreise. Aber je mehr Räucherwerk er verbrannte, umso stärker wurde der Duft um seine eigene Person.
Danach gab der Vorsitzende nun allen Vereinigungen und Arbeitskreisen der Gemeinde die gebührende Ehre. Es war ein wohlbedachter Effekt, das er den Kirchenchor zuletzt nannte: denn als er seine Ausführungen beendet hatte, erhob sich verabredungsgemäß der ganze Chor. Nun sollte die Kantate aufgeführt werden. Der Dirigent hatte seinen Platz eingenommen.

Er gab den Ton an. (deutliche Pause)
Der Chor wartete gespannt. (Pause)

Aber da - - - (Pause) der Chor gab keinen Laut von sich. Über die Hälfte des Chores war nicht mehr da. Die Stille des Augenblicks war furchtbar. Sie war erdrückend! -
Aber nur kurz, dann schrie der Dirigent:

Dirigent: (entsetzt und voller Angst) Wir sind verloren!!!

Sprecher: Stian zeigte in die Kirche hinunter mit zitternden Fingern:

Röst: (zitternd) Seht sie euch an – die törichten Jungfrauen!

Sprecher: Im Saal lachte jemand markerschütternd auf. Und Lina rief ängstlich:

Lina: Lyngeid, Lyngeid?!? Bist du da???

Sprecher: Doch da war keine Antwort. Und nirgendwo war noch ein Kind zu sehen.

Akkord

laut und deutlich

(Sofort nach „sehen“, keine Pause)

dann leise, während dem Sprecher, weiterspielen

Sprecher: Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.
Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohnes.
Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging;
und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohnes.
Dann werden zwei auf dem Felde sein; der eine wird angenommen, der eine wird preisgegeben.
Zwei werden mahlen mit der Mühle; die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben.

Matthäus 24; 37 - 42

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