Dez 09 2007
Das bist ja du, Josef!
Das bist ja du, Josef, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation für 4 Personen
Erzähler: Ein Kaufmann, der den Herrn lieb hatte und ihm zu dienen suchte, wie und wo er nur konnte, hatte in seinem Laden einige Fächer mit Bibeln und Neuen Testamenten gefüllt. Oben darüber stand im ganzen Laden sichtbar geschrieben: Hier wird des Christen Schwert verkauft!
Eines morgens kam eine Schar ausgelassener junger Männer die Straße entlang, gefolgt von einer großen Anzahl Neugieriger. Sie hatten sich recht bunt ausgeputzt, so dass man sie für einen Trupp umherziehender Spaßmacher halten konnte. In den Händen trugen sie verschiedene Musikinstrumente. Gerade vor dem Haus des Kaufmanns machten sie halt und begannen zu singen und allerlei Kunststücke zu treiben. Nachdem sie ein paar lustige Liedchen vorgetragen hatten, trat einer von ihnen, ein junger Mann mit interessanten Gesichtszügen, aus den Reihen heraus, um in einer Blechbüchse bei den Umherstehenden Gaben einzusammeln. Seinem ganzen Benehmen konnte man es anmerken, dass er bessere Tage gekannt hatte. Nachdem er die Runde gemacht hat, ging er auch in den Laden, von dem aus der Kaufmann dem seltsamen Treiben der jungen Leute zugesehen hatte. Auf seine Bitte um eine Gabe nahm jener eine Bibel aus dem Fach und sagte:
Kaufmann: Hören Sie, mein Lieber, ich will Ihnen zehn Mark und obendrein dieses Buch schenken, wenn Sie mir versprechen, Ihren Kameraden einen Abschnitt, den ich Ihnen näher bezeichnen werde, so laut vorzulesen, dass alle Umstehenden es hören können.
Erzähler: Lachend nahm der junge Mann die Bibel in Empfang, trat in die Tür und rief den Draußenstehenden zu:
Josef: Hier gibt’s was zu verdienen, Jungs! Der Herr hier will mir zehn Mark geben, wenn ich euch eine kleine Vorlesung halte.
Erzähler: Während alle erwartungsvoll auf den Sprecher blickten, öffnete der Kaufmann die Bibel bei dem 15. Kapitel des Evangelium Lukas und bat den jungen Mann, beim elften Vers mit dem Lesen zu beginnen.
Freund: Na, dann ran an die Arbeit, Jupp! Verdiene dir das Geld wie ein Mann!
Erzähler: Josef nahm das Buch aus der Hand des Kaufmanns, trat unter seine Kameraden und las:
Josef: Er sprach aber: Ein gewisser Mensch hatte zwei Söhne; und der jünger von ihnen sprach zu dem Vater: Vater, gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt. Und er teilte ihnen die Habe.
Erzähler: Die Seltsamkeit der Umstände sowie etwas in der Stimme des Lesenden bewirkte, dass es ganz still wurde. Des Jünglings Gesicht hatte plötzlich einen tiefernsten Ausdruck angenommen. Er stockte einen Augenblick, las dann aber weiter:
Josef: Und nach nicht vielen Tagen brachte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste weg in ein fernes Land, und daselbst vergeudete er sein Vermögen, indem er ausschweifend lebte.
Freund: Das bist ja du, Josef. Das ist ja genau das, was du mir von dir und deinem Vater erzählt hast.
Josef: Als er aber alles verzehrt hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und er selbst fing an, Mangel zu leiden.
Freund: Das bist ja du wieder, Josef!
Josef: Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seine Äcker, Schweine zu hüten. Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Trebern, welche die Schweine fraßen; und niemand gab ihm.
Freund: So geht es uns allen. Wir sind alle Bettler und könnten es doch weit besser haben. Doch lies weiter.
Erzähler: Der junge Mann folgte der Aufforderung, aber seine Stimme zitterte merklich.
Josef: Als er aber zu sich selbst kam, sprach er: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluss an Brot, aber ich komme hier um vor Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.
Erzähler: Weiter kam er nicht. Die Stimme erstickte. Kein Laut unterbrach die atemlose Stille. Der Jüngling stand da, wie an den Boden gebannt. Sein Gesicht zuckte, während sein Auge starr auf das Buch gerichtet blieb, das er in seinen zitternden Händen hielt. Die eben gelesene Geschichte enthielt fast genau das, was er selbst getan hatte. Auch er hatte das Haus eines wohlhabenden Vaters mutwillig verlassen und in einem wüsten Leben sein Vermögen verprasst. Und jetzt erinnerte er sich plötzlich auch, wie der verlorene Sohn im Gleichnis des trauernden alten Vaters, der Liebe, die ihn in der Heimat umgeben hatte, der Hausangestellten, denen es nie an Speise und Trank mangelte, während er selbst, der Sohn eines so reichen Vaters, in der Fremde zwar nicht eine Schweineherde hütete, aber doch auf traurige Weise sein kümmerliches Brot verdiente.
Dieser Tag wurde der Wendepunkt in dem Leben dieses verlorenen Sohnes. Er suchte Rat bei dem Kaufmann, der das Mittel zu seiner Umkehr gewesen war. Dieser schrieb an seine Eltern, und die Folge war, dass der junge Mann nach langer Abwesenheit in tiefer Reue in das elterliche Haus zurückkehrte. Die Geschichte des verlorenen Sohnes erfüllte sich aufs schönste an ihm. Er kam ganz zurück. Jesus Christus wurde sein Heiland und sein Herr, und der Vater seines Herrn und Heilandes, Gott, wurde in Wahrheit sein Vater.
ENDE
Leave a Reply
You must be logged in to post a comment.

