Sep 02 2007
Reife Felder
Reife Felder, ein christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest für 5 Personen
Erzähler: Es ist der Abend vor dem Erntedankfest. Bruder Leo sitzt an seiner Predigtvorbereitung für den nächsten Tag, doch er kann seine Gedanken nicht richtig sammeln. Da tritt Angela, seine Ehefrau, ein.
Angela: Ich möchte dich zwar nicht stören, doch muss ich dich daran erinnern, dass wir die Kinder noch von den Eltern abholen müssen.
Leo: Es schadet sicher nicht, wenn die Kleinen noch etwas bei ihren Großeltern bleiben. Setz dich doch etwas zu mir. Ich komme sowieso nicht weiter mit meinem Konzept.
Angela: Du musst die Predigt morgen halten und bist noch nicht fertig?
Leo: Ja, es ist diesmal spät geworden, doch ich konnte noch zu keinem endgültigem Ergebnis kommen, obwohl ich mir schon viele Gedanken gemacht habe.
Angela: Ich wollte dir bestimmt keinen Vorwurf machen. Über welchen Text möchtest du denn sprechen?
Leo: Ich dachte an die Worte Jesu im Johannesevangelium, Kapitel 4 vom Säen und Ernten. Diese Worte folgen auf das Gespräch mit der Samariterin, als seine Jünger ihm Speise brachten. Er sagt zu ihnen: Sagt ihr nicht selber: Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte. Siehe, ich sage euch: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder, denn sie sind reif zur Ernte.
Angela: Das ist eine Stelle, die ich noch nie ganz verstanden habe. Die Jünger werden doch wohl gewusst haben, wann das Getreide reif ist.
Leo: Die Jünger hatten schon recht, wenn sie meinten, es wären noch vier Monate bis zur Ernte. Die Gersten- und Weizenernte liegt in Palästina im April bis Mai. Also muss dieses Gespräch im Dezember oder Januar stattgefunden haben. Die Saat erfolgt im Oktober bis November. Es konnten also zu dieser Zeit nur kleine grüne Halme zu sehen sein.
Angela: Das mit der Ernte kann ja schon so stimmen, doch was wollte Jesus seinen Jüngern damit verdeutlichen?
Leo: Wenn Jesus sagte: siehe, das Feld ist reif zur Ernte, dann meinte er die Herzen der Menschen. Während die Jünger sich um irdische Dinge bemühten, hatte Jesus schon reife Felder gesehen. Er hatte diese nicht dort gefunden, wo die Jünger sie vielleicht suchten, sondern im verachteten, außenstehenden samaritischen Volk. Jesus fordert seine Nachfolger auf, ihre Augen aufzuheben, von sich selbst wegzusehen und nicht aus eigenem Ermessen zu urteilen, ob die Felder reif sind oder nicht.
Angela: Ach so ist das! Doch bestimmt hat Jesus dies nicht nur zu seinen Jüngern sagen wollen. Denken nicht viele Christen unserer Zeit genauso?
Leo: Natürlich. Und wir brauchen gar nicht soweit greifen. Auch in der Gemeinde gibt es Menschen die keine reifen Felder sehen. Sie legen die Hände in den Schoß und warten ab. Es ist eigentlich sehr schade, dass ein kleiner Teil der Gemeinde sehr viel und ein großer Teil sehr wenig tut.
Angela: Das ist sicherlich eine richtige Beobachtung. Doch, Augenblick, ich glaube, es hat geschellt.
Erzähler: Es hatte tatsächlich geschellt und herein trat Paul, ein Jugendlicher aus der Gemeinde.
Paul: Guten Abend. Ich hoffe ich störe euch nicht zu sehr. Ich kann auch gleich wieder gehen, etwas Besonderes hatte ich nicht vor.
Angela: Nein bleibe nur! – Wir sprachen gerade darüber, dass in der Gemeinde ein kleiner Teil sehr viel zu tun hat und …
Paul: …und ein großer Teil gar nicht an der Arbeit beteiligt wird.
Leo: Wie meinst du das?
Paul: Ja, man kommt als junger, dynamischer Mensch in die Gemeinde und darf nichts tun. Alle Aufgaben sind zu verantwortungsvoll, und man ist für alles zu jung und unerfahren. Dirigenten und Sonntagschullehrer haben wir sowieso genug in der Gemeinde, – und was soll man sonst noch tun?
Ich glaube, in einer großen Gemeinde gibt es einfach zu wenig Ämter, die man belegen kann, als Jugendlicher schon gar nicht.
Leo: Ich sehe es eher genau anders: Je größer die Gemeinde, desto größer auch das Arbeitsfeld. Es gibt auf jeden Fall gerade in einer großen Gemeinde auch für junge Menschen genug Aufgaben. Vielleicht betest du einmal darum, dass der Herr dir die Augen für dein Feld öffnet!
Paul: Ich habe euch sowieso schon zu lange aufgehalten; ich muss jetzt gehen.
Leo: Der arme Paul!
Angela: Es ist einfach schade, das viele Menschen die reifen Felder nicht sehen, weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.
Leo: Und oft sind es Leute, die voller Leben und Energie sind. Sie übersehen die unscheinbaren, jedoch wichtigen Aufgaben. Sie meinen, nur mit sichtbaren Diensten für den Herrn da sein zu können.
Angela: Nun musst du aber weitermachen. Nimmst du den nächsten Vers auch noch dazu?
Leo: Ja. Dieser Vers ist sehr interessant und lehrreich. Hör zu: “Ich habe euch gesandt, zu ernten, wo ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und euch ist ihre Arbeit zugute gekommen. Auf dass sich miteinander freuen, der da sät und der da erntet. Jesus spricht hier von zwei verschiedenen Aufgaben in der Reichsgottesarbeit. Die eine besteht darin, dafür zu sorgen, dass der Samen auf gutes und vorbereitetes Land fällt. Oft ist am Ende der mühevollen Arbeit kein großer Erfolg zu sehen.
Angela: Das ist sicherlich nicht einfach, zumal man viel Geduld haben muss. Bei manchen Samenkörnern wird man das Aufgehen vielleicht nie erleben.
Leo: Du hast völlig recht. Die andere Aufgabe ist die, das Getreide zu ernten und in den Schutz einer Scheune einzubringen. Man könnte meinen, diese Arbeit sei leichter, weil sie auf eine vorangegangene Arbeit aufbaut.
Angela: Und die beiden Arbeiter sollen sich miteinander freuen, sagt Jesus. Ob das immer leicht ist? Wir Menschen sind doch oft so eigensinnig und möchten, dass der Erfolg der Arbeit, die wir geleistet haben, uns selbst zugerechnet wird.
Leo: Das ist leider so. Doch wir sollten uns aufrichtig freuen, wenn unsere Arbeit nicht vergeblich gewesen ist.
Erzähler: Ein Klingeln an der Tür unterbrach Leo und Angela ein zweites Mal. Der Hausherr ging zur Tür und öffnete. Es war Bettina, die Schwester seiner Frau. Sie brachte die Kleinen nach Hause.
Leo: Guten Abend, Bettina! Schön dass du unsere Kinder gebracht hast. Komm doch noch etwas herein!
Angela: Ja, bleibe ein wenig.
Bettina: Na, gut!
Angela: Bettina, sag einmal, du siehst in der letzten Zeit so müde und abgespannt aus. Was ist los?
Bettina: Ach, wisst ihr, Die Kinderarbeit macht mir in letzter Zeit schwer zu schaffen. Die Kinder sind so unruhig und störrisch. Es ist schwer, ihre Herzen zu erreichen. Ich weiß gar nicht, ob die Saat, die gestreut wird, überhaupt Grund fasst und aufgeht.
Leo: Aber sieh dir doch den Jakob an. Als der Junge bei dir in der Kinderstunde war, was war das nicht auch ein unruhiger, frecher Bengel?
Bettina: Ja, alles Reden half nichts, es wurde immer schlimmer, und bald danach wollte er gar nicht mehr kommen.
Leo: Heute jedoch steht der junge Mann auf der Kanzel und alle hören ihn gern. Hat sich deine Mühe und Arbeit da nicht gelohnt?
Bettina: Es sind andere gewesen, durch die er zur Umkehr gekommen ist, und anderen fällt der Erfolg zu. Wem ist das jetzt noch bewusst, dass der Junge einmal bei mir in der Kinderstunde war?
Angela: Denk aber einmal an die Emilie in deiner Gruppe. Ist sie nicht ein Sonnenschein?
Leo: Würde sie so fleißig mitmachen und Lieder singen, wenn nicht schon die Eltern Samen in ihr Herz gestreut hätten? Wir sprachen vorhin über die Stelle, “… damit sich miteinander freuen, der da sät, und der da erntet. In dem Fall Jakobs hast du gesät und andere haben geerntet. Bei Emilie dagegen, erntest du, was die Eltern schon eingestreut ha-ben. Gott möchte, dass die gemeinsame Arbeit uns verbindet und gemeinsame Freude bringt.
Erzähler: Nachdem auch Bettina das Haus verlassen hatte, stellte Bruder Leo fest, dass er wohl kaum eine bessere und anschaulichere Predigtvorbereitung hätte haben können.
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