Aug 31 2007
Katastrophe vor dem Fest
Katastrophe vor dem Fest, ein christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest für vier Personen.
Sprecher: Ulrich Marten hatte die Ellenbogen auf den Tisch gestemmt und grübelte am zweiten Tag nach der Katastrophe, noch immer fassungslos vor sich hin: Ausgerechnet nach dieser Rekordernte. Wenn die Scheune im vorletzten Jahr angebrannt wäre, da war die Ernte nicht so groß. Aber jetzt… Wenn man nur wüsste wie es passiert ist. Barndstiftung? Feinde im Dorf?
Ulrich: Heute ist nun Erntedankfest. Ein Hohn ist das ganze. Zwei Tage vor dem Fest brannte alles nieder. Die harte Arbeit eines Jahres umsonst, verloren, Geldverlust, der überhaupt noch nicht zu überblicken ist. Wie habe ich mich gefreut über die Fülle. Wer hätte damit gerechnet? War es Brandstiftung? Und das auch noch vor dem Dankfest. Jahre werde ich brauchen um den Schaden wieder gutzumachen.
Sprecher: Bei diesem Gedanken krampften sich die Hände zu Fäusten und der Bauer Ulrich Marten schlug damit verzweifelt auf die harte Tischplatte.
Ulrich: Solch ein Erntedankfest! Überhaupt – Dankfest? Wofür habe ich zu danken? Wem? Habe ich die letzten Jahre gedankt? Nein, letztes Jahr auch nicht. Ich habe mich nur über die gefüllten Scheunen gefreut.
Stimme: Du Narr, diese Nacht…
Ulrich: Mein Gott, daran habe ich nie gedacht. Ich habe mich nur auf meiner Hände Arbeit verlassen. Aber es lag kein Segen darauf.
Sprecher: Wieder schoben sich die Schreckensbilder der Brandnacht dazwischen. Und wieder drehten sich seine Gedanken im Kreis und er kam von der Wut, dieser Ungerechtigkeit aus dem „Warum“ nicht heraus. Dann wurde er ruhig.
Ulrich: Warum muss erst eine Katastrophe kommen, bevor man über den Sinn dieses Festes nachdenkt? Es stimmt, seit Monaten hatte ich keine Zeit mehr zum Beten gefunden. Es muss schlimm um uns stehen, wenn wir Bauern keine Zeit mehr zum Beten finden. Sind wir nicht draußen unter freiem Himmel Gott am nächsten? Man tut soviel anderes und vergisst so leicht das Wichtigste.
Sprecher: Und so kam es, dass der Kornbauer Ulrich Marten am Erntedankfest still in der Reihe beim Gottesdienst saß und betete. Er hatte nicht so sehr viel zu danken, aber dafür umsomehr Gott um Vergebung und um Nachsicht zu bitten. Wer ihn so ruhig sah, der dachte:
Nachbar: Der hat Nerven! Hat ihm der Brand nicht die ganze Ernte, alles was er hatte genommen? Und jetzt sitzt er so da.
Sprecher: Bei der großen Feier unter freiem Himmel war Ulrich Marten nicht dabei. Er ging in die Stille und vertiefte sich aufs neue in Gottes Wort. In den anderen Bauern erwachte ein Mitgefühl, sie konnten nicht verstehen, warum Ulrich so ruhig und gefasst war, aber sie wollten ihm gemeinsam helfen die Scheunen aufzubauen. Auch der Geizigste unter ihnen wollte helfen. Bauer Ulrich Marten war dankbar dafür, aber er wusste, das er sich lieber Schätze im Himmel sammeln wollte und das Gebet wollte er nicht mehr vergessen. Mit Gottes Hilfe brachte er ihm seine Gaben.
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