Nov 17 2007
Die Jähzorn Bauern
Die Jähzorn Bauern, ein christliches Anspiel zum Thema Erntedankfest und Ewigkeit für 8 Personen
Autor: An der chinesischen Gartenmauer steht solche Inschrift: „Es ist schon später als du denkst“. Damit ist aber nicht deine Taschen- oder Handuhr gemeint, denn die wäre schnell reguliert. Es ist auf der Weltuhr später als du denkst. Auch in deinem Lebensabschnitt ist es später, als du denkst. Gleich wie der heutige Tag vorbei geht und nie, nie wieder kommt, so geht unser Leben Tag für Tag der Ewigkeit entgegen. Und es geht schnell, ja schneller als wir denken. Und doch ist dieses nicht die Hauptsache. Wichtig ist, dieses kurze Leben nicht vergeblich gelebt zu haben! O, wie viele Menschen leben gleichgültig dahin, als ob sie niemals sterben müssten, als ob es keine Ewigkeit gäbe. Und wenn heute von ähnlichen Menschen die Rede sein wird, bitten wir Gott, dazu Gnade zu schenken, dass es für uns eine Warnung sein möchte und wir alle zubereitet werden, einst mit Freuden dem Herrn entgegen zu gehen, wenn er ruft.
Musik: („Näher mein Gott zu dir”)
Außerhalb des Dorfes, mitten im Feld lag der Erlenhof. Hohe mächtige Erlen umgaben das Anwesen. Unheimlich, geradezu als hüteten sie irgendein Geheimnis. Einsam lag das Gehöft da, als wollte es von niemandem etwas wissen, als dulde es keinen Fremden auf dem Hof. Jeder nannte den Namen des Erlenhofbauern mit einer gewissen Scheu, mit einer Zurückhaltung, über die man nicht gerne Worte verlor. Jeder kannte im Dorf jenen unsagbar zornigen Menschen, der keinen Freund im Dorf hatte und haben wollte. Der stolz darauf war nur Feinde zu haben, und mit seiner ganzen Umwelt im Unfrieden zu leben.
Der Vater des Erlenhofbauern hatte einst sein Anwesen dicht bei der Kirche gehabt und von dort aus seine Felder bestellt. Auch er lebte ständig im Krieg mit der Nachbarschaft, besonders mit dem Pastor. Sein Jähzorn war sprichwörtlich geworden und jeder ging dem Bauer aus dem Weg. Seine Felder hatte er in einer musterhaften Ordnung. An Fleiß fehlte es nicht bei dem „Jähzornbauer“ – wie ihn die Kinder nannten. Morgens war er der erste und abends der letzte auf dem Hof. Besonders stolz war der Bauer auf seine Pferde. Da er in der Jugend das Schmiedehandwerk gelernt hatte, machte er sämtliche Schmiedearbeit allein. Dazu hatte er in der Woche allerdings keine Zeit, dazu suchte er sich jedes mal den Sonntag.
(Glockenklänge…)
Bauer: Gottfried, brennt das Feuer in der Schmiede?
Gottfried: Jawohl mein Herr!
Bauer: Dann vorwärts, denn gerade jetzt beginnt das Pastorlein in der Kirche seine frommen Reden! Ich habe es so gern, wenn unsere Hammerklänge ihn und die Orgel übertönen.
Autor: Und so ging es jeden Sonntag. Wenn der Pastor auf der Kanzel stand und Gottes Wort predigte, schwang der Bauer seinen Hammer und arbeitete regelmäßig während des Gottesdienstes so laut auf dem Hof, dass der Pastor sehr gestört wurde. Wenn der Hammer auf dem Amboss niederfiel und die Funken im Kreis umher flogen, pflegte der Bauer zu seinem Gehilfen zu sagen:
Bauer: Das ist meine Choralmusik, ich kann doch noch lauter predigen als der Pastor!
Gottfried: Pflegen sie niemals in die Kirche zu gehen? – Na, – ich meine wenigstens aus Neugierde, es sind ja nur wenige Schritte bis dahin.
Bauer: Du siehst, dass das Feuer nicht ausgeht. Reicht, dass sich der Pastor jedes mal abmüht mit solchen Fragen. So wie es aussieht, geht er auch heute nicht vorbei.
Autor: Und der Bauer hatte recht. Eben hatte er diese Worte ausgesprochen, da erblickten sie durch die offene Tür, wie der Pastor auf den Hof kam.
Pastor1: Wünsche Gottes Frieden eurem Hause!
Bauer: Ich wünschte sie wären mit dem Gottesfrieden an meinem Hofe vorübergegangen.
Pastor1: Es tut mir leid, dass Sie die Liebe Gottes so von sich wenden, aber Jesus, ja Jesus Christus liebt sie doch! Und er wartet auf Sie. Die Zeit ist doch so ernst, bedenken Sie…
Bauer: (fällt ihm ins Wort) Hören sie auf, Herr Pastor, das was sie da sagen kann ich schon längst auswendig, – ich gehöre zu den fortschrittlichen Menschen, die über all das, was sie da predigen, längst hinweg sind. Ich komme auch ohne euch in den Himmel. Ich lege auch keinen Wert darauf mit kirchlichem Segen und Pfarrer Geschwätz einst begraben zu werden. Und wenn sie nichts anderes zu reden haben, können sie gehen.
Pastor1: Ich wollte sie nicht aufregen. Ich gehe sofort, aber ich will doch weiter für sie beten.
Autor: So hatte der Pastor sein möglichstes in Geduld mit fasten und beten getan. Umsonst! Der Bauer wollte nichts wissen und wies den Pastor jedes mal hart von sich.
Es war an einem Karfreitagmorgen! Still versammelten sich die Dorfbewohner zum Gottesdienst. Kaum fing die Orgel an zu spielen, begann der Bauer auf seinem Hof die Dreschmaschine auszuprobieren. Auf vollen Touren heulte die Maschine und machte einen solchen Lärm, dass die Feierlichkeit des Karfreitags Gottesdienstes außerordentlich gestört wurde. Diesmal befand sich unter den Gottesdienstbesuchern ein Polizeibeamte. Dieser begab sich auf den Hof des Bauers.
Polizist: Was ist das für ein Lärm? Stellen Sie sofort die Maschine ab. Ich befehle es Ihnen! Das ist ja unmenschlich was sie da machen. Und das am stillen Freitag.
Bauer: Ist das aber eine Frechheit auf meinem Hof. Sie wissen einfach nicht, wer hier wohnt, aber sie sollen es von heute an wissen, dass sie es mit einem zu tun habe, der vor solch einem Betrug keine Furcht hat. Die Maschine wird zu eurem Ärger weiter laufen. Haben sie verstanden?
Polizist: Das werden sie schwer büßen müssen. Stellen sie sofort die Maschine ab!
Bauer: Was? Sie wollen mich erschrecken? Was gedenken sie bloß mit mir zu machen? Schafft euch fort von hier, ehe es schlimme Folgen gibt.
Polizist: Ich warne sie noch einmal! Seien sie „menschlich“ und stellen sie die Maschine ab.
Bauer: Seht mal, er will mir befehlen, was ich tun und nicht tun darf! Fort von meinem Hof und hütet euch noch einmal wiederzukommen.
Autor: Die Maschine lief bis zum Schluss des Gottesdienstes weiter. Etliche Tage später trat Gottfried ins Zimmer und überreicht dem Bauer einen Zettel.
Gottfried: Hier, eine gerichtliche Vorladung für Morgen, mein Herr.
Bauer: (zerreißt, den Zettel) Wirf’s in den Papierkorb, denn dort gehört es hin. Und sollten noch welche kommen, tue dasselbe.
Autor: Als er auch der zweiten und dritten Vorladung nicht Folge leistete, wurde der Bauer eines Tages von der Polizei zum Ergötzen der Dorfbewohner zwangsweise vorgeführt. Das Gericht verhängte eine recht beachtliche Strafe und drohte im Wiederholungsfall mit schärferen Maßnahmen. Kurz darauf entschloss sich der Bauer, seinen Bauernhof im Dorf aufzugeben und inmitten seines Feldes einen neuen aufzubauen. Er konnte es sich ja leisten und prallte vor aller Welt, dass er sich zum Ärger aller andern Bauern einen stattlichen Hof aufbauen wollte, der der schönste sein werde von allen Gehöften der Umgebung. So entstand der Erlenhof prächtig und schön. Aber Gott sprach „Du Narr, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern und was wird’s sein, den du bereitet hast?“ Wenige Tage nach der Übersiedlung in das neue Gehöft erlitt der Bauer einen Schlaganfall und starb bald darauf. Auf seinen Wunsch wurde die Leiche im Krematorium der Nachbarstadt verbrannt und die Asche still beigesetzt.
Autor: Den Hof übernahm sein Sohn. Man nannte ihn den Erlenhofbauer. Wie erwartet trat er völlig in die Fußspuren seines Vaters. Er kannte keinen Kirchgang, keine Sonntagsheiligung, kein Gebet. Am Sonntag, nachdem Begräbnis des Vaters, ging der alte Pastor den Bauern zu besuchen.
Pastor1: Guten Tag, junger Bauer. Wenn es erlaubt ist, wollte ich sie an diesem Ruhetage besuchen. Es tut mir recht Leid um sie, so plötzlich den Vater verloren zu haben. Es ist für unser ganzes Dorf eine ernste Sprache Gottes. Aber ich möchte doch wissen, wie es ihnen geht.
Bauer: Herr Pastor, ich bin heute sehr eingenommen mit Dung fahren. Dieser Misthaufen muss heute noch aufs Feld. Das Eisen muss man schmieden, wenn es heiß ist, sagt das wahre Sprichwort.
Pastor1: Ruhen sie nicht am Sonntag von der schweren Wochenarbeit? Der Mensch bedarf es doch, und die Seele bedarf auch das ihrige.
Bauer: Ich habe es schon mal gesagt, dass ich heute keine Zeit habe, schon gar nicht für fromme Gespräche. Ich feiere den Montag als Ruhetag und Sonntag ist ein Arbeitstag wie alle anderen Wochentage. Im übrigen, Herr Pastor, brauchen sie den Weg zum Erlenhof nicht mehr machen.
Autor: (Musik begleitend) Schweren Herzens ging der Pastor vom Hof und betrat ihn nie wieder. Nachdem er 42 Jahre seiner Gemeinde treu gedient hatte, erkrankte er und starb bald darauf. Das war für die ganze Umgebung ein schwerer Verlust. (Musikende)
Ein neuer Pastor war gekommen. Ein tief gegründeter demütiger Mann mit seiner lieben Gattin, Luise. Es war seine erste Pfarrerstelle. Als er sich nach dem Erlenhof erkundigte, erzählten die Leute soviel von dem jähzornigen Bauer. Jeder warnte den Pastor sich auf diesen Hof zu begeben. Der Pastor entschloss sich dennoch den Bauern aufzusuchen und teilte diesem das schriftlich mit.
Gottfried: Hier ein Brief, mein Herr. Ein Junge brachte ihn und bat denselbigen so schnell wie möglich einzuhändigen.
Bauer: (nimmt den Brief und liest) Lieber Bauer! So Gott will gedenke ich kommenden Sonntag, nach dem Gottesdienst sie zu besuchen, um mit ihnen näher bekannt zu werden. Wünsche sehr, sie zu Hause anzutreffen. Mit einem Gruß Pastor der Ortsgemeinde.
So, so. Er sucht meine Bekanntschaft. Das heißt er will mich einfangen mit seinen frommen Reden? Er täuscht sich. Mit solchen Fallen fängt er mich nicht. Und wo nehmen sie sich nur alle her. Kaum ist der alte gestorben, ist auch schon ein anderer da. Als ob man ohne sie nicht leben kann.
Autor: Der Sonntag war gekommen, an dem der Pastor den Besuch unternehmen wollte. In der Pastorfamilie ging es aber nicht gleichgültig zu. Es waren ernste Tage des Gebets für sie.
Pastor2: Morgen ist ein schwerer Tag für uns, Luise! Ich wünschte, er wäre schon vorüber. Die Leute erzählen soviel Übles von dem Bauer. Sie sagen, dass er seinen Vater sogar übertritt im Jähzorn. Aber wie dem auch sein mag, Christus ist auch für ihn gestorben und ich bin schuldig ihm das warm ans Herz zu legen. Der Herr stehe uns bei.
Luise: Mein lieber Mann, bist du überzeugt dass du schon hingehen musst? Vielleicht genügt es vorläufig ernst zu fasten und zu beten, das Gott sein Herz erweichen möge. Man kann es sich leicht verderben.
Pastor2: Nein, Luise, erstens habe ich es ihm schriftlich benachrichtigt, dass ich komme und zudem weiß ich, dass Gott es so haben will
Luise: Ja, ich will auch ergeben sein, tue wie es dir klar ist. Gott bewahre und segne uns.
Pastor2: (leise Musik) Lieber himmlischer Vater, Ich danke dir, dass du die Sünder liebst und nicht willst, dass jemand verloren gehe. Ich danke dir, dass du uns berufen hast diese frohe Botschaft den verlorenen zu bringen. Ich bitte dich du wollest meinen Besuch bei dem Bauern segnen. Du wollest sein Herz auftun für dich, damit er könnte gerettet werden. Erhöre mich. Amen.
Autor: Als am Sonntag der Pastor nach dem Gottesdienst den Erlenhof betrat, war der Bauer gerade mit seinem alten Knecht Gottfried dabei, Dung aufzuladen. Dies war seine Sonntagsarbeit. Der Bauer spuckte auf die Hände, nahm von dem Pastor keine Notiz, und lud weiter auf. Der Pastor versuchte nun mit aller Güte den Bauer zu einem Gespräch mit ihm zu bitten.
Pastor2: Lieber Bauer, wenn es erlaubt ist, möchte ich sie ein wenig sprechen. Ich will sie auch nicht länger aufhalten. Ich bin nämlich der Pastor und wollte ihnen, wie allen andern Dorfbewohner, einen Besuch abstatten. Wir wollen doch einmal alle in den Himmel und…….
Bauer: (fällt ihm aufregend ins Wort) Was und? Sie sehen doch, dass ich keine Zeit habe. Zudem mögen Sie ihren Schäfchen vorpredigen, bis sie alle male bekehrt sind. Mich bekehren sie nicht, Herr Pastor, und auf meinem Hof dulde ich keine Predigten. Ich glaube an keinen Gott, ich brauche keinen Gott, Gott braucht mich! (Zeigt mit dem Finger auf sich) Und du Gottfried, was stehst du und sperrst den Mund auf? Oder wolltest du dich auch schon bekehren?
Pastor2: Ich rate nicht zu spotten und Gott in Ruhe zu lassen. Denn es steht geschrieben: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten.“
Bauer: Hören sie auf die Hölle zu heizen. Ich glaube an keine Ewigkeit. Herr Pastor, Ewigkeit ist ein Pfarrer Geschwätz! Ein leeres dummes Pfarrer Geschwätz, das nur zur Verdrehung der Menschen dient und zu weiter nichts. Wenn ich einmal tot bin, mag man mich auf dieser Mistschleife zum Friedhof fahren, das ist mir ganz egal. Sie können mich wie einen Hund einscharren. Herr Pastor, hören sie, wie einen Hund!
Autor: Danach nahm der Bauer seine Mistgabel und arbeitete weiter. Traurig verließ der Pastor den Hof. Es war sein erstes schweres Erlebnis in seinem neuen Amt. Der Pastor sprach kein Wort über den Vorfall im Erlenhof, umso lauter höhnte der Bauer in den Gasthäusern der Nachbarstadt. Bald wusste es jeder im Dorf und war empört über die Ungehörigkeit des Bauern. Trotz seiner kirchenfeindlichen Haltung, zeigte der Bauer noch ein kleines Interesse an der Kirche. Dieses bestand darin, an jedem Silvesterabend einen Knecht in die Kirche zu schicken, um dort 52 einzelne Pfennige abzugeben.
Gottfried: Herr Pastor, hier bringe ich die 52 Sonntägliche Pfennige von meinem Herr Bauer, sie sollen es in den Gotteskasten werfen, denn das pflegt er jeden Silvesterabend zu tun, so habe es sein Vater immer getan.
Pastor2: Bringen sie das Geld ihrem Herrn zurück. Wir können es nicht brauchen, das bringt doch keinen Segen. Sagen Sie ihm, er möge das Geld weiterhin für sich behalten.
Autor: Die Erntezeit war gekommen. Auf den Feldern stand dieses mal eine gute Ernte. Nach alten Sitten waren alle Bauern zum Gottesdienst gekommen, um bei Beginn der Ernte dem Herrn zu danken und um gutes Wetter für die Einbringung der Ernte zu bitten. Es fehlte nur einer, der Erlenhofbauer. Während die Kirchenglocken über die Felder dahin klangen, schickte der Bauer seinen Knecht Gottfried mit einer Mistschleife voller Dung zum Feld hinaus. Er selbst holte sich seine besten Pferde und spannte sie vor seine neue Dreschmaschine, die das Getreide zugleich in Garben band und hinter sich warf. Wenn die andern Bauern aus der Kirche kamen, sollten sie den Erlenhofbauer mit seiner neuen Maschine mähen sehen und neidisch werden. Er prahlte vor seinem Hofgesinde.
Bauer: Ist es nicht ein nettes Ding? Solch eine Maschine haben unsere Bauern noch nicht gesehen. An der äußersten Grenze fange ich an zu mähen. Die Augen sollen den Bauern aus dem Kopfe fallen vor Neid.
Autor: Pfeifend fuhr der Bauer aufs Feld hinaus. Wenn der Gottesdienst geschlossen wurde, mussten die Kirchengänger am Feld, wo er mähte, vorbei kommen. Ob sie wollten oder nicht, sie würden stehen bleiben müssen und seine neue Maschine und deren moderne Arbeitsweise bewundern.
Der Knecht war inzwischen zum zweiten mal mit der Mistschleife aufs Feld hinausgefahren und wollte bereits umkehren, da sah er plötzlich in der Ferne die Pferde seines Herrn dahinjagen. Der Knecht bestieg sein Pferd und eilte zum Kornfeld hinüber. Vergeblich suchte er den Erlenhofbauer. Es gelang ihm mit Mühe, den beiden Pferden in die Zügel zu fallen und sie zum Stehen zu bringen. Zitternd und schweißfließend standen sie vor dem Knecht, als habe der Tod ihre Zügel geführt. Die Mähmaschine hatte die Pferde in einem rasenden Tempo mit noch arbeitendem Schneidewerk hin-ter sich geschleppt. Blutig ist die Mähmaschine, Fleischstücke hängen zwischen den Messern, von dem Bauer ist nichts mehr zu sehen. Nur einzelne Körperteile lagen umher, ein entsetzlicher Anblick! Was war geschehen? Niemand war Augenzeuge des Unglücks gewesen. Gerade war der Gottesdienst zu Ende und laut schreit der Knecht den nahenden Leuten zu.
Gottfried: Ein Unglück!!! (Musik-Akkord) Ein schreckliches Unglück! Dort liegen die Stücke unseres Bauern.
Autor: Die eingehende Untersuchung ergab folgendes: Gleich nachdem der Erlenhofbauer angefangen hatte zu mähen, musste sich das rechte Pferd von der Mähmaschine gelöst haben. Ohne die Messer der Maschine abzustellen, war der Bauer von seinem Sitz gesprungen, zwischen die Maschine und die Pferde, um das Pferd anzubinden. In diesem Augenblick zogen die Pferde an und rasten mit voll arbeitender Maschine davon. Statt der Garbe lagen hinter der Maschine die zerstückten Teile des Bauern. Unter den Gottesdienstbesuchern befand sich auch der Polizeibeamte. Der nahm sofort das Protokoll auf, benachrichtigte die hierfür zuständige Kommission und sperrte das gesamte Feld ab. Am Nachmittag war die Untersuchung abgeschlossen.
Polizist: Gottfried! Die Untersuchung ist abgeschlossen. Sorgen sie dafür, dass die Leiche sofort auf den Erlenhof geschafft wird.
Autor: Gottfried lud die zerfetzten Stücke seines Herrn auf die Mistschleife, deckte ein Zelttuch darüber und fuhr damit zum Erlenhof. Hier wartete bereits der Tischler mit dem Sarg. Still wurde, was vom Erlenhofbauer noch übrig geblieben war, in den Sarg gelegt und das Zeittuch darüber gedeckt. Als man den Sarg schließen wollte, rief Gottfried:
Gottfried: Halt, nicht zunageln! Hier bringe ich ein Spiel Karten. Er hat zu mir gesagt, wenn ich einmal tot bin, will ich meine Karten bei mir haben! Es ist mein Gesangbuch. Dann wird’s mir in der Hölle nicht so langweilig werden.
Autor: Die Behörde hatte die sofortige Beisetzung der Leiche angeordnet. Als es dunkel geworden war, schleiften zwei Knechte den Sarg ihres Herrn zum Friedhof hinaus und senkten ihn alsbald mit Hilfe des Totengräbers in einer Ecke des Gottesackers in die Erde. Wie einen Hund auf der Schleife, gerade so, wie es der Bauer einst dem Pastor über sich heraufbeschworen hatte. Niemand von den Angehörigen des Bauern war zugegen. Als die Leiche verscharrt war, ging der Pastor zum Friedhof hinaus und traf dort den alten Totengräber, der die Geräte gerade wegräumen wollte. Als er den Pastor sah, fragte er:
Toteng.: Stimmt es, Herr Pastor, das einst zum Erlenhofbauern gesagt haben: „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten?“
Pastor2: Ja damals, als ich den Bauer besuchte und über Gottes Wort reden wollte, damals war es die einzige Antwort, die ich ihm geben konnte. Er hat sich selbst das Gericht gesprochen.
Autor: Wie ein Schrecken ging die Kunde von dem plötzlichen Tod des Erlenhofbauern durch das ganze Dorf. Jeder sah es, dass Gott über sein Wort gewacht hatte. Selbst in den Gaststätten, in denen der Bauer seine gotteslästerlichen Reden zu halten pflegte, wurde es still. Mancher Spötter verstummte in dieser Zeit und fing an über Gott und Ewigkeit nachzudenken. Als die Kirchenglocken am nächsten Sonntag über die Felder dahin klangen, strömten die Leute zur Kirche. Manch einen, der sonst nicht zur Kirche kam, sah man an diesem Sonntag. Der Pastor predigte über das Wort „Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“
Liebe Zuhörer! Gott ist ein Gott der Liebe und Geduld. Auch mit einem jedem von uns hat er große Geduld gehabt! Und wenn du sagst: „Ich bin kein Spötter, so bist du vielleicht doch nicht bereit dem Herrn zu begegnen. Aber dazu werden dir alle Möglichkeiten geboten, und unsere Bitte ist: Nütze diese Möglichkeit aus, um glücklich hier auf Erden und einst ewig beim Herrn zu sein. Tue es, so schnell wie möglich. Die Zeit ist kurz. Denn es ist schon später als du denkst!!!
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