Sep 22 2008
Die Decke
Die Decke, ein christliches Anspiel zum Erntedankfest für 4 Personen
Vater: Es ist recht kühl heute Abend, obwohl wir erst September haben. Der Himmel scheint durch seine blaugraue Farbe den ersten Nachtfrost ankünden zu wollen.
Holger: Vater, willst du damit sagen, dass auch die Haferernte durch den Frost schlecht ausfallen wird?
Vater: Ja, Holger. Das letzte Jahr ist für die Landwirtschaft sehr ungünstig gewesen. Die Heuernte ist durch den anhaltenden Regen missraten und durch den Hagel hat auch der Roggen sehr gelitten. Tja, mein Sohn, ich fürchte aus deinem Studium wird nichts, zumindest in diesem Jahr. Wenn nun auch der Hafer keinen Gewinn bringt, habe ich nicht das nötige Geld für dich. Dann musst du mir hier auf dem Hof helfen, weil ich keine fremde Hilfe bezahlen kann. (nachdenklich) Dass ich gerade soviel Hafer gesät habe? Und er steht so schön.
Sprecher: Es war fast ein liebkosender Blick, mit dem der Vater das riesige Haferfeld betrachtet, dass sich bis zum Horizont erstreckte. Dann aber nahm sein Gesicht einen sehr sorgenvollen Ausdruck an als er zum Himmel schaute, der in seiner durchsichtigen Klarheit nichts Gutes verhieß. Holger antwortete nichts darauf, seine Enttäuschung war zu groß. Sollten seine Anstrengungen, sein Fleiß und seine Ausdauer umsonst gewesen sein? Der Vater ging ins Haus, doch Holger stand immer noch auf dem Hof und schaute zum Himmel. Um ihn her war es auffallend still.
Holger: Diese vollkommene Ruhe ist grade zu bedrückend. Ich wünschte, ich könnte jetzt das Heulen und Pfeifen herbstlicher Regenböen hören. Aber kein Lüftchen regt sich. Der Wetterhahn zeigt schon seit Stunden nach Norden und die Temperatur sinkt. Vorhin waren es noch 6°C gewesen und jetzt zeigt das Thermometer ganze 3°C an. Wir haben keine Aussicht auf anderes Wetter. Dabei habe ich doch seit Wochen für das geplante Medizinstudium Gott um Segen gebeten. Und nun soll eine Frostnacht meine ganze Hoffnung zerstören? Kann ich überhaupt noch glauben? (schaut zum Thermometer) 2°C! Es gibt Frost, sogar starken Frost! Alles, alles aus!
Stina: (kommt dazu) Was ist aus?
Holger: Mit meinem Studium, wenn der Hafer erfriert. Aber das verstehst du noch nicht und das brauchst du auch nicht. Du kannst ja doch nichts daran ändern.
Stina: Tut dir das denn so leid, wenn du nicht studieren kannst? Hier bei uns ist es doch am allerschönsten, oder nicht?
Holger: Ja, Stina, das tut mir sehr leid.
Stina: (schaut den Bruder von der Seite an, spricht zu sich selbst) Verstehe ich nicht. Es muss wohl eine böse Sache sein. Was hat denn Studium mit Wetter und Hafer zu tun? Ich hab’s! – Holger, ich hab eine Idee! Mutter hat heute über das Blumenbeet an der Hauswand eine Decke gelegt, damit die Blumen nicht erfrieren. Das hat sie mir erklärt. Kann Vater nicht den Hafer auch zudecken?
Holger: (unwillig) Dummes Zeug! (dann lachend) Nein, Stina. So eine große Decke haben wir nicht. (Pause)
Stina: Weißt du was? Wenn Papa keine so große Decke hat, dann kann doch Gott das Feld zudecken, meinst du nicht auch? (sie geht)
Holger: (zu sich) Was ich meine? Ich werde wohl alle Hoffnungen begraben müssen, denn das Thermometer zeigt nur noch 1°C an. Wir Menschen können nichts ändern. Wir stehen ohnmächtig den Gesetzen und Abläufen der Natur gegenüber. Und Gott? Kann er noch einen Ausweg schaffen? Und wenn er doch die Macht dazu besitzen würde, bezweifle ich doch sehr stark, dass er es nur für einen Menschen tun würde. Ach, wenn ich nur glauben könnte wie meine kleine Schwester. Sie braucht keine Angst zu haben oder enttäuscht zu sein, weil sie Gott vertraut. Mein Glaube jedoch stirbt.
Sprecher: Während Holger ruhelos im Zimmer auf und ab schritt, schlief Stina schon längst. Davor hatte sie vertrauensvoll dem Herrn Jesus gebeten, eine große Decke über das Haferfeld zu breiten, damit es nicht erfrieren könne. Nun sah sie im Traum, wie eine Schar von Engeln auf die Erde herabstieg, die eine riesige weiße Decke in den Händen hielten und sorgfältig über das weite Feld breiteten. Stina’s Freude kannte keine Grenzen. Was würde Holger nun sagen? Holger stand schon früh auf. Draußen traf er seinen Vater, den die Sorgen ebenfalls nicht hatten schlafen lassen. Seine Augen strahlten.
Vater: Schau mal, Holger. So weit man sehen kann, liegt dichter weißer Nebel auf den Feldern und Wiesen. Gott hat unseren Hafer heute Nacht vor dem Erfrieren bewahrt. Er kann es auch weiterhin tun. Auch der Wind hat sich gedreht.
Sprecher: Holger brachte kein Wort heraus. Minutenlang schaute er auf die große schützende Decke. Dann lief er in sein Schlafzimmer zurück, fiel auf die Knie und betete. Er fühlte, wie sehr er durch seinen Zweifel, seinen Unglauben Gott verunehrt hatte. Voll Beschämung bat er um Vergebung. – Jahre sind vergangen. Es ein nebliger Frühlingsmorgen. Doch trotz des trüben Wetters herrscht in der Universitätsstadt reger Betrieb. Viele Studenten haben ihr Schlussexamen bestanden und sollen heute ihren Doktortitel entgegennehmen. Zu den festlich gekleideten jungen Leuten gehören auch Holger und seine Schwester, die auch an der Feier teilnimmt. Stina strahlt. Stolz schaut sie zu ihrem Bruder auf und dankt im Stillen ihren himmlischen Vater, dass ihre Familie diesen Tag erleben darf.
Stina: Wenn doch nur die Sonne scheinen wollte. Der Nebel passt gar nicht zu diesem Feiertag.
Holger: Findest du nicht? Ich meine, der Nebel passt gerade heute für uns. Weißt du nicht mehr, wie du an jenem Abend, der alle meine Hoffnung zu zerstören drohte, um eine große Decke für den Hafer gebetet hast? Der Nebel, den Gott mir damals sandte ist mir auch im Glauben eine Hilfe gewesen. Damals sah es nicht gut bei mir aus. Aber wie gnädig ist Gott! Ich weiß: Selig ist, der nicht sieht und doch glaubt. Und doch kommt er uns immer wieder zur Hilfe in dem er sich sehen lässt, so wie auch der Jünger Thomas die Narben des auferstandenen Herrn anfassen durfte. Dank sei ihm, dass wir ihn kennen dürfen als unsren Gott, der gerecht und heilig ist, aber auch als Vater, der für uns mit unendlicher Liebe sorgt.
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