Sep 22 2008

Der unfruchtbare Baum

Geschrieben von at 23:18 in Erntedankfest

Der unfruchtbare Baum, ein christliches Anspiel zum Erntedankfest für 6 Personen

(Farmer Rössler kommt heim, wirft Mütze und Handschuhe auf den nächsten Stuhl, und geht die Hände reibend auf und ab.)

Rössler: (für sich) Ist das heute aber kalt, wenn es so weiter geht, schneit es bald. (rückt einen Stuhl an den Tisch, setzt sich und blättert in einer Zeitung. Gleich darauf kommen drei junge Männer herein. Max geht zu seinem Vater, während seine Freunde an dem Tisch stehen bleiben)

Max: Vater stört es dich, wenn wir unseren Dialog hier üben?

Rössler: Ganz und gar nicht, im Gegenteil, ich höre gern zu. Vielleicht kann ich euch helfen, wenn ihr stecken bleibt.

Max: Das ist fein. (rückt einige Stühle zur Seite) So, nun können wir gleich beginnen. (reicht dem Vater einen Zettel) Hier kannst du mitlesen, der Dialog heißt: „Der unfruchtbare Baum.“ Ich denke es wird dir gefallen. Kommt, wir fangen gleich damit an.

(Gehen alle drei ab, Rössler setzt sich weiter zur Seite. Gleich darauf kommt Max als Gärtner mit einer Axt herein. Von der anderen Seite kommt Michael mit einem Spaten)

Max: Nun, wie ist es, hast du Arbeiter gefunden, die willig sind im Weinberge unseres Herrn zu arbeiten?

Michael: Nur wenige, die meinem Ruf sofort Folge leisten.
Viele wollen noch erst dies und das tun, die meisten aber ließen meinen Ruf an ihren Ohren vorüberklingen, ohne sich darum zu kümmern. Ja, manche überschütteten mich mit Hohn und Spott.

Max: Es ist schlimm, sehr schlimm, dass die Menschen die Zeichen der Zeit nicht verstehen wollen.

Michael: Wie Nachtfalter, die das Licht umgaukeln, bis sie sich die Flügel verbrennen, so umtanzen die Menschen das Feuer der Weltlust bis sie verbrannt zu Boden sinken. Ja Freund, die Zeit ist ernst, lass uns keine Minute verlieren und an die Arbeit gehen.

Max: Gehe an deinen Ort, mich hat der Herr hierher gestellt, um mir neue Anweisungen zu geben.

Herr: Ich habe soeben den Garten besichtigt und finde an dem einen Baum wieder keine Frucht. Darum hau’ ihn ab, den unfruchtbaren Baum. Umsonst ist’s das bisher er stand. Er hindert nur dem guten Land. Ergreif die Axt mit kräftiger Hand, und hau’ ihn ab!

Max: O lass ihn stehn, ein Jahr noch hab Geduld.
Siehe seine schmucken Zweige an,
die hoffnungsvoll ihn rings umfah’n. O lass ihn stehn!

Herr: Hau’ ihn ab, verbrenn den faulen Baum
In meines Weinbergs lichten Höh’n
Will ich nur solche Bäume sehn
Die vor mir fruchtbeladen stehn. Drum hau’ ihn ab!

Max: O lass ihn stehn, ein Jahr noch lass ihn stehn.
Vielleicht, wenn man recht an ihm schafft
Erhält er neue Lebenskraft.
Wenn nicht so wird er weggerafft. O lass ihn stehn.

Herr: Nun gut so bleibt er nochmals stehn
Ein ganzes Jahr zu tragen Frucht.
Doch bringt er nicht sei er verflucht!

(geht ab)

Max: (nickt traurig mit dem Kopf, dann singt er)
Ach Blätter, nur das ist betrübt
Sieh, wie dein Heiland weint.
So wenig hast du ihn geliebt
So wenig treu hast du geübt,
dass nichts an dir erscheint.
Als Blätter nur, ach Blätter nur…

(Nach dem Schluss des Liedes kommen Michael und sein Freund wieder herein, alle drei umringen den Rössler)

Max: Wie war es Vater?

Rössler: Nun das ging ja ganz gut, nur ihr müsst noch etwas deutlicher sprechen und du musst herzhaft singen.

Max: Ich will mir Mühe geben, aber wenn ich da oben auf der Plattform stehe und die vielen Menschen sehe, dann werden meine Knie zittern.

Rössler: Wann werdet ihr den Dialog vortragen?

Max: Am Freitagabend. Ich muss das Lied noch ordentlich üben, sonst bekomme ich keinen Ton heraus.

Michael: (lachend) Na, da komme nur gleich mit, mein Vater wird dich auf dem Klavier begleiten und du singst es so lange bis du es im Schlaf kannst.

Max: Ja das werden wir tun. Tschüß Vater.

(Rössler steht auf und setzt sich wieder an den Tisch. Den Kopf in die Hände gestützt und vor sich hinstarrend. Seine Frau kommt herein ohne dass er sie bemerkt)

Frau: Was ist mit dir los? Hast du Sorgen oder quält dich sonst etwas?

Rössler: Beides.

Frau: Kann ich dir nicht helfen? Sag mir wenigsten was es ist?

Rössler: Mir macht der Dialog von den Jungen das Herz schwer. Wie sieht es mit meiner Frucht aus, bin ich ein fauler Baum?

Frau: Was hast du denn für Gedanken?

Rössler: Höre, ich habe mir die Sache soeben ernstlich überlegt, und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass jeder der nichts für seinen Heiland tut, ein unfruchtbarer Baum ist, der abgehauen und ins Feuer geworfen wird.

Frau: Wie kannst du so etwas von dir denken? Du zahlst ja regelmäßig deinen Beitrag, tust auch sonst nichts was gegen die Gemeinderegel verstößt, bist ein guter Vater. Was willst du noch mehr?

Rössler: Du musst mich richtig verstehen. Frucht tragen heißt doch etwas für unsern Heiland tun, der so viel für uns tat. Aber wie, das ist mir noch nicht klar. Ich kann doch nicht predigen oder als Missionar zu den Heiden gehen.

Frau: Was fällt dir ein, was soll aus uns werden, wenn du gehst?

Rössler: Ja, das sehe ich ein, dass das nicht geht. Abgesehen von allem andern, bin ich ja auch viel zu dumm dazu. Aber getan muss etwas werden, das steht bei mir fest.

Frau: Komm, beruhig dich mal endlich.

Rössler: Wenn das nur so einfach wäre, wie du es hinstellst.

Frau: O, wenn wir Gott recht von Herzen bitten, wird er uns bestimmt zeigen wozu er uns gebrauchen will. Wir müssen nur lernen auf ihn zu hören.

Rössler: Das ist es ja gerade, was mir den Kopf so schwer macht. Vielleicht hat er mich schon oft gebrauchen wollen und ich habe nichts gehört, weil ich mir die Ohren mit lauter weltlichen Dingen zugestopft habe.    (es klopft) Herein!

Pitschke: Guten Tag, wie geht es euch?

Rössler: Das ist aber nett, dass du kommst, du musst mir helfen.

Pitschke: Nanu, was ist denn los? Ihr macht ja ganz ernste Gesichter, ist doch hoffentlich nichts Schlimmes passiert!

Rössler: Ja und Nein. Du hast doch den Dialog gelesen, den unsere Jungen für den Jugendabend lernen. Der unfruchtbare Baum ist mir auf die Seele gefallen, wie ein großer Stein. Ich möchte… nein, ich muss ihn wieder los werden, sonst komme ich nicht zur Ruhe.

Pitschke: Was macht denn dir das Herz so schwer?

Rössler: Mann, verstehst du das nicht? Ist es nicht schrecklich, dass ich mit leeren Händen vor meinem Herrn stehen muss? Er hat sein Leben für mich dahingegeben im qualvollsten Tod. Und ich pflege mein eigenes ICH, statt ihm zu dienen. Was könnte ich nur tun, um das Versäumte nachzuholen?

Pitschke: Lieber Freund, das ist sehr einfach. Geh’ nicht vorüber am Erdenleid. Das Auge offen, die Arme weit. Die Füße eilend und stark die Hand, sei du ein Engel von Gott gesandt.

Rössler: Ach wie soll ich das anfangen?

Pitschke: Sieh, ich komme soeben von der alten Witwe Klein, die möchte so gern den Gottesdienst besuchen, aber sie kann es nicht mehr. Umso mehr freut sie sich, wenn sie jemand besucht mit dem sie Gemeinschaft haben kann. Das wäre eine Tat, die dem Herrn Freude bereiten würde, denn er selbst sagt. „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Rössler: Ja, Freude machen macht Freude! Das werde ich auch gleich tun.

Pitschke: Ja das wär’ die erste Frucht an deinem Lebensbaum, und wenn du weitermachst und Gelegenheiten sucht, etwas für deinen Heiland zu tun, hängen deine Zweige bald voll Früchte. Und du selbst wirst am glücklichsten darüber sein.

Rössler: Du hast recht. Ich bin jetzt schon so froh, wie lange nicht mehr.

Frau: Damit bin ich auch einverstanden, und weil er dir jetzt einen so guten Rat gegeben hat trinken wir jetzt erst mal Kaffee.

Pitschke: Du hast eine gute Frau, Rössler.

Rössler: O ja, sie ist mir eine große Hilfe. Vielleicht kannst du mir noch einen guten Rat geben?

Pitschke: Ich weiß nicht wie es bei euch mit der Zeit aussieht, aber wenn du noch etwas tun willst, dann könnt ihr vielleicht ein bis zweimal in der Woche auf des Simon’s Kinder aufpassen, seine Frau ist zurzeit krank.

Rössler: Das wollen wir gern tun. Für die zwei Vögelchen finden wir bestimmt genug Zeit. Wir sprachen vergangene Woche davon, dass man dem armen Mann helfen sollte.

Pitschke: Ja leider bleibt es oft bei dem guten Vorsatz, man sollte dies oder das tun. Darüber vergeht ein Tag nach dem andern, bis es zu spät ist. Keine Reue bringt uns die vergangene Zeit zurück. So erging es mir vor vielen Jahren. Mein Bruder war schwer krank und ließ mir sagen, ich sollte ihn doch bald besuchen, ich verschob es von einem Tag zum anderen und als ich endlich hinkam, erkannte er mich nicht mehr. Seit damals tue ich alles sofort und wenn es mir noch schwer fällt, ein mutiges und energisches: „Ich will!“ überwindet alle Schwierigkeiten.

Rössler: Gut, auch ich will deinem Beispiel folgen, und meinem Heiland dienen, wie und wo er mich gebrauchen will.

Pitschke: Gäbe Gott, dass der Dialog noch manchen Schläfer aufweckt, so das sie zu Streitern Christi werden, die mit offenen Herzen und offenen Händen für die Sache ihres Meisters stehen. Nur so können die Gemeinden, kann das ganze Werk in diesen schweren Zeiten bestehen.

Rössler: Meinst du wirklich, dass das Werk in großer Not ist?

Pitschke: Ich meine es nicht nur, sonder ich weiß es ganz bestimmt.

Rössler: Ja, dann muss etwas geschehen, dagegen muss etwas unternommen werden.

Frau: Kommt zum Kaffee.

Rössler: Komm wir müssen uns überlegen, was wir tun können. Wie leid tut es mir jetzt, dass ich so wenig in der Gemeinde geholfen habe. Das muss nachgeholt werden.

Pitschke: O das ist schön. Wenn doch noch viele deinem Beispiel folgen würden.

Rössler: Komm, bei einer Tasse Kaffee können wir weiter reden.

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