Aug 22 2007
450 Euro
Sprecher: Georg und Veronika schauten sich traurig in der Küche des alten, schäbigen Häuschens um.
Veronika: Werden wir es kaufen?
Georg: Ich fürchte wir müssen uns damit zufriedengeben. Wir können dieses Haus für die Summe kaufen die wir in zwei Jahren für die Miete der Wohnung ausgeben würden, in der wir jetzt wohnen. Und dann brauchen wir nie wieder Miete zu zahlen. Es ist unmöglich die Miete für unsere jetzige Wohnung aufzubringen und genug Geld für Lebensmittel und Kleidung zu haben.
Sprecher: Tränen standen beiden in den Augen. Seit dem Georg arbeitslos war, fehlte es an allem. Das Geld reichte kaum für die Miete.
Georg: Wenn ich wieder Arbeit finde, wird sich alles ändern. Wir werden genug haben für Miete, Lebensmittel und Kleidung. Es wird sogar was übrigbleiben.
Veronika: Ich weiß, daß du alles mögliche versucht hast, um Arbeit zu finden. Es ist ja nicht deine Schuld. Komm, wir wollen nach Hause gehen.
Sprecher: Veronika nahm den kleinen Viktor auf den Arm. Georg hatte die dreijährigen Zwillinge bei der Hand. Der sechsjährige Andreas lief vorraus. Als sie sich auf den vier Meilen langen Heimweg machten war Georg sehr still. In Gedanken war er in der Zeit, als er noch Arbeit hatte.
Georg: Wir waren nicht reich gewesen, aber wir hatten ein behagliches Leben. Die Kinder hatten genug zu essen und anständige Kleidung. Jetzt ist es ein Kampf, auch nur das Notwendigste zu verdienen! Wir hatten uns auf die Gemüseernte verlassen, aber es war ein trockenes Jahr. Warum läßt Gott das alles zu?
Sprecher: Plötzlich bemerkte Veronika einen gutgekleideten Mann, der vor ihnen ging. Er schien fremd zu sein, denn sie sahen ihn zum ersten mal.
Andreas: Mama, schau was ich hier gefunden habe!
Veronika: Geld!
Georg: Wo hast du es gefunden?
Andreas: Genau hier, ich bin fast draufgetreten.
Veronika: Wieviel ist es?
Georg: 450 Euro!
Andreas: Können wir es behalten? Können wir es behalten?
Georg: Ich meine der Mann vor uns hat es verloren. Der Mann der eben in das Haus ging.
Veronika: Vielleicht. Können wir es nicht behalten? Wir brauchen es so dringend, und der Mann sieht aus als gehe es ihm gut. Und außerdem wissen wir nicht ob er es war oder nicht. Es scheint beinahe als habe der Herr es uns geschickt.
Georg: Nein, das können wir nicht tun! Besser bleiben wir arm, als uns an unserem Herrn zu versündigen. Wir sollen ein ehrliches Leben führen. Ich werde den Mann fragen, ob es ihm gehört.
Andreas: Können wir es nicht behalten?
Veronika: Nein. Es gehört nicht uns, und wenn wir behalten was nicht uns gehört stehlen wir.
Andreas: Aber wir haben es dem Mann doch nicht weggenommen. Er hat es doch verloren.
Georg: Aber der Herr möchte, daß wir versuchen, den zu finden der es verloren hat. Es wäre nicht recht das Geld einfach so zu behalten. Verstehst du das?
Andreas: Ja, aber ich hoffe immer noch, daß das Geld nicht ihm gehört.
Sprecher: Während sie noch sprachen öffnete sich die Tür des Hauses wieder und der Mann trat heraus. geht in die entgegengesetzte Richtung
Georg: (ruft) Halt! Warten Sie!
Mann: Was wollen sie?
Georg: Haben Sie… haben Sie Geld verloren?
Mann: (greift in seine Jackentasche) Ja, das habe ich. Ich habe es noch gar nicht vermißt. Haben Sie es gefunden?
Georg: Ja, hier ist es.
(Georg reicht ihm das Geld, Mann zählt nach)
Mann: Ja, es ist alles da. Es gibt doch noch ehrliche Menschen auf dieser Welt. Wie heißen sie, mein Herr?
Georg: Georg Petersen.
Andreas: Das haben sie alles Jesus zu verdanken. Wenn er nicht unser Herr wäre, hätten wir das Geld einfach behalten.
Veronika: Andreas! (spannungsvolle Pause)
Mann: Es freut mich sie kennengelernt zu haben. Danke, daß sie mir das Geld zurückgegeben haben. Ich habe es eilig, ich muß jetzt weiter.
Sprecher: In der darauf folgenden Woche zog Familie Petersen mit ihren wenigen Habseligkeiten in das alte Haus in der Cole Avenue.
Veronika: Jetzt sieht es hier etwas besser aus, mit unseren Sachen im Haus.
Georg: (traurig) Ja, etwas besser. (in Gedanken) Ich weiß, daß Veronika den Wunsch hat, so zu leben wie alle anderen. Daß sie sich nach einem hübschen Haus mit neuen Möbeln sehnt, und nach Kleidern die nicht verblichen und geflickt sind. Ich bewundere ihren Mut trotz aller Widerwärtigkeiten.
Sprecher: Die Familie setzte sich an den Tisch um aus dem geringen Vorrat an Nahrungsmitteln ihren Hunger zu stillen. Lange würde es nicht reichen. Aber sie wußten, daß Gott für sie sorgen würde. Am nächsten Morgen war Familie Petersen damit beschäftigt in dem alten Haus aufzuräumen und es wohnlicher zu machen, als es an der Tür klopfte. Veronika öffnete die Tür. Vor ihr stand eine Gruppe lächelnder Männer.
Zimmerm.: Wir kommen vom Zimmermann und Malerbetrieb Hollinger. Wir sind gekommen um in ihrem Haus zu arbeiten.
Veronika: (aufgeregt) Aber wir haben sie nicht bestellt. (Georg kommt hinzu)
Georg: Das muß ein Irrtum sein. Ich weiß daß dieses Haus reparaturbedürftig ist, aber ich kann mir das nicht leisten.
Maler: Es ist kein Irrtum. Wir haben die richtige Adresse.
Zimmerm.: Wir sind zu diesem Haus geschickt worden und man hat uns versprochen, daß die Arbeit bezahlt wird. Dürfen wir rein?
Sprecher: Schon bald waren die Zimmerleute am Werk. Scharniere und Schlösser wurden an Schranktüren eingesetzt. Lose Bretter wurde wieder festgenagelt und der Holzfußboden wurde stellenweise erneuert. Die Zimmerleute arbeiteten den ganzen Tag, und bald gab es keine Tür mehr, die nicht voll funktionsfähig war.
Maler: Wir kommen morgen wieder, und zwar zum Anstreichen. Sie ziehen es vielleicht vor, morgen einige Besuche zu machen.
Georg: Ja. Das … das wird wohl das Beste sein.
Sprecher: Als sich die Familie an den Abendtisch setzte, um ihre dünne Haferflockensuppe zu essen, klopfte es an der Tür.
Junge: (stellt schweren Karton ab) Diese Lebensmittel sind für sie. (geht sofort wieder weg)
Georg: Ja, aber…. aber… wir…. Er ist weg.
Veronika: Wer ist weg?
Georg: Ein Junge hat uns diesen Karton gebracht. Er sagte es seien Lebensmittel für uns.
Sprecher: Tränen der Dankbarkeit standen Georg und Veronika in den Augen, als sie den Karton öffneten. Brot, Butter, Zucker, gedörrtes Rindfleisch, Mehl, Kartoffeln und vieles andere kam zum Vorschein.
Andreas: Warum weinst du, Mama?
Veronika: Weil ich so froh bin.
Georg: Wir verdienen all diese guten Sachen nicht, die der Herr uns schenkt. Ich bin ihm so dankbar, daß er großherzige Menschen gebraucht, um unsere Not zu lindern.
Sprecher: Wohl noch nie zuvor hatte Familie Petersen Gott so sehr gedankt wie an diesem Abend. Es vergingen drei Tage. Das alte Haus hatte durch die Arbeit der Zimmerleute und der Maler ein neues Aussehen bekommen. Eines Abends war auf rätselhafte Weise ein Karton mit Kleidungsstücken eingetroffen. Am fünften Abend in ihrem neuen Haus klopfte es wieder an ihrer Tür. Es war der gleiche Junge, der ihnen die Lebensmittel brachte.
Junge: Das ist für sie. (Überreicht einen Umschlag, geht sofort wieder)
Veronika: Danke! Aber warte…. Wie heißt du? Wo kommst du her….
Georg: Wer war da?
Veronika: Es war der gleiche Junge, der uns die Lebensmittel gebracht hat. Als ich ihn fragen wollte wie er heißt, war er schon wieder weg. Hier, das hat er mir gegeben. (gibt den Umschlag Georg)
Georg: (öffnet den Umschlag, liest) Einer ehrlichen Familie. Von eurem Freund, dem Ihr die 450 Dollar zurückgegeben habt. Das ist noch nicht alles! Hier sind 100 Euro!
Veronika: Er hat sicher auch all die anderen Sachen geschickt.
Georg: Nur schade, daß er seine Adresse nicht aufgeschrieben hat. Sonst hätten wir uns wenigstens bei ihm bedanken können, aber wir können Gott danken, daß er Ehrlichkeit belohnt.
ENDE
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