Okt 04 2007
Wenn die Sterne verlöschen
Wenn die Sterne verlöschen, ein christliches Anspiel zum Thema Dienst für 6 Personen
Autor: Es war kühl und sah nach Regen aus. Christine Brüning nahm das Tuch fester um die Schulter und sagte:
Chris: Nein, nein das ist nicht war, das kann er mir nicht antun.
Lilli: Omi, was hast du? Bist du mir böse?
Chris: Aber nein, mein Liebling.
Autor: Heute konnte Lilli ihre Omi nicht verstehen. Seitdem vorhin der Telefonanruf kam war Omi ganz anders als sonst. Endlich standen sie vor dem Hochhaus wo Lillis Eltern wohnen.
Jakob: Guten Morgen Mutter! (Sie winkt abwehrend mit der Hand) Guten Morgen mein Kind.
Lilli: Wo ist Mutti?
Jakob: In der Küche, gehe hin. Mutter, es ist mir klar, dass das alles ein wenig überraschend für dich ist. Ich weiß, dass es für dich und Vater nicht leicht ist. Aber freut es dich nicht auch ein bisschen?
Chris: Freuen? Das ist wohl zu viel verlangt. Wie kommt ihr überhaupt auf die Idee? Äußere Mission! Als ob es hier bei uns nicht genug Aufgaben gäbe für euch.
Jakob: Wenn es nur unsere Idee wäre Mutter, dann hättest du Grund dich aufzuregen. Gott hat uns in die Mission gerufen. In jenem Waisenhaus von dem ich dir erzählt habe, warten etwa 80 Kinder auf die neuen Heimeltern. Als ich vor 8 Jahren auf die Bibelschule ging, warst du doch froh?
Chris: Ja, das war etwas anderes. Damals ging es um ein biblisches Fundament. Das konnte ich gut heißen.
Jakob: Mutter, ich muss mich doch über dich wundern. Dass es dich schmerzt deinen kleinen Liebling zu verlieren, kann ich verstehen. Aber Gott hat doch Anspruch auf unser Leben…
Chris: Du bist mein einziger Sohn!
Autor: Bekümmert sah Jakob Brüning seiner Mutter nach, die erregt die Wohnung verließ. Christine war so aufgeregt, dass sie eine völlig verkehrte Richtung eingeschlagen hatte. Ihre Gedanken eilten zurück. Sie erinnerte sich an den Brief wo Jakob geschrieben hatte: ,,Eine große Neuigkeit, der Heiland ist jetzt auch mein Heiland." Wie hatten sich Wilhelm und sie darüber gefreut. Nach dem Studium ging Jakob auf die Bibelschule. Danach hatte er einen Beruf als Lehrer ausgeübt. Und als er ihnen dann seine junge, zarte Braut Carmen vorstellte war das Glück vollkommen. Als ihnen ein Jahr nach der Hochzeit ein Töchterlein geschenkt wurde, bot Christine sich an die kleine Lilli tagsüber zu betreuen, damit Carmen nicht ihre gute Stelle aufzugeben brauchte. Es klappte auch ganz gut. Und nun so etwas.
Chris: Was soll denn die kleine Lilli da draußen in der Wildnis? Nein, Jakob muss einsehen, dass er sich da Hirngespinste in den Kopf gesetzt hat. Hier in der Heimat gibt es genug zu tun. Wenn ich zu Hause bin, werde ich noch einmal anrufen, ich werde ihm den Kopf zurechtsetzen. Er muss auch an seine Familie denken.
Autor: Wilhelm, ihr Mann saß vor dem Hause. Er dachte auch bei sich, dass es besser gewesen wäre, wenn Jakob mit Carmen hergekommen wären um die Sache zu besprechen. Doch Jakobs Herz war bei der Zusage, die er erhalten hatte so voll gewesen, dass er die Neuigkeit gleich telefonisch sagte. Wilhelm ging ins Haus und sah seine Frau telefonieren.
Chris: Du weißt überhaupt nicht was du deiner Frau und deinem Kind antust. Hast du denn gar kein Verantwortungsgefühl? Nein ich kann dich nicht verstehen, und ich will dich nicht verstehen. (legt erregt den Hörer auf)
Willi: Bedeute ich dir denn gar nichts mehr?
Chris: Natürlich Wilhelm! Aber der Junge, mein Augenstern!
Willi: Wir haben unseren Jungen im christlichen Glauben erzogen. Als er sein Leben Jesum übergeben hat, warst du überglücklich. Wenn ihm in unserer Gemeinschaft Aufgaben übertragen wurden, warst du stolz darauf, seine Mutter zu sein. Hat er denn dies alles für dich getan? Hat nicht unser Herr und Heiland den ersten Anspruch auf sein Leben?
Autor: So ernst hatte Wilhelm Brüning lange nicht mehr mit seiner Frau gesprochen. Nach diesem Abend nahm Christine ein Schlafmittel ein, um ihre Gedanken wenigstens auf eine kurze Zeit loszuwerden. Eine Stunde früher als sonst brachten Jakob und Carmen am nächsten Morgen ihre Tochter zu den Eltern.
Jakob: Mutter, warum grämst du dich so?
Carmen: Du verlierst uns doch nicht für ewig!
Lilli: Omi, ich gehe die Hühner füttern… ja?
Chris: Geh mein Kind.
Jakob: Was war denn unser Leben bisher, Mutter? Ein Trachten nach immer größerem Wohlstand und Luxus. Hatten wir uns einen Wunsch erfüllt, so waren schon wieder einige andere offen. Natürlich freuen wir uns für unsere schöne Wohnung, auch der Urlaub war schön, aber waren wir jemals ganz zufrieden? Nein, wir wurden immer anspruchsvoller. Es tut uns leid, dass wir euch wehtun müssen, aber wir müssen ,,Ja" sagen zu Gottes Ruf.
Carmen: Es wird Zeit, wir müssen uns jetzt gehen, sonst kommen wir noch zu spät.
Autor: Lilli spielte im Sandkasten. Christine war ganz still geworden. Plötzlich sagte Wilhelm:
Willi: Christine! Grübelst du schon wieder? Freue dich doch über die Tage und Wochen, wo wir Lilli noch haben dürfen.
Chris: Ich kann sie nicht hergeben, ich kann das nicht…
Willi: Du betest für Missionare, und nun da dein Sohn hinausziehen will, stellst du dich quer. Ich verstehe dich nicht.
Chris: Das ist etwas ganz anderes.
Willi: Selbstverständlich. So lange mir die Sache nicht zu nahe kommt, ist alles gut. Aber wehe, wenn mehr gefordert wird als ich geplant habe.
Autor: Der Tag der Abreise rückte immer näher. Christine half beim Packen.
Lilli: Omi, jetzt machen wir bald eine Reise mit dem Flugzeug, das wird fein sein. Omi, kommst du auch mit?
Chris: Glaubst du, dass deine Omi noch Platz hat im Flugzeug neben den vielen Kisten, Koffer und Schachteln?
Lilli: Du darfst auf meinem Schoß sitzen.
Willi: Das wäre ein Vorschlag! Den sollten wir fast annehmen, was?
Autor: Das Ehepaar Brüning begleitete ihre Kinder zum Flughafen. Das Flugzeug mit den Lieben erhob sich und verschwand aus ihren Blicken.
Chris: Zuerst war Jakob mein Augenstern, dann kam Carmen dazu noch unser Liebling – mein kleiner Augenstern. Nun sind alle Sterne verloschen. Nun ist es finster um mich her.
Willi: Auch an mir sind diese Tage nicht spurlos vorüber gegangen. Aber eigentlich folgt dann ein neuer Tag, wenn die Sterne verlöschen.
Autor: Und dieser neue Tag kam in Christines Leben. Durch eine Verletzung ihres Fußes musste sie ärztliche Hilfe beanspruchen. Sie wurde von der Krankenschwester Gertrude, Christines ehemalige Schulkollegin betreut. Als Christines Verletzung sich besserte, nahm Gertrude sie mit zu Krankenbesuche. Da lernte Christine Armut, Not und Elend kennen. Besonders lag ihr der Besuch bei der Familie Roller am Herzen. Rollers einzige Tochter, Silvia, hatte schon mit 18 Jahren das Elternhaus verlassen und war auf Abwege geraten. Silvia arbeitete in derselben Stadt in einer Nachtbar.
Chris: Silvia wohnt ganz in unserer Nähe und ist doch so weit entfernt, sie besucht ihre kranke Mutter nicht ein einziges mal. Unsere Kinder sind so weit fort, aber sie sind Botschafter des Evangeliums und stehen in Gottes Hand. Was wäre wohl geworden, wenn mir Jakob genau so genommen worden wäre wie Silvia ihren Eltern. Ach Gott meint es ja so gut mit uns.
Autor: In manchem Krankenstübchen wartete ein bleiches Gesicht auf Christine Brüning. Sie brachte kleine Blumensträuße und Freude mit ins Haus, las aus der Bibel und sang vor. Bei der Familie Roller machte sie auch Großputz. Und wenn sie nach Hause ging, dachte sie bei sich:" Ich bin ja nicht die Gebende, sonder die Empfangende".
Willi: Endlich bist du da.
Chris: Bist du mir böse?
Willi: O nein, aber hier. (überreicht ihr einen Brief mit einem Bild.)
Chris: Ach unser zweites Enkelkind.
Willi: Ja! Das Geld habe ich auch schon zusammen. So Gott will und wir leben sehen wir sie alle bald in Wirklichkeit wieder. Freust du dich?
Chris: Ja, das tu ich. Obwohl ich unsere Kinder gerne öfter sehen würde, freue ich mich, dass sie Gott dienen können. Gott hat unsere Kinder gesegnet und hält sie in seiner Hand, das tröstet mich.
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