Archive für die Kategorie 'Geschichten aus dem Leben'

Jul 14 2009

Das schönste Herz

Geschrieben von under Geschichten aus dem Leben

Eines Tages stellte sich ein junger Mann in die Mitte des Ortes und verkündete, er habe das schönste Herz im ganzen Tal. Eine große Menge versammelte sich um ihn, und alle bewunderten sein Herz, denn es sah vollkommen aus. Nicht eine Schramme war daran, und nicht die kleinste Delle. Ja, alle stimmten zu, dass dies wirklich das schönste Herz sei, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter mit seinem schönen Herzen.
Plötzlich trat ein alter Mann aus der Menge heraus und sagte: “Ach was, dein Herz ist lange nicht so schön wie meines.” Die Menge und der junge Mann blickten auf das Herz des Alten. Es schlug stark, doch es war voller Narben. Stücke waren heraus gebrochen und andere eingesetzt, aber sie passten nicht genau, und so gab es einige raue Kanten. Tatsächlich waren da sogar mehrere tiefe Löcher, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten darauf – wie kann er sagen, dachten sie, sein Herz sei schöner?
Der junge Mann schaute auf das Herz des Alten, sah seinen Zustand und lachte. “Du machst wohl Witze”, sagte er. “Vergleich dein Herz mit meinem: meines ist vollkommen und deines ist voller Narben und Löcher!” “Ja”, sagte der alte Mann, “dein Herz sieht vollkommen aus, aber ich würde doch niemals mit dir tauschen. Weißt du, jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich nahm ein Stück von meinem Herzen und gab es ihm, und oft gab er mir dafür ein Stück von seinem eigenen Herzen, das den leeren Platz in meinem ausfüllte. Aber weil die Stücke nicht genau gleich sind, habe ich ein paar Unebenheiten – die ich in Ehren halte, weil sie mich an die Liebe erinnern, die wir geteilt haben.”
“Manchmal”, fuhr er fort, “habe ich ein Stück meines Herzens weggegeben, und der andere Mensch gab mir kein Stück von seinem zurück. Das sind die Lücken – Liebe zu geben ist immer ein Risiko. Diese Lücken schmerzen, doch sie bleiben offen und erinnern mich an die Liebe, die ich auch für diese Menschen habe, und ich hoffe, dass sie mir eines Tages etwas zurückgeben und den leeren Platz füllen, der darauf wartet. Siehst du jetzt”, fragte der Alte, “worin die Schönheit meines Herzens besteht?”
Der junge Mann stand schweigend, und Tränen liefen über seine Wangen. Er ging zu dem alten Mann, dann griff er nach seinem perfekt schönen jungen Herzen und riss ein Teil heraus. Mit zitternden Händen bot er es dem Alten an. Der alte Mann nahm es an und setzte es in sein Herz, dann nahm er ein Stück seines alten narbigen Herzens und setzte es in die Wunde im Herzen des jungen Mannes. Es passte, aber nicht ganz genau, so blieben einige raue Kanten. Der junge Mann schaute auf sein Herz, das nicht mehr vollkommen war, aber doch schöner als je zuvor, weil Liebe aus dem Herzen des alten Mannes hinein geflossen war.

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Jul 14 2009

Das Netz

Geschrieben von under Geschichten aus dem Leben

Im Süden Siziliens, in einem kleinen Fischerdorf, leben ein Fischer und seine Frau. Es lässt sich nicht umgehen, der Fischer muss bisweilen wochenlang auf dem Meer sein. Da wird ihm während dieser Zeit seine Frau untreu. Nun kehrt der Mann zurück. Nach der alten und nie gebrochenen Sitte des sizilianischen Dorfes muss die Ehebrecherin vom Felsen in das Meer gestürzt werden. Früh morgens wird die Frau auf die Klippe geführt. Jetzt wartet man nur noch auf das Eintreffen des Mannes. Der aber, gestern erst angekommen, erscheint nicht zum Gericht. So warten sie lange, bis das Dorf schließlich ohne ihn das Urteil vollstreckt. Die Frau wird von der Klippe hinuntergestoßen – und fällt in das Netz ihres Mannes, der die Nacht dazu benutzt hatte, Fischernetze aufzuspannen, um seine Frau zu retten.
Während andere den Stab über sie brachen, spannte er seine Netze.

Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten.
Psalm 103, 10-13

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Jun 22 2009

Der Australier

Geschrieben von under Geschichten aus dem Leben

Manchmal scheint es ja wirklich so zu sein, wir unternehmen alles Mögliche, beten ohne Ende, geben uns richtig Mühe – und am Ende ist nichts dabei herausgekommen, niemand wollte unser Zeugnis von Jesus hören, keiner der Besucher des Gästegottesdienstes ist je wieder gekommen, keinerlei Rückmeldung trotz unzähliger verteilter Traktate.

Aber der Schein trügt. Gott sagt uns, dass NICHTS, was wir für den Herrn tun, vergeblich ist. Und nichts heisst auch wirklich nichts. Es ist nicht so, dass 50% oder 75% oder 90% unserer Bemühungen irgend einen Sinn machen, sondern genau 100%!

Der sichtbare Erfolg kann uns versagt werden, das wissen wir alle. Aber wir wissen nicht, was Gott mit dem Samen anstellt, den wir ausgestreut haben. Bekannt geworden ist ja die Geschichte von dem Mann aus Australien, der Jahre lang Traktate auf der Straße verteilte. Nie erhielt er auch nur eine Rückmeldung. Nie bekam er etwas mit davon, ob seine Mühe irgendetwas bewirkt hätte. Doch nach etlichen Jahren fragte ein Pastor aus England einmal ein neues Gemeindemitglied, wie dieser denn zum Glauben gekommen sei. Der Mann antwortete, dass er in Australien von einem Mann auf der Straße angesprochen worden war und ein Traktat bekommen hatte. Dieses hatte schließlich zu seiner Bekehrung geführt. Der Pastor traute seinen Ohren nicht. Er fragte, in welcher Stadt das gewesen sei. Am Ende stellte sich heraus, dass auch der Pastor einst durch diesen Australier zum Glauben gekommen war.

In der Folge fanden sich immer mehr Christen, die alle durch ein erhaltenes Traktat dieses Mannes zum Glauben gekommen waren. So wurde beschlossen, den Mann einmal in seiner Heimat zu besuchen und nach England einzuladen. Und tatsächlich: Man fand ihn in der selber Stadt wieder, wo er nach wie vor Traktate verteilte. Der Mann folgte von Herzen gerne der Einladung und flog mit den Besuchern zusammen nach England. An dem Sonntag, als der Gottesdienst stattfand, führte man den Mann in die Kirche und sagte ihm, dass dies ein ganz besonderer Gottesdienst sei. Man hatte ausschließlich Menschen eingeladen, die einst durch ein Traktat von ihm zum Glauben gekommen waren. Der Mann konnte es nicht fassen: Die ganze Kirche war voll. Nicht ein freier Platz. An den Rändern mussten sogar einige stehen und auch die Empore war voll mit Menschen. Von Herzen gerührt dankte der Australier seinem Herrn, dass er soviele Jahre und Jahrzehnte später auf einen Schlag die Früchte seiner Arbeit sehen durfte.

Das zeigt sehr schön, dass Gott eben eine andere Perspektive hat. Er wird diejenigen belohnen, die sich für sein Reich einsetzen. Wann und wo, das wissen wir nicht. Aber wir dürfen glauben, dass es sich in jedem Fall lohnt.

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Mrz 20 2009

Die kleine Schraube

Geschrieben von under Geschichten aus dem Leben

Es gab einmal in einem riesigen Schiff eine ganz kleine Schraube, die mit vielen anderen ebenso kleinen Schrauben zwei große Stahlplatten miteinander verband. Diese kleine Schraube fing an, bei der Fahrt mitten im Indischen Ozean, etwas lockerer zu werden und drohte herauszufallen. Da sagten die nächsten Schrauben: „Wen du herausfällst, dann gehen wir auch.“ Und die Nägel unten am Schiffskörper sagten: „Uns wird es auch zu eng, wir lockern uns ein wenig.“ Als die großen stählernen Rippen das hörten, riefen sie: „Bitte, bitte bleibt doch, denn wenn ihr nicht mehr haltet, dann ist es um uns geschehen!“ Und das Gerücht von der kleinen Schraube verbreitete sich blitzschnell durch den ganzen riesigen Körper des Schiffes. Er ächzte und erbebte in allen Fugen. Da beschlossen die sämtliche Rippen und Platten und Schrauben und auch die kleinsten Nägel eine Botschaft an die kleine Schraube zu senden, sie möchte doch bitte bleiben; denn sonst würde das ganze Schiff bersten und keiner von ihnen die Heimat erreichen. Das schmeichelte dem Stolz der kleinen Schraube, dass ihr solch große Bedeutung beigemessen wurde, und sie ließ sagen, sie wolle sitzen bleiben.

„Dienet einander ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes!“  1.Petrus 4,10

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