Jun
10
2008
Die Tiere hielten eine Versammlung ab und begannen sich darüber zu beklagen, dass die Menschen ihnen immer wieder Dinge wegnähmen.
„Sie klauen meine Milch“, schimpfte die Kuh.
„Sie stehlen meine Eier“, jammerte die Henne.
„Sie nehmen mein Fleisch und machen Speck daraus“, beschwerte sich das Schwein.
„Sie machen Jagd auf mich wegen meines Öls“, entrüstete sich der Wal.
Und so ging es fort.
Schließlich meldete sich die Schnecke zu Wort: „Ich habe etwas, was sie auch gerne hätten, sogar mehr als alles andere. Etwa sie was mir gerne wegnähme, wenn sie könnten.“
„Und was ist das?“ fragten die anderen Tiere ganz gespannt.
Die Antwort der Schnecke war kurz: „Ich habe ZEIT.“
Jun
10
2008
Zu einem weisen Mann kam einst eine Frau, die über die Menschen in ihrer Umgebung viel zu klatschen hatte. Von jedem wusste sie etwas zu berichten und immer nur schlechte Dinge.
Der weise Mann hörte sich alle Verleumdungen und Lügen eine Zeitlang an. Dann sagte er zu der Frau: „Geh auf die Wiese und nimm eine Pusteblume, puste die kleinen, federleichten Samenkörner in alle Windrichtungen und dann komm wieder zu mir zurück.“ Die Frau schaute den weisen Mann ganz verdutzt an, gehorchte aber und pustete den Samen über das Feld. Der Wind trieb die kleinen Samenkörner weit über das Land. Als die Frau zu dem weisen Mann zurückkam, sagte er zu ihr: „Nun habe ich noch einen Wunsch, geh noch einmal auf die Wiese und sammle alle Samenkörner wieder ein.“ – „Das ist unmöglich, guter Herr!“ rief die Frau erschrocken. „Ja“, sagte der weise Mann, „Gott, der Herr, wird jedes unnütze Wort, das aus deinem Munde kommt, richten. Wenn man schlechte Dinge über seine Mitmenschen erzählt, ist es auch unmöglich, den ausgestreuten, bösen Samen wieder einzufangen!“
Jan
10
2008
Ein kleines Mädchen wurde zu Bett gebracht. Die Mutter wollte das Licht auslöschen und sagte: »Nun schlafe, mein Kind!« Die Kleine hätte gern gehabt, dass das Licht nicht ausgelöscht worden wäre; doch bald beruhigte sie sich, denn der Mond schien so hell zum Fenster herein.»Mama«, fragte sie, »ist der Mond Gottes Licht?« »Ja, mein Kind«, antwortete die Mutter, »der Mond und die Sterne sind Gottes Lichter.« »Wird Gott auch Sein Licht ausmachen und wie du zur Ruhe gehen?« fragte das Kind weiter. »Nein, mein Herz«, erwiderte die Mutter, »Gottes Lichter brennen immer, und Er selbst schläft und schlummert nicht.« »Dann«, rief das Kind, »dann, liebe Mutter, mache das Licht aus; solange Gott wacht, habe ich keine Angst!«