Aug 10 2007
Nächstenliebe wird belohnt
Sprecher: Nach einer schrecklichen Nacht, in der Granaten und Bomben Tod und Verderben zu Freund und Feind gebracht hatten, dämmerte langsam der junge Tag. Bald tasteten sich die ersten goldenen Strahlen der aufgehenden Sonne über die zerschossenen Häuser von Jepiphan. Der Feind war weiter nach Osten zurückgewichen, doch musste das verlassene Gelände nach Versprengten und Verwundeten abgesucht werden. Auch Unteroffizier Hartmann war an dieser Aktion mit seiner Gruppe beteiligt.
Berger: Was war das?
Hartmann: Jemand stöhnt. Es scheint aus dem Gebüsch dort zu kommen.
Martens: Ja, es stimmt. Dort scheint jemand zu liegen.
(die drei nähern sich dem Verletzten)
Major: (stöhnt) Kamerad! Kamerad!
Berger: Mensch, das ist ja ein Ivan! Los, Fritz, knall ihm eins vor dem Schädel!
Hartmann: Halt! Niemand schießt! Denkt ihr gar nicht daran, daß ihr vielleicht morgen in der gleichen Lage sein könnt wie heute dieser Russe?
Berger: Die würden uns bestimmt kaltmachen.
Hartmann: Das ist egal, wir tun so etwas nicht.
Martens: Was sollen wir denn mit dem Kerl machen?
Hartmann: Wir werden mal sehen, was mit dem Mann los ist.
Sprecher: Bald hatten sie festgestellt, dass der Verwundete ein Hauptmann war. Ein Granatsplitter hatte ihm den rechten Oberschenkel zerschlagen.
Hartmann: Gebt euer Verbandszeug her. Wir werden ihn verbinden und bis ins nächste Haus tragen. Von dort lassen wir ihn dann später abholen.
Martens: Ich habe hier noch ein paar alte Säcke gefunden. Und Stroh ist auch noch in der Hütte. Damit können wir vorerst ein Lager herrichten.
Hartmann: Das ist gut. So, komm, trink noch etwas Tee aus der Feldflasche. Mehr können wir im Augenblick nicht tun.
(die drei wenden sich um und gehen, der Verletzte richtet sich auf)
Major: Kamerad, danke! Danke, Kamerad!
Sprecher: Der Tag brachte einen Gegenangriff des Feindes, und so sahen die drei den russischen Offizier nicht wieder.
Musik:
Sprecher: Jahre waren vergangen, Die deutsche Armee hatte bedingungslos kapituliert. In endlosen Kolonnen marschierten die Gefangenen in die Sammellager. Auch Hartmann, der inzwischen Feldwebel geworden war, gehörte zu den Zehntausenden, die in einem riesigen Lager in Tabor in der Tschechoslowakei gesammelt wurden, um von dort aus die Fahrt in die Ungewissheit der russischen Gefangenschaft anzutreten. Zuerst ging es in die Karpato-Ukraine und von dort in vergitterten Waggons in die weite, weite Sowjetunion. Was würde die Zukunft bringen? - fragte Hartmann sich immer wieder.
Hartmann: (zu sich) Werde ich meine Lieben einmal wiedersehen? Ob ich wohl die schwere Arbeit unter großen Entbehrungen aushalten werde? Wo kommen wir hin?
(lauter, aus dem Fenster schauend) Wir fahren anscheinend am Kaspisee entlang. Es wirkt merkwürdig: links das Meer, rechts Steppe und weiter hinten kahles Karstgebirge.
1.Gefangener: Kein Baum, kein Strauch ist zu sehen.
2.Gefangener: Richtiges Verbannungsgebiet! Schlimmer als wir es uns je vorstellen konnten!
1.Gefangener: Hier werden wir alle elend vor die Hunde gehen.
Hartmann: (wendet sich ab, spricht zu sich selbst)
Wie geht es meinen Angehörigen zu Hause? Ob sie noch leben? - Warum trifft mich dieses Schicksal? Warum lässt Gott soviel Elend und Not zu? -
Ach, alles Grübeln nützt ja doch nicht. Ich will mich an Gott klammern, dem ich immer vertraut habe. Auch in den sechs Kriegsjahren hat er mich nie verlassen. Er allein kennt meinen Weg und Ziel.
“Weiß ich den Weg auch nicht,
Du weißt ihn wohl;
Das macht die Seele still und friedevoll.
Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,
Dass ängstlich schlägt das Herz, sei’s spät, sei’s früh.”
Sprecher: Ihm war, als hätte er mit diesen Worten neue Kraft bekommen, und voller Vertrauen sprach er in Gedanken: “Ich danke dir, Herr, dass du mir helfen willst!
Nach vielen Tagen wurden endlich die Wagontüren aufgerissen. Von harten Stimmen mit “Dawai! Dawai!” angetrieben, mussten alle Gefangenen aussteigen und antreten. Dann marschierte der ganze Transport in ein schwer vergittertes Lager.
1.Gefangener: Endlich sind die Baracken fertig. Es hat ja Wochen gedauert.
Hartmann: Nun, unsere Kameraden sterben in Massen. Die harte tägliche Fron der Gefangenschaft fordert täglich viele Opfer.
2.Gefangener: Vielleicht ist der Tod auch die beste Lösung. Der Hunger, der an unseren Leibern zehrt, kann ich kaum noch ertragen.
1.Gefangener: Und dabei unter schlechtesten Bedingungen zehn bis zwölf Stunden unter tage arbeiten um das Soll an Kohlen zu fördern. Es ist kein ende abzusehen.
Hartmann: Ich weiß auch nicht, wie wir aus dieser furchtbaren Lage herauskommen können. Flucht ist sinnlos, das haben die Versuche einiger Kameraden bewiesen.
2.Gefangener: Ja, sie sind alle gefasst worden und haben es nun doppelt schwer.
Sprecher: Als Hartmann eines Tages sinnend im Lager stand und in die Sonne schaute, die gerade hinter den schneebedeckten Bergen des Kaukasus versank, gingen drei russische Offiziere durch das Lager. Hartmann erkannte sofort, dass sie hier fremd waren und nicht zur ständigen Garnison und zur Militärverwaltung gehörten. Doch als er sich zu ihnen wandte, um die vorgeschriebene Ehrenbezeugung zu erweisen, stutzte er. Auch der älteste der drei Offiziere, ein Major, musterte ihn überrascht und trat auf ihn zu.
Major: Wie heißt du?
Hartmann: Hartmann.
Major: Hast du im November 1941 in Russland gekämpft?
Hartmann: Ja!
Major: Du warst in Jepiphan?
Hartmann: Ja wohl!
Major: Kennst du mich?
Hartmann: Wenn ich mich nicht sehr täusche, ja, Herr Major!
Major: Dann werden wir uns später noch sprechen. Auf Wiedersehen!
Sprecher: Am nächsten Morgen stellten sich die Kolonnen am Tor auf, um von dem Wachoffizier zur Arbeit ausgezählt zu werden.
Wachoffizier: Hartmann, zwölfte Brigade!
Hartmann: Hier!
Wachoffizier: Heute nicht mit ausrücken!
Hartmann: Ja wohl!
Wachoffizier: Gehen Sie zum Major! (Hartmann geht)
Major: Du bist also der Deutsche, der mich vor fünf Jahren bei Jepiphan verbunden und nicht wie einen Feind, sondern wie einen Menschen behandelt hat! Warum hast du mich damals nicht erschossen, wie deine Kameraden es wollten?
Hartmann: Weil ich es vor Gott und vor meinem Gewissen nicht tun konnte.
Major: So, so, dann bist du also Christ?
Hartmann: Ja wohl, ich bemühe mich, es zu sein!
Major: Ich werde nie vergessen, dass du über alles Trennende das Gebot der Menschlichkeit gestellt hast, Kamerad.
Sprecher: Nach einigen Wochen wurden die ersten Krankentransporte nach Deutschland zusammengestellt. Unter den Heimkehrern stand der Kriegsgefangene Hartmann. Seine Augen strahlten vor Freude und Dankbarkeit, hatte er doch aufs neue erfahren, dass Gott seine Kinder nicht verlässt.
Nicht jeder Gehorsam dem Worte Gottes gegenüber wird so sichtbar belohnt, wie in dieser wahren Begebenheit. Trotzdem lohnt es sich das Christ sein wirklich auszuleben. Diese Erfahrung wünschen wir Euch. Denn Jesus sagt in Matth.7,12 Was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten.
-ENDE-
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