Okt
24
2007
Ob groß, ob klein dein Werk, was liegt daran?
Es fragt sich nur, für wen und wie’s getan.
Ob Bücher schreiben oder andre lehren,
ob Teller waschen oder Zimmer kehren -
vollkommnen nur dem Herrn gefallen kann,
was du für Ihn und mit Ihm hast getan.
Dein Heiland will’s – dies adelt all dein Tun,
Er adelt selbst dein Leiden und dein Ruhm.
Ob man zu groß, zu klein die Arbeit nennt,
ob man zu gut, zu schlecht dafür dich wähnt -
sei unverzagt, Er schauet liebend an,
was du für Ihn, mit Ihm, in Ihm getan!
Okt
24
2007
Ich und mein Haus, wir sind bereit,
Dir, Herr, die ganze Lebenszeit
mit Seel´ und Leib zu dienen.
Du sollst der Herr im Hause sein;
gib Deinen Segen nur darein,
dass wir Dir willig dienen.
Es wirke durch Dein kräftig Wort
Dein guter Geist stets fort und fort
an unser aller Seelen;
es leucht uns wie das Sonnenlicht,
damit’s am rechten Lichte nicht
im Hause möge fehlen.
Gieß Deinen Frieden auf das Haus
und alle, die drin wohnen, aus;
im Glauben uns verbinde;
lass uns in Liebe allezeit
zum Dulden, Tragen sein bereit,
voll Demut, sanft und linde.
Lass unser Haus gegründet sein
auf Deine Gnade ganz allein
und Deine große Güte.
Auch lass uns in der Nächte Graun
auf Deine treue Hilfe schaun
mit kindlichem Gemüte.
Okt
24
2007
Wegweiser stehen rings im Land,
gebaut von sorgender Menschenhand,
damit der Wandrer, der fremde und müd,
den Weg zum ersehnten Ziele sieht.
Ob Stürme toben und Regen fällt,
ob hell in Sonne gewiegt die Welt,
ob Winterkälte, ob Frühling im Land,
zum Ziele zeigen sie unverwandt.
Wegweiser dürfen wir alle sein,
die wir gestanden im himmlischen Schein;
dürfen der Seele auf irrenden Steigen
fröhlich die Straße zum Vaterland zeigen.
Was wäre das doch ein köstlich Wandern,
wäre der eine stets Wegweiser dem andern.
Wegweiser sollten wir alle sein.
Sind’s aber nur, wenn im ewigen Schein,
ohne nach rechts und nach links zu sehen,
still wir den Weg zur Heimat gehen,
ob uns die Freudensonne bescheint
oder die Seele im Leide weint.
Wandern wir so im Gnadenschein,
werden wir wandernd stets Wegweiser sein.
Okt
24
2007
Im Garten Gottes war ich einst im Traum.
Ein Engel führte mich von Baum zu Baum,
dran jedes Menschen Erdenname stand,
in Holz geritzt von Gottes Hüterhand.
Ein seltsam Raunen sprang von Ast zu Ast.
Auf jedem Zweiglein lag ein Schimmerglast
In einem Licht, das ich noch nie geseh’n.
Vor einem Baume blieb mein Engel steh’n
Und rührte meine Hand: „Sieh, welch ein Bild“
Wie es von Blüten strömend jauchzend quillt!
Er blüht und blüht wie keiner rund umher
Jahr um Jahr und – bleibt stet: „früchteleer!"
Ich fragte scheu wie unter schwerem Bann:
Warum? Da sah der Engel lang mich an.
Dann griff er zögernd in den Blütenschein:
Was er empfängt, braucht er für sich allein.
Und ob er Blüten über Blüten schafft,
Der Wurm der Selbstsucht frißt die beste Kraft.
Und eine Träne netzte sein Gesicht.
Der Tag ist da, dem Baum naht das Gericht!
Und durch die Bäume schritt des Gartens Herr,
Der Gärtner wankte traurig hinterher.
Ein bloßes Eisen blinkte in der Hand,
Und grollend rief der Herr zum Baum gewandt:
Du fauler Baum, der niemals Früchte trug,
Ich wartete lang, doch jetzt ist es genug.
Hinweg mit dir! Was hinderst du das Land?
Umsonst hab’ ich soviel an dich gewandt.
Da trat der Gärtner schüchtern bittend vor,
,,Herr! Eh’ du strafst, lass einmal noch zuvor
Mich prüfen, ob das Letzte mir gelingt.
Dann hau’ ihn ab, wenn er nicht Früchte bringt!“
Und segnend griff er in die Blütenflut -
Da troff aus beiden Händen ihm das Blut
In schweren Perlen, dran die Sonne hing.
Und wo ein Kelch den roten Trank empfing.
Da löste sich die Blüte sacht.
Und lautlos rieselte die bunte Pracht
Zur Erde hin. Es fielen mehr und mehr,
Und endlich war der Baum ganz blütenleer.
Mit blassem Antlitz stand der Gärtner da,
Und Immer wieder in den Baum er sah
Mit Augen, drin ein groß Erbarmen stand.
Jetzt griff er mit der blutbenetzten Hand
Nach einem Ast und rief: ,,sieh, Herr, er trägt“
Die erste Frucht sich froh zum Lichte regt!
Und segnend hob des Gartens Herr die Hand:
,,So lebe denn!" Und Herr und Gärtner schwand.
Noch lange stand Ich mit dem Engel dort;
Und zu dem Baume schaut’ Ich fort und fort.
Dann blickt ich zagend nach dem Namen hin;
Da stand im Holz mein eigner Name drin.
Und weinend küßte ich den blut’gen Baum.
Da wacht’ ich auf – uns siehe es war ein Traum.