Dez 05 2007
Der Christnacht heil’ger Schimmer
Der Christnacht heil’ger Schimmer, ein christliches Gedicht zum Thema Weihnachten.
Der Christnacht heil’ger Schimmer,
Gießt sich aus, überall in frohe Menschenherzen.
Es flammen ringum auf, in jedem Haus,
Mit hellem Glanz des Christbaums bunte Kerzen.
Doch schau – was wogt dort für ein Lichtermeer,
Weit draußen, fern ab von der Menschen Stätte?
Vom stillen Friedhof, kommt der Schimmer her.
Dort brennt ein Bäumchen, in der Gräber Mitte.
Seit kurzem schläft ein herzig Mägdelein
Dort unter jenen Tannenzweigen,
Die still sich auf den weißen Marmorstein
Und auf den frisch beschneiten Hügel neigen.
Und vor dem Grabe selber lebenssatt.
Bestrahlt vom hellen Glanz der Weihnachtskerzen,
Die junge Mutter steht, die drunter hat
Ihr Kind gebettet, unter tausend Schmerzen.
Ihr armes Herz nicht Trost noch Ruhe findet.
Es "will das Leid sie ganz darnieder drücken.
Sie weint, sie klagt: Mein einzig Kind!
Hier mußte ich den Christbaum für dich schmücken.
Da, horch – was klagt jetzt für ein Schluchzen hier?
Wo sie doch ganz allein zu weilen meint.
War’s nicht, als ob voll Schmerz, nicht weit von ihr,
Ein andres Menschenkind noch mit ihr weinte?
Sie steht und lauscht und hält den Atem an -
Es will sie, wie ein leises Schauern fassen -
Da mimmerts leise vom Neuen nebenan!
O Mutter! Warum hast du mich verlassen?
Und wie mit wunderbarem Zauder recht.
Sieht sie dort hin, wo das Schluchzen hergedrungen,
Wo auf dem Grab ein schmächtig Mädlein kniet.
Die Händchen zitternd um das Kreuz geschlagen.
Des Kindes Anblick schneidet tief ins Herz
Der einsam, blassen Frau im Trauerkleide,
Daß sie vergißt den eignen tiefen Schmerz,
Voll Mitleid mit des fremden Mädlein.
Leise und milden Stimms spricht sie zu ihr gewandt:
„Komm, tröste dich mein Kind, und weine nimmermehr."
Sie faßt es freundlich bei der kleinen Hand.
Und zieht es in des Christbaums hellem Schimmer.
Doch wie sie ihr ins blasse Antlitz schaut,
Da ist’s als ob ihr zum Zerspringen schlug ihr Herz.
„Mein Gott", so rief sie plötzlich laut.
„Du trägst ja meiner eignen Tochter Züge!"
Und tief bewegt schaut sie empor zur Höh.
Faltet zum Gebet die Hände leise,
Kniet nieder in den weißen Schnee.
Und nimmt an’s Herz die arme Weise.
Das Mädchen schmiegt sich innig an sie an,
Und warme Worte gehn von Mund zu Munde.
Die Herzen haben weit sich aufgetan.
Denn sie verstehn sich in der ersten Kunde,
Mit wunderbarer Macht, durch beider Sinn.
Durchs Herz der Liebe, heilge Fammen wehen,
Und über ihre Häupter rauscht es hin,
Wie Engelsgrüße aus den selgen Höhen.
Sie fühlen nicht, daß rauh der Waldwind weht,
Um ihr Gesicht. – Sie stehen wie im Traum
Noch lange Hand in Hand und schaun verklärt
Hinüber zu dem kleinen Tannenbaum.
Doch als verlöscht des Bäumchen Kerzenschein.
Da wanderten sie fröhlich zur Stadt hernieder.
Es hat die Mutter ja ein Töchterlein.
Das Kind hat eine treue Mutter wieder.