Okt 18 2007
Eine Tragödie am Heiligabend
Eine Tragödie am Heiligabend, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 7 Personen
Autor: Menschen, die in einer christlichen Familie aufwachsen, behalten die vergangenen Weihnachtsfeste in ihrer Kindheit besonders in Erinnerung. Man kann sie auch nicht so leicht vergessen, weil jedes Weihnachtsfest mit seinen lieblichen Liedern, der Musik und Erinnerung an die Geburt Jesu Christi als unseren Retter jedes Jahr eine besondere Bedeutung haben.
Im Gymnasium der Stadt Kischinöw herrschte ungewöhnlicher Lärm. Die Jungs unterhielten sich fröhlich und packten ihre Koffer, um in den Weihnachtsferien nach Hause zu fahren. Aber nicht alle durften nach Hause, daher herrschte auch nicht bei allen diese Fröhlichkeit. Diejenigen, die nicht nach Hause durften, mussten während der Weihnachtsferien in der Schule bleiben. Sie schauten traurig, ja, sogar neidisch auf ihre Mitschüler, die in den Augen der Zurückbleibenden als „die Glücklichsten“ angesehen wurden. Ganz besonders bedrückt, dass sie dableiben mussten, waren die zwei Brüder Alexander und Viktor.
Der 14-jährige Alexander, der ältere von den beiden, war ein großer, starker Junge. Dagegen war der 12-jährige Viktor weichherzig und schwach. Alexander gewöhnte sich viel schneller an die Umgebung, obwohl er die Disziplin, die dort herrschte und die strengen Regeln des Tages nicht gern hatte. Aber dank seinem fröhlichen und aufgeschlossenen Charakter fand er immer wieder schnell Freunde und wurde zum Führer der Jungs, wenn es darum ging, etwas anzustellen. Es gab nichts, was ihn in seinem Vorhaben hindern könnte. An die Folgen hatte er niemals gedacht und handelte ganz nach seinen Wünschen. Für Viktor war die Trennung von den Eltern besonders schwer gefallen; er hatte Schwierigkeiten, Freunde zu finden, überdachte jeden Schritt, den er tat, lernte in der Schule auch besser als Alexander.
Viktor stand am Fenster und weinte leise. Alexander ging im Zimmer hin und her, dann brach er das Schweigen:
Alexander: Das ist ungerecht, dass Vati uns nicht erlaubt hat, nach Hause zu kommen, auch wenn Schneestürme sind! Aber, dass die Zeit sich hier lange ziehen wird, daran hat er wahrscheinlich nicht gedacht; und dann fahren die besten und lustigsten Kinder natürlich auch nach Hause.
Viktor: Ich habe mich so gefreut, dass ich bald Mutti, Vati und auch Lilli sehen werde. Ich habe so eine Sehnsucht, gerade am Weihnachtsfest zu Hause zu sein. Alexander, kannst du dich noch daran erinnern, als wir zusammen Weihnachtslieder sangen und Papa auf der Orgel spielte? Wie ist es doch zu Hause immer so schön.
Autor: Mitfühlend sah Alexander seinen Bruder an, dann fragte er ihn prüfend:
Alexander: Viktor, wenn du willst, dann können wir trotzdem nach Hause fahren und wir werden auch gut dort ankommen.
Viktor: (verwundert) Aber, … Papa schrieb doch, dass wir wegen des Schneesturmes hier bleiben sollen?!
Alexander: Glaubst du, die Eltern werden sich nicht freuen, wenn wir ganz unerwartet zum Weihnachtsfest erscheinen?!
Viktor: Natürlich, aber, das ist doch unmöglich.
Alexander: Warum denn? Die Sache ist ganz einfach, wir begeben uns morgen auf den Weg und sind zu Weihnachten zu Hause.
Viktor: Ohne dass Papa es uns erlaubt hat?!
Alexander: Na und! Wir müssen doch auch endlich mal selbständig werden. Glaubst du, Papa würde sich nicht über unsere Tapferkeit freuen? Sei jetzt nicht so ein Gerechter. Unser Kommen wird für alle ein angenehmer Scherz sein.
Viktor: Alexander, ich glaube nicht, dass Papa sich über unseren Ungehorsam freuen wird. Natürlich ist es traurig, dass wir hier bleiben müssen, aber wenn Papa das so möchte, dann bleibe ich auch hier.
Alexander: Viktor, du bist ein unmöglicher Mensch. Mit dir kann man aber auch gar nichts machen. Denk doch nur daran, wie Mutti sich freuen wird.
Autor: Man konnte an Viktors Gesicht sehen, wie in ihm ein innerer Kampf vorging. Für einen kleinen Augenblick strahlten seine Augen voller Freude, aber gleich darauf erlosch dieser Glanz.
Viktor: Nein, Alexander, ich fahre nicht! Das ist doch Ungehorsam, und du weißt doch, wie streng Papa ist. Mutti wird schon ein gutes Wort finden, um unsere Strafe zu erleichtern.
Und wie denkst du, die Genehmigung vom Direktor zu bekommen? Er weiß doch, dass wir nicht fahren dürfen.
Autor: Alexander errötete leicht und ohne Viktor anzusehen, sagte er:
Alexander: Wir sagen, dass wir die Erlaubnis in dem nächsten Brief erhalten haben.
Viktor: Wie bitte, zuerst wolltest du mich zum Ungehorsam überreden und jetzt auch noch zur Lüge! Alexander, was würde Mutter sagen, wenn sie deine Worte hören würde. Aber du meinst das doch nicht wirklich. Sag, dass du es nur aus Spaß gesagt hast??!
Autor: Ohne zu antworten verließ Alexander das Zimmer. Viktor stellte sich wieder ans Fenster, ohne auf die anderen Kinder zu achten. Seine Gedanken waren weit weg – zu Hause. Ohne dass er es wollte, liefen ihm plötzlich Tränen übers Gesicht.
Viktor: Wie gut war es doch letztes Jahr zu Hause. Wie freuten wir uns an der Erinnerung, dass Jesus einmal geboren war. Wir sangen solch schöne Lieder. Und wer wird uns hier von Jesus erzählen? O Gott, ich möchte so gerne nach Hause.
Autor: Er wurde von dem ins Zimmer kommenden Alexander in seinen Gedanken unterbrochen.
Alexander: Viktor! Ein Telegramm von Papa, wir dürfen fahren.
Viktor: Alexander, ist das wahr?!? Wirklich wahr???
Alexander: … Hier, nimm und lies selbst.
Viktor: (liest) „Fahrt morgen mit dem ersten Zug los, Papa.“
Alexander: So, morgen fahren wir also los. Das Wetter draußen ist schön, nichts hindert uns daran, loszufahren. Komm, lass uns zum Direktor gehen.
Autor: Fröhlich gingen sie zum Direktor und lasen ihm den Inhalt des Telegramms vor.
Direktor: Kinder, ich wundere mich, dass euer Vater euch die Erlaubnis zum nach Hause fahren gegeben hat. Wir erwarten einen großen Schneefall. Und ihr habt noch eine weite Strecke vom Bahnhof mit dem Schlitten zu fahren.
Viktor: Aber, Herr Direktor, sie verbieten uns doch nicht die Fahrt nach Hause?
Direktor: Mein Lieber, gerade wegen dir mache ich mir Sorgen. Du bist zu schwach für diese Reise. Ja, wann habt ihr das Telegramm denn erhalten?
Viktor: Gerade eben. (zu Alexander) Zeig es doch dem Herrn Direktor.
Direktor: Na gut, wir werden sehen, welches Wetter morgen sein wird. Gegen den Willen des Vaters werde ich euch hier nicht halten. Packt eure Sachen schon mal ein, und dann sehen wir weiter.
Musik
Autor: Am nächsten Morgen war der Himmel grau, aber es schneite nicht. Voller Sorge ließ der Direktor die Kinder nach Hause fahren. Viktor strahlte übers ganze Gesicht. Alexander dagegen war aufgeregt und irgendwie zerstreut. Aber sie konnten sich nicht lange des schönen Wetters freuen, gegen Mittag fing es an zu schneien. Es schien, dass es gar nicht aufhören würde.
Alexander: O, was machen wir jetzt, es hört gar nicht auf zu schneien.
Viktor: Das ist doch nicht schlimm. Ich habe überhaupt keine Angst. Außerdem möchte doch Papa, dass wir kommen sollen.
Autor: Der Gedanke, dass sie den Willen des Vaters erfüllten, war für Viktor ein Schutz vor allen Gefahren. Und in der Zwischenzeit brach auch ein Schneesturm in der Steppe aus. Mit Mühe gelang es dem Zug, vorwärts zu kommen, so dass er mit einer großen Verspätung im Bahnhof einfuhr. Von hier sollten die Brüder den weiten Weg mit dem Schlitten zurücklegen. Wie es schon früher immer war, trafen sie sich hier immer mit dem Hausdiener John und der brachte sie nach Hause.
Als sie aus dem Zug stiegen, bemerkte Viktor entsetzt, dass John, der Hausdiener, nicht da war.
Viktor: Vielleicht möchte Papa, dass wir von hier wieder zurückfahren und deshalb hat er nicht John geschickt, um uns abzuholen.
Alexander: Er verspätet sich bestimmt nur. Weißt du, das beste ist, wir nehmen uns eine Droschke und fahren ihm entgegen.
Viktor: Alexander, aber Papa hat davon nichts geschrieben.
Alexander: Im Telegramm kann man auch nicht viel schreiben. Und wenn Papa es wollte, dass wir zurückfahren sollen, dann würde uns schon hier auf dem Bahnhof ein Telegramm erwarten.
Autor: Diese Worten überzeugten Viktor und er beruhigte sich. Abgesehen davon, begann es schon zu dämmern und noch mehr zu schneien. Die beiden Brüder begaben sich auf den Weg mit einer gemieteten Droschke. Die Pferde atmeten schwer und mit Mühe zogen sie den Schlitten über hohe Schneehaufen. Endlich kamen sie bis zur ersten Station. Es war ein kleines Häuschen am Anfang des Waldes. Als Viktor erfuhr, dass John auch hier nicht war, fing er an zu weinen. Mit Mühe gelang es Alexander, ihn etwas zu beruhigen. Noch nie in seinem Leben fühlte sich Viktor so verlassen, einsam und unglücklich, wie an diesem Abend.
Am Morgen sind die Schneestürme weniger geworden, aber es schneite immer noch. Viktor wachte mit großen Kopfschmerzen auf und dazu machte er sich Sorgen um John, von dem er meinte, dass er im Schnee stecken geblieben ist. Sie kamen an der vierten Station ohne Zwischenfälle an. Dort mussten sie lange warten, bis die Pferde ausgetauscht wurden und als sie wieder losfahren konnten dämmerte es bereits schon wieder.
Es schneite immer noch, allmählich begannen die Pferde ihren Schritt zu verlangsamen und ringsum war die Steppe und immer wieder Steppe, kein Lichtlein, kein Baum, man hörte nur das Heulen des Windes von allen Seiten. Umsonst schauten sie mit schmerzenden Augen in die Dunkelheit, in der Hoffnung, das Licht der fünften Station zu sehen.
Alexander: Wir müssen doch schon an der Station sein. Mir scheint, als ob wir schon eine Ewigkeit fahren.
Kutscher: Der Schnee… der Schnee ist an allem schuld. Ich glaube, ich habe den Weg verloren. Ich sehe keine Telegraphenmasten mehr.
Alexander: O, Gott, was machen wir jetzt?!
Kutscher: Beruhigt euch, bleibt ganz ruhig! Wir finden sie gleich, ich habe sie vor kurzem noch gesehen.
Autor: Ganz müde und verzagt schlief Viktor ein. Es schneite schon weniger, aber den Weg fanden sie immer noch nicht. Es wurde Nacht. Eine tiefe Stille umfing die Irrenden. Mit bangem Herzen sah Alexander den Himmel an. Er erinnerte sich an zu Hause. In Gedanken hörte er den Vater auf der Orgel spielen, und die Mutter ,,O, du fröhliche” singen.
(Gesang: ,,O, du fröhliche” mit Musikbegleitung)
Tränen traten ihm in die Augen, und im Herzen brach ein reuiges Gebet aus.
Alexander: O, Gott! Ich habe gesündigt. Ich habe Viktor belogen und war dem Vater ungehorsam … Vergib mir, … und bringe uns nach Hause, Herr, ich verspreche dir, nie mehr gegen den Willen des Vaters zu handeln. Ich will ein anderer Mensch werden.
(Ende Musik und Singen)
Autor: Viktor rührte sich im Schlaf. Alexander hörte ihn fragen:
Viktor: Alexander, ist John schon da?
Alexander: Viktor beruhige dich doch. John ist zu Hause und feiert fröhlich mit allen das Weihnachtsfest. Er ist nicht ausgefahren um uns abzuholen.
Viktor: Alexander, du hattest doch das Telegramm vom Vater bekommen!
Alexander: Früher oder später erfährst du doch die Wahrheit. Man kann nichts mehr daran ändern. Aber, Viktor, ich bitte dich, bleibe ruhig, ich erzähle dir alles. Papa und Mama wissen nicht, dass wir raus gefahren sind und das Telegramm, das ich dir zeigte, war vom vorigen Jahr. Viktor, jetzt weißt du alles. Kannst du mir vergeben?
Autor: Viktor sagte kein Wort. Alexander fühlte, dass Viktor am ganzen Leibe zitterte. Furcht erfüllte seine Seele.
Alexander: Viktor, sag doch etwas. Nicht wahr, du wirst mich jetzt hassen?
Viktor: Nein, Alexander, ich hab’ dich lieb. Aber ich weiß, dass wir sterben müssen. Solch ungehorsame Kinder kann der große Gott von Gefahr nicht retten. Und wir haben auch kein Recht, zu Ihm zu beten.
Alexander: Ich betete schon zu Gott, dass Er uns retten soll. Du darfst nicht sterben, nur wegen meinem Ungehorsam. Viktor, wenn Gott uns rettet, möchte ich ein neues Leben anfangen.
- Pause -
Kutscher: Vor uns ist irgendetwas Schwarzes, gleich sehen wir, was es ist.
Autor: Eine Zeit war nichts als nur das Atmen der Pferde zu hören, doch plötzlich unterbrach die Stille ein Geheul.
Alexander: Georg, hörst du einen Hund heulen? Fahre doch dahin, irgendwo in der Nähe müssen Leute sein.
Autor: Aber Georg handelte ganz anders. Er verstand, was das Heulen bedeutete. So schnell, wie er nur konnte, drehte er die Pferde in die entgegen gesetzte Richtung und jagte die Pferde so schnell sie nur laufen konnten.
Kutscher: (zu Alexander) Das Schwarze, was wir in der Ferne gesehen haben, war der Wald und das Heulen, ist eine Herde von Wölfen. Ich hoffe, dass sie uns noch nicht gespürt haben.
Autor: Aber das Heulen kam immer näher und näher. Auch die Pferde verspürten eine Gefahr und liefen noch schneller davon.
Alexander: Wie wird das bloß weitergehen? Welch furchtbare Weihnachten.
Autor: Alexander fiel weinend auf seine Knie und schrie zu Gott.
Alexander: O, Gott! Herr… Verlass uns nicht, lass uns nicht umkommen. Rette du uns. Ich bin schuld in allem, aber bitte, rette den unschuldigen Viktor und Georg. Ich verspreche Dir, so zu leben, wie es Mama und Papa wollen. Ich werde anders. Herr, ab jetzt will ich Dir gehören.
Autor: Die Gefahr war ganz nahe. Die Wölfe waren schon ganz in der Nähe, um ihre Beute zu bekommen. Aber der große allmächtige und barmherzige Gott erhörte das Gebet von Alexander. Glücklich entkamen sie der hungrigen Herde von Wölfen, in dem sie ein Licht in der Ferne sahen und da die Rettung fanden. Sie kamen an die vierte Station.
Alexander: Herr, ich danke Dir für die Rettung, die Du uns schickst.
Autor: Mittlerweile verlor Viktor vor Furcht und Kälte das Bewusstsein und kam lange nicht zu sich. Man trug ihn ins Gästezimmer und Alexander verbrachte den Rest der Nacht am Bett von Viktor.
Früh am nächsten Morgen begaben sie sich wieder auf den Weg, obwohl es Viktor nicht besser ging. Alexander dachte die ganze Nacht über die wunderbare Rettung und sein Herz füllte sich mit Dankbarkeit gegenüber Gott. Diese Nacht wird er nie in seinem Leben vergessen und dazu ist in dieser heiligen Nacht Jesus auch in seinem Herzen geboren. Er wurde ein anderer Mensch. Endlich sahen sie schon die bekannten Straßen und Alexander freute sich, schon bald zu Hause zu sein; nur Viktor ließ ihm keine Ruhe, er lag vor ihm und kämpfte mit dem Tod.
Im Hause empfing sie der Hausdiener John:
John: (zu Alexander) So eine Überraschung! Warum habt ihr mich nicht benachrichtigt, ich hätte euch abgeholt, wenn ich das gewusst hätte.
Alexander: John, bitte hilf mir, Viktor nach Hause zu tragen, er ist auf dem Wege sehr krank geworden.
Autor: Als Viktor hinein getragen wurde, man ihn versorgte und die Begrüßung vorbei war, fragte der Vater Alexander:
Vater: Wie konntet ihr euch nur so leichtsinnig auf solch eine schwere Reise begeben? Obwohl, von dir kann man ja solches schon erwarten. Du wolltest immer schon deinen Willen durchsetzen. Aber von Viktor hätte ich so etwas nicht erwartet. Ich habe doch deutlich geschrieben, ihr sollt nicht fahren.
Alexander: Papa, Viktor war dir auch diesmal nicht ungehorsam. Ich habe ihn belogen.
Autor: Ehrlich und ausführlich schilderte Alexander, was er getan hatte, ohne sich zu verteidigen. Dann erzählte er auch von dem Weg und der schrecklichen Nacht.
Alexander: Papa, in dieser Nacht sah ich, wie leichtsinnig und ungehorsam ich bis heute war. Aber diese Nacht veränderte auch mein Leben, ich habe Jesus Christus in mein Herz aufgenommen. Ich will Ihm jetzt ganz angehören. Vergib auch du mir alles, Papa.
Autor: Lieber Freund, hast du auch schon ein neues Leben begonnen?
Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)
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