Archive für die Kategorie 'Weihnachten'

Okt 18 2007

Eine Tragödie am Heiligabend

Geschrieben von under Weihnachten

Eine Tragödie am Heiligabend, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 7 Personen

Autor: Menschen, die in einer christlichen Familie aufwachsen, behalten die vergangenen Weihnachtsfeste in ihrer Kindheit besonders in Erinnerung. Man kann sie auch nicht so leicht vergessen, weil jedes Weihnachtsfest mit seinen lieblichen Liedern, der Musik und Erinnerung an die Geburt Jesu Christi als unseren Retter jedes Jahr eine besondere Bedeutung haben.

Im Gymnasium der Stadt Kischinöw herrschte ungewöhnlicher Lärm. Die Jungs unterhielten sich fröhlich und packten ihre Koffer, um in den Weihnachtsferien nach Hause zu fahren. Aber nicht alle durften nach Hause, daher herrschte auch nicht bei allen diese Fröhlichkeit. Diejenigen, die nicht nach Hause durften, mussten während der Weihnachtsferien in der Schule bleiben. Sie schauten traurig, ja, sogar neidisch auf ihre Mitschüler, die in den Augen der Zurückbleibenden als „die Glücklichsten“ angesehen wurden. Ganz besonders bedrückt, dass sie dableiben mussten, waren die zwei Brüder Alexander und Viktor.
Der 14-jährige Alexander, der ältere von den beiden, war ein großer, starker Junge. Dagegen war der 12-jährige Viktor weichherzig und schwach. Alexander gewöhnte sich viel schneller an die Umgebung, obwohl er die Disziplin, die dort herrschte und die strengen Regeln des Tages nicht gern hatte. Aber dank seinem fröhlichen und aufgeschlossenen Charakter fand er immer wieder schnell Freunde und wurde zum Führer der Jungs, wenn es darum ging, etwas anzustellen. Es gab nichts, was ihn in seinem Vorhaben hindern könnte. An die Folgen hatte er niemals gedacht und handelte ganz nach seinen Wünschen. Für Viktor war die Trennung von den Eltern besonders schwer gefallen; er hatte Schwierigkeiten, Freunde zu finden, überdachte jeden Schritt, den er tat, lernte in der Schule auch besser als Alexander.
Viktor stand am Fenster und weinte leise. Alexander ging im Zimmer hin und her, dann brach er das Schweigen:

Alexander: Das ist ungerecht, dass Vati uns nicht erlaubt hat, nach Hause zu kommen, auch wenn Schneestürme sind! Aber, dass die Zeit sich hier lange ziehen wird, daran hat er wahrscheinlich nicht gedacht; und dann fahren die besten und lustigsten Kinder natürlich auch nach Hause.

Viktor: Ich habe mich so gefreut, dass ich bald Mutti, Vati und auch Lilli sehen werde. Ich habe so eine Sehnsucht, gerade am Weihnachtsfest zu Hause zu sein. Alexander, kannst du dich noch daran erinnern, als wir zusammen Weihnachtslieder sangen und Papa auf der Orgel spielte? Wie ist es doch zu Hause immer so schön.

Autor: Mitfühlend sah Alexander seinen Bruder an, dann fragte er ihn prüfend:

Alexander: Viktor, wenn du willst, dann können wir trotzdem nach Hause fahren und wir werden auch gut dort ankommen.

Viktor: (verwundert) Aber, … Papa schrieb doch, dass wir wegen des Schneesturmes hier bleiben sollen?!

Alexander: Glaubst du, die Eltern werden sich nicht freuen, wenn wir ganz unerwartet zum Weihnachtsfest erscheinen?!

Viktor: Natürlich, aber, das ist doch unmöglich.

Alexander: Warum denn? Die Sache ist ganz einfach, wir begeben uns morgen auf den Weg und sind zu Weihnachten zu Hause.

Viktor: Ohne dass Papa es uns erlaubt hat?!

Alexander: Na und! Wir müssen doch auch endlich mal selbständig werden. Glaubst du, Papa würde sich nicht über unsere Tapferkeit freuen? Sei jetzt nicht so ein Gerechter. Unser Kommen wird für alle ein angenehmer Scherz sein.

Viktor: Alexander, ich glaube nicht, dass Papa sich über unseren Ungehorsam freuen wird. Natürlich ist es traurig, dass wir hier bleiben müssen, aber wenn Papa das so möchte, dann bleibe ich auch hier.

Alexander: Viktor, du bist ein unmöglicher Mensch. Mit dir kann man aber auch gar nichts machen. Denk doch nur daran, wie Mutti sich freuen wird.

Autor: Man konnte an Viktors Gesicht sehen, wie in ihm ein innerer Kampf vorging. Für einen kleinen Augenblick strahlten seine Augen voller Freude, aber gleich darauf erlosch dieser Glanz.

Viktor: Nein, Alexander, ich fahre nicht! Das ist doch Ungehorsam, und du weißt doch, wie streng Papa ist. Mutti wird schon ein gutes Wort finden, um unsere Strafe zu erleichtern.
Und wie denkst du, die Genehmigung vom Direktor zu bekommen? Er weiß doch, dass wir nicht fahren dürfen.

Autor: Alexander errötete leicht und ohne Viktor anzusehen, sagte er:

Alexander: Wir sagen, dass wir die Erlaubnis in dem nächsten Brief erhalten haben.

Viktor: Wie bitte, zuerst wolltest du mich zum Ungehorsam überreden und jetzt auch noch zur Lüge! Alexander, was würde Mutter sagen, wenn sie deine Worte hören würde. Aber du meinst das doch nicht wirklich. Sag, dass du es nur aus Spaß gesagt hast??!

Autor: Ohne zu antworten verließ Alexander das Zimmer. Viktor stellte sich wieder ans Fenster, ohne auf die anderen Kinder zu achten. Seine Gedanken waren weit weg – zu Hause. Ohne dass er es wollte, liefen ihm plötzlich Tränen übers Gesicht.

Viktor: Wie gut war es doch letztes Jahr zu Hause. Wie freuten wir uns an der Erinnerung, dass Jesus einmal geboren war. Wir sangen solch schöne Lieder. Und wer wird uns hier von Jesus erzählen? O Gott, ich möchte so gerne nach Hause.

Autor: Er wurde von dem ins Zimmer kommenden Alexander in seinen Gedanken unterbrochen.

Alexander: Viktor! Ein Telegramm von Papa, wir dürfen fahren.

Viktor: Alexander, ist das wahr?!? Wirklich wahr???

Alexander: … Hier, nimm und lies selbst.

Viktor: (liest) „Fahrt morgen mit dem ersten Zug los, Papa.“

Alexander: So, morgen fahren wir also los. Das Wetter draußen ist schön, nichts hindert uns daran, loszufahren. Komm, lass uns zum Direktor gehen.

Autor: Fröhlich gingen sie zum Direktor und lasen ihm den Inhalt des Telegramms vor.

Direktor: Kinder, ich wundere mich, dass euer Vater euch die Erlaubnis zum nach Hause fahren gegeben hat. Wir erwarten einen großen Schneefall. Und ihr habt noch eine weite Strecke vom Bahnhof mit dem Schlitten zu fahren.

Viktor: Aber, Herr Direktor, sie verbieten uns doch nicht die Fahrt nach Hause?

Direktor: Mein Lieber, gerade wegen dir mache ich mir Sorgen. Du bist zu schwach für diese Reise. Ja, wann habt ihr das Telegramm denn erhalten?

Viktor: Gerade eben. (zu Alexander) Zeig es doch dem Herrn Direktor.

Direktor:
Na gut, wir werden sehen, welches Wetter morgen sein wird. Gegen den Willen des Vaters werde ich euch hier nicht halten. Packt eure Sachen schon mal ein, und dann sehen wir weiter.

Musik

Autor:   Am nächsten Morgen war der Himmel grau, aber es schneite nicht. Voller Sorge ließ der Direktor die Kinder nach Hause fahren. Viktor strahlte übers ganze Gesicht. Alexander dagegen war aufgeregt und irgendwie zerstreut. Aber sie konnten sich nicht lange des schönen Wetters freuen, gegen Mittag fing es an zu schneien. Es schien, dass es gar nicht aufhören würde.

Alexander:
O, was machen wir jetzt, es hört gar nicht auf zu schneien.

Viktor:   Das ist doch nicht schlimm. Ich habe überhaupt keine Angst. Außerdem möchte doch Papa, dass wir kommen sollen.

Autor:
Der Gedanke, dass sie den Willen des Vaters erfüllten, war für Viktor ein Schutz vor allen Gefahren. Und in der Zwischenzeit brach auch ein Schneesturm in der Steppe aus. Mit Mühe gelang es dem Zug, vorwärts zu kommen, so dass er mit einer großen Verspätung im Bahnhof einfuhr. Von hier sollten die Brüder den weiten Weg mit dem Schlitten zurücklegen. Wie es schon früher immer war, trafen sie sich hier immer mit dem Hausdiener John und der brachte sie nach Hause.
Als sie aus dem Zug stiegen, bemerkte Viktor entsetzt, dass John, der Hausdiener, nicht da war.

Viktor:   Vielleicht möchte Papa, dass wir von hier wieder zurückfahren und deshalb hat er nicht John geschickt, um uns abzuholen.

Alexander:   Er verspätet sich bestimmt nur. Weißt du, das beste ist, wir nehmen uns eine Droschke und fahren ihm entgegen.

Viktor:   Alexander, aber Papa hat davon nichts geschrieben.

Alexander:   Im Telegramm kann man auch nicht viel schreiben. Und wenn Papa es wollte, dass wir zurückfahren sollen, dann würde uns schon hier auf dem Bahnhof ein Telegramm erwarten.

Autor:
Diese Worten überzeugten Viktor und er beruhigte sich. Abgesehen davon, begann es schon zu dämmern und noch mehr zu schneien. Die beiden Brüder begaben sich auf den Weg mit einer gemieteten Droschke. Die Pferde atmeten schwer und mit Mühe zogen sie den Schlitten über hohe Schneehaufen. Endlich kamen sie bis zur ersten Station. Es war ein kleines Häuschen am Anfang des Waldes. Als Viktor erfuhr, dass John auch hier nicht war, fing er an zu weinen. Mit Mühe gelang es Alexander, ihn etwas zu beruhigen. Noch nie in seinem Leben fühlte sich Viktor so verlassen, einsam und unglücklich, wie an diesem Abend.
Am Morgen sind die Schneestürme weniger geworden, aber es schneite immer noch. Viktor wachte mit großen Kopfschmerzen auf und dazu machte er sich Sorgen um John, von dem er meinte, dass er im Schnee stecken geblieben ist. Sie kamen an der vierten Station ohne Zwischenfälle an. Dort mussten sie lange warten, bis die Pferde ausgetauscht wurden und als sie wieder losfahren konnten dämmerte es bereits schon wieder.

Es schneite immer noch, allmählich begannen die Pferde ihren Schritt zu verlangsamen und ringsum war die Steppe und immer wieder Steppe, kein Lichtlein, kein Baum, man hörte nur das Heulen des Windes von allen Seiten. Umsonst schauten sie mit schmerzenden Augen in die Dunkelheit, in der Hoffnung, das Licht der fünften Station zu sehen.

Alexander:
Wir müssen doch schon an der Station sein. Mir scheint, als ob wir schon eine Ewigkeit fahren.

Kutscher:   Der Schnee… der Schnee ist an allem schuld. Ich glaube, ich habe den Weg verloren. Ich sehe keine Telegraphenmasten mehr.

Alexander:   O, Gott, was machen wir jetzt?!

Kutscher:   Beruhigt euch, bleibt ganz ruhig! Wir finden sie gleich, ich habe sie vor kurzem noch gesehen.

Autor:
Ganz müde und verzagt schlief Viktor ein. Es schneite schon weniger, aber den Weg fanden sie immer noch nicht. Es wurde Nacht. Eine tiefe Stille umfing die Irrenden. Mit bangem Herzen sah Alexander den Himmel an. Er erinnerte sich an zu Hause. In Gedanken hörte er den Vater auf der Orgel spielen, und die Mutter ,,O, du fröhliche” singen.

(Gesang: ,,O, du fröhliche” mit Musikbegleitung)

Tränen traten ihm in die Augen, und im Herzen brach ein reuiges Gebet aus.

Alexander:
O, Gott! Ich habe gesündigt. Ich habe Viktor belogen und war dem Vater ungehorsam … Vergib mir, … und bringe uns nach Hause, Herr, ich verspreche dir, nie mehr gegen den Willen des Vaters zu handeln. Ich will ein anderer Mensch werden.

(Ende Musik und Singen)

Autor:
Viktor rührte sich im Schlaf. Alexander hörte ihn fragen:

Viktor: Alexander, ist John schon da?

Alexander:   Viktor beruhige dich doch. John ist zu Hause und feiert fröhlich mit allen das Weihnachtsfest. Er ist nicht ausgefahren um uns abzuholen.

Viktor:   Alexander, du hattest doch das Telegramm vom Vater bekommen!

Alexander:   Früher oder später erfährst du doch die Wahrheit. Man kann nichts mehr daran ändern. Aber, Viktor, ich bitte dich, bleibe ruhig, ich erzähle dir alles. Papa und Mama wissen nicht, dass wir raus gefahren sind und das Telegramm, das ich dir zeigte, war vom vorigen Jahr. Viktor, jetzt weißt du alles. Kannst du mir vergeben?

Autor:
Viktor sagte kein Wort. Alexander fühlte, dass Viktor am ganzen Leibe zitterte. Furcht erfüllte seine Seele.

Alexander:   Viktor, sag doch etwas. Nicht wahr, du wirst mich jetzt hassen?

Viktor:   Nein, Alexander, ich hab’ dich lieb. Aber ich weiß, dass wir sterben müssen. Solch ungehorsame Kinder kann der große Gott von Gefahr nicht retten. Und wir haben auch kein Recht, zu Ihm zu beten.

Alexander:   Ich betete schon zu Gott, dass Er uns retten soll. Du darfst nicht sterben, nur wegen meinem Ungehorsam. Viktor, wenn Gott uns rettet, möchte ich ein neues Leben anfangen.

- Pause -

Kutscher:   Vor uns ist irgendetwas Schwarzes, gleich sehen wir, was es ist.

Autor:   Eine Zeit war nichts als nur das Atmen der Pferde zu hören, doch plötzlich unterbrach die Stille ein Geheul.

Alexander:   Georg, hörst du einen Hund heulen? Fahre doch dahin, irgendwo in der Nähe müssen Leute sein.

Autor:   Aber Georg handelte ganz anders. Er verstand, was das Heulen bedeutete. So schnell, wie er nur konnte, drehte er die Pferde in die entgegen gesetzte Richtung und jagte die Pferde so schnell sie nur laufen konnten.

Kutscher:   (zu Alexander) Das Schwarze, was wir in der Ferne gesehen haben, war der Wald und das Heulen, ist eine Herde von Wölfen. Ich hoffe, dass sie uns noch nicht gespürt haben.

Autor:
Aber das Heulen kam immer näher und näher. Auch die Pferde verspürten eine Gefahr und liefen noch schneller davon.

Alexander:   Wie wird das bloß weitergehen? Welch furchtbare Weihnachten.

Autor:
Alexander fiel weinend auf seine Knie und schrie zu Gott.

Alexander:
O, Gott! Herr… Verlass uns nicht, lass uns nicht umkommen. Rette du uns. Ich bin schuld in allem, aber bitte, rette den unschuldigen Viktor und Georg. Ich verspreche Dir, so zu leben, wie es Mama und Papa wollen. Ich werde anders. Herr, ab jetzt will ich Dir gehören.

Autor:   Die Gefahr war ganz nahe. Die Wölfe waren schon ganz in der Nähe, um ihre Beute zu bekommen. Aber der große allmächtige und barmherzige Gott erhörte das Gebet von Alexander. Glücklich entkamen sie der hungrigen Herde von Wölfen, in dem sie ein Licht in der Ferne sahen und da die Rettung fanden. Sie kamen an die vierte Station.

Alexander:   Herr, ich danke Dir für die Rettung, die Du uns schickst.

Autor:   Mittlerweile verlor Viktor vor Furcht und Kälte das Bewusstsein und kam lange nicht zu sich. Man trug ihn ins Gästezimmer und Alexander verbrachte den Rest der Nacht am Bett von Viktor.
Früh am nächsten Morgen begaben sie sich wieder auf den Weg, obwohl es Viktor nicht besser ging. Alexander dachte die ganze Nacht über die wunderbare Rettung und sein Herz füllte sich mit Dankbarkeit gegenüber Gott. Diese Nacht wird er nie in seinem Leben vergessen und dazu ist in dieser heiligen Nacht Jesus auch in seinem Herzen geboren. Er wurde ein anderer Mensch. Endlich sahen sie schon die bekannten Straßen und Alexander freute sich, schon bald zu Hause zu sein; nur Viktor ließ ihm keine Ruhe, er lag vor ihm und kämpfte mit dem Tod.
Im Hause empfing sie der Hausdiener John:

John:   (zu Alexander) So eine Überraschung! Warum habt ihr mich nicht benachrichtigt, ich hätte euch abgeholt, wenn ich das gewusst hätte.

Alexander:   John, bitte hilf mir, Viktor nach Hause zu tragen, er ist auf dem Wege sehr krank geworden.

Autor:   Als Viktor hinein getragen wurde, man ihn  versorgte und die Begrüßung vorbei war, fragte der Vater Alexander:

Vater:   Wie konntet ihr euch nur so leichtsinnig auf solch eine schwere Reise begeben? Obwohl, von dir kann man ja solches schon erwarten. Du wolltest immer schon deinen Willen durchsetzen. Aber von Viktor hätte ich so etwas nicht erwartet. Ich habe doch deutlich geschrieben, ihr sollt nicht fahren.

Alexander:   Papa, Viktor war dir auch diesmal nicht ungehorsam. Ich habe ihn belogen.

Autor:   Ehrlich und ausführlich schilderte Alexander, was er getan hatte, ohne sich zu verteidigen. Dann erzählte er auch von dem Weg und der schrecklichen Nacht.

Alexander:
Papa, in dieser Nacht sah ich, wie leichtsinnig und ungehorsam ich bis heute war. Aber diese Nacht veränderte auch mein Leben, ich habe Jesus Christus in mein Herz aufgenommen. Ich will Ihm jetzt ganz angehören. Vergib auch du mir alles, Papa.

Autor:   Lieber Freund, hast du auch schon ein neues Leben begonnen?

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

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Okt 11 2007

Großvaters Weihnachtsengelein

Geschrieben von under Weihnachten

Großvaters Weihnachtsengelein, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 7 Personen

Erzähler: Die schöne Gotteserde lag in tiefer winterlicher Stille. So weit das Auge reichte, breitete sich ein blendend weißer Teppich aus, mit Milliarden blitzender Diamanten besät. Im Garten des Rentners Wagner, bogen sich die Zweige der Bäume unter der schimmernden Schneelast. In den prächtigen Räumen des reichen Hauses sah es nicht so friedlich wie draußen in der Natur aus. Augenblicklich herrschte tiefes Schweigen in dem reichen und behaglich ausgestatteten Gemach, doch es war die Ruhe vor dem Sturm. Man sah es an den Zügen des Vaters und des Sohnes. In der Brust des Jungen tobte ein heißer Kampf. Die Züge des Alten deuteten von unbeugsamer Härte. Sein Sohn war sein Stolz, und er liebte ihn, aber sein Starrsinn ließ kein Nachgeben zu.

Vater: Bruno, ich sage es dir zum letzten mal. Bringst du mir Ina von Reuten als Schwiegertochter, so soll alles gut sein, und das Geld zu der Klinik, die du gründen willst, liegt sofort bar vor dir auf dem Tisch.

Sohn (Bruno): Vater, ich kann nicht. Du kannst doch wirklich nicht von mir verlangen, dass ich sie heiraten soll. Glaube nur, Vater, Herr von Reuters Zusage hat auch seine besonderen Gründe. Du weißt doch selbst, wie tief er in Schulden ist, sonst würde dem stolzen Herrn ein bürgerlicher Schwiegersohn nicht so willkommen sein.

Vater: Ach, was die Welt alles schwatzt, es wird nicht so schlimm sein. Übrigens sollst du es dir zur größten Ehre anrechnen, eine so hoch stehende Gemahlin zu bekommen. Ich weiß auch gar nicht, was du an ihr auszusetzen hast. Ina ist jung, schön, ein liebenswürdiges Wesen.

Bruno: Aber kein Herz, ich brauche eine Frau, die ein warmes Herz hat für meine Kranken und mich freudig unterstützt in meinem schönen Beruf als Arzt. Eine Hoheit wie sie, würde sich nicht herablassen, ich würde der Sklave ihrer Wünsche werden. Nein, eine solche Frau kann ich nicht brauchen, denn ich bin bereit als ein tüchtiger Arzt mein Leben in den Dienst der leidenden Menschheit zu stellen, da muss ich eine Gefährtin haben, die treulich Hand in Hand mit mir geht.

Vater: So, so! Solche Empfehlungen hätte ich meinem Sohn nicht zugetraut. Übrigens bitte ich dich zu bedenken, dass man bereits davon spricht. Auch habe ich Ina neulich angedeutet, dass du bald kommen würdest.

Bruno: Das war sehr unklug von dir Vater. Ina weiß genau, dass ich sie nicht liebe, und sie mich auch nicht sondern nur mein Geld. Meines Herzens Liebe hat immer und immer nur Schulmeisters Annchen gehört, schon als kleiner Junge hatte ich sie lieb. Gib uns deinen Segen, Vater!

Vater: Nie und nimmer, meinst du ich werde eine so hergelaufene…

Bruno: Halt ein Vater! Annchen ist ein wohlerzogenes Mädchen, sie hat einen frommen demütigen Sinn, das gilt bei mir höher als Ina von Reutens schön klingender Name.

Erzähler: Der alte Herr schwieg darauf, aber sein Blick war finster abgewandt. Bruno stand am Fenster und schaute hinaus, seine Brust hob und senkte sich unter schweren Atemzügen. Nach einer Weile sah er sich um und bat mit halberstickter Stimme.

Bruno: Vater, lass dich bewegen und gib deinen Segen, ohne dem ich nicht gerne glücklich sein möchte.

Vater: Nein! Nein! Noch mal nein!

Bruno: So muss ich diesen wichtigen Lebensschritt ohne deinen Segen tun, und so weh mir´s auch tut, muss ich dir doch erklären, dass keine andere als Annchen meine Frau wird.

Vater: Nun gut, doch wir sind dann fremde Leute!

Bruno: Vater, in zwei Stunden geht mein Zug zurück, der mich wieder zu meiner Pflicht ruft. Willst du mir nicht ein gutes Wort mit auf den Weg geben?

Vater: Ja, gehe, gehe, für immer, es sei denn du bringst mir Ina als Schwiegertochter, dann will ich dich mit offenen Armen willkommen heißen. Mit der Schulmeistertochter aber kommst du mir nicht unter die Augen!

Bruno: Vater, ist das dein letztes Wort?

Vater: Ja, und noch mal ja, entweder – oder!

Bruno: Ich kann nicht anders Vater, ich müsste sonst gegen Herz und Gewissen handeln.

Vater: Dann sind wir auch fertig miteinander. Geh!

Erzähler: Der junge Mann ging schweren Herzens hinüber zum Wohnzimmer, wo seine Mutter und Schwester waren. Seine Schwester Dora saß am Klavier und sang mit heller Stimme “Harre meine Seele, harre des Herrn!” Bruno taten die süßen Klänge und besonders die Trostworte wohl. Er setzte sich still in den Hintergrund des Zimmers und lauschte bis das Lied zu Ende war.
Die Mutter merkte bald, dass Ihn etwas besonders schwer bedrückte.

Mutter: Was hast du mein Sohn?

Dora: Bruno? Wie siehst du aus, was ist dir geschehen?

Erzähler: Das junge Mädchen eilte zu ihm und schlang zärtlich die Arme um seinen Hals. Auch die Mutter streichelte sanft sein Haar. Bei diesem Liebesbeweis verlor Bruno seine Selbstbeherrschung, er schlug die Hände vor´s Gesicht und schluchzte bitterlich. Es dauerte lange, bis er sich so weit beruhigt hatte, dass er der Mutter und Schwester sagen konnte, was er mit dem Vater erlebt hatte.

Dora: Es wird alles wieder gut werden. Der Vater hat doch im Grunde genommen ein Herz, und lieb hat er dich auch, nur hat er einen sehr harten Kopf. Aber der liebe Gott kann die Herzen der Menschen lenken wie Wasserbäche; nicht wahr Mutter? Wir wollen recht fleißig für unseren armen Bruno beten.

Bruno: Habt Dank, ihr Lieben, dass ihr mir so treulich beigestanden habt; so darf ich doch einen Trost aus dem Vatershause mitnehmen. Und dann bitte ich euch um eins: nehmt meine Braut liebreich an euer  Herz.

Mutter: Ja mein Sohn, uns soll sie herzlich willkommen sein. Ja, ich kann sogar offen sagen, dass sie mir weit aus lieber ist als Ina von Reuten.

Dora: O, ich will dein Annchen so lieb haben! Auch werde ich manchmal hinüber laufen und sie trösten.

Bruno: Nun muss ich mich fertig machen zum Fahren.

Erzähler: Eine halbe Stunde später knirschte draußen der Schnee unter seinen Füßen. Bruno ging mit müden Schritten hinaus aus seinem Vatershause, das nun bald wie ein verschlossenes Paradies hinter ihm liegen würde. An der Gartenpforte wandte er sich noch einmal um und winkte Mutter und Schwester einen letzten Gruß zurück, die ihm mit tränenden Augen nachschauten. Dann fiel das Tor klirrend hinter dem verstoßenen Sohne zu. An einem Fenster hinter dem Vorhang stand der Vater, auch er schaute dem Sohne nach. Als er die hohe Gastalt des Sohnes so müde vorwärts schreiten sah, wollte die Vaterliebe durchbrechen, es war ihm, als müsse er das Fenster aufreißen und ihm nachrufen, “O komm ans Vaterherz mein Sohn!” Doch da kam auch schon wieder der alte Trotz und Starrsinn.

Musik

Erzähler: Die Zeit eilte im raschen Fluge vorwärts. Im holden Frühling hatte Bruno sein Annchen heimgeführt. Der Vater hatte eine große Reise angetreten und war nicht zu Hause. So war es möglich, dass Mutter und Schwester den geliebten Bruno zum Traualtar begleiten konnten. Dora hatte die Braut mit Kranz und Schleier geschmückt. Nach der Hochzeit zog das Paar, von tausend Segenswünschen und warmen Gebeten begleitet, in die Stadt zurück, wo Bruno seine Praxis hatte. Er hatte sein Ziel erreicht und eine Heilanstalt gegründet. Ein alter Freund seines Vaters hatte dem jungen Arzt die Mittel dazu angeboten. Die Anstalt blühte in kurzer Zeit segensreich empor, und war bald weit und breit bekannt. Die junge Frau des Arztes überwachte alle Arbeiten. Überall spürte man ihre ordnende Hand und ihre sorgende Liebe für die Kranken. Die Kranken streckten ihr die Hände entgegen, wenn sie durch den Saal schritt. Überall und zu jedem hatte sie ein freundliches Wort. Die Frau des Arztes war ein rechter Segen. In Brunos Elternhaus ging still ein Jahr nach dem anderen dahin, ohne das sich etwas geändert hätte. Von Bruno und seiner Familie durfte in der Gegenwart des Vaters noch immer nichts gesprochen werden, aber in seinem Herzen war längst schon die Sehnsucht nach dem verstoßenen Sohn erwacht. Doch sein Starrsinn ließ keine Vergebung zu. Auch von außen hatte er nicht gute Erfahrungen gemacht. Ina von Reuten, sein Liebling, hatte einen reichen Kaufmann geheiratet, aber nach Verlauf etlicher Jahre hatte sie alles verschwendet und treulos ihren Mann und das Kind verlassen. Sie hatte mit einem anderen Mann das weite gesucht. Die Freundschaft mit Inas Vater hatte auch ein Ende genommen, denn der Herr von Reuten hatte schon öfters größere Summen geliehen, und als Brunos Vater ihn höflich danach fragte, da sagte der Herr, er habe niemals Geld von ihm geliehen. Jetzt sah er ein, dass es nicht gute Leute waren, und Bruno recht hatte als er sagte: “Ina will nur mein Geld.” Der Vater wurde jeden Tag unfreundlicher. Die Mutter und Dora waren fast am verzagen.

Dora: Ach Mutter, wir haben doch so gehofft und gebetet, ich habe ganz fest geglaubt, der liebe Gott müsste ein Wunder tun an Vaters Herzen, und nun ist alles aus.

Mutter: Nimm es dir nicht so zu Herzen mein Kind. Vater wird sich noch anders besinnen! Wir wollen glauben und beten.

Musik

Erzähler: Nun stand mal wieder das liebe Weihnachtsfest vor der Tür. Überall regte sich jenes geschäftige Treiben, gegenseitig Freude zuzubereiten. Mit tiefen dankerfülltem Herzen über die große Gottesgabe, der den eingeborenen Sohn zu unserer Rettung auf die Erde sandte, erfüllte der Menschen Herzen auch einander zu erfreuen. Kurz vor dem Fest kam ein alter Freund ins Haus, der dem Bruno damals die Mittel zur Gründung der Praxis gab.
Der Vater hatte niemals gefragt, wo Bruno das Geld her hatte. Dieser alte Freund des Hauses tat, als ob er nichts wüsste von der Uneinigkeit zwischen Vater und Sohn. Er erzählte ganz harmlos:

Freund: Na, gestern bin ich auch durch die Stadt gefahren und habe mir die Anstalt ihres Sohnes angesehen. Da ruht der Segen des Herrn darauf. Der Bruno verdient ihn aber auch.
Er ist wirklich ein ganzer Mann, und erst seine liebliche junge Frau, die ist in der Tat ein Segensengel. Man sollte nicht glauben, was dies stille Wesen alles schafft. Man muss nur einmal durch die Krankenzimmern gehen und mit ansehen, wie die Augen der Kranken aufleuchten bei ihrem Blick. Und ein Kind haben die beiden auch! Man denkt, die Kleine mit dem goldenen Lockenköpfchen und den großen Kinderaugen sei gerade vom Himmel nieder gekommen. Nein wirklich alter Freund, mit ihnen hat es der liebe Gott gut gemeint. Sie müssen doch wirklich glücklich sein, über solchen Familienreichtum. Aber jetzt ist es höchste Zeit für mich zu gehen. Auf baldiges Wiedersehen!

Musik

Mutter: Nun, liebe Dora, ich meine diese Lobrede unseres Freundes hat einen neuen Brand in Vaters Herz geworfen, er geht so unruhig auf und ab, und uns will er es nicht zeigen.

Dora: Ja Mutter, das habe ich auch schon bemerkt und mit neuer Hoffnung gehe ich in die Zukunft. Ich habe Papa aufmerksam beobachtet als unser alte Freund Bruno so lobte, wie es leuchtete in Papas Augen, als er von dem holden Enkelkinde erzählte.

Erzähler: Dora hatte jetzt immer viel zu tun. Sie nähte und strickte, dann schrieb sie wieder, ihre Wangen glühten vor Eifer. Nicht einmal die Mutter verriet sie etwas. Die Mutter betete nur im Stillen innig, das der Herr den Glauben ihres Kindes mit Lohn krönen möge. In den festlich geschmückten Räumen des Hauses brannte auch ein heller Weihnachtsbaum. Auf drei Tischen lagen reiche Geschenke für die Dienstboten aufgebaut. Dora hatte das schöne Fest mit einem Lied eröffnet. Dann las der Hausherr das Weihnachtsevangelium aus Lukas 2. Danach saß er still in einer Sofaecke, man sah es ihm an, dass ihm etwas fehlte.   Dora setzte sich ans Klavier, sie fing ganz leise an zu spielen: “Vom Himmel hoch da komm ich her…” Und was war das? Ein schöner Gesang war zu hören. Der Vater war aufgesprungen, er glaubte einen Engelgesang zu vernehmen, oder träumte er? Jetzt tat sich dir Tür auf und ein holdes Gestaltchen in einem duftigen weißen Kleidchen kam herein. Dora nahm es an die Hand und führte es bis zum Sofa. Die Kleine machte einen zierlichen Knick und sagte ihr Weihnachtsverschen auf.

Kleine: Lieb Großpapa, nun sind wir da zum schönen Weihnachtsfeste. Der Papa und die Mama mein. Die möchten gerne auch herein und wünschen dir das Beste.

Erzähler: Ein heißer Strom von Reutränen brach aus seinen Augen, während aus seinem Herzen der letzte Stolz schmolz. Doch plötzlich beugte er sich zu dem liebenden Kinde nieder und hob es auf seine Knie. Die Kleine hatte die weichen Armchen um seinen Hals geschlungen. Der Großpapa schluchzte zum Herzzerbrechen, und als er sich gar nicht beruhigen konnte, fragte die Kleine:

Kleine: Tut dir etwas weh, lieber Großpapa? Soll ich gehen meinen Papa holen. Papa kann allen Kranken helfen und Mama kocht ihnen so guten Tee. Bei uns sind viele Kranke zu Hause, auch kleine Kinder. Ich darf ihnen auch von meinen Spielsachen bringen. Aber jetzt will ich schnell gehen und Papa rufen.

Vater: Ach bleib bei mir, mein liebes Kind. Dora…

Erzähler: – weiter kam er nicht, aber ein bittender Blick schweifte zur Tochter hinüber, der ihr deutlich sagte, was sie tun durfte. Dora eilte hinüber ins Schulhaus. Wenige Minuten später kehrte sie mit Bruno und seiner Frau zurück. Zum ersten Mal nach 5 Jahren stand der verstoßene Sohn im traulichen Vatershaus und suchte Liebe am Vaterherzen. Vater und Sohn umarmten sich lange .

Bruno: Vater! Kannst du mir vergeben?

Vater: Um eures holden Kindes Willen, sei alles vergeben und vergessen.

Erzähler: Dann zog er auch die junge Frau in seine Arme und drückte einen warmen Segenskuss auf ihre Stirn. Als sich alles beruhigt hatte, sagte die Mutter:

Mutter: Dora, dir ist die Weihnachtsüberraschung mit des treuen Heilands Beistand so schön gelungen. Ich schlage vor, Bruno und Dora singen uns eins ihrer schönen Weihnachtslieder, wie sie es früher immer getan haben.

Musik

Erzähler: Alle stimmten freudig ein, und bald klangen die herzlichen Töne durch das traute Gemach. Die Mutter hatte den Arm um die Schwiegertochter gelegt. Das blonde Haupt der jungen Frau ruhte an der Schulter der Mutter und beide lauschten dem schönen Weihnachtslied. Der Großvater hatte wieder sein Weihnachtsengelein auf den Arm genommen. Er stand hinter dem strahlenden Christbaum und sein Herz stimmte diesmal vom tiefsten Grunde mit ein in die selige Himmelsbotschaft, die dort eben so lieblich von den Lippen seiner Kinder erklang. Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen!

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Okt 11 2007

Ein neuer Schein

Geschrieben von under Weihnachten

Ein neuer Schein, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 9 Personen

Sprecher: Keiner weiß eigentlich so recht, woher sie gekommen sind, die beiden Menschen, die dort oben an dem steilen Berghang weltab und landfremd hausen. Eine Zeitlang wurde im Dorf geredet, sie wären Zigeuner. Ihr Haus war auch wirklich leicht mit einem Wohnwagen ohne Räder zu verwechseln und die Frau, mit ihren schwarzen Haaren und Augen sah einer Zigeunerin wirklich ähnlich. Aber schließlich wusste doch jeder, dass das alles nur ein blasses Gerede war. Aber trotzdem will zwischen dem Dörfchen und den beiden dort oben am Berghang keine Freundschaft aufkommen. Ab und zu kommt der Mann zum Einkaufen herunter. Die Frau lässt sich gar nicht blicken und nach oben geht eigentlich auch niemand. Doch eines Tages, an einem kalten, trüben November klimmt der alte, weißbärtige Briefträger schnaufend und keuchend den Berghang hinauf.

Briefträger: Guten Tag! Hier ist ein Brief für sie.

Hermann: Dankeschön! – Auf Wiedersehen!

Briefträger: Auf Wiedersehen, Herr Bernbach!

Sprecher: Es ist ein großes Ereignis für die beiden, einen Brief zu bekommen. Fast feierlich setzt Hermann Bernbach sich ans Fenster und öffnet den Brief. Es dauert eine lange Weile, bis er sich schwerfällig zu seiner Frau hinwendet.

Hermann: Meine Schwester ist gestorben.

Maria: Ist das zufällig die, die damals deinen Vater gegen mich aufgehetzt hat, sodass dein Vater ihr und nicht dir den Hof vererbt hat?

Hermann: Sie war es nicht. Ihr Mann war schuld.

Maria: So hat er ja jetzt seinen Willen und der Hof gehört ihm.

Hermann: Mein Schwager ist schon seit zwei Jahren tot.

Maria: Und?

Hermann: Der Hof war verschuldet und ist versteigert.

Maria: Na, was soll der Brief dann?

Hermann: Es – es ist noch ein Kind da. Ein Mädchen. Der Amtsvorsteher fragt – wir sind die einzigen Verwandten…

Maria: Sollen wir es vielleicht noch ernähren? Jetzt hört aber alles auf. Ich will kein Kind im Haus!

Hermann: Hast du dich nicht früher immer nach einem Kinde gesehnt?

Maria: Ja, nach einem eigenen, aber nicht nach einem von dieser…

Sprecher: Sie bricht ab. Irgendetwas im Gesicht des Mannes bringt sie zum Schweigen. Krachend wirft sie die Tür hinter sich ins Schloss. Früh am nächsten Morgen leuchtet Hermann Bernbach mit flackernder Kerze zu seiner Frau ins Schlafzimmer.

Hermann: Ich gehe jetzt und hole mir Urlaub. Heute Mittag fahr ich und hole das Kind.

Sprecher: Sein Gesichtsausdruck ist fest entschlossen, als müsste er einem starken Widerstand begegnen. Aber seine Frau hat kein Gegenwort. So kommt es, dass Gisela ihren Einzug in dem Häuschen hält. Als Hermann mit dem Kind den Berg hochsteigt, strahlt sein sonst so düsteres Gesicht.

Maria: So fröhlich hat er damals ausgesehen als wir noch Brautleute waren.

Sprecher: Etwas Seltsames brennt dabei in ihr. Von dem sie nicht weiß, ob es Zorn, Eifersucht oder Erwartung ist.

Maria: Er freut sich wohl, dass er jemanden von seiner Sippe um sich hat. Nun werd’ ich erst recht überflüssig sein. – Aber das Mädchen soll nicht sagen, ihr Vater hätte wohl recht gehabt indem er sagte, ich sei schlampig und unordentlich.

Sprecher: Hastig rückte sie die Stühle zurecht, wischt und deckt den Tisch. Froh erstaunt erblickt Hermann Bernbach beim Eintritt den gedeckten Tisch. Das ganze Zimmer liegt in einem rotgoldenen Abendschein.

Hermann: Das ist nun unsre Gisela.

Gisela: Guten Tag, Tante Maria!

Sprecher: Mit ungeschicktem Lächeln schiebt er Gisela seiner Frau zu. Fast ist es, als erwarte er noch mehr freudige Überraschungen. Doch Marias Augen gleiten nur teilnahmslos über den Kopf des Mädchens und ihre Stimme ist noch härter als sonst.

Maria: Schon gut. Setzt euch und esst!

Sprecher: Das gibt ein Erstaunen im Dorf, als zwei Tage danach der große Hermann Bernbach Gisela zur Schule bringt.

Frau Anna: Guten Tag! Frau Martha und Frau Irma! Haben sie schon gehört? Die Bernbachs da oben haben ein Kind zu sich genommen.

Frau Martha: Ja, Ja. Aber das arme Kind kann einem ja leid tun. Bei so einer Frau zu sein. So etwas Unzufriedenes gibt es nicht noch einmal.

Frau Irma: Es heißt ja, es ist die Tochter von der verstorbenen Schwester des Mannes.

Frau Anna: Der Mann mag ja ganz ordentlich sein, aber die Frau, sie hat Augen wie eine Wildkatze. Aber Kinder, seid lieb zu dem Mädchen. Lasst sie ja nicht allein herumstehen und zerrt nicht an ihr herum hört ihr?

Sprecher: Die Kinder bejahen dies kräftig. So weiß Gisela sich vor Liebensbezeugungen kaum noch zu retten. Alles Mögliche wird ihr zugesteckt und sogar ein ganzer Stoß Poesiealben liegt in ihrem Schulranzen. Doch so lebhaft es in der Schule auch ist, umso trostloser und öder zu Hause.

Gisela: Wie langweilig ist es zu Hause. Käthe hat mich heute gefragt, ob ich schon Schläge bekommen habe. Zum Glück nicht. Aber auch kein liebes Wort, keinen einzigen lieben Blick. Ach, als meine Mutter noch lebte da war das alles anders. Doch jetzt ist sie beim Herrn Jesus im Himmel. Es ist so schwer der Tante etwas recht zu machen, sie klagt dauernd, dass sie viel mehr Arbeit hat, seitdem ich hier bin.

Sprecher: Ja, es ist sehr schwer mit dieser Tante. Wenn Gisela ihr helfen will sagt sie immer, sie soll etwas zum Lesen nehmen, oder sich anderweitig beschäftigen. Doch wenn der Onkel Hermann nach Hause kommt, wird es nicht mehr so langweilig.

Gisela: Oh, Hallo Onkel Hermann. Endlich bist du da, ich hab schon so auf dich gewartet, es ist so langweilig ohne dich.

Hermann: Das tut mir wirklich leid. Hast du nicht zu lesen oder so?

Gisela: Bloß mein Lesebuch. Aber das kenn’ ich schon auswendig.

Hermann: Nächstes Jahr im Frühling, wenn ich mehr Zeit hab’, können wir einen Starenkasten an der Tanne anbringen und…

Gisela: Ja, und dann werden wir ein Blumenbeet anlegen, Bäumchen und Stachelbeersträucher pflanzen.

Hermann: Einen Schlitten hab’ ich dir ja schon gezimmert. Damit kannst du, wenn es endlich scheit, fast bis vor die Schultür sausen.

Maria: Das kommt nicht in Frage. Das ist ganz ausgeschlossen. Das sie sich Hals und Beine bricht und ich sie dann auch noch pflegen kann! Nein danke.

Hermann: Ach Maria. Das ist doch alles halb so schlimm. Hals und Beine bricht man sich eigentlich nicht beim Schlitten fahren. Reg dich doch nicht so auf. Außerdem hast du heute wirklich schön aufgeräumt, auch die Kleider die du neuerdings für Gisela genäht hast, sich wunderbar und…

Maria: Ja, ja. Früher hab’ ich wohl nicht schön aufgeräumt? Klar. Da war ich nicht ordentlich genug. Die Kleider näh’ ich außerdem nur, damit diese Frauen aus dem Dorf nichts sagen können.

Hermann: Ach Maria, las doch! – Gisela, übrigens wollte ich dich auch noch fragen, ob du nicht morgen nach der Schule noch Einkäufe machen könntest, dann brauch ich nicht mehr ins Dorf zu gehen.

Gisela: Ja, natürlich.

Hermann: Wie war’s denn eigentlich in der Schule?

Gisela: Oh, die Schule, die macht Spaß. Wir wollen am letzten Schultag vor den Ferien eine Weihnachtsfeier machen. Auch ihr seid ganz herzlich eingeladen. Ich freu mich schon ganz…

Maria: Könnt ihr denn nicht endlich das dumme Schwatzen lassen? Da bekomm’ ich ja Kopfschmerzen von.

(Hermann und Gisela seufzen)

Sprecher: Eine lange Zeit sagt keiner ein Wort.

Maria: Na, jetzt habt ihr die Sprache auch ganz verloren. Nur eine kleine Bemerkung braucht man zu machen, und sofort sitz ihr da, mit langen Gesichtern.

Sprecher: Ja, die beiden haben es wirklich nicht leicht mit der Tante Maria. Gisela würde am liebsten auch nachmittags ins Dorf zu den Freundinnen laufen, aber das will die Tante auch nicht. Gisela traut sich gar nicht danach zu fragen. – Langsam vergeht die Zeit, aber man merkt immer mehr, dass es Weihnachten wird. Draußen ist alles weiß mit Schnee bedeckt. In der Schule riecht es nach Tannen und Plätzchen. Aber ob es auch im Häuschen dort oben Weihnachten wird?

Gisela: Was das wohl für ein Weihnachtsfest wird. Das erste ohne Mutter? Für Tante Maria hab’ ich einen Topflappen und für Onkel Hermann wollte ich gerne ein Paar Socken stricken. Aber als ich Tante Maria nach Wolle gefragt habe, hat sie so sauer wie immer geantwortet, dass hier, bei ihnen, kein Weihnachten gefeiert würde. Das war bestimmt kein Spaß. Denn nach Scherzen sieht Tante Maria nicht gerade aus.

Sprecher: Wenn Gisela so weit gedacht hat, wollen sich die Tränen hervordrängen. Doch das Gebet gibt ihr wieder Kraft. Oft sehnt sie sich nach ihrer Mutter, die ihr von Jesus erzählt hat, die mit ihr gebetet hat und so liebevoll war. Bei der Tante findet sie keine Liebe. Und wenn der Mond feierlich über den Bergen aufgeht, scheint es ihr als senke sich in den silbernen Strahlen ein Grüßen von ihrer Mütterlichkeit hernieder, das flüstert: “Lass den heiligen Christ in deinem Herz einkehren. Das ist besser als der reichste Gabentisch.” Dann blitzt in dem Mädchen die Sehnsucht auf:

Gisela: Oh lieber Herr Jesus, wenn du auch in Tante Marias Herzen einkehren würdest. Wenn du noch tote Feuer darin anzündest. Du allein kannst es. Gib du in ihr Herz einen neuen Schein!

Sprecher: Es ist ein Tag vor dem heiligen Fest, ein starker Schneesturm hat getobt. Jetzt kreisen nur noch einzelne Flocken über die Berglandschaft. Aber der Himmel sieht noch immer drohend aus, als wenn er noch große Schneemassen für die Feiertage aufgespart hätte. Es will heute gar nicht richtig Tag werden. Fast möchte Maria die Lampe anzünden. Es ist so dämmrig im Häuschen, aber für sich allein lohnt es sich nicht. Gisela hat noch bis Zehn Uhr Schule, ehe die Ferien beginnen, und der Mann ist zur Arbeit. Sie ist heute so unruhig. Was ist nur mit ihr los? Plötzlich wird es dunkel, es wird auch draußen unheimlich still, so als ob die Natur den Atem anhalte. Doch da bricht ein Sturm los. Es heult der Wind und es kracht in den Ästen. Ein wildes Jaulen und Pfeifen bricht an, als rase das wütende Heer von der Höhe ins Tal. Erschrocken tritt Maria ans Fenster. Hart peitscht der Schnee gegen die Scheiben. Sie schaut zur Uhr, halb zehn!

Maria: Das Kind hat ja gleich Schulschluss. Das Unwetter wird hoffentlich aufhören, ehe die Schule zu Ende ist! — Zwanzig Minuten noch. Mensch der Sturm will sich nicht legen. Bestimmt wird dort Kohlweg, der vom Dorf heraufführt zugeweht sein. Für das Kind wird es unmöglich sein nach Hause zu kommen oder – es wird im Schnee begraben. Sie wird doch so vernünftig sein und warten bis Hermann sie abholt. Aber ich hab ihr doch selbst verboten nach der Schule unten zu bleiben.

Sprecher: Gestern hat sie noch gespottet: “Das bisschen schlechte Wetter, bist doch kein Zuckerpüppchen. Und je schlimmer das Wetter, desto schneller nach Hause.” Verstört blicken Marias große Augen wieder auf die Uhr. Zwölf Minuten nur noch bis 10 und draußen heult nach wie vor der Sturm und wirbelt die Flocken. Noch ein letztes wirres Umblicken. Dann reißt sie kurz entschlossen den Mantel aus dem Schrank, schlingt ein Tuch um den Kopf, verschließt mit zitternden Händen die Haustür und jagt dem Dorf zu. Johlend braust ihr der Sturm entgegen. Nun hat sie den Hohlweg erreicht. Sie biegt zum Tal hinab. Aber jetzt sind die hohen Schneewälle ein neues Hindernis. Schritt für Schritt sinkt sie in die tiefe Schneemasse. Der Schweiß rinnt ihr, trotz der Kälte, von der Stirn. Aber was wäre erst mit Gisela? Sie wäre nie hier durchgekommen. Was, wenn sie hier umkäme? Dann wäre alles wie früher, sie bräuchte nicht mehr zu nähen, zu flicken und zu stopfen. Wie früher? Ihre Augen werden starr. Nein sie will es nicht mehr so wie früher haben. Viel zu lieb ist ihr Gisela geworden. Da endlich kommt sie an der Schule an. Der Lehrer wundert sich, dass die Frau, die da draußen steht, nicht herein kommt. Er öffnet die Tür um sie zu holen und ist ganz verblüfft, als er Maria dort sieht.

Lehrer: Frau Bernbach?

Maria: Ich wollte Gisela abholen.

Lehrer: Aber so kommen sie doch wenigstens herein! Bei diesem Wetter können sie doch nicht draußen stehen bleiben. Die Kinder üben noch einige Lieder für heute Abend.

Sprecher: Sie folgt dem Lehrer ins Klassenzimmer. Die Kinder schauen sie erstaunt an. Ist da nicht ein Augenpaar das sie aufleuchtend grüßt? Als sie so dasitzt, die alten Weihnachtslieder hört, geht die Müdigkeit weg. Es ist fast so schön wie früher in ihrer Heimatkirche.

Lehrer: Sie kommen doch heute Abend zu unserer Feier?

Sprecher: Sie nickt wie ein gehorsames Kind.

Lehrer: Möchten sie nicht ein wenig hinauf zu meiner Frau gehen, ein Tässchen heißen Kaffee trinken?

Maria: Nein, Oh Nein! Ich muss noch zum Krämer. Wenn sie Gisela bis Mittag bei sich behalten wollen, sie spielt so gerne mit ihrer Else. Ich muss noch…

Sprecher: Sie stockt, und dann lächeln ihre Augen heimlich verschämt, und ein lichter Schein erhellt ihr Gesicht, dass ein Strahl aller Schönheit darin aufleuchtet.

Maria: Sie wissen ja, Herr Lehrer, es ist Weihnachten!

Lehrer: Wie man sich doch in den Menschen so täuscht.

Sprecher: Sinnt der Lehrer, während er der schmächtigen, kleinen Frau nachblickt, die so eilig über den Schulhof geht.

Lehrer: Besser könnte es Gisela bei keiner anderen haben!

Sprecher: Frau Maria Bernbach aber stapft eifrig die Dorfstraße hinab. Immer noch ist das verlorene, weiche Lächeln um den sonst so herben Mund, wie das Lächeln eines erwartungsvollen Kindes.

Maria: Kerzen, Äpfel, Nüsse, Christbaumschmuck, ein Poesiealbum, Mandeln und Rosinen!

Sprecher: Murmelt sie vor sich hin, und während ihre Augen immer heller und heller strahlen, tönt aus der Ferne, vom Schulhaus her das ihr von der Kindheit bekannteste Lied.

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Okt 11 2007

Große Freude

Geschrieben von under Weihnachten

Große Freude, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 7 Personen

Erzähler: Ganz oben unter dem Dache des großen hohen Hauses wohnte der Arbeitgeber Christoph Heine. Er lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen, doch half ihm seine Frau soviel verdienen, dass sie und die drei Kinder keinen Mangel litten. Sie waren fromm und zufrieden und darum auch glücklich. Christoph Heine war in einem großen  Kaufmannshause als Arbeiter angestellt; er hatte meistens auf der großen Diele zu tun.
Eines Tages war sein Herr längere Zeit dort anwesend und als er fortgegangen war, kehrte er nach kurzer Zeit wieder zurück, nicht ohne gewisse Erregung.

Schwarz:
Heine, haben Sie meine Brieftasche nicht gesehen? Sie muss mir aus der Jacke gefallen sein. Ich habe wichtige Papiere darin, und es würde mir sehr unangenehm sein, wenn es verloren wäre.

Heine: Nein ich habe nichts gesehen.

Schwarz: Bitte, suchen Sie überall, ich setze einen Finderlohn von 20 Mark aus.

Erzähler: Ein anderer Arbeiter, Johann Born, kam dazu; er wusste auch von nichts. Unmutig ging Herr Schwarz fort. Alle Leute im Hause suchten, aber vergeblich. Born war einer der eifrigsten. Er war ein noch junger Mann und stand in besonderer Gunst bei seinem Arbeitgeber. Schließlich flüsterte er diesem zu:

Born: Es müsste jemand die Brieftasche genommen haben, anders ist es nicht möglich.

Erzähler: Herr Schwarz erschrak und sah ihn forschend an; aber er begegnete dem Blick freimütig. Es war in dem Augenblick sonst niemand da als Heine. Herr Schwarz wusste, dass es ihm schwer war, seine Familie durchzubringen. Er ließ Heine in sein Zimmer kommen und sprach offen und ernst mit ihm. Christoph Heine blieb dabei, er hätte nichts gefunden und genommen. Herr Schwarz verlangte, dass die Taschen der Arbeiter untersucht würden. Es geschah und – die Brieftasche, ohne Inhalt, wurde in Heiners Tasche gefunden.

Schwarz:
Geben Sie das Geld heraus, es waren 3.000 Mark darin, dann will ich die Sache unterdrücken, und Sie können sich anderswo Arbeit suchen.

Heine: Ich weiß wirklich nichts davon.

Erzähler: So musste das Gericht einschreiten und Heiner saß seit drei Wochen im Gefängnis. Ach, was für eine schwere, harte Zeit war das für seine Frau Sophie gewesen, und auch ihr ältestes Töchterchen, die elfjährige Christel verstand schon, wie bitter dieses Trübsal war, während sich der siebenjährige Jakob und die zweijährige Hanne nicht weiter beunruhigten, und sich in ihren Weihnachtshoffnungen nicht stören ließen. Die Kleinen waren schon zu Bett gebracht, nun saß Christel mit der Mutter bei der Lampe, und beide nähten eifrig; Frau Sophie, um eine versprochene Arbeit zu beenden, und Christel, um Hannes Puppe ein neues Kleid zu machen. Beide schwiegen bis Christel merkte, dass die Mutter sich verstohlen die Tränen abwischte. Da sprang sie auf, umarmte sie stürmisch und rief:

Christel: Mutter, weine nicht, du sollst sehen, der liebe Gott gibt uns zu Weihnachten unseren lieben Vater wieder. Sechs Tage sind es noch bis heilig Abend, dann ist er hier!

Sophie: Mein Liebling, wir wissen nicht, ob Gott uns nicht noch länger prüfen will.

Christel: Aber Mütterchen, es ist ja Weihnachten, und alle Menschen sollen froh sein; die Lieder, die wir lernen, sind auch so fröhlich, und unsere Lehrerin sagte heute, das Wort:
„Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ gilt allen Menschen. Dabei habe ich wohl daran gedacht, dass dem lieben Christkind diese Freude gelten soll; aber ich habe immerfort gebetet, dass die große Freude auch zu uns kommen möge, unseren lieben Vater wieder zu haben.

Erzähler: Ehe die Mutter etwas erwidern konnte, klopfte es, und der Arbeiter Born trat ein. Er setzte sich zu Mutter und Tochter an den Tisch und fragte, wie es ihnen ginge. Frau Sophie hatte Strümpfe für ihn gestrickt, er kam um sie zu bezahlen. Prahlend klopfte er auf seine volle Geldtasche und erzählte, er wolle, so bald es anginge, nach Amerika fahren, hier in Deutschland sei für einen armen Menschen nichts mehr zu machen. Frau Sophie sah verwundert auf seine gefüllte Geldtasche und ihre Augen wurden immer größer als er sie öffnete und viele Goldstücke darin waren. Als Born ihrem Blick begegnete, wurde er verlegen:

Born:
Ich habe Glück gehabt, viel Geld gewonnen. Sind Sie in der Not? Ich gebe Ihnen etwas ab.

Sophie: Ich danke Ihnen, aber wir vertrauen auf Gott. Er bringt uns schon durch.

Erzähler: „O, wie schade“ dachte Christel, und Born, der ihre Gedanken erraten hatte, wandte sich an sie, legte einen blanken Taler vor ihr auf den Tisch und rief lachend:

Born: So Kleine, dafür kaufst du dir etwas zu Weihnachten, auf den Vater könnt ihr nicht rechnen.

Christel: Vater ist bis zum Fest wieder bei uns und für dieses Geld will ich ihm etwas Schönes kaufen. Darf ich, Mutter?

Sophie: Ja .

Born: Ich komme aus einer vergnügten Gesellschaft und muss jetzt noch zu anderen Freunden.

Erzähler: Frau Sophie war froh, als er fort ging. Sie leuchtete ihm die Treppe hinab, und als sie zurückkam, rief Christel ihr entgegen:

Christel: Mutter, denke doch nur, so viel Geld! Nun können wir einen Tannenbaum kaufen, Jakob kann ein Pferd bekommen, und Hanne eine neue Puppe; für dich besorgen wir auch etwas. Das meiste aber geben wir für Vater aus. Wird er sich über ein Paar Filzpantoffeln freuen? Oder sind sie zu teuer?

Sophie: Aber Christel, der arme gute Vater ist ja nicht hier.

Christel: Mutter, er kommt, du sollst es sehen, er kommt gewiss.

Erzähler: Frau Sophie setzte sich schweigend an die unterbrochene Arbeit, dabei fiel ihr Blick auf das Geldstück. Sie nahm es und besah es genauer, es war ein über 200 Jahre alter Taler. Sie wurde aufmerksam, den hatte Born kein Kaufmann gegeben. Ein schreckhafter Gedanke durchzog sie. Woher hatte er die vielen Geldstücke, die sie in seiner Geldtasche gesehen hatte? Diese Nacht fand sie keinen Schlaf, und als Christel am nächsten Mittag aus der Schule kam, eilte sie mit dem Taler fort. Hastig strebte sie vorwärts, bis sie vor dem Hause des reichen Handelsherrn Schwarz stand. Nun wollte ihr der Mut doch sinken, aber sie flehte in ihrem Herzen um Kraft und klopfte an die Tür des Kontors. Als sie sagte, dass sie Herrn Schwarz sprechen möchte, richteten sich viele neugierige Blicke auf sie. Der Kaufmann selbst aber winkte ihr, ihm zu folgen in das kleine Zimmer nebenan.

Schwarz: Sie sind die Frau des Heine, der wegen Diebstahl im Gefängnis ist, nicht wahr?

Sophie: Mein Mann ist unschuldig.

Schwarz: Sind sie in Not? Ich will Ihnen gerne helfen.

Sophie: Nein, darum kam ich nicht, sondern Sie zu fragen, ob dieses alte Geldstück Ihnen gehört?

Schwarz: Ja, es war mit in der Brieftasche. Es war meine Gewohnheit, diesen Erbtaler immer bei mir zu tragen, woher haben sie ihn?

Erzähler: Frau Sophie erzählte, was sich gestern Abend zugetragen hatte. Mehr als einmal wollte Herr Schwarz sie unterbrechen, aber er bezwang sich. Als sie beendet hatte, ging er mit großen Schritten im Zimmer auf und ab; er sah sehr ernst aus. Endlich blieb er vor der Frau stehen und reichte ihr die Hand.

Schwarz: Überlassen Sie mir die Sache, es liegt niemanden mehr daran als mir, die Wahrheit zu erfahren. Ich werde Ihnen Bescheid geben.

Erzähler: Frau Sophie ging fort, froh wie seit langen nicht mehr. Sie vermochte jetzt wieder zu hoffen. Herr Schwarz hatte ihr den Taler eingewechselt und ihr dafür zwei gegeben. „Das ist er Wert“ sagte er, und sie dankte Gott dafür.

Einen Tag nach dem andern wartete Frau Sophie nach Antwort, aber vergeblich, sie bekam nichts. Christel wurde immer fröhlicher. Sie sang bei der Arbeit und machte Pläne für die Festtage. Der ersehnte Weihnachtstag kam, die Geschenke waren alle eingekauft und sie hatten immer noch keine Nachricht von Herrn Heine. Frau Sophie seufzte – nun wurde ihres Kindes hoffen doch zu Schanden. Die Dämmerung brach herein Christel sang mit den Kleinen: “Ihr Kinderlein kommet“ und die Mutter zündete den Baum an. Jetzt merkte sie, wie sehr sie gehofft hatte, ihres Kindes Zuversicht möchte sich erfüllen – aber es war vergeblich gewesen. Sie faltete die Hände und bat Gott um Kraft und Geduld. Nun kamen die Kinder herein, jubelnd und frohlockend als gäbe es keine Schmerzen auf der Welt, Christel sagte:

Christel: Mutter, er kommt. Lasst uns erst singen: O du fröhliche, o du selige, Gnadenbringende Weihnachtszeit.

Erzähler: Als sie geendet hatten wurde langsam die Tür geöffnet, und auf der Schwelle stand der Erwartete. Wie ein Jubelruf klang’s durch den engen Raum. Dann empfing der blasse Mann die Seinen, und Freudentränen flossen in seinen Bart.
Herr Schwarz hatte die Sache sogleich mit großem Ernst in Angriff genommen, und Born hatte zuletzt seine Schuld gestanden, nachdem er erst frech und anhaltend seine Unschuld beteuert hatte. Er hatte die Brieftasche gefunden, geleert und dann in Heines Ledertasche gesteckt. Herr Schwarz hatte gewünscht, dass Heine am heiligen Abend zu den Seinen zurückkehrte und hatte persönlich darum gebeten. Da Born nicht mehr leugnete, war die Angelegenheit bald erledigt, leider hatte er von den 3.000 Mark schon 1.000 verschwendet, aber Herr Schwarz bekümmerte das weniger, als dass ein Unschuldiger gelitten hatte. Christoph Heine sollte nach dem Feste mit erhöhtem Tagelohn in seine alte Stellung eintreten. Als er kaum zu ende mit seiner Erzählung war, hörten sie draußen ein Stampfen und Rumoren, und dann wurde die Tür aufgerissen. Zwei der früheren Kameraden von Heine riefen fröhlich:

Kamerad: Besten Glückwunsch und Empfehlung von Herrn Schwarz, er schickt etwas zum heiligen Christfest.

Erzähler: Die Männer schüttelten einander die Hände, Dann eilten die Fremden wieder davon. Nun ging’s an ein Auspacken, die Freude und der Jubel wollten kein Ende nehmen, an alles hatte der gute Herr Schwarz gedacht. Da waren Kleiderstoffe und Lebensmittel, Spielsachen und Bücher. Es war allen als träumten sie, das schönste war und blieb aber doch, dass der Vater wieder da war. Heute abend wurde ein Festmahl hergerichtet und dann gingen die Kleinen zu Bett, Christel aber durfte noch aufbleiben.

Christel: Ich habe es gewusst, dass du kommst!

Heine: Sage noch einmal den Weihnachtsgruß auf.

Christel: Siehe, ich verkündige euch eine große Freude,

Heine: Große Freude! Große Freude! Herr Gott, sei hochgelobt in Ewigkeit!

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