Archive für die Kategorie 'Weihnachten'

Dez 05 2007

Vater Martin

Geschrieben von under Weihnachten

Vater Martin, ein christliches Anspiel zu Weihnachten für 5 Personen

(Musik) “Meine Hände waren voll von Dingen”

Autor: Kennt ihr Vater Martin? Nein, dann kommt mit mir in die große Stadt Marsey. An einer Straßenecke in der Altstadt steht eine Holzhütte. Dort hat Vater Martin seine Werkstatt. In der Werkstatt wohnt er auch. Die Hütte ist sein Arbeitszimmer, sein Ess- und Schlafzimmer und auch die Küche. Jetzt sitzt er vor dem Fenster an seinem Arbeitstisch. Auf dem Tisch liegen viele, viele Schuhe. Schuhe in allen Größen, denn Vater Martin ist Schuhmacher. Die Mütter sagen “Nur wenn Vater Martin die Schuhe besohlt hat, dann halten sie und Kinder können sie tragen.” Der alte Schuhmacher sieht zufrieden aus, das war nicht immer so. Die Nachbarn sagen, dass er früher oft traurig war, dann vor vielen Jahren hat er seine Frau verloren. Auch einen Sohn hatte er gehabt.

Er war Matrose, aber er kam bei einem Schiffbruch ums Leben. Danach wurde Vater Martin ein stiller, ernster Mann, aber seit einiger Zeit ist das anders. Die Leute sagen, der alte Martin ist fromm geworden, er geht zu den Stunden. Dort wird gesungen und von Gott geredet. Seitdem lächeln seine Augen oft. Er geht auch nicht mehr in die Wirtschaft. Er ist lieber zu Hause und liest in einem großen Buch, in der Bibel.

Leise mit Musik beginnen “Leise rieselt der Schnee”

Und manchmal brennt die Petroleumlampe in seiner Werkstatt bis tief in die Nacht hinein. Es ist Heiliger Abend. Draußen ist es kalt und nass, aber in Vater Martins Werkstatt ist es behaglich warm. In dem kleinen Ofen knistert das Holzfeuer. Vater Martin hat seine Abendsuppe gegessen. Nun sitzt er in seinem alten Lehnstuhl. Vor ihm auf dem Tisch liegt die große Bibel.

Martin: “Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte Ihn in Windeln und legte Ihn in eine Krippe. Denn sie hatte sonst keinen Raum in der Herberge.“ Kein Raum in der Herberge?! Bei mir hätte es ein Eckchen gegeben für Ihn. Ich bin ganz allein, ich habe ja niemanden mehr auf der Welt. Wenn ich mir vorstelle, es wäre heute zum ersten mal Weihnachten, wenn heute Abend der Heiland käme und wenn Er meine Hütte sich aussuchte um darin zur Welt zu kommen, aber was schenke ich Ihm dann. Die Weisen vom Morgenland gaben Ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ich habe eigentlich nichts. Doch halt! Die kleinen Kinderschuhe dort auf dem Brett. Meine schönste Arbeit. Die wären gerade das richtigste Geschenk, aber, hm, ach, was phantasiere ich denn da. Als ob der Heiland meine Hütte braucht und meine Schühchen.

Autor: Der alte Martin ist tief in Gedanken versunken. Draußen sieht man immer mehr Menschen auf der Straße, die noch die letzten Einkäufe für das Fest machen wollen, aber Vater Martin sitzt unbeweg-lich in seinem Stuhl. Ist er eingeschlafen? Plötzlich hört er wie ihn eine Stimme ruft.

Stimme: Martin!

Martin: Wer ist da?

Stimme: Du möchtest Mich bei dir empfangen? Nun morgen komme Ich bei dir vorbei, schau nur immer eifrig auf die Straße und sieh, ob du Mich erkennst.

Autor: Martin reibt sich die Augen. Die Lampe ist verloschen. Jetzt schlägt es Mitternacht vom Kirchturm. Es ist Weihnachten.

Martin: Wer war das? Der Heiland?! Er hat versprochen bei mir vorbeizukommen. Ist es vielleicht nur ein Traum gewesen? Auf jedenfalls will ich auf Ihn warten. Ich habe Ihn noch nie gesehen, aber Sein Bild habe ich oft in den Kirchen gesehen. Sicher werde ich Ihn erkennen.

Musik “O Du Fröhliche”

Autor: Am nächsten Morgen steht Vater Martin schon früh auf. Draußen ist es noch dunkel, doch die Lampe in der Werkstatt brennt lustig. Der alte hat das Feuer schon angeflammt. Auf dem Ofen steht das Kaffeewasser. Nachdem er aufgeräumt hat stellt er sich ans Fenster. Allmählich wird es hell draußen. Immer wieder schaut Vater Martin auf die Straße.

Martin: Der Straßenkehrer. Der hat es nicht leicht bei der Kälte. Der Arme. Für ihn ist heute kein Weihnach-ten. Ich will ihm eine Tasse Kaffee geben. Hey! Komm doch herein mein Freund. Wärm dich ein bisschen.

Straßenkehrer: Das lass ich mir nicht zwei mal sagen. Danke, danke! Man könnte meinen, man wär’ in Sibirien, so kalt ist es.

Martin: Du trinkst doch sicher gerne eine Tasse heißen Kaffee, was?

Straßenkehrer: Darauf sage ich nicht nein. (leise flüstern): Es gibt doch noch gute Menschen auf der Welt.

Autor: Der alte Schuster beeilt sich seinen Gast zu bedienen, dann stellt er sich wieder ans Fenster und schaut hinaus.

Straßenkehrer: Was schaust du denn immer auf die Straße? Wartest du auf jemanden?

Martin: Ja, ich warte auf meinen Meister.

Straßenkehrer: Auf deinen Meister? Und ich habe immer gedacht, der Vater Martin wär’ sein eigener Meister.

Martin: Ich meine einen anderen Meister.

Straßenkehrer: Aha!?

Martin: Er hat mir versprochen heute irgendwann bei mir vorbeizukommen. Weißt du wie Er heißt? Es ist Jesus!

Straßenkehrer: Aha! Diesen Namen habe ich schon irgendwo einmal gehört. Wo wohnt Er?

Autor: Nun erzählt Vater Martin, was ihm am Abend vorher passiert ist. Er sagt auch dem Straßenkehrer wer Jesus ist und wozu Er gekommen ist.

Straßenkehrer: Und jetzt wartest du auf Ihn? Ich glaube kaum, dass Er kommt. Aber das ist egal. Du hast mir von Ihm erzählt und ich möchte gerne mehr über Ihn wissen. Kannst du mir ein Buch über Ihn beschaffen?

Martin: Das kann ich. Hier hast du ein kleines Evangelium.

Straßenkehrer: Vielen Dank. Jetzt kann die Arbeit wieder weitergehen. Fröhliche Weihnachten!

Martin: Fröhliche Weihnachten mein Freund!

Autor: Allmählich sieht man mehr Menschen auf der Straße. Angestrengt schaut der alte Mann jeden an, der an seinem Fenster vorüber geht. So vergehen die Stunden. Da geht eine junge Frau über die Straße. Sie ist ärmlich gekleidet. Ihr Gesicht ist blass und ihre Augen sind traurig. Auf dem Arm trägt sie ein kleines Kind. Martin kann nicht anders. Er hat tiefes Mitleid mit ihr. Er öffnet die Tür seiner Hütte.

Martin: Hallo!

Frau: Ja!

Martin: Junge Frau! Du siehst aus, als ob es dir nicht gut geht.

Frau: Ich bin auf dem Weg zum Krankenhaus. Ich hoffe nur, dass sie mich aufnehmen mit dem Kind. Mein Mann ist zur See gefahren und ich warte schon seit Monaten auf ihn. Ich habe lange kein Geld mehr und nun bin ich noch krank geworden.

Martin: Armes Kind. Nun komm doch herein.

Frau: Oh, gerne!

Martin: Bei mir kannst du auf jedenfalls ein Stück Brot bekommen und eine Tasse Milch für den Kleinen habe ich auch noch.

Frau: Oh, vielen Dank!

Martin: Aber, was ist das, der Kleine hat ja nicht mal Schuhe an, bei diesem Wetter!

Frau: Ach, wenn sie wüssten, ich habe gar nichts mehr anzuziehen für ihn. Seine letzten Schühchen hat er so lange getragen, bis sie ganz zerfetzt waren.

Martin: Warte mal. Ich habe genau das richtige für den Jungen.

Autor: Martin holt die Kinderschühchen, die auf dem Brett stehen. Einen Augenblick steht er da und zögert, die Schühchen in der Hand. Dann zeigt er sie der jungen Frau. Sie weiß nicht wie sie ihm danken soll. Martin stiehlt sich wieder ans Fenster.

Frau: Warten sie auf jemand?

Martin: Ich erwarte meinen Meister heute.

Frau: Oh!

Martin: Hast du schon einmal etwas von Jesus gehört?

Frau: Ja, im Religionsunterricht.

Martin: Auf Ihn warte ich.

Frau: So? Und glauben sie, dass Er hier vorbeikommen wird?

Martin: Ja, Er hat das mir gesagt.

Frau: Ist das möglich? Oh wie gern würde ich dabei sein. Aber, ob sie sich nicht irren? Doch ich muss jetzt gehen, sonst komm ich zu spät ins Krankenhaus.

Martin: Nimm dieses Büchlein mit.

Frau: Vielen Dank!

Martin: Darin steht die ganze Geschichte von Jesus. Lies es aufmerksam. Es ist nicht dasselbe, als wenn man Ihn selbst sieht, aber doch beinahe. Und vielleicht begegnet Er dir dann später auch noch mal.

Frau: Wie soll ich ihnen nur für alles danken.

Autor: Stunde um Stunde geht dahin. Immer mehr Leute kommen und gehen auf der Straße. Junge und Alte, Frauen und Männer. Mancher Bettler bleibt vor der alten Hütte stehen. Ob Vater Martin eine Gabe für sie hat? Sie werden nicht enttäuscht. Für jeden, der in Not ist, hat der alte Schuhmacher eine kleine Hilfe und ein ermutigendes Wort. Aber, sein Meister kommt nicht! Schon beginnt es zu dunkeln. Die Laternen werden angezündet. Hinter den Fenstern leuchten die Öllampen auf. Martins Augen sind ganz müde geworden, er kann die Menschen auf der Straße nur noch verschwommen, wie im Nebel sehen, dann wird es allmählich still. Vater Martin ist traurig. Während er sein bescheidenes Abendbrot zubereitet, murmelt er leise:

Martin: Es war ein Traum und ich hatte doch so sehr gehofft, Er würde kommen.

Autor: Nach dem Abendessen schlägt der alte Schuhmacher seine Bibel auf. Aber er ist zu traurig um etwas lesen zu können.

Martin: Er ist nicht gekommen.

Autor: Auf einmal ist der ganze Raum erfüllt mit einem hellen Licht. Ohne dass die Tür sich geöffnet hatte ist die Werkstatt voller Menschen. Vor den erstaunten Augen Martins steht der Straßenkehrer und dort die junge Frau mit ihrem kleinen, hinter ihnen sieht er zwei, drei, vier Bettler, einen Blinden, ei-nige Nachbars Kinder, für die er immer ein gutes Wort hatte. Alle sagen:

Alle: Hast du mich gesehen?

Martin: Was soll das bedeuten? Wer seid ihr?

Autor: Nun sieht Vater Martin wie das Kind auf dem Arm seiner Mutter die Hand ausstreckt, immer mehr beugt es sich zu ihm hinüber. Da legt das Kind das Fingerchen auf die aufgeschlagene Bibel. Es will ihm einen Vers zeigen. Martin schaut hin und liest:

Martin: “Ich bin hungrig gewesen und ihr habt Mich gespeist, Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt Mich beherbergt, Ich bin nackt gewesen und ihr habt Mich bekleidet, Ich bin krank gewesen und ihr habt Mich besucht, Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu Mir gekommen. Denn was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr Mir getan.”

AMEN
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Dez 05 2007

Das Weihnachtswunder

Geschrieben von under Weihnachten

Das Weihnachtswunder, ein christliches Anspiel zu Weihnachten für 10 Personen

Autor: Am Freitagabend vor dem ersten Advent brachte Herr Jürgens einen Arm voll Tannengrün mit nach Hause. Als die Kinder zu Bett gegangen waren, sagte er zu seiner Frau:

Vater: Morgen werden wir den Adventskranz binden, da werde ich es den Kindern sagen. Einmal muss es doch gesagt sein, und je eher, desto besser. So gewöhnen sie sich an den Gedanken.

Mutter: Ich bin nur froh, dass du mir die Aufgabe abnimmst, es ihnen zu sagen.

Autor: Nickte Frau Jürgens mit einem Seufzen. Am nächsten Tag saßen sie beisammen, der Vater mit seinen sechs Kindern und die Mutter mit einer Flickarbeit unter der Lampe. Karl, der jüngere der beiden Buben, sagte:

Karl: Wenn man den Adventskranz macht, ist bald Weihnachten.

Annette: ,,Ooch, dann dauert es noch eine ganze Weile. Ich wünschte, es wäre schon soweit.

Autor: Herr Jürgens hielt jetzt den geeigneten Augenblick für gekommen, er wechselte einen Blick mit seiner Frau, holte tief Atem und sagte:

Vater: Warum feiern wir eigentlich Weihnachten, Kinder?

Autor: Die Antworten überstürzten sich geradezu:

Weil es so schön ist!

Weil wir dann feiern!

Weil wir viele Plätzchen kriegen und Nüsse und lauter schöne Sachen was man sich schon lange gewünscht hat.

… und wegen dem Weihnachtsbaum!”

Autor: Der Vater hielt sich die Ohren zu.

Vater: Genug, Kinder, ich weiß Bescheid. An eines aber hat niemand von euch gedacht. Nun, Christel, was meine ich wohl?

Autor: Christel wurde ein bisschen rot und sagte:

Christel: Natürlich freuen wir uns, weil der Heiland geboren ist. Aber eigentlich freuen wir uns zu Weihnachten doch vor allem über die Geschenke.

Vater: Richtig, das ist leider nun einmal so. Meint ihr, ohne Geschenke gäbe es an Weihnachten nichts zum Freuen?”

Autor: Die Kinder zuckten die Achseln, sahen sich schweigend an. Die Mutter beugte sich tiefer über die Näharbeit.

Vater: Ihr antwortet mir nicht? Ich muss euch leider sagen, wir werden in diesem Jahr Weihnachten ohne Geschenke feiern. Ich will euch auch erklären, warum das so sein wird. Ihr Großen versteht das schon. Als wir im vorigen Jahr zusammen mit unserem Nachbarn Weber unser Haus gebaut haben, nahm ich bei meiner Firma ein Darlehen auf, um Weber zu helfen, der nicht genug hatte sparen können wegen seiner kranken Frau. Dieses Darlehen wird mir von meinem Lohn in Raten einbehalten. Der Nachbar wollte es mir in gleicher Höhe, wie es mir abgezogen wird, vom Lohn zurückzahlen. Aber nun ist er im Sommer verunglückt und ich war ein paar Wochen krank. So ist es gekommen, dass wir gerade nur das Nötigste haben. Für Geschenke bleibt nichts übrig, soviel Mutter und ich auch gerechnet und überlegt haben. Schulden machen für Geschenke, das gibt es bei uns nicht. Wir laufen auch nicht zur Fürsorge oder halten bei der Gemeindeschwester um Hilfe an. Wir leiden keine Not, auch wenn es keine Weihnachtsgeschenke gibt. Schaut mich nur nicht so verstört an, Kinder, wir wollen froh und dankbar sein. Wir haben immer satt zu essen, eine warme Stube und sind gesund. Ihr sollt sehen, wir werden Weihnachten trotzdem fröhlich feiern, auch ohne Drum und Dran.

Autor: Nach einem beklommenen Schweigen fragte Rudi:

Rudi: Auch keinen Weihnachtsbaum?

Vater: Doch, einen Weihnachtsbaum sollt ihr haben, und Mutter wird auch wie in jedem Jahr Plätzchen backen.

Autor: Gretel war rot vor Ärger, als sie jetzt sagte:

Gretel: Aber das ist unrecht! Webers haben mit deinem Geld ihr Haus fertiggebaut, und wir sollen deswegen nichts zu Weihnachten bekommen!

Vater: Möchtest du, dass die schwächliche, junge Frau Weber und ihre lahme Schwiegermutter ausziehen müssen und nicht einmal wissen wohin, nur damit du dein Weihnachtsgeschenk hast?

Gretel: Das nicht, Vater, aber ungerecht ist es doch.

Vater: Die beiden Frauen sind schlimm genug dran, Weihnachten allein und in Trauer um den Verunglückten zu verleben. Die Sache mit dem Geld wird vom Siedlerverband geregelt, das geht mir nicht verloren. Nur dauert das eine Weile. Aber nun wollen wir nicht weiter davon reden, sondern unsern Adventskranz fertigmachen. Wenn Gott uns alle gesund erhält, wollen wir dankbar und zufrieden sein. Auf diese Weise kommen wir dazu, über den Sinn des Festes richtig nachzudenken. Das ist auch ein Gewinn.

Autor: An diesem Abend kamen die Kinder in ihren Schlafkammern nicht gleich zur Ruhe. Rudi und Karl schlichen sich zu den Mädchen hinüber. Die Sache mit den Weihnachtsgeschenken musste in aller Ruhe besprochen werden. Sie hockten auf Christels Bettrand beieinander und flüsterten erregt. Darüber erwachte Annette, sie richtete sich auf und sagte, nachdem sie ein Weilchen den Reden der Geschwister gelauscht hatte:

Annette: Was habt ihr nur, man muss es einfach dem Heiland sagen. Der kann alles.

Gretel: Ach, Spätzchen, Weihnachtsgeschenke macht der liebe Gott aber nicht. Da kannst du lange warten.

Annette: Ich habe aber gehört, wie Karl den Vers gelernt hat, „Unser Gott ist im Himmel, Er kann machen, was Er will.“

Karl: „Er kann schaffen, was er will“, heißt es.

Annette: Schaffen oder machen, das ist dasselbe. Wenn Er will, kann er auch Weihnachtsgeschenke schaffen.

Gretel: Er will aber nicht.

Annette: Warum nicht? Woher weißt du das? Gibt es dafür auch einen Vers in der Bibel?

Christel: Annettchen!

Autor: Christel, die ihre fünfjährige Schwester über alles liebte, nahm die Kleine in den Arm.

Christel: Der liebe Gott – ja – das ist nämlich so -.

Autor: Christel merkte, sie konnte nicht erklären, was sie selber nicht verstand.

Annette: Nun sag doch, wie ist das denn? Er hat doch damals den Wein gemacht bei der Hochzeit, und dann das mit den hungrigen Leuten, die alle satt wurden, fünftausend, das sind doch eine ganze Menge, nicht wahr? Und wir sind nur so ein paar.

Christel: Das war damals, als der Herr Jesus noch auf der Erde war.

Annette: Vater sagt immer, er ist auch jetzt noch bei uns.

Gretel: Annette, das verstehst du noch nicht.

Autor: Half Gretel ihrer großen Schwester aus der Verlegenheit. Nein, Annette verstand es nicht. Am andern Tag wollte sie es vom Vater erklärt haben.

Annette: Vati, nicht wahr, in der Bibel steht, Gott kann machen, was Er will.

Autor: Christel stieß Rudi an. Wie würde sich der Vater herausreden? Sie wussten bereits, wie Annette jetzt weiterfragen würde.

Vater: Gewiss, das steht in der Bibel, und das ist auch so.

Annette: Na also, dann kann er auch machen, dass wir alle was zu Weihnachten kriegen.

Autor: Annette sah die Geschwister triumphierend an.

Vater: So meinst du das, hm. Wir haben schon etwas geschenkt bekommen, Annette. Gott hat uns seinen lieben Sohn geschenkt, und deshalb feiern wir Weihnachten.

Annette: Ja, und damit wir daran denken, bekommen wir etwas, weißt du, Vati, zur Erinnerung. Das haben wir bei der Sonntagschultante gelernt.

Vater: Wir können auch einmal ohne Geschenk daran denken, Annette, wir bekommen ja immerhin einen Weihnachtsbaum.

Annette: Ein Weihnachtsbaum ist sowieso immer da zu Weihnachten. Pass nur auf, wir werden schon alle was bekommen, glaubst du nicht? Ich glaub’s!

Autor: Dieses Gespräch verfolgte Vater und Mutter durch die nächsten Tage und Wochen. Sie wurden immer wieder daran erinnert. Annette unterhielt sich mit all ihren Bekannten darüber, und sie hatte viele Bekannte: den Milchmann, den Briefträger, die Verkäuferinnen im Lebensmittelgeschäft, ganz abgesehen von Fräulein Röder, der Sonntagschultante, die ihr in dieser Frage maßgebend war. Eines Tages erzählte sie ihrer Mutter:

Annette: Mutti, der Milchmann sagt, der liebe Gott, das wäre ein guter Mann, aber zu Weihnachten schenke er einem nichts. Das ist doch Unsinn.

Mutter: Wie kommt der Milchmann dazu, so etwas zu sagen?

Annette: Ich habe ihn gefragt, ob der liebe Gott wohl machen kann, dass wir alle etwas zu Weihnachten bekommen.

Mutter: Annette, das geht den Milchmann nichts an, ob und was wir zu Weihnachten bekommen. Erzähle das in Zukunft nicht bei den Leuten herum, hörst du?

Autor: Ein paar Tage später berichtete Annette:

Annette: Der Briefträger, Mutti, der weiß auch, der liebe Gott kann alles!

Mutter: Hast du etwa mit dem Briefträger darüber gesprochen, dass wir nur einen Weichnachtsbaum haben werden zu Weihnachten?

Annette: Nein, Mutti, ich habe ihn nur gefragt, ob er weiß, dass Gott alles machen kann.

Autor: In der Sonntagschule erklärte Fräulein Röder auf Annettes Frage, Gott könne gewiss alles machen, wir sollten nur beten, dann bringe Er alles zurecht.

Annette: Gut, dann werde ich beten!

Frl.Röder: Worum willst du beten?

Annette: Ich soll es niemandem sagen.

Autor: Fräulein Röder, die eine häusliche Sorge vermutete, gab dem Kind den Rat:

Frl.Röder: Gott kann alles zurechtbringen, Annette, ganz gleich, worum es sich handelt. Bete nur und vertraue.

Autor: Jubelnd kam das Kind mit dieser Botschaft nach Hause.

Annette: Man muss nur beten und vertrauen, dann kriegen wir alle etwas zu Weihnachten!

Mutter: Annette, wen hast du nun schon wieder gefragt?

Annette: Die Tante in der Sonntagschule, und die muss es ja wissen.

Mutter: Du hast ihr erzählt, wir hätten in diesem Jahr keine Weihnachtsgeschenke?

Autor: Fragte die Mutter bestürzt.

Annette: Nein, von Weihnachten habe ich kein Wörtchen gesagt.

Autor: Die Geschwister lachten über Annettes Beharrlichkeit, die Eltern aber empfanden sie als starke Belastung. Saßen sie abends allein beisammen, kamen sie immer wieder zu dem Ergebnis, Annettes Zuversicht würde enttäuscht werden.

Mutter: Könntest du nicht ein Schränkchen für die Kinder zimmern? Sie brauchen es so nötig. Karl und Rudi müssen unbedingt Schuhe haben, und ein bißchen Sperrholz für ein Puppenbettchen…

Vater: Nein, Mutter, du weißt, es wird mir schwer genug, die Zinsen für das vierte Quartal zusammenzubringen, dann kommen die Feiertage, an denen nichts verdient wird. Wir können nicht Annette etwas geben und die andern zusehen lassen.

Mutter: Aber in dem Kind wird innerlich etwas zerstört, wenn es Weihnachten enttäuscht wird.

Autor: Die Mutter wischte mit dem Handrücken über die Augen.

Vater: Wenn wir Weihnachten trotz allem froh und vergnügt beisammen sind, begreift das Kind vielleicht doch, wie wenig es auf Geschenke ankommt.

Mutter: Vergiss nicht, das Kind ist erst fünf Jahre alt.

Vater: Es steht geschrieben, Gott offenbart es den Unmündigen.

Autor: Der Vater, der so sprach, rang innerlich darum, Gott möge seinem kleinen Mädel den Glauben er-halten und die Zuversicht, die es so froh machte. Am Montagmorgen, der Vater war zur Arbeit, die Geschwister in die Schule gegangen, da zog die Mutter Annette das kurze, schäbige Mäntelchen an und machte sich auf den Weg zum Einkaufen. Sie gingen die lange Straße in die Stadt hinein. Annette wagte keine Frage, das kleine Herz war schwer und traurig, weil sie nicht mit der Mutter darüber sprechen konnte, wovon sie ganz erfüllt war. Der Weg war weit. Annette wusste, Mutter wollte in dem Laden einkaufen, wo alles billig war. In letzter Zeit ging sie immer dorthin. Sie kamen an die breite Straße, wo ein Laden am andern war. Wie schön alles im Spielzeugladen ausgestellt war! Annette sah die Mutter bittend an.

Annette: Darf ich dort gucken, solange du einkaufst?

Autor: Einen Augenblick zögerte die Mutter. Würden die Dinge im Schaufenster nicht erneut Wünsche wecken? Annettes Augen bettelten.

Mutter: Meinetwegen. Bleib aber am Schaufenster stehen, bis ich drüben aus dem Laden komme.

Autor: So stand das Kind und presste das Gesicht an die Fensterscheibe. Um diese Zeit war das Schaufenster noch nicht von Kindern belagert, und so konnte Annette alles in Ruhe betrachten, Puppen in rosa Kleidchen und in blauen und grünen, sitzend und liegend, mit Bubikopf und mit langen Zöpfen, die rechts und links über die Schultern hingen. Das Puppenhaus mit einer richtigen Treppe und einer Badestube, daneben eine Puppenschule und zwischen all den Herrlichkeiten eine Babypuppe – ein Traum von einer Babypuppe.

Mann: Suchst du dir etwas Schönes aus?

Autor: Annette sah zu dem Mann auf der hinter ihr ans Schaufenster getreten war. Es übermannte sie.

Annette: Dort, die Babypuppe -

Autor: Und dann fiel es ihr wieder ein, und sie sagte leise:

Annette: Aber wir bekommen nichts.

Mann: Wir? Wer ist das?

Annette: Vati, Mutti, Christel, Gretel, Karl und Rudi, Hella und ich.

Autor: Der Mann lachte auf.

Mann: Wie war das? Sag’s noch einmal!

Annette: VatiMuttiChristelGretelKarlundRudi,Hellaundich.

Mann: Hella und Rudi und wie sie alle heißen, sind das deine Geschwister?

Annette: Hmm.

Mann: Und wie heißt du?

Annette: Annette Jürgens.

Mann: Seid ihr nicht brav gewesen?

Annette: Doch – aber

Autor: Da fiel ihr ein, sie sollte ja niemandem etwas davon sagen.

Mann: Aber, Annette, was aber?

Autor: Das Kind warf mit einer herausfordernden Gebärde den Kopf zurück. Aus tiefstem Herzensgrund rief es aus:

Annette: Und ich glaube, wir kriegen doch etwas, weil der liebe Gott alles machen kann, was er will!

Mann: Da hast du recht, Kleine.

Autor: Der Mann nickte Annette zu und ging weiter. Gleich darauf war er zwischen den Leuten auf der Straße verschwunden. Annette hätte gern mit der Mutter über das Erlebnis am Schaufenster gesprochen, aber die Mutter war auf dem ganzen Weg so ernst und eilig, da wagte sie es nicht. Und dann war der Tag da. Nach dem Mittagessen durften die Kinder nicht mehr in die Wohnstube, sie sollten den Weihnachtsbaum nicht vorher sehen. Diesmal war er recht klein, der Vater schmückte ihn jedoch mit größter Liebe und Sorgfalt. Die Mutter gab sich Mühe, ruhig und heiter zu erscheinen. Die Kinder saßen in den Schlafkammern herum ohne Erwartung, ohne Freude. Sie sahen der Mutter an, es gab nichts als den Weihnachtsbaum. Nur Annette war fröhlich.

Annette: Ich freue mich! Ich freue mich!

Autor: Sang sie und ihre Augen strahlten.

(flüsternd zum Bruder)
Christel: Ich schenke ihr meine Puppe. Wenn sie nichts bekommt, fängt sie an zu heulen. Das halte ich nicht aus, dann heule ich mit.

Annette: Was flüstert ihr? Was habt ihr? Ach, wenn es doch schon dunkel wäre!

Autor: Sehr zeitig ging die Familie zur Weihnachtsfeier in die Kirche. Sie bekamen einen guten Platz. Annette schmiegte sich an die Mutter und zeigte auf die strahlenden Weihnachtsbäume.

Annette: Ist unser auch so schön?

Autor: Frau Jürgens konnte nicht sprechen. Heiß und hart saß es ihr in der Kehle. Die Kinder gaben sich redlich Mühe, mit der Gemeinde zu singen. Die sonst so hellen Stimmen klangen heute heiser und leise. Wie Groß und Klein nach Hause drängte nach dem Gottesdienst! Familie Jürgens hatte es nicht so eilig. Sie kamen früh genug an den leeren Tisch. Hier und da und dort sah man bereits die ersten Weihnachtsbäume hinter den Fenstern aufleuchten.

Vater: Wie gut ist es doch, wenn man ein Heim hat, ein Zuhause. Wir wollen von Herzen dankbar dafür sein.

Autor: Die Kinder wagten nicht, einander anzusehen. Annette aber fragte:

Annette: Vati, wir bescheren doch gleich, wenn wir nach Hause kommen?

Autor: Sie wirbelte davon, klinkte das Pfortchen auf und rief:

Annette: Kommt doch nur, schnell, ich halte es nicht mehr aus!

Mutter: Oh, das halte ich fast auch nicht mehr aus. Das Kind scheint wirklich zu glauben…  Bringt eure Mäntel nach oben. Ich zünde inzwischen die Kerzen an.

Autor: Langsam, mit schweren Schritten, gingen die Kinder hinauf. Als sie die Treppe wieder herunterkamen, stand die Tür zum Wohnzimmer weit offen. Das warme Licht der Kerzen fiel in breitem Streifen auf den Flur. Da geschah das Merkwürdige. Rudi erzählte später oft davon.

Rudi: Ich hörte, dass ein Auto vor der Tür hielt. Erst dachte ich mir nichts dabei, aber als die Wagentür knallte, kriegte ich so ein komisches Gefühl, musste schlucken und konnte keinen Schritt weitergehen.

Christel: Ja! (bestätigte Christel jedesmal)

Rudi: Mir wurden die Knie weich, weil ich Schritte auf dem Kies knirschen hörte – und dann schellte es schon.

Autor: Es schellte, noch während die Kinder auf der Treppe standen. Der Vater machte die Türe auf.

Mann: Bin ich hier recht bei Familie Jürgens?

Autor: Hinter einem großen Herrn erschien eine Frau. Beide waren angezogen wie alle Leute, da war kein Nikolausbart und kein Christkindsgewand. Aber beide hatten Pakete im Arm. Sie blieben in der Wohnzimmertür stehen und die junge Frau begann zu singen:

Lied: „Vom Himmel hoch, da komm ich her…“

Autor: Alle sangen mit, zaghaft erst, dann immer fröhlicher und als das Lied zu Ende war, sagte der Mann:

Mann: Packt aus, Kinder!

Autor: Und er holte nochmals Pakete aus dem Wagen vor der Tür. Papier häufte sich, Kartons wurden zur Seite geschoben. Annette hüpfte von einem Bein aufs andere, den Traum einer Babypuppe auf dem Arm, und jauchzte immerzu:

Annette: Ich hab’s gewusst! Ich hab’s gewusst! Er kann machen, was er will!

Autor: Endlich konnte der Vater den fremden Herrn fragen:

Vater: Von wem haben Sie unsere Adresse? Und woher haben Sie gewusst…?

Mann: Das ist nicht schwer, eine Adresse zu bekommen. Man sieht ein kleines Mädel am Schaufenster stehen, fragt wie es heißt, und in zwei Lagen kann man alles weitere erfahren. Unsere bürokratischen Meldeämter haben auch etwas Gutes.

Christel: Wie haben Sie das nur so fein abgepasst? Wir wollten gerade in die Stube gehen.

Mann: Auch das war nicht schwer. Wir sind mit euch in der Kirche gewesen und sind euch dann mit einem kleinen Abstand gefolgt. Als wir draußen sahen, die Kerzen sind angezündet, da wussten wir, jetzt ist es soweit.

Vater: Sie haben uns einfach überrumpelt.

Mann: Ich glaube, das war auch nötig. Wenn ich erst lange gefragt hätte, darf ich Ihre Kinder bescheren, Sie hätten wohl kaum Ja dazu gesagt. Ich habe nur eine Bitte. Machen Sie kein Gerede davon. Meine Frau und ich, wir bescheren an Weihnachten immer eine kinderreiche Familie. Wenn man selber keine Kinder hat… .

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Nov 13 2007

Warum sollte Gott?

Geschrieben von under Weihnachten

Warum sollte Gott, ein christliches Anspiel zu Weihnachten für 3 Personen

Autor: Ein König hatte einen ersten Minister, einen sehr gebildeten Mann, der Christ wurde und seinen Glauben vor dem ganzen Volk bekannte. Er erklärte, dass er an den Heiland glaube, der in diese Welt gekommen sei, um die Sünder zu erlösen. Dem König war das unverständlich, und er sagte:

König: Wenn ich will, dass etwas geschehen soll, dann gebiete ich es meinen Dienern und das genügt. Warum sollte Gott, der König der Könige, selbst in diese Welt kommen?

Autor: Der König wollte seinen Minister wegen seiner Bekehrung zum Christentum entlassen. Da er ihn aber sehr liebte, versprach er ihm seine Gnade, wenn er ihm eine Antwort auf diese Frage geben könne.

Minister: Gewährt mir vierundzwanzig Stunden, und ich will euch antworten.

Autor: Bat der Minister.
Er ließ nun einen geschickten Schnitzkünstler holen und trug ihm auf, eine Puppe anzufertigen und sie genauso zu kleiden wie das zweijährige Kind des Königs. Am folgende Tag machte der König im Boot eine Spazierfahrt. Der Schnitzkünstler war angewiesen, sich am Ufer des Flusses aufzuhalten und auf ein vereinbartes Zeichen die Puppe ins Wasser zu werfen. Der König sah die Puppe fallen, und in der Meinung, es sei sein Kind, sprang er ins Wasser.
Da kam der Minister aus seinem Versteck hervor und fragte:

Minister: Warum wolltet ihr euer Kind selbst retten? Ein Wort nur hätte genügt, und die Diener wären auch in den tiefsten See gesprungen um es zu retten.

Autor: Da wurde der König nachdenklich und sagte:

König: Es ist das Herz des Vaters, das so handeln musste.

Minister: So hat sich auch Gott nicht damit zufrieden gegeben, den Menschen eine Heilsbotschaft zu senden, sondern seine unendliche Liebe ließ ihn selbst vom Himmel herabsteigen, um uns zu erlösen.

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Okt 18 2007

Weihnachtsfest für die neuen Nachbarn

Geschrieben von under Weihnachten

Weihnachtsfest für die neuen Nachbarn, ein christliches Anspiel zum Thema Weihnachten für 8 Personen

Autor: Das ist keine außergewöhnliche Geschichte, denn so oder ähnlich erging es bestimmt schon manch einem von uns auch. Oft erwischen wir uns dabei, unseren Nächsten zu wenig Liebe erwiesen zu haben. Oder nicht aufmerksam genug sind in dem Moment, wo jemand unsere Hilfe brauchen konnte. In dieser Geschichte handeln die Kinder als vorbildliche Christen. Jesus hatte Recht in Matthäus 18, 3 als er uns die Kinder zum Vorbild gestellt hat. Am Forstweg 13 wohnt Familie Klingenthal: Hausvater Paul mit seiner Frau Margret, zwei Kinder haben sie: Peter, der in die dritte Klasse geht und schon fast so gescheit ist wie sein Lehrer. Und dann ist da noch Miriam, die nächstes Jahr zur Schule kommt. Ihren großen Augen entgeht nichts, und die kleinen Ohren hören alles. Es ist drei Tage vor Weihnachten und es beginnt schon zu dunkeln, als Miriam von ihrer Tante Lina heimkommt. Sie wohnt auf der anderen Straßenseite.

Mutter: Na Miriam wie war’s bei Tante Lina?

Miriam:
Prima, Mutti! Ich hab beim Plätzchen backen geholfen.

Mutter: So, so. . Und wie viel hast du geholfen?

Autor:
Miriam zählt an den Fingern ab:

Miriam:
Nur zehn und drei Stück, Mutti.

Mutter:
Na, hoffentlich bekommst du kein Bauchweh von der Helferei!

Autor:
Als sich die ganze Familie zum Abendessen gemütlich am Tisch versammelt hat, fragt Vater Klingenthal bei seiner Frau.

Vater: Margret, wer ist denn da im Haus Wolkenblick? Ich sah dort Licht, als ich eben heimkam.

Mutter:
Im Wolkenblick? Das ist unmöglich. Da kann doch niemand mehr drin wohnen, das Haus soll doch abgerissen werden.

Vater:
Es brannte aber Licht Margret, ganz bestimmt!

Autor: Das Haus Wolkenblick ist ein verlottertes Holzhaus gleich neben Klingenthals, versteckt zwischen Büschen und Bäumen mit einem großen, verwilderten Garten. Über ein Jahr steht es schon leer. Und jetzt wollte die Gemeindeverwaltung das Haus abreißen.

Mutter: Paul, ich habe Angst. Wenn da nun Einbrecher drin hausen – so ganz nebenan! Nach unserer Seite hin ist ja nicht einmal ein Zaun! Geh doch mal rüber zu Lina, ob sie von dort auch etwas gesehen hat.

Vater:
Margret, dann wäre Lina schon zweimal hier gewesen!

Autor:
Nach dem Abendessen geht Margret dann aber doch selber hinüber zu ihrer Schwester Lina, und vor der Haustür stößt sie fast mit ihr zusammen.

Lina:
Huch, Margret, gut dass du kommst, grade wollte ich zu dir. Denk nur, als ich am Vormittag fortging, sah ich ein Lastauto vor dem Wolkenblick stehen, und zwei Männer trugen Möbel und Briketts und Brennholz hinein. Ach, sieh nur! Da kommt die Gemeindeschwester, komm, wir fragen sie was da los ist.

S. Ruth:
Guten Abend ihr zwei. Ihr bekommt ab heute neue Nachbarn! Nicht für lange. Das sind Flüchtlinge… Farbige.. Die Gemeinde hat ihnen dieses Haus für kurze Zeit zur Verfügung gestellt. Sie sprechen nur Englisch. Ich denke, ihr kommt mit denen gut aus. Das sind liebe Leute. Kümmert euch bisschen um sie. Einen schönen Abend wünsch’ ich euch, jetzt muss ich weiter.

Lina: Na, bitte, wenn Schwester Ruth da ist, dann betreut sie die Gemeinde. Wir haben jetzt keine Zeit für Flüchtlinge.

Mutter:
Flüchtlinge, Farbige – sagst sie? Die Armen! Und das so kurz vor dem Fest!

Lina: Aber unsere Gemeindeverwaltung ist ja in Ordnung; die sorgt schon für sie.

Mutter:
Das ist doch beruhigend. Ich wüsste nämlich nicht, wie ich mich auch noch um die kümmern könnte. Ich muss doch noch das neue Rezept für Ingwerplätzchen ausprobieren. Und diesmal soll Miriam zum Fest einen ganzen Napfkuchen ,,mit viel drin” – wie sie sagt – für sich allein bekommen. Sie hat ihn doch so gern. Und mein Kleid muss ich noch vom Schneider holen, und einkaufen soll ich auch noch, und die Rollschinken sind noch abzukochen! Ach, Lina, es ist schon eine Plage mit dem Fest!

Lina:
Hast recht, Margret. Wir Frauen sind einfach überfordert.

Autor:
Bestätigt ihr Lina mit einem Seufzen. Nachher erzählt Margret beim Abendessen ihrem Paul alles. Die Kinder sitzen mäuschenstill dabei, damit niemand auf die Idee kommt, sie ins Bett zu schicken. Gerade sagt der Vater:

Vater: Das ist ja wirklich die Höhe, wenn wir uns auch noch um solche Leute kümmern müssten. Kann einem ja das ganze Fest verderben! Für was zahlen wir denn unsere Steuern? Und unser Beitrag an den Hilfsverein ist ja auch nicht gerade klein. Und überhaupt: da sind wohl erst mal die andern dran, die mit dem großen Geldsack – nicht gerade wir!

Peter: Was wollen die fremden Lumpen da – in Bethlehem?… Ein Bett wohl gar? Geht heim in euer Nazareth! Sagt bloß, da hättet ihr kein Platz… Lasst uns in Ruh! Rebekka! … Schließ die Tür mal zu!

Autor:
Wie ein Trompetenstoß ist Peters Stimme durch die Stube gefahren, und es dauert eine Weile, bis der Vater als erster die Sprache wieder findet:

Vater:
Wo hast du denn den Spruch aufgelesen, Peter?

Peter: In der Sonntagsschule, Vati. Ich bin doch der Wirt im Krippenspiel, der Maria und Joseph ausgesperrt hat!

Autor:
Der Vater ist erleichtert.

Mutter: Und warum hast du den gerade jetzt aufgesagt?

Peter: Ooch, nur so – weil ihr ja auch gerade über so was geredet habt.

Autor: Miriam macht große Augen.

Miriam: Vati? …Farbige… Wie sind die? Gibt es auch blaue und grüne?

Autor: Der Vati muss lachen:

Vater:
Blaue?… Nein, aber Grüne, die gibt’s neuerdings. Nur sind das keine Farbigen, Miriam. Farbige sind immer braun – mehr oder weniger.

Miriam:
Dann ist der Turnlehrer Gadmer auch ein Farbiger! Der ist doch so doll braun!

Vater:
Nein, Miriam, der ist nur ein Schweizer.

Autor: Miriam versteht die Welt nicht mehr, aber der Vater versteht seine Tochter.

Vater:
Am liebsten würdest du jetzt gleich hinlaufen und dir die neuen Nachbarn ansehen, oder? (Miriam nickt) Bleib da aber weg, man kann nämlich nicht wissen, wie diese Fremden mit kleinen Mädchen umgehen.

Autor:
Am anderen Morgen fragt Miriam:

Miriam:
Feiern die Farbigen auch Weihnachten?

Mutter: Glaub ich nicht, Miriam.

Miriam: Dann bekommen die ja gar keine Geschenke und merken gar nicht, dass der liebe Gott sie auch ganz gern hat.

Mutter: Um ihnen das zu sagen, haben wir ja unseren Pfarrer.

Miriam: Gehen die denn in die Kirche?

Mutter: Das ist ihre Sache!

Autor: Meint die Mutti und verschwindet schnell in die Küche. Miriam geht hinüber zu Tante Lina. Von dort kann man das Haus Wolkenblick nämlich gut beobachten. Doch es kommt nur einmal ein Mann – oder ist es eine Frau? – aus dem Wolkenblick auf die Straße heraus, ganz eingewickelt in einen viel zu großen Kapuzenmantel, der bis auf den Boden reicht. Nicht einmal das Gesicht ist zu sehen. Als der Kapuzenmann wieder zurückkommt, trägt er ein großes Paket

Miriam:
Tante Lina! Tante Lina! …Komm! …Schnell!

Autor: Tante Lina schaut zum Fenster hinaus.

Lina: Da ..das sind ja Pampers! …Du liebe Zeit, auch das noch! …Die haben ja ein Baby!

Autor: Am Nachmittag fragt Miriam:

Miriam: Mutti, darf ich noch mal zu Tante Lina rüber?

Mutter: Gut, bleib aber nur solange, bis es anfängt dunkel zu werden.

Autor: Ganz schnell läuft Miriam raus. Sie ist bei Tante Lina noch gar nicht ganz im Haus, da ruft sie bereits:

Miriam:
Tante Lina, es fängt schon an dunkel zu werden, ich darf nicht länger bei dir bleiben.

Autor: Lina schüttelt den Kopf
Lina: Was hat das denn wieder zu bedeuten? Kaum im Haus…?

Miriam: So, Tante Lina, Mutti hat gesagt, wenn es anfängt dunkel zu werden, muss ich heimkommen. Schlaf gut, Tante Lina, Tschüss!

Autor:
Noch ein Gutenachtkuss – und draußen ist sie. Aus dem Kind werd’ einer klug, denkt Tante Lina. Miriam steht draußen und überlegt, sie will so gern mal den fremden Farbigen etwas näher sehen.

Miriam: Ich will nur einmal das Baby sehen. Nur einmal.

Autor:
flüstert sie und schleicht auf das Wolkenblickhaus zu. Dort brennt in der Küche Licht, aber es ist niemand zu sehen. Miriam wagt sich näher.

Miriam: O, wie sieht es da drinnen aus!

Autor: Überall stehen Kartons, Säcke, volle Plastiktaschen, Brickets und Holz herum. Auf dem Herd steht einsam ein kleiner Kochtopf.

Miriam: Und wenn die mal Spaghetti kochen wollen? Dafür ist der Kochtopf viel zu klein.

Autor: überlegt Miriam, denn Spaghetti isst sie ja so gern! Ein halbes Brot liegt auf dem Tisch, daneben ein Messer, eine Flasche Putzmittel und ein Bund rote Mohrrüben. Da kommen die Leute aus dem Nebenzimmer herein.

Miriam: Sind die aber klein und braun! Und schönes Haar hat die junge Frau: ganz schwarz und glänzend! Aber wo ist das Baby?

Autor: Jetzt räumt die Frau den Tisch ab, legt ein Tuch darauf, stellt eine Schüssel hin und gießt Wasser hinein. Dann kniet sie hin vor einer am Boden stehenden Kartonschachtel, holt das Baby raus und wickelt es auf dem Tisch aus. Miriam hört durchs Fenster deutlich, wie das Baby weint. Beinahe wäre sie hineingestürzt, um das herzige Kind im Arm zu wiegen. Doch jetzt muss sie wirklich heim. Sie läuft ganz schnell über den Garten nach Hause.

Miriam: Da bin ich, Mutti.

Mutter: Ist recht Miriam.

Autor: antwortet es aus der Küche. Im Keller angekommen, wo Peter an seiner Modelleisenbahn bastelt, setzt sich Miriam stumm auf eine Kiste und grübelt. Plötzlich springt sie auf und – zornig mit dem Fuß aufstapfend – ruft sie laut:

Miriam: Gibt’s ja gar nicht! Es muss doch einen Weg geben!

Autor: So macht’s ihr Vater auch immer, wenn er mal nicht mehr weiter weiß.

Peter: Was für einen Weg?

Autor: fragt Peter und stellt eine Weiche für den Zug.

Miriam:
Na, zu den Farbigen.

Autor: Peter sieht seine Schwester verwundert an:

Peter:
Einfach durch den Garten, Miriam.

Autor:
Da erzählt Miriam ihrem Bruder, was sie vorhin gesehen hat.

Miriam: Denen müssen wir doch helfen!

Peter: Aber wie denn?

Autor: Miriam setzt sich wieder auf die Kiste, ist traurig und denkt nach. Ihre Augen wandern durch den Keller, über die Regale und die vielen alten Sachen darin: Pfannen, Kannen, Töpfe, Schüsseln, Gläser, Schachteln. In der einen hatte ihre Mutti alte Sachen aufbewahrt. Da blitzt ihr ein Gedanke durch den Kopf.

Miriam: Peter, du, ich weiß was!

Autor:
Und Miriam erklärt ihm eifrig ihren Plan.

Peter:
Das geht nicht Miriam.

Miriam:
Hol mir mal bitte den roten Karton von da oben herunter. Was da noch alles drin ist!

Autor:
Die Kinder wühlen und packen aus. Einiges kann man davon nehmen. Miriam überlegt weiter und schaut sich um.

Miriam:
Peter, da… den großen, alten Kochtopf, den brauchen sie dringend – für Spaghetti, weißt du, und die Bratpfanne. Und die Kaffeekanne auch.

Peter:
Aber die ist doch kaputt, Miriam!

Miriam:
Macht nichts! Aber wie bringen wir das alles rüber?

Autor: Da fällt Peter ein, dass im Holzstall ja noch ihr alter Kinderwagen steht. Sie laufen gleich hin um sich ihn anzusehen. Er hat zwar kein Verdeck mehr, und an einem Rad fehlt die Gummibereifung; auch sieht man ihm selbst im Dunkeln an, dass er den ganzen Sommer über, mit Blumen bepflanzt, im Vorgarten gestanden hat. Sie probieren und schieben:

Miriam: Er lässt sich noch fahren! Den nehmen wir in den Keller und machen ihn sauber.

Autor:
Die Kinder sind noch am Putzen, als die Mutter von oben ruft:

Mutter:
Was macht ihr eigentlich da unten so lang.

Miriam u. Peter:
Nicht runter kommen! Nicht runter kommen!

Autor:
schreien die beiden! Und Miriam fällt zum Glück noch ein, der Mutti, zuzurufen:

Miriam: Eine Weihnachtsüberraschung!!!

Mutter:
So, so eine Weihnachtsüberraschung!

Autor: schallt es von oben. Als die Kinder endlich im Bett sind, sagt Margret zu ihrem Mann:

Mutter:
Paul, ist das nicht lieb? Die Kinder basteln an einer Weihnachtsüberraschung für uns. Nur gut, das der Peter dabei ist, sonst hätte ich doch Bedenken.

Vater:
Ach, Margret brauchst keine Angst zu haben. Lass sie nur machen.

Autor:
Am anderen Morgen ist Margret früh zum Einkaufen gegangen. Miriam ist zur Tante Lina rüber gegangen. Aber die sagt gleich zu ihr:

Lina: Miriam, ich muss fort und bin möglicherweise erst gegen Abend zurück. Ich gebe dir schon jetzt dein Weihnachtsgeschenk. Aber erst am Abend aufmachen, hörst du? Und dieses hier, das gibst du dem Peter. Und nun ab mit dir.

Autor:
Voller Freude läuft Miriam nach Hause. Und nun geht’s ab in den Keller zu Peter.

Peter:
Guck mal, Miriam, ich hab die alte Matratze vom Kinderwagen gefunden.

Miriam:
Wozu? Wir haben ja kein Bettzeug dazu.

Autor: Peter grübelt: Bettzeug? Und schon verschwindet er nach oben. Als er zurückkommt, trägt er einen dicken Sack vor dem Bauch.

Peter: Da ist das Bettzeug! Als du für den Kinderwagen zu groß geworden warst, hat Mutti alles in den Sack getan. Ich war dabei.

Miriam:
So, jetzt legen wir alles in den Wagen und fahren ihn in den Holzstall zurück Peter, ich muss noch mal nach oben etwas holen.

Autor: Was sie da alles findet – in der Küche, im Kühlschrank, in der Speisekammer! Dann ruft sie den Peter rauf. Der macht Augen.

Peter:
U – und so viel?

Autor:
In Muttis Küchenschürze schleppen sie alles in den Holzstall. Da hören sie die Mutti heimkommen.

Mutter:
Wer hilft mir heute beim Plätzchenbacken?

Autor: Keine Antwort aus dem Keller.

Mutti: Sonst streitet ihr euch doch immer darum.

Peter:
Aber Mutti, die Weihnachtsüberraschung!

Mutti: Ach ja, richtig. Der Vater freut sich ja auch schon darauf.

Autor:
Am Nachmittag kehrt Tante Lina heim und kommt ganz aufgeregt zu ihrer Schwester Margret.

Lina: Da siehst du’s Margret. Das haben wir von unserer Asylantenpolitik. Wir setzen uns mit den Flüchtlingen nur Läuse in den Pelz. Nichts als Spitzbuben und Halunken sind das. Verdächtig sind sie mir aber schon. Paul sollte doch besser die Polizei anrufen.

Mutter:
Ich will es ihm sagen wenn er heimkommt, Lina.

Autor: Als Paul davon hört meint er:

Vater:
Ich habe von den Nachbarn noch nichts gemerkt. Weshalb wollt ihr die Polizei rufen? Die wollen doch auch ein wenig Weihnachten haben.

Autor:
Als Margret sich in der Küche noch mal umsieht und in dem Kühlschrank die Würstchen nachzählt, wird sie doch unruhig.

Mutter:
Peter, hast du dir etwa ein paar Würstchen genommen?

Peter:
Nein Mutti, ganz gewiss nicht.

Autor:
Das stimmte ja auch, denn Miriam hatte sie genommen.

Mutter:
So etwas! Dann hat sich der Fleischer verzählt. Die muss er mir nachliefern! Sei mir nicht böse, mein Junge. Die Mutti wird eben langsam alt und vergesslich.

Autor: Im Übrigen ist der Nachmittag wie gewohnt verlaufen. Wie gewohnt sind sie miteinander zum Gottesdienst gegangen. Der Pfarrer hat eine feierliche Predigt gehalten.

Pfarrer:
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Lukas 2,10-11. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Lukas 2,17 Des Engels Predigt lautet, dass dies Kindlein unser Heiland sei, an dem wir allen Trost und Freude haben sollen. Wenn ein Christ anfängt, Christus zu kennen als seinen Herrn und Heiland, durch welchen er aus dem Tode erlöst ist und in seine Herrschaft als Erbe erwählt ist, so wird sein Herz mit allen Kräften streben Gottes Ehre und Lob weiter unter die Leute zu bringen.

Autor:
Nach der Predigt hatten sich alle gegenseitig ,,Frohe Weihnachten” gewünscht. Der feierliche Gottesdienst war zu Ende. Danach sind Klingenthals heimgekehrt. Zu Hause gab es Weihnachtsessen – Würstchen mit Kartoffelsalat, und endlich ist die Bescherung gekommen. Peter kann nun seine Eisenbahnanlage erweitern. Auch ein Buch ist dabei: ,,Durchs wilde Turkestan” was der Vater schon lange so gern mal lesen wollte! – Miriam hat sich über die neuen Schlittschuhe gefreut, Tante Linas Pandabär ausgepackt und den Rosinenkuchen gleich probiert – aber nur ganz wenig! Jeder hat auch noch einen großen Weihnachtsteller erhalten mit Süßigkeiten, Äpfeln, Apfelsinen und Bananen. Und nun hatten es sich die Eltern gemütlich gemacht. Der Vater ist sofort auf die Reise gegangen: ,,Durchs wilde Turkestan” und die Mutter hat angefangen Briefe zu lesen. Peter werkelt längst wieder im Keller. Seinen Weihnachtsteller hat er vorsichtshalber gleich mitgenommen. Dann schleicht er leise nach oben und holt für sich und Miriam Mantel, Schuhe und Mützen von der Garderobe in den Keller. Miriam nimmt auch ihren Weihnachtsteller, den Panda und den Rosinenkuchen und verzieht sich leise nach unten. Die Mutti tut so als merke sie nichts und flüstert ihrem Mann zu: “Jetzt kommt die Weihnachtsüberraschung, Paul!” Der brummt vom Turkestan her ein: ,, So – so!” Miriam und Peter ziehen sich rasch im Keller an und stapfen los. So voll beladen lässt sich der Wagen nur schwer schieben und ein Rad quietscht laut. Endlich sind sie beim Haus Wolkenblick. Die Kinder haben den Wagen vor die Tür des Wolkenblicks gestoßen. In dem Moment erscheint zuerst der kleine braune Mann in der Tür, dann auch die Frau. Als der Gesang der Kinder zu ende ist, fängt Miriam auch noch an zu reden:

Miriam:
Das schenken wir euch, damit ihr merkt, das der liebe Gott euch auch sehr gern hat.

Autor:
Und nun schiebt sie den Kinderwagen auf die Tür zu. Da bekommt die junge Frau Angst um ihr Baby und läuft ins Haus rein, ihr Mann hinterher gefolgt von Miriam mit dem Kinderwagen und zum Schluss der Peter. Daheim unterbricht Margret ihre Brieflektüre.

Mutter:
Wo bleiben nur die Kinder? Peter… Miriam…

Autor:
Alles bleibt still. Dann spricht sie aufgeregt ihren Mann an:

Mutter:
Paul, die Kinder sind weg!

Vater:
Die Kinder, wieso? Na das ist aber ne schöne Weihnachtsüberraschung!

Autor: Im Keller finden sie die Außentür offen stehen. Schon holt Margret tief Luft und will gerade laut rufen, da zupft Paul sie am Ärmel.

Vater: Tsch-sch! Schau mal da hinüber,

Autor:
Durch die Büsche sehen Margret und Paul wie die Kinder auszupacken beginnen. Verwundert sieht Margret, dass Miriam ihren Kuschelbär in einen großen Karton legt, der am Boden steht und noch lange hineinschaut. Dann nimmt sie ihren Weihnachtsteller, tut den Rosinenkuchen obendrauf und legt der jungen Frau alles in die Hände. Im nächsten Augenblick hebt die Frau ihr Baby aus dem Karton und legt es Miriam lächelnd in den Arm. Miriam strahlt vor Freude. Peter packt währenddessen weiter aus – da sind die Würstchen und Spaghetti, der große Kochtopf, Milch, Zucker, Kaffee und Honig, es will kein Ende nehmen. Der Küchentisch ist schließlich voll beladen. Zum Schluss nimmt Peter die alte Bratpfanne in die Hand und versucht dem Mann etwas zu erklären – möglicherweise das Rezept für seine geliebten Pfannekuchen. Nun scheint Miriam ihm etwas zuzurufen und schon verabschieden sie sich hastig von dem Paar.

Vater:
Margret, sie kommen raus. Schnell hinter die Büsche.

Autor:
Und schon öffnet sich die Tür vom Wolkenblick und die Kinder laufen schnell nach Hause.

Peter: Wenn nur Vati und Mutti nichts gemerkt haben.

Miriam:
Das sind wirklich ganz liebe… Leute.

Autor:
Sagt Miriam gerade voll Begeisterung. Und schon stehen sie vor den Eltern. Dem Peter rutscht das Herz bis in die Schuhe und Miriam fängt sofort an laut zu schluchzen. Vorsichtig wirft sie einen Blick zu Mutti hinaus. Aber die schluchzt ja auch! Dann fällt allen ein Riesenstein vom Herzen. Die Eltern sind ja gar nicht bös auf sie. Und nun geht’s los. Gleichzeitig und durcheinander berichten sie von den Asylanten im Wolkenhaus.

Vater:
Jetzt sollten wir die Stube noch ein wenig herrichten.

Mutti:
Du meinst für den Besuch?

Vater:
Ja, wollen wir denn die drei aus dem Wolkenblick nicht zu uns herüber bitten?

Musik


Autor:
Als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keines Falls in das Himmelreich hineinkommen. Matthäus 18,3. Die Kinder haben durch ihre kindliche Weise einen großen Dienst getan. Und die Eltern mussten beschämt zugeben, das Gebot der Nächstenliebe missachtet zu haben. Lasst uns so sein wie die Kinder.

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