Dez 05 2007
Vater Martin
Vater Martin, ein christliches Anspiel zu Weihnachten für 5 Personen
(Musik) “Meine Hände waren voll von Dingen”
Autor: Kennt ihr Vater Martin? Nein, dann kommt mit mir in die große Stadt Marsey. An einer Straßenecke in der Altstadt steht eine Holzhütte. Dort hat Vater Martin seine Werkstatt. In der Werkstatt wohnt er auch. Die Hütte ist sein Arbeitszimmer, sein Ess- und Schlafzimmer und auch die Küche. Jetzt sitzt er vor dem Fenster an seinem Arbeitstisch. Auf dem Tisch liegen viele, viele Schuhe. Schuhe in allen Größen, denn Vater Martin ist Schuhmacher. Die Mütter sagen “Nur wenn Vater Martin die Schuhe besohlt hat, dann halten sie und Kinder können sie tragen.” Der alte Schuhmacher sieht zufrieden aus, das war nicht immer so. Die Nachbarn sagen, dass er früher oft traurig war, dann vor vielen Jahren hat er seine Frau verloren. Auch einen Sohn hatte er gehabt.
Er war Matrose, aber er kam bei einem Schiffbruch ums Leben. Danach wurde Vater Martin ein stiller, ernster Mann, aber seit einiger Zeit ist das anders. Die Leute sagen, der alte Martin ist fromm geworden, er geht zu den Stunden. Dort wird gesungen und von Gott geredet. Seitdem lächeln seine Augen oft. Er geht auch nicht mehr in die Wirtschaft. Er ist lieber zu Hause und liest in einem großen Buch, in der Bibel.
Leise mit Musik beginnen “Leise rieselt der Schnee”
Und manchmal brennt die Petroleumlampe in seiner Werkstatt bis tief in die Nacht hinein. Es ist Heiliger Abend. Draußen ist es kalt und nass, aber in Vater Martins Werkstatt ist es behaglich warm. In dem kleinen Ofen knistert das Holzfeuer. Vater Martin hat seine Abendsuppe gegessen. Nun sitzt er in seinem alten Lehnstuhl. Vor ihm auf dem Tisch liegt die große Bibel.
Martin: “Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte Ihn in Windeln und legte Ihn in eine Krippe. Denn sie hatte sonst keinen Raum in der Herberge.“ Kein Raum in der Herberge?! Bei mir hätte es ein Eckchen gegeben für Ihn. Ich bin ganz allein, ich habe ja niemanden mehr auf der Welt. Wenn ich mir vorstelle, es wäre heute zum ersten mal Weihnachten, wenn heute Abend der Heiland käme und wenn Er meine Hütte sich aussuchte um darin zur Welt zu kommen, aber was schenke ich Ihm dann. Die Weisen vom Morgenland gaben Ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ich habe eigentlich nichts. Doch halt! Die kleinen Kinderschuhe dort auf dem Brett. Meine schönste Arbeit. Die wären gerade das richtigste Geschenk, aber, hm, ach, was phantasiere ich denn da. Als ob der Heiland meine Hütte braucht und meine Schühchen.
Autor: Der alte Martin ist tief in Gedanken versunken. Draußen sieht man immer mehr Menschen auf der Straße, die noch die letzten Einkäufe für das Fest machen wollen, aber Vater Martin sitzt unbeweg-lich in seinem Stuhl. Ist er eingeschlafen? Plötzlich hört er wie ihn eine Stimme ruft.
Stimme: Martin!
Martin: Wer ist da?
Stimme: Du möchtest Mich bei dir empfangen? Nun morgen komme Ich bei dir vorbei, schau nur immer eifrig auf die Straße und sieh, ob du Mich erkennst.
Autor: Martin reibt sich die Augen. Die Lampe ist verloschen. Jetzt schlägt es Mitternacht vom Kirchturm. Es ist Weihnachten.
Martin: Wer war das? Der Heiland?! Er hat versprochen bei mir vorbeizukommen. Ist es vielleicht nur ein Traum gewesen? Auf jedenfalls will ich auf Ihn warten. Ich habe Ihn noch nie gesehen, aber Sein Bild habe ich oft in den Kirchen gesehen. Sicher werde ich Ihn erkennen.
Musik “O Du Fröhliche”
Autor: Am nächsten Morgen steht Vater Martin schon früh auf. Draußen ist es noch dunkel, doch die Lampe in der Werkstatt brennt lustig. Der alte hat das Feuer schon angeflammt. Auf dem Ofen steht das Kaffeewasser. Nachdem er aufgeräumt hat stellt er sich ans Fenster. Allmählich wird es hell draußen. Immer wieder schaut Vater Martin auf die Straße.
Martin: Der Straßenkehrer. Der hat es nicht leicht bei der Kälte. Der Arme. Für ihn ist heute kein Weihnach-ten. Ich will ihm eine Tasse Kaffee geben. Hey! Komm doch herein mein Freund. Wärm dich ein bisschen.
Straßenkehrer: Das lass ich mir nicht zwei mal sagen. Danke, danke! Man könnte meinen, man wär’ in Sibirien, so kalt ist es.
Martin: Du trinkst doch sicher gerne eine Tasse heißen Kaffee, was?
Straßenkehrer: Darauf sage ich nicht nein. (leise flüstern): Es gibt doch noch gute Menschen auf der Welt.
Autor: Der alte Schuster beeilt sich seinen Gast zu bedienen, dann stellt er sich wieder ans Fenster und schaut hinaus.
Straßenkehrer: Was schaust du denn immer auf die Straße? Wartest du auf jemanden?
Martin: Ja, ich warte auf meinen Meister.
Straßenkehrer: Auf deinen Meister? Und ich habe immer gedacht, der Vater Martin wär’ sein eigener Meister.
Martin: Ich meine einen anderen Meister.
Straßenkehrer: Aha!?
Martin: Er hat mir versprochen heute irgendwann bei mir vorbeizukommen. Weißt du wie Er heißt? Es ist Jesus!
Straßenkehrer: Aha! Diesen Namen habe ich schon irgendwo einmal gehört. Wo wohnt Er?
Autor: Nun erzählt Vater Martin, was ihm am Abend vorher passiert ist. Er sagt auch dem Straßenkehrer wer Jesus ist und wozu Er gekommen ist.
Straßenkehrer: Und jetzt wartest du auf Ihn? Ich glaube kaum, dass Er kommt. Aber das ist egal. Du hast mir von Ihm erzählt und ich möchte gerne mehr über Ihn wissen. Kannst du mir ein Buch über Ihn beschaffen?
Martin: Das kann ich. Hier hast du ein kleines Evangelium.
Straßenkehrer: Vielen Dank. Jetzt kann die Arbeit wieder weitergehen. Fröhliche Weihnachten!
Martin: Fröhliche Weihnachten mein Freund!
Autor: Allmählich sieht man mehr Menschen auf der Straße. Angestrengt schaut der alte Mann jeden an, der an seinem Fenster vorüber geht. So vergehen die Stunden. Da geht eine junge Frau über die Straße. Sie ist ärmlich gekleidet. Ihr Gesicht ist blass und ihre Augen sind traurig. Auf dem Arm trägt sie ein kleines Kind. Martin kann nicht anders. Er hat tiefes Mitleid mit ihr. Er öffnet die Tür seiner Hütte.
Martin: Hallo!
Frau: Ja!
Martin: Junge Frau! Du siehst aus, als ob es dir nicht gut geht.
Frau: Ich bin auf dem Weg zum Krankenhaus. Ich hoffe nur, dass sie mich aufnehmen mit dem Kind. Mein Mann ist zur See gefahren und ich warte schon seit Monaten auf ihn. Ich habe lange kein Geld mehr und nun bin ich noch krank geworden.
Martin: Armes Kind. Nun komm doch herein.
Frau: Oh, gerne!
Martin: Bei mir kannst du auf jedenfalls ein Stück Brot bekommen und eine Tasse Milch für den Kleinen habe ich auch noch.
Frau: Oh, vielen Dank!
Martin: Aber, was ist das, der Kleine hat ja nicht mal Schuhe an, bei diesem Wetter!
Frau: Ach, wenn sie wüssten, ich habe gar nichts mehr anzuziehen für ihn. Seine letzten Schühchen hat er so lange getragen, bis sie ganz zerfetzt waren.
Martin: Warte mal. Ich habe genau das richtige für den Jungen.
Autor: Martin holt die Kinderschühchen, die auf dem Brett stehen. Einen Augenblick steht er da und zögert, die Schühchen in der Hand. Dann zeigt er sie der jungen Frau. Sie weiß nicht wie sie ihm danken soll. Martin stiehlt sich wieder ans Fenster.
Frau: Warten sie auf jemand?
Martin: Ich erwarte meinen Meister heute.
Frau: Oh!
Martin: Hast du schon einmal etwas von Jesus gehört?
Frau: Ja, im Religionsunterricht.
Martin: Auf Ihn warte ich.
Frau: So? Und glauben sie, dass Er hier vorbeikommen wird?
Martin: Ja, Er hat das mir gesagt.
Frau: Ist das möglich? Oh wie gern würde ich dabei sein. Aber, ob sie sich nicht irren? Doch ich muss jetzt gehen, sonst komm ich zu spät ins Krankenhaus.
Martin: Nimm dieses Büchlein mit.
Frau: Vielen Dank!
Martin: Darin steht die ganze Geschichte von Jesus. Lies es aufmerksam. Es ist nicht dasselbe, als wenn man Ihn selbst sieht, aber doch beinahe. Und vielleicht begegnet Er dir dann später auch noch mal.
Frau: Wie soll ich ihnen nur für alles danken.
Autor: Stunde um Stunde geht dahin. Immer mehr Leute kommen und gehen auf der Straße. Junge und Alte, Frauen und Männer. Mancher Bettler bleibt vor der alten Hütte stehen. Ob Vater Martin eine Gabe für sie hat? Sie werden nicht enttäuscht. Für jeden, der in Not ist, hat der alte Schuhmacher eine kleine Hilfe und ein ermutigendes Wort. Aber, sein Meister kommt nicht! Schon beginnt es zu dunkeln. Die Laternen werden angezündet. Hinter den Fenstern leuchten die Öllampen auf. Martins Augen sind ganz müde geworden, er kann die Menschen auf der Straße nur noch verschwommen, wie im Nebel sehen, dann wird es allmählich still. Vater Martin ist traurig. Während er sein bescheidenes Abendbrot zubereitet, murmelt er leise:
Martin: Es war ein Traum und ich hatte doch so sehr gehofft, Er würde kommen.
Autor: Nach dem Abendessen schlägt der alte Schuhmacher seine Bibel auf. Aber er ist zu traurig um etwas lesen zu können.
Martin: Er ist nicht gekommen.
Autor: Auf einmal ist der ganze Raum erfüllt mit einem hellen Licht. Ohne dass die Tür sich geöffnet hatte ist die Werkstatt voller Menschen. Vor den erstaunten Augen Martins steht der Straßenkehrer und dort die junge Frau mit ihrem kleinen, hinter ihnen sieht er zwei, drei, vier Bettler, einen Blinden, ei-nige Nachbars Kinder, für die er immer ein gutes Wort hatte. Alle sagen:
Alle: Hast du mich gesehen?
Martin: Was soll das bedeuten? Wer seid ihr?
Autor: Nun sieht Vater Martin wie das Kind auf dem Arm seiner Mutter die Hand ausstreckt, immer mehr beugt es sich zu ihm hinüber. Da legt das Kind das Fingerchen auf die aufgeschlagene Bibel. Es will ihm einen Vers zeigen. Martin schaut hin und liest:
Martin: “Ich bin hungrig gewesen und ihr habt Mich gespeist, Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt Mich beherbergt, Ich bin nackt gewesen und ihr habt Mich bekleidet, Ich bin krank gewesen und ihr habt Mich besucht, Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu Mir gekommen. Denn was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr Mir getan.”
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