Archive für die Kategorie 'Ostern – Auferstehungsfest'

Mrz 24 2010

Wer ist schuld am Tod Jesus?

Wer ist schuld am Tod Jesus, ein christliches Anspiel zum Thema Jesu Leiden / Karfreitag für 22 Personen

Moderator: (steht auf der Bühne, spricht die Gemeinde direkt an) Vor ungefähr 2000 Jahren ist in Israel, in der Stadt Jerusalem, das Folgende geschehen: Jesus wurde von den Juden und Römern auf den Hügel, der Golgatha genannt wird, gebracht. Dort hat man ihn am Kreuz sterben lassen. Warum musste das geschehen? Wer hat Jesus umgebracht? Wer ist denn schuld daran, dass Gottes Sohn so sterben musste. Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, lasst uns gemeinsam ungefähr 2000 Jahre zurückreisen und das Ganze aus nächster Nähe betrachten.

Lied

Szene 1

Sprecher: Es ist Mittwochabend, der letzten Abend vor dem Passahfest. An zwei verschiedenen Orten versammeln sich die Menschen zu beiden Seiten des Ölbergs – in Jerusalem und in Bethanien -, und jedes Mal ist Jesus der Anlass. (Judas, Jünger, Maria und Martha auf eine Seite der Bühne; Hohepriester und Priester auf andere Seite) Die einen führt der Hass zusammen, die anderen aber kommen aus Liebe. In Jerusalem im Haus des Kaiphas, tagt der Hohe Rat.

Priester: (aufgebracht) Das bringt alles nichts. Ich sage euch, wir brauchen einen Plan, wie wir ihn ohne viel Aufsehen töten können.

Hohepriester: Du hast Recht. Die Menschen sind so voll Begeisterung von ihm und das Letzte was wir brauchen ist, dass wir noch mehr Leute auf ihn aufmerksam machen.

Priester: Lass uns einige Tage warten. Wenn das Fest vorbei ist und der große Strom der Gäste abzieht, dann kehrt Ruhe in Jerusalem ein. Dann findet sich eine Gelegenheit ihn zu beseitigen.

Sprecher: Jesus aber sitzt währenddessen ganz ruhig im Haus seines Freundes Simon in Bethanien. Ihn hat Jesus vom Aussatz gereinigt und so hat er für Jesus und seine Jünger eine Mahlzeit vorbereitet. Auch andere Freunde von Jesus wie Lazarus oder Martha und Maria sind dabei.

Martha: (räumt den Tisch ab, spricht vor sich hin) Meine Schwester. (seufzt) Ich glaube sie liebt Jesus wirklich. Hat sie etwas verstanden, was wir noch nicht wissen? Warum nur hat sie Jesus gesalbt? Noch dazu mit dem kostbaren Öl? Das waren ihre ganzen Ersparnisse.

Judas: (verärgert) Das hätte Maria nicht tun sollen.Was soll die Verschwendung. Man hätte dieses Öl teuer verkaufen und das Geld an die Armen geben können. 300 Silbergroschen hätten wir dafür bekommen.

Jünger: Stimmt. Wie viele Jahre müsste ich mich abplagen, um so einen Betrag anzusparen.

Jesus: (Stimme) Lasst sie in Frieden. Warum macht ihr es ihr so schwer? Sie hat etwas Gutes an mir getan. Arme wird es immer bei euch geben und ihr könnt Ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch. Sie hat mich im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.(Judas springt auf und entfernt sich von dieser Runde)

Judas: Begräbnis? Also ist es doch wahr, dass er sterben muss. Was soll ich dann noch bei ihm?

(Freund kommt hoch, begegnet Judas)

Freund: Judas! Shalom! Dass ich dich mal wiedersehe. Seitdem du diesem Jesus nachfolgst, kriegt man dich ja gar nicht mehr zu Gesicht. Bist du hier in Jerusalem zum Passahfest?

Judas: Ja, wozu denn sonst? Schon verrückt, wir feiern die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei, dabei sollten wir vielleicht eher was tun um uns aus der römischen Unterdrückung zu befreien.

Freund: Was können wir denn schon tun?

Judas: Ich hatte ja gehofft, dass Jesus die Befreiung Israels bringt. Deshalb hab ich mich ihm überhaupt angeschlossen. Du hättest sehen sollen, wie er das Volk am See Genezareth gespeist hat. Oder vor drei Tagen, als das Volk ihn bejubelt hat und zum König ernennen wollte. Aber er hat abgelehnt und meine Hoffnung zerstört. Wie dem auch sei, ich muss los. Ich hab noch was zu erledigen.

Freund: Alles klar, wir sehen uns.

(Freund geht, Judas guckt ihm hinterher und geht dann auf die andere Seite der Bühne, zum Hohepriester und klopft)

Hohepriester: Wer ist da?

Judas: (aufgeregt, stammeln) Ich bin Judas. Ich komme wegen diesem Jesus. Ich weiß, dass ihr ihn verhaften wollt. Ich kann euch dabei helfen.

Hohepriester: (spricht hinterlistig/niederträchtig) Komm herein und setz dich, mein Freund.

Judas: Ich weiß wo und mit wem Jesus sich aufhält. Was gebt ihr mir, wenn ich ihn verrate?

Priester: Ohne dass ein Aufruhr entsteht?

Judas: Ohne dass jemand irgendetwas merkt. Ich warte einen günstigen Augenblick ab. Jesus zieht sich zwischendurch zurück in die Einsamkeit. Ich werde euch zu ihm führen, während er ganz alleine an einem einsamen Ost ist.

Hohepriester: Hervorragend! Dich schickt der Himmel. Du bekommst dreißig Silberstücke.

(während Sprecher erzählt, zählt der Priester Münzen ab und legt sie in einen Beutel)

Sprecher: Dreißig Silberstücke! Der Preis, den man in jener Zeit für einen Sklaven zahlte. Der Preis, den bereits der Prophet Sacharja genannt hatte, aber daran dachte keiner von den weisen Schriftgelehrten. Für den Preis eines Sklaven, hat Judas den Sohn Gottes verraten.

(Moderator hoch)

Moderator: Judas, hast du den Tod von Jesus verursacht? Du versprachst denen Hilfe, die Jesus töten wollten und als sie kamen, um ihn festzunehmen, verrietst du ihn, mit einem Kuss. Später hat es dir leid getan, aber du konntest es nicht rückgängig machen. Ist Judas, der Verräter, schuld am Tod Jesu?

Lied

Szene 2

Sprecher: Nach seiner Verhaftung wurde Jesus in das Haus des Hohenpriesters gebracht. Die Mitglieder des jüdischen Gerichtshofs waren bereits versammelt, um Jesus den Prozess zu machen. (Schriftgelehrter und Hohepriester stehen zusammen, daneben eine Gruppe von Männern (3), die murmeln untereinander: Er hat gesagt… Nein, so war das nicht… Damals als er vom Tempel sprach…)

Priester: So wird das nichts. Wir brauchen einen guten Grund um ihn zu verurteilen und die Zeugen sind nichts als ein Haufen von Narren. Die Zeugenaussagen widersprechen sich.

Hohepriester: Das ist nicht unser einziges Problem. Die Römer erlauben uns nicht, jemanden hinzurichten. Wir müssen die Sache so geschickt einfädeln, dass der römische Statthalter ihn zum Tode verurteilt. (zu Jesus) Willst du nicht auf diese Anklagen antworten? Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen? (kurze Pause, dann zum Priester) Er schweigt einfach. (zu Jesus) Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, sag uns die Wahrheit! Bist du der Messias, der Sohn Gottes?

Jesus: Ja, ich bin es. Und einst werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Kraft Gottes. Er wird wiederkommen auf Wolken aus dem Himmel.

Hohepriester: (zerreißt sein Obergewand, schreit) Was brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt es alle selbst gehört, wie er Gott lästert. Was sagt ihr dazu?

Männer: (sehr aufgebracht, sprechen gleichzeitig) Er ist schuldig. Er verdient den Tod. Nieder mit ihm.

(Moderator kommt hoch)

Moderator: Der Hohe Rat. Eine Versammlung von Männern, die viele Gesetze für die Juden aufstellt und jeden verurteilten, der diese nicht befolgt. Ihr behauptet von euch selbst, gerecht zu sein, aber habt ihr wirklich eine weiße Weste? Ihr wart entsetzt als er sagte, er sei Gottes Sohn. Das ist Gotteslästerung, er muss sterben, empörtet ihr euch und zerrtet ihn vor den Statthalter. Ist der Hohe Rat schuld am Tod Jesus?

Lied

Szene 3

(Frau sitzt besorgt oben, springt auf, als Pilatus kommt)

Pilatus: Hallo Liebes.

Frau: Da bist du ja endlich. Ich bin den ganzen Tag so beunruhigt. Hast du meine Nachricht rechtzeitig bekommen?

Pilatus: Rechtzeitig ist so eine Sache.

Frau: Erzähl mir alles.

Pilatus: Der Tag begann eigentlich wie jeder andere Tag. Früh am Morgen, du hast noch geschlafen, kam ich ins Pritorium, um meinen täglichen Pflichten als Statthalter nachzugehen, so wie immer. Gut, ich hatte schon ein bisschen Sorge, aber das ist ja normal, weil grade jetzt so viele Menschen zum Passahfest hier sind und ich einfach hoffte, dass keine Unruhen entstehen. Grade als ich den herrlich duftenden Seelachs, den du mir eingepackt hast, auf mein geröstetes Brötchen legen wollte, kommt der Leibwächter in mein Gemach.

(Frau runter, Leibwächter hoch, Hohepriester und Schriftgelehrte stellen sich auf die andere Seite der Bühne + die drei Männer)

Leibwächter: Herr, da sind einige jüdische Priester im Hof. Sie haben einen besonderen Gefangenen gebracht, den du richten sollst. Sie wollen mit dir reden, aber weigern sich hinein zu gehen, weil es kein jüdisches Haus ist.

Pilatus: Ich komme. (wischt sich den Mund mit einer Serviette, steht auf und geht zu den Priestern, im Gehen bemerkt er Jesus und murmelt) Das muss der Gefangene sein. Scheint mir, als hätten sie ihn schon bestraft. Sieht übel zugerichtet aus.

Hohepriester: Dieser Verbrecher lehrt die Leute, dem Kaiser keine Steuern zu zahlen. In unserem ganzen Land stiftet er Unruhe. Und das ist noch nicht alles.

Pilatus: (gelangweilt, monoton) Geht weg von mir und lasst mich in Ruhe. Richtet den Mann gefälligst nach euren eigenen Gesetzen.

Priester: Aber es ist uns von den Römern verboten jemanden zu töten. Und da er in unseren Augen den Tod verdient, musst du ihn verurteilen. Dieser Jesus behauptet von sich, ein König zu sein. Er muss sterben.

Pilatus: (guckt zu Jesus, murmelt) Seltsam. Sie beschuldigen ihn und er sagt nicht ein einziges Wort und schweigt. (zu Jesus) Willst du dich nicht vor ihnen verteidigen? Hörst du nicht, was sie dir alles vorwerfen? (nach einer Pause, zu seinem Leibwächter) Bring ihn in meinen Gerichtssaal. Ich will mit ihm sprechen und zwar allein.

(Leibwächter runter, Pilatus auf die andere Seite der Bühne, setzt sich auf einen Stuhl und guckt Jesus erstmal nur an)

Pilatus: Bist du der König der Juden?

Jesus: Redest du das von dir aus, oder haben andere es dir gesagt?

Pilatus: (ärgerlich) Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die obersten Priester haben dich mir ausgeliefert! Was hast du getan? (jedes Wort betonen)

Jesus: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht ausgeliefert werden würde. Nun aber ist mein Reich nicht von hier.

Pilatus: So bist du also ein König?

Jesus: Ja, ich bin ein König.

Pilatus: (steht auf, Leibwächter kommt) Bring ihn zurück.

(Leibwächter geht)

Pilatus: Er kann kein Verbrecher sein. Diese Ruhe die er ausstrahlt, hab ich noch bei keinem Angeklagten verspürt. Irgendwie macht er mir Angst. (geht zu den Priestern) Ich denke nicht, dass dieser Mann den Tod verdient hat.

Priester: Aber er macht Unruhe, überall wohin er geht. Nach unserem Gesetz muss er sterben.

Pilatus: (zum Leibwächter) Woher sagtest du kommt er? Aus Galiläa? (Leibwächter nickt) (zu den Priestern) Bringt ihn zu Herodes. Er soll ihn richten

(Pilatus geht zurück zu seinem Platz, Hohepriester, Priester und Männer gehen mit dem Leibwächter runter)

Sprecher: Herodes hat schon viel über Jesus gehört. Er freut sich, Jesus nun mit eigenen Augen zu sehen. Gerne will er sehen, wie Jesus ein Wunder tut. Doch als Herodes Jesus befragt, sagt dieser nicht ein Wort. Schließlich lässt Herodes Jesus als König verkleiden und verspotten. Doch Jesus richten, will er auch nicht und schickt ihn zurück, – zu Pilatus. (Priester, Hohepriester, Männer, Pilatus geht zu ihnen) Wieder stehen die Priester und die wütende Volksmenge vor Pilatus.

Pilatus: Hört mir zu. Weder ich, noch Herodes haben diesen Mann für schuldig befunden. Wenn ihr wollt, lasse ich diesen Mann auspeitschen, aber dann war es das.

Tonband / Menge Geschrei: (Hohepriester, Priester + Männer) Nein. Das genügt nicht. Er muss sterben. Er hat den Tod verdient.

Hohepriester: Wir haben ein Gesetz und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er behauptet, Gottes Sohn zu sein.

Pilatus: (erstaunt, zu sich) Gottes Sohn? Was bedeutet das? Wo ist er geboren und aus welchem Königshaus kommt er? (zu Jesus) Woher bist du eigentlich? (Pause, dann wütend) Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass es in meiner Macht steht, dich freizulassen, aber dass ich auch die Macht habe dich kreuzigen zu lassen?

Jesus: Du hättest keine Macht, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.

Leibwächter: (kommt hoch, übergibt Pilatus einen Zettel) Herr, eine Nachricht von Ihrer Frau. Sie sagt es ist dringend.

(Pilatus dreht sich weg von der Menge, faltet das Blatt auseinander)

Frau: (Stimme) Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten. Er ist unschuldig. Ich habe heute Nacht im Traum viel um seinetwillen gelitten.

Pilatus: Ihr kennt die Sitte, dass ich euch am Passahfest einen eurer Gefangenen frei lasse.

Tonband / Menge: Nicht Jesus! Lass Barabbas frei! Kreuzige Jesus! Genau, weg mit ihm! Kreuzige ihn!

Pilatus: (halb verzweifelt) Warum soll er sterben? Was hat er Schlimmes getan?

Sprecher: Aber die Leute schrien nur noch lauter. Und so befahl Pilatus den Soldaten, Jesus zur Geißelung abzuführen.

(alle runter außer Pilatus, Frau hoch, Pilatus sitzt am Tisch mit seiner Frau)

Pilatus: Trotz dieser großen Schmerzen, die ihm die kampferprobtesten Soldaten zufügten, konnte ich keinen Hass in seinen Augen erkennen. Liebes, das kann kein normaler Mensch sein.

Frau: (schockiert) Du hast ihn doch freigelassen, nach der Geißelung. (Pilatus guckt sie schuldbewusst an und schüttelt den Kopf) Wie konntest du? Du bist doch überzeugt von seiner Unschuld. Wie konntest du das nur tun?

Pilatus: Ja, ich bin von seiner Unschuld überzeugt, aber sie haben mich in eine Sackgasse getrieben. Sie haben mir gedroht, mich beim Kaiser zu verklagen, dass ich gegen ihn bin. Meine Stellung stand auf dem Spiel. So eine schwere Beschuldigung konnte ich doch nicht auf mir sitzen lassen.

Frau: Und er? Dieser Jesus. Welche Beschuldigungen hat er auf sich sitzen lassen?

(bleiben oben sitzen, Moderator kommt hoch, guckt zu Pilatus)

Moderator: Ja, Pilatus, du warst überzeugt von Jesus Unschuld. Demonstrativ hast du dir die Hände gewaschen, um zu zeigen, dass du unschuldig bist am Tod Jesu. Aber warst du wirklich unschuldig? Kannst du dich so leicht herausreden? Hättest du sie nicht abhalten müssen, Jesus zu töten? Du hast es Ihnen erlaubt. Die fehlte der wahre Mut, eines ehrlichen Mannes. War Pilatus schuld am Tod Jesu?

Lied

Szene 4

(Soldaten 1 und 2 hoch)

Sprecher: Die römischen Soldaten führten Jesus zum Hügel Golgatha. Sie zogen ihm die Kleider vom Körper, nur ein Lendentuch ließen sie ihm. Die Soldaten legten Jesus auf den Kreuzbalken und schlugen große Nägel durch seine Handgelenke in das Holz. Die Hände, die nur Segen gespendet hatten, hingen nun am Kreuz. Dann befestigten die Soldaten den Kreuzbalken am senkrechten Pfahl und schlugen einen langen Nagel durch beide Fersenknochen hindurch ins Holz.

Soldat 1: Ha, der König der Juden, aber helfen kann er sich nicht. Was ist los, Kleiner? Siehst ein bisschen blass um die Nase aus. War zu hart für dich, was Bübchen?

Soldat 2: So ein Quatsch, ich bin überhaupt nicht blass. Aber du musst jawohl zugeben, dass du so etwas noch nie erlebt hast.

Soldat 1: Was meinst du? Ich war schon bei zig Kreuzigungen dabei. Auch eine Geißelung führ ich durch ohne mit der Wimper zu zucken. Was soll ich nicht erlebt haben?

Soldat 2: Tu nicht so. Ich war auch bei zig Kreuzigungen dabei und ich bin es gewohnt, dass man mich verflucht. Dass ich angeschrien werde oder angefleht. Aber hier, – nichts.

Soldat 1: Er war einfach kaputt. Ist ja auch verständlich, nach der Geißelung. Oder spuckst du noch große Töne, nachdem dich zwei Soldaten abwechselnd mit einer Peitsche bearbeiten, in die Bleistücke und Knochen eingeflochten sind.

Soldat 2: Na ja, es war ja nicht so, dass er nichts gesagt hat. Er hat schon geredet, aber eben nicht das Typische.

Jesus: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Soldat 1: Ja, ich muss zugeben, diesmal war es anders. Auch die Finsternis, die plötzlich über das Land kam. Irgendwie unheimlich.

Sprecher: In dieser Finsternis hing Jesus und kämpfte seinen letzen Kampf. Einen Kampf wie in Gethsemane, schwer und voller Angst. In dem Garten, gab es noch Licht, dort waren noch gute Freunde in der Nähe, dort konnte er sich noch hinknien und die Hände ringen und sich vor Gott neigen. Dort kam noch ein Engel vom Himmel um ihn zu trösten und zu stärken. Hier aber hing er zwischen Himmel und Erde, wie ein Verfluchter. Er wollte die Hände ausstrecken zum Himmel, doch er konnte nicht. Er, der das Licht ist, verlangte nach Licht, doch es war dunkel um ihn. Da schrie seine Seele zum Vater, aber der war nicht da. Gott hatte sich von ihm abgewandt. In unaussprechlicher Einsamkeit trug Jesus die Last von Gottes Zorn über die Sünde der Welt.

(Soldat 3 kommt nach oben)

Soldat 3: Es ist vorbei, sie sind tot.

Soldat 1: Was? Schon?

Soldat 3: Ja, der Sabbat des Passahfestes beginnt und die Hohepriester wollten nicht, dass an diesem besonderen Fest draußen noch sterbende Verbrecher am Kreuz hängen blieben. Darum gingen sie zu Pilatus und baten ihn, dass den Gekreuzigten die Beine gebrochen werden. Bei zweien hab ich diesen Befehl ja auch ausgeführt, aber der Dritte, dieser Jesus, der war schon tot.

Soldat 2: Hast du dich abgesichert?

Soldat 3: Natürlich. Ich hab meinen Speer in seine Seite geschoben und da floss Blut und Wasser heraus. Das Beine-Brechen war somit überflüssig. Jesus ist tot.

(Moderator kommt hoch)

Moderator: Harte Kerle, das seid Ihr. Ausgebildet, um Menschen zu töten und zu foltern. Die grausame Kunst, einen Menschen so weit zu foltern, dass er fast tot ist, aber eben doch noch nicht sterben kann, die beherrscht ihr. Ihr habt wirklich das Blut von Jesus an euren Händen. Sind die Soldaten schuld am Tod Jesu?

Lied

Szene 5

(Maler geht hoch, steht mit Pinsel und Farben vor einer Staffelei mit Bild und malt)

Sprecher: Der berühmte holländische Maler Rembrandt, malt die letzten Pinselstriche auf sein Bild.

(Klopfen, Freund 2 kommt hoch)

Freund 2: Na, Rembrandt, das war ja klar. Immer einen Pinsel in der Hand, nie machst du eine Pause. Was malst du schon wieder?

Maler: Hallo. Ich denke,… ich bin fertig. Du darfst ruhig gucken. Es ist die Kreuzigung Jesu.

Freund 2: (guckt bewundernd, Pause) Perfekt. Ich kann nur stauen über dein Talent. (Pause, stutzt, guckt noch mal genauer) Aber warte mal, da passt was nicht. Ein Soldat trägt nicht die Tracht der römischen Soldaten damals, sondern den Anzug eines holländischen Bürgers. Rembrandt, ich erkenne es genau. Das bist du.

Maler: Gut erkannt.

Freund 2: Was soll denn das? Warum hast du dich als Helfer bei der Kreuzigung gemalt? Auch noch als einen tatkräftigen Soldaten. Du hast doch damals nicht gelebt.

Maler: Verstehst du denn nicht? Ich habe mitgeholfen Jesus zu kreuzigen. Mit meinem Ungehorsam gegen Gottes Gebote.

(nach einer Pause)

Freund 2: Einen hast du noch vergessen auf dem Bild. Mich Rembrandt, mich hast du vergessen.

(Moderator kommt hoch)

Moderator: Wenn das so ist, dann hat er vielleicht auch mich auf dem Bild vergessen. Oder dich. Wenn wir uns in Gottes Licht betrachten, finden wir Schuld in unserem Leben. Und Jesus musste sterben, um uns von den Sünden zu reinigen. Sind wir schuld am Tod Jesu?

Lied / Musikstück

Moderator: Judas hat Jesus verraten. Der Hohe Rat hat ihn beschuldigt er müsse sterben und Pilatus hat ihn verurteilt. Die Soldaten haben ihn ans Kreuz genagelt, aber er starb wegen unserer Sünden. Wer ist nun schuld am Tod Jesu? Die Antwort finden wir in Gottes Wort. Jesus hat sich selbst dazu geäußert.

Jesus: Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich’s wieder nehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht es zu lassen und habe Macht, es wieder zu nehmen.

Moderator: Wir sind also nicht schuld daran, dass Jesus gestorben ist, genauso wenig wie Judas, Pilatus usw. Schließlich ist Jesus das Leben und der Tod hat keine Macht über ihn. Aber wir sind der Grund. Wegen unserer Schuld, hat er sein Leben geopfert. Die Strafe für Sünde ist der Tod und den hat Jesus freiwillig und stellvertretend für uns auf sich genommen, damit wir leben können.

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Mrz 20 2009

Das leere Kreuz

Geschrieben von under Ostern - Auferstehungsfest

Das leere Kreuz, eine christliche Prosa zu Ostern für 2 Lektoren

L2: Das leere Kreuz

L1: In vielen öffentlichen Gebäuden, sei es in Schulen, Krankenhäusern oder Kirchen, trifft man das Kruzifix an; ein Kreuz mit dem toten Christus. In der frühen christlichen Kunst wurde der Leib Christi am Kreuz nicht abgebildet – zum Einen lehnte die Kirche die bildliche Darstellung ab, zum Anderen symbolisierte das leere Kreuz die Auferstehung von Jesus. Im 7. Jahrhundert war man aber dazu übergegangen, Christus als ganze Figur darzustellen; zunächst als triumphierenden Christus, später wurde jedoch der leidende Christus vermehrt betont – mit einem Lendentuch und einer Dornenkrone ans Kreuz festgenagelt.

L2: Genau dort wollen ihn auch viele Menschen haben: festgenagelt ans Kreuz, hilflos, machtlos. Jesus soll nicht als der Herrscher auftreten, der den Tod mit seiner Auferstehung besiegt hat. Womöglich will er dann auch noch über mein Leben herrschen? Viele lassen Jesus einfach am Kreuz, oder auch im Grab…

L1: Wir aber rühmen uns nicht des Kreuzes mit dem toten Erlöser, sondern des leeren Kreuzes dessen, der aus dem Grab auferstanden ist.

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Mrz 10 2009

Ist es am Ende doch der Anfang?

Geschrieben von under Ostern - Auferstehungsfest

Ist es am Ende doch der Anfang, ein christliches Anspiel zu Ostern für 6 Personen

Trauernder 1: Jetzt ist alles aus.

Trauernder 2: Alle Hoffnung umsonst.

Trauernder 3: Drei Jahre vergeblich geglaubt.

Verstehender: Seht, wie er da am Kreuz hängt.

Trauernder 1: Das Ende unserer Sehnsucht.

Trauernder 2: Das Ende unserer Hoffnung.

Trauernder 3: Das Ende unserer Zukunft.

Verstehender: Seht, wie er da am Kreuz hängt.

Trauernder 1: Und wir hatten gedacht: Er wird Israel erlösen.

Trauernder 2: Und wir hatten gehofft: Mit ihm beginnt die neue Zeit.

Trauernder 3: Und wir hatten geglaubt: Jetzt richtet er sein Reich auf.

Schächer: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.

Jesus: Ich sage dir, heute wirst du noch mit mir im Paradies sein!

Verstehender: (tritt aus der Gruppe der Trauernden heraus) Was hat er gesagt?

Schächer: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.

Verstehender: „Wenn du in dein Reich kommst?“ Ist sein Reich doch nicht am Ende? Ist es am Ende der Anfang?

Jesus: Heute wirst du noch mit mir im Paradies sein!

Verstehender: „Heute mit mir im Paradies…?“ Jesus geht ins Paradies! Und der Schächer ist der erste Mensch, den er mitnimmt! In sein Reich. Das jetzt beginnt! Was für ein Anfang!

Trauernder 1: Jetzt ist alles aus.

Verstehender: Nein, jetzt fängt alles an!

Trauernder 2: Aber Jesus ist am Ende.

Verstehender: Nein, er ist am Anfang!

Trauernder 3: Seht doch, wie alles zusammenbricht, was er aufrichten wollte!

Verstehender: Versteht doch, wie er alles aufrichten will, was zusammengebrochen ist!

Trauernder 1: Bald wird er sterben.

Verstehender: Bald wird er leben!

Trauernder 2: Jesus, was können wir für dich tun?

Verstehender: Jesus, was kannst du jetzt für uns tun?

Trauernder 3: Jesus, wir denken an dich, wenn es mit dir zu Ende geht.

Verstehender: Jesus, denke an mich, wenn du dein Reich anfängst!

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Mrz 10 2009

Das Bild

Geschrieben von under Ostern - Auferstehungsfest

Das Bild, ein christliches Anspiel zu Ostern für 3 Personen

Sprecher: Pater Hugo, Geistlicher an der reichen Kirche zum heiligen Hieronymus in Düsseldorf, trat in die Werkstatt des jungen Malers Domenico Feti. Ein Altarbild von der Kreuzigung Jesu sollte er malen. Sie wurden über Entwurf und Preis einig, und der Maler machte sich an die Arbeit. Mittlerweile sprangen die jungen Knospen, und die ersten Blumen entfalteten sich. Da packte den Künstler die Sehnsucht, die Stadt zu verlassen und mit einem Skizzenbuch das umliegende Land zu durchstreifen. Am Waldrand begegnete er eines Tages einem Zigeunermädchen, das gerade Strohkörbe flocht. Ihre Schönheit fesselte sein Künstlerauge.

Maler: (sehnsüchtig) Wenn ich sie nur malen könnte! Diese lebhaften blitzenden Augen und das lange Haar schwarz wie Ebenholz. Was gäbe das für ein herrliches Bild!

Sprecher: Jetzt erst bemerkte ihn das Mädchen und erriet seine Absicht. Sofort sprang sie auf. Dann hob sie die Hände über den Kopf, schnippte mit den Fingern den Takt und tanzte leicht und anmutig vor ihm hin und her. Dabei zeigte sie ihre weißen Zähne und ihre Augen strahlten vor Lust. Domenico ergriff sofort die Gelegenheit und skizzierte sie in aller Eile, beschloss aber mehr daraus zu machen und sprach die junge Zigeunerin an.

Maler: (tritt an sie heran) Hör mal, was hieltest du davon, wenn ich von dir ein richtiges Bild malen würde? Du würdest dabei auch einiges verdienen.

Zigeunerin: Wollen Sie das wirklich tun?

Maler: O ja, und ich denke es würde ein wunderschönes Bild werden!

Zigeunerin: Na ja, wenn Sie meinen… Von mir aus können wir jetzt sofort anfangen.

Maler: So habe ich das nun auch wieder nicht gemeint. Damit es tatsächlich ein Prachtstück wird, muhst du mehrmals zu mir in die Werkstatt kommen. Da kann ich in Ruhe arbeiten. Ich denke, es ist das Beste, wenn du dreimal die Woche zu mir kommst. Noch weiß ich nicht, wie lange es dauern wird, bis ich ganz zufrieden damit bin.
Ich möchte dich nämlich als spanische Tänzerin malen und das Bild soll ein Meisterwerk werden. Bist du also damit einverstanden, dreimal pro Woche zu kommen.

Zigeunerin: Ja, natürlich!

Maler: Abgemacht?

Zigeunerin: Abgemacht!
(schütteln sich die Hände)

Maler: Ach übrigens, wie heißt du?

Zigeunerin: Pepita!

Maler: Pepita. Ein schöner Name. Also gut, Pepita! Dann bis Morgen um 3 Uhr!

Sprecher: Pünktlich zur festgesetzten Zeit erschien sie. Ihre großen Augen wanderten im Atelier hin und her und ruhten dann auf den altertümlichen Rüstungen, Krügen und Schnitzereien. Jetzt fing sie an, die Gemälde zu betrachten, und bald fesselte das große Altarbild, das seiner Vollendung nahe war, ihre Aufmerksamkeit. Tagelang betrachtete sie es staunend bis sie sich endlich traute Domenico danach zu fragen.

Zigeunerin: Wer ist das? Ich meine die Figur hier, die am meisten hervorsteht.

Maler: (gleichgültig) Christus.

Zigeunerin: Was geschieht mit ihm?

Maler: Er wird gekreuzigt. (ablenkend) So, und jetzt dreh dich ein wenig nach rechts – so, so geht’s.

Zigeunerin: (schweigt eine Weile, setzt dann wieder an) Wer sind die andern Leute, die mit den bösen Gesichtern?

Maler: (verärgert) Hör mal, ich kann nicht immerfort mit dir reden, du hast hier nichts weiter zu tun, als still zu stehen.

Sprecher: Das Mädchen schwieg eingeschüchtert. Aber sie betrachtete weiter das  Bild und grübelte darüber nach, was es bedeuten sollte. Jedes Mal, wenn sie das Atelier betrat, fesselte sie das Gemälde von neuem. Ab und zu wagte sie eine Frage, denn die Sehnsucht, mehr zu erfahren, verzehrte sie fast.

Zigeunerin: (schüchtern) Warum kreuzigten sie ihn denn? War er schlecht, sehr schlecht?

Maler: Im Gegenteil – der beste Mensch auf der Welt.

Zigeunerin: Wenn er gut war, warum kreuzigten sie ihn denn?

Maler: Es war, weil –

Zigeunerin: (atemlos) Weil?

Maler: Hör zu, ich will es dir erzählen, aber dann lass mich mit deinen Fragen in Ruhe.

Sprecher: Und er berichtete ihr die Geschichte des Gekreuzigten – neu für Pepita, für den Künstler so alt, dass sie ihn gar nicht mehr bewegte. Er konnte die Todesangst des Heilandes malen, und nicht ein Nerv zuckte an ihm, während schon der bloße Gedanke daran ihr fast das Herz brach. Ihre großen, schwarzen Augen standen voller Tränen, die der glühende Zigeunerstolz doch verbergen wollte.
Das Altarbild und die spanische Tänzerin wurden zu gleicher Zeit fertig. Pepitas letzter Besuch im Atelier war gekommen. Gleichgültig sah sie auf das schöne Bild, das der Künstler von ihr gemalt hatte, aber dann drehte sie sich um, stand vor dem Altarbild und konnte sich nicht davon trennen.

Maler: Komm, hier ist dein Geld, und noch ein Goldstück darüber, denn du hast mir Glück gebracht, die spanische Tänzerin ist schon verkauft.

Sprecher: Das Mädchen wandte sich langsam um. Ihre Augen, die voll tiefer Bewegung waren, schauten feierlich.

Zigeunerin: Nicht wahr, Herr, Ihr liebt ihn sehr, weil er das alles für Euch getan hat?

Sprecher: Das Gesicht, in das sie sah, wurde dunkelrot. Der Künstler schämte sich. Daran hatte er noch nie gedacht. Das Mädchen in seinem armseligen verblichenen Kleid verließ das Atelier, aber die fragenden Augen klangen in seinem Herzen nach. Er beeilte sich, das Gemälde an seinen Bestimmungsort zu schicken, doch konnte er nicht die Worte vergessen: „…das alles für dich getan!“

Maler: (an sich selbst gewandt) Ich kann diese Qual nicht mehr ertragen. Ich muss ihr entgegentreten und sie besiegen. Es ist sicher das Beste, wenn ich zur Beichte gehe. Pater Hugo wird mir bestimmt die Absolution erteilen, schließlich glaube ich ja an alle Lehren der Kirche. Und wenn ich auch noch das Altarbild viel billiger abgebe, als ich es ursprünglich wollte, dann – ja dann ist sicher alles in bester Ordnung.

Sprecher: Was er sich vorgenommen hatte, das tat Domenico auch. Wie vermutet fühlte er sich ein oder zwei Wochen erleichtert, aber dann erwachte von neuem die Frage: „Ihr liebt ihn doch sehr?“ und forderte eine Antwort.
Feti wurde ruhelos und konnte nicht mehr arbeiten. So wanderte er viel in der Stadt umher. Eines Tages sah er Menschen in ein kleines haus an der Stadtmauer gehen. Einige Tage später erfuhr er, dass ein Fremder dort wohnte, einer von der neuen Lehre. Hier war möglicherweise das zu finden, was er suchte. So ging Feti in die Versammlungen, um zu beobachten, vielleicht als Suchender, sicher nicht, um ein Anhänger dieser Lehre zu werden. Aber ein Mensch kann dem Feuer nicht nahe kommen und doch kalt bleiben. Der Suchende fand das, wonach er sich sehnte: einen lebendigen Glauben. Das Alte war das Neue. Sein neuer Freund lieh ihm eine Zeitlang eine kostbare Abschrift des neuen Testamentes. Nach einigen Wochen wurde er aus Düsseldorf vertrieben, zog von dannen und musste das Buch zurücklassen. Aber das Wesentliche daraus blieb in Fetis Herz haften.

Maler: All das tat er für mich – wie kann ich den Menschen sagen von dieser Liebe, die ihr Leben ebenso hell machen will wie das meine? (nachdenkliche Pause) Ich kann malen, mein Pinsel muss es verkünden. Ach, in jenem Altarbild drückte sein Gesicht nur Todesqual aus. Aber das war nicht die ganze Wahrheit. Unaussprechliche Liebe, unendliches Mitleid, williges Opfer müssen darin zu sehen sein.

Sprecher: Und dann malte er – und der Maler wuchs über sich selbst hinaus. Das neue Gemälde von der Kreuzigung war wie eine göttliche Eingebung.
Er konnte sich nicht entschließen, es zu verkaufen, und schenkte es seiner Geburtsstadt Düsseldorf. Das Bild wurde in der öffentlichen Galerie aufgehängt, und die Bürger strömten dahin, um es zu sehen. Jeder, der davor stand, verstummte; die Herzen wurden bewegt. Unter dem Bild stand: „Das tat ich für dich – was tatest du für mich?“
Auch Feti ging oft hin. Er stand weit hinten in einer Ecke der Galerie und bat Gott, er möge seine gemalte Predigt segnen. Als sich eines Tages die übrigen Besucher verlaufen hatten, bemerkte er ein armes Mädchen, das bitterlich weinend vor dem Bild stand. Der Künstler trat zu ihr.

Maler: Was macht dich so traurig, Kind?
(Das Mädchen schaut sich um.)

Maler: Ach, du bist es Pepita! Warum weinst du den  so?

Zigeunerin: O Herr, wenn er nur mich so geliebt hätte! Ich bin nur ein armes Zigeunermädchen; für Euch ist diese Liebe da, aber nicht für mich.

Sprecher: Tränen stürzten aus ihren Augen, aber sie gab sich keine Mühe mehr, diese zurückzuhalten.

Maler: Pepita, auch für dich ist das alles.

Sprecher: Und dann erzählte ihr der Künstler die ganze Geschichte dieser Liebe. Bis zu der späten Abendstunde, wo die Galerie geschlossen wurde, saßen die beiden beieinander und redeten. Nun wurde der Maler nicht mehr müde, ihre Fragen zu beantworten, denn sie fragte ja nach den einen, den er liebte. Er erzählte dem Mädchen von dem wunderbaren Leben des Heilandes und seinem siegreichen Tode und wie er auferstand in Herrlichkeit. Er erklärte ihr auch, wie diese erlösende Liebe uns mit Gott verbindet. Sie lauschte, nahm die Worte in ihrem Herzen auf und fand zum Glauben.
Viele Jahre waren seitdem vergangen, da fuhr auf der Reise nach Paris ein fröhlicher Grafensohn in seiner Kutsche in Düsseldorf ein, und während seine Pferde gefüttert wurden, besuchte er die berühmte Galerie. Er war reich, jung und klug, die Welt strahlend schön, und all ihre Schätze standen ihm offen. Nun trat er vor Fetis Bild und war tief ergriffen.
„Das tat ich für dich – was tatest du für mich?“
Er las wieder und wieder die Inschrift auf dem Rahmen und konnte sich nicht losreißen – sie drang in sein Herz hinein, die Liebe Christi nahm ihn für immer gefangen. Das Licht verblich, der Türschließer musste den jungen Mann am Arm fassen und ihm sagen, dass es Zeit sei, die Galerie zu verlassen. Die Nacht war gekommen – nein – für jenen jungen Mann war vielmehr die Morgenröte des ewigen Lebens angebrochen. Er war Graf von Zinzendorf. Später legte er sein Leben, Vermögen und Ruhm dem zu Füßen, der durch das Bild zu seinem Herzen geredet hatte.

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