Apr 25 2009
Paul
Paul, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation und Gottes Wort für 17 Personen
Erzähler: Wir schreiben das Jahr 1897. In einem armem Dorf Russlands, genannt Sosnovka, wohnte die Familie Tichomirow. Tichomirow heißt buchstäblich Stillenfriedner. Die Familie bestand aus Vater, Mutter und zwei Kindern: Schura, die 10-jährige Tochter und Paul, dem 8-jährigen Sohn. Sie lebten trotz ihrer Armut zufrieden dahin. Doch nach einigen Jahren Missernte wollten einige Sosnower nach Sibirien umsiedeln, unter anderem die Familie Tichomirow.
Da die Vornamen der Eltern unbekannt sind, nennen wir sie Peter und Olga.
Peter: Hör mal Olga, im Dorf wird von einer Umsiedlung nach Sibirien gesprochen. Was hältst du davon?
Olga: Darüber lohnt es sich nachzudenken. Wir sind noch jung und kräftig und die Kinder sind auch schon größer, warum auch nicht? Ist es denn dein voller Ernst, Peter?
Peter: Ja, Olga. Durch die Missernten werden wir nicht reicher und das Ackerland wird auch nicht mehr, nur die Menschen im Dorf.
Olga: Ich hörte sogar, dass einige Männer losfahren wollen, einen geeigneten Platz zu suchen.
Peter: Das ist es ja gerade! Ich bin ja auch dazu auserwählt. Was sagst du denn dazu?
Olga: Hmm. Da kann man ja bald richtig stolz auf dich sein! Ich habe nichts dagegen. Wenn du möchtest, kannst du ja mitfahren.
Erzähler: Die Männer kamen nach 3 Monaten wieder und nicht erfolglos. Sie hatten im Gebiet Tomsk einen guten Platz gefunden. Nun wurden alle Vorbereitungen zur Fahrt getroffen, die per Eisenbahn erfolgen sollte. Im frühen Frühling ging es dann los. Einige Waggons des langen Zuges wurden von den Sosnowern besetzt. Die Reise war sehr beschwerlich. Der Zug fuhr langsam und stand oft lange still. Manchmal dauerte es Wochen, bis die Waggons auf einer Knotenstation Anschluss fanden. Das Teewasser auf den Stationen reichte nicht für so viele und das Essen in den Imbissstuben war für die armen Umsiedler zu teuer. So aßen sie oft Heringe oder Trockenfisch und tranken dazu Wasser. Die Folgen davon waren Magenerkrankungen und dann Cholera. Meistens waren die Erwachsenen davon betroffen. Vor Tomsk wurde auch Peter Tichomirow krank. Alle Anzeichen sprachen für Cholera. Nach einer ärztlichen Untersuchung auf einer Station sagte ein Beamter:
Beamter: Sie müssen den Zug wegen ansteckender Krankheit verlassen, Tichomirow, und in die Baracke dort gehen.
Schura: Papa, geh nicht, was sollen wir nur ohne dich machen!?
Paul: Papa, lass doch uns und Mama nicht allein!
Olga: Ach Peter wie soll es bloß weitergehen? Bleib doch!
Erzähler: Männer, die für diese Sache zuständig waren, führten den Vater ab. Natürlich verließen auch Mutter und Kinder den Zug um wenigsten zu erfahren, was mit dem Vater geschehen wird. Nicht weit von der Baracke entfernt, hinter einem Stapel Schneeschutzschilder ließ sich der Rest der Familie nieder um sich nach der Gesundheit des Vater erkundigen zu können. Diese wurde immer schlechter, und nach drei Tagen sagte die Mutter zu den Kindern:
Olga: Kinder! Papa liegt schon seit 3 Tage schwer krank in der Baracke, und nun bin auch ich von dieser Krankheit angesteckt worden. Oh Kinder, liebe Kinder, wie soll es bloß weitergehen?!
Schura: Mama! Lass dich nicht in die Baracke tragen! Papa ist schon weg, und was sollen wir dann ohne euch nur machen?
Olga: Ach Kinder, die Träger kommen schon. Oh Gott…!
Paul: Mama, Mama lass uns doch nicht allein!
Erzähler: Herzzerreißend war diese Szene, als die Träger gewaltsam die Kinder aus den Armen der Mutter rissen und die Mutter forttrugen. Sie ahnte, dass sie die Kinder nie wiedersehen würde. Dann verschwand auch sie in der Baracke. Die todunglücklichen Kinder liefen wie wahnsinnig um die Baracke herum und riefen:
Paul: Papa, Mama, kommt doch heraus! Wo sollen wir ohne euch hin?! Wir wollen ohne euch nicht leben!
Schura: Mama, Papa, wenn ihr nicht heraus könnt, dann lasst uns doch zu euch in die Baracke, dass wir mit euch sterben! Bitte, macht uns doch auf!
Erzähler: So liefen die Kinder bis spät am Abend um die Baracke, unbeachtet der Drohungen der Wächter, sie zu schlagen oder ihnen sonst noch etwas anzutun. Nur die kalte Frühlingsnacht zwang die Kinder zu ihrem Platz hinter den Schneeschutzschildern zu gehen, wo sie bisher mit der Mutter saßen. Doch was sahen sie:
Paul: Schura, wo ist mein Mantel? Ich friere so sehr.
Schura: Oh weh, Paul, alles ist weg! Es hat uns jemand bestohlen, alles ist weg! Oh Gott, was sollen wir jetzt tun!
Erzähler: Die Kinder setzten sich ganz nah zusammen, um nicht so sehr zu frieren. Schura machte es ihrem Bruder so bequem wie möglich, doch selbst schlief sie die ganze Nacht nicht, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam. Früh morgens als Paul erwachte, liefen sie wieder zur Baracke, doch ein Diener sagte zu ihnen:
Diener: Kinder, kommt nicht mehr hierher, die Leiche eures Vaters haben sie schon herausgetragen und eure Mutter wird diesen Tag wohl auch nicht überleben. Geht nun endlich und seht zu, wo ihr bleibt!
Erzähler: Doch die Kinder ließen sich auch an diesem Tag nicht abdrängen, bis sie am Abend auch von Mutters Tod erfuhren. Sollten sie nie mehr Mutters Stimme hören? Bitter weinend kehrten sie zu den Schutzschildern zurück, schmiegten sich dicht aneinander und verbrachten so die kalte, lange Nacht. Auch Paul schlief diese Nacht nicht. Zu schrecklich war es ihm alles. Plötzlich rief er, als er einen Zug kommen hörte:
Paul: Schura, ich will ohne Papa und Mama nicht mehr leben! Komm wir legen uns auf die Schienen, wenn der Zug kommt, wozu sollen wir noch leben? Wer braucht uns? Wo sollen wir hin?
Erzähler: Paul ergriff seine Schwester am Arm und zog sie zu den Schienen. Schura war entsetzt. Sie umarmte Paul und rief außer sich vor Schmerz:
Schura: Um nichts in der Welt gehe ich, und lasse auch dich nicht! Es ist so schrecklich…
Paul: Lass mich dann allein laufen!
Erzähler: Kurz darauf fuhr der Zug vorbei. Paul rief laut weinend:
Paul: Warum hast du mich aufgehalten, Schura? Ich will nicht mehr leben!
Schura: Ach Paul, mein Bruder! Willst du mich denn allein lassen? Hör auf, denk nicht mehr ans Sterben, es ist zu schrecklich! Bleib bei mir und ich bei dir, Gott wird uns schon helfen, verzage nicht!
Paul: Nun gut, ich will gehorchen und bei dir bleiben.
Erzähler: Dann brach der Tag an. Die Kinder wollten wenigstens noch die Gräber ihrer Eltern sehen. Doch der Friedhofswärter sagte zu ihnen:
Wärter: Weiß ich denn, wo sie eure Eltern hingebracht haben. Außerdem kommen immer 10 bis 20 Cholerakranke in ein Grab.
Erzähler: Die Kinder standen nun da und schauten weinend auf die frischen Lehmhügel der Begrabenen, bis der Friedhofswärter sie mit folgenden Worten wegjagte:
Wärter: Wie lange wollt ihr hier noch weinen? Seht zu wo ihr bleibt! Ich kann eure Eltern ja nicht aus dem Grab holen!
Erzähler: Zu Tode entmutigt von all dem Erlebten, zudem noch hungrig und erschöpft, gingen die Kinder wieder zu den Schneeschutzschildern, die ihnen die einzige Erinnerung an die Mutter waren, und jetzt wie ein Stückchen zu Hause waren.
Paul: Schura, was wollen wir jetzt? Das bisschen, was wir zu Essen hatten, ist uns gestohlen worden, auch das wenige Geld; ich bin so hungrig und friere.
Schura: Ich dachte an die Baracken für Waisenkinder, aber dann müssen wir bestimmt auseinander.
Paul: Nur nicht das, bloß nicht, Schura! Wohin soll ich ohne dich? Ich will lieber mit dir sterben als ohne dich leben!
Schura: Lieber Bruder, verzage nicht, Gott wird uns schon nicht verlassen! Ich will bei dir bleiben.
Erzähler: Die Kinder beschlossen in eines der nächsten Dörfer zu gehen, um dort um etwas Essbares zu betteln. Da stand plötzlich ein uniformierter Mann vor ihnen und sprach sie grob an:
Beamte: Was macht ihr hier? Wer seid ihr, und woher kommt ihr?
Erzähler: Da die Kinder nicht gleich geantwortet haben, dass sie Waisen sind, befahl ihnen der Mann, ihm in ein Fürsorgeamt zu folgen. Dann passierte ihnen das Schlimmste, wovor sie sich sehr gefürchtet haben; sie kamen in die Baracken für Waisenkinder. Das bedeutete für sie Trennung, denn die Baracke der Mädchen war einige Bahnstationen von der Baracke der Jungen entfernt. Den Kindern brach das Herz, als sie nun gewaltsam voneinander gerissen wurden.
Schura: Onkel, lieber Onkel! Lassen sie uns doch zusammen. Mein Bruder ist noch so klein! Wer wird für ihn sorgen?!
Paul: Onkel, bitte Onkel! Schura! Ach, er führt mich ab! Neiin….
Beamte: Nun schweigt und geht endlich, sonst gibt’s was! Wollt ihr sonst verhungern?
Erzähler: Schura wurde mit dem nächsten Zug zur Baracke für Mädchen gebracht, während Paul zur Baracke für die Jungen gebracht wurde. Als man ihn in die Baracke brachte, wo schon etwa 300 Jungen wohnten, wurde er als Neuling nicht gerade sanft empfangen, ihm schauderte.
Schon nach einer Woche wurde das Barackenleben für Paul unerträglich. Tag für Tag die Schlägereien, Streit, Geschrei und die magere Krautsuppe. Er entschloss sich, zu fliehen, was jedoch nicht so einfach war. Niemand durfte ohne Erlaubnis die Baracken verlassen.
Paul: Fort von hier, nur noch einmal fort! Heute ist die Nacht finster, heute muss es klappen. Ich will versuchen nach Hause zu kommen, wo ich im Fluss baden und Fische fangen konnte.
Erzähler: Paul setzte über den Bretterzaun und lief, fort, nur fort von der Baracke. Nach etwa 5 km fing dichter Wald an, und erst dort fühlte er sich etwas sicherer.
Paul: Wie gern würde ich Schura noch einmal sehen! Doch wenn sie mich dann wieder fangen und in die Baracke stecken – Nein! Fort, nur fort, aber nicht verirren.
Erzähler: Paul achtete auf den Waldesrand, um nicht zu tief in den Wald zu kommen. Doch dann wurde er müde, legte sich unter einen Baum und schlief bald ein. Im Traum sah Paul sich wieder gefangen, wieder der alte Trubel, und dann rissen sie ihm den Mund auf und gossen ihm ohne aufzuhören diese widerliche Krautsuppe ein. Als er dann spät am Morgen erwachte, entschloss er sich weiter zu gehen und dann nach dem Weg nach Hause zu fragen. So ging er den ganzen Tag. Nur in ein Dorf kehrte er ein, um nach Brot zu betteln. Als es Abend wurde, ging Paul tiefer in den Wald, legte sich unter einen Baum und schlief bald ein. Früh morgens stieß ihn plötzlich jemand an und sagte schroff:
Räuber 1: He du, steh mal auf! Was machst du hier? Bist du allein, oder ist hier noch jemand?
Erzähler: Paul fuhr auf, und sah drei schwer bewaffnete Männer vor sich stehen. Erschrocken fragte er:
Paul: Muss ich wieder in die Baracke?
Räuber 2: Keine Angst Kleiner, wir tun dir nichts! Erzähle uns lieber, was du hier alleine machst.
Erzähler: Als Paul sah, dass es nicht Leute aus der Baracke waren, erzählte er ihnen alles, was er m den letzten Wochen erlebt hat.
Räuber 3: Du scheinst kein Feigling zu sein, Kleiner.
Räuber 1: Was wäre, wenn wir ihn mitnehmen würden?
Räuber 2: Ich dachte auch daran, er könnte sonst umkommen.
Räuber 3: Ich glaube er wird unserem Boss schon gefallen; ist nicht feige, weiß sich zu helfen und so…
Räuber 2: Er muss nur nach unserer Art erzogen werden.
Räuber 1: So Kleiner, du kommst mit uns mit, verstanden?
Erzähler: Paul bekam nun doch etwas Angst, darum ging er ohne etwas zu fragen mit.
Räuber 3: Na, du zitterst ja, keine Angst. Bei uns wirst du es besser haben als in der Baracke. Bei uns geht es lustig zu: Essen, Trinken, und nachts „arbeiten“ wir. Wenn du größer wirst, lernst du es auch.
Erzähler: Bald kamen sie auf eine kleine Wiese, wo auf sie ein Mann mit gesattelten Pferden wartete.
Räuber 4: Na, was habt ihr denn da gefunden?
Räuber 1: Komm jetzt, zu Hause erfährst du schon alles!
Räuber 2: Schnapp dir lieber den Kleinen aufs Pferd!
Erzähler: Nach einem langen Ritt auf krummen schmalen Pfaden blieben die Männer stehen, die Pferde verschwanden, und nach etlichen Minuten Fußmarsch durchs Dickicht standen sie plötzlich wieder auf einer Wiese, wo etwa 20, zum Teil bewaffnete Männer und einige Frauen waren. Alle schauten auf den Jungen.
Chef: Na, wo habt ihr den denn her?
Räuber 3: Fanden ihn im Wald. Seine Eltern sind tot.
Chef: Wie heißt du denn Junge?
Paul: Paul Tichomirow.
Chef: Paul bleibt Paul, aber Stillfriedner passt uns nicht. Du heißt jetzt Paul Pecher, verstanden? Du siehst nämlich so aus, zerlumpt und dreckig. So, und nun bringt den Jungen in Ordnung und gebt ihm etwas zu essen.
Erzähler: Paul wurde bald der Liebling aller Räuber und wurde auch nur Pecher genannt. Und bald vergaß er auch Sosnovka, denn das lustige freie Leben gefiel ihm. Nur um Schura trauerte er manchmal, er hielt sie sogar schon für tot. So wuchs Paul zum Räuber heran.
8 Jahre waren nun schon vergangen. Der nun 16-jährige Paul war für seine „gute Leistungen“ zum Gehilfen des Chefs ernannt worden. Die „Arbeit“ der Bande hielt die Menschen im Umkreis von etwa 100 km in Angst und Schrecken. Es wurde geraubt und auch oft gemordet. Die riesigen Urwälder boten sicheren Schutz für die Bande. An einem Herbstabend geschah dann folgendes:
Paul: 4 Mann zum Dienst!
Räuber 4: Wer soll es sein?
Paul: Du und die drei, die mich fanden.
Räuber 4: Alles klar!
Erzähler: An einer Landstraße setzten sie sich dann auf die Lauer.
Paul: Ein Fuhrwerk mit zwei Mann in Sicht! Solowjow und ich halten die Pferde auf, und ihr drei haltet die Männer in Schacht! Sollten sie schreien, macht ihr kurzen Prozess mit ihnen.
Erzähler: So wurden die beiden Männer beraubt und umgebracht. Sie hatten nur ein paar Rubel und 2 Bücher bei sich.
Räuber 3: Was machen wir mit den 2 Büchern, Pecher?
Räuber 1: Schmeiß doch das Zeug weg!
Räuber 4: Mensch, das ist doch gutes Zigarettenpapier!
Räuber 3: Ich stopf sie in meinen Sack.
Paul: Halt, die kommen in meinen Sack.
Erzähler: Nachdem man die geraubten Sachen des Tages durchgesehen hatte, nahm Pecher die zwei Bücher aus seinem Sack. Eines trug den Namen „Glaubensstimme“; es war ihm unbekannt. Das andere war ein „Neues Testament“; dieses Buch war ihm von zu Hause etwas bekannt. Pecher streckte sich auf seinem Bett aus und schlug aus Langeweile das Neue Testament irgendwo auf und las:
Paul: (Römer 3,11ff auszugsweise) Da ist nicht der gerecht sei, auch nicht einer,… Da ist niemand der nach Gott frage… da ist nicht der Gutes tue, auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab… Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind eilend Blut zu vergießen, auf ihren Wegen ist nur eitel Schaden und Herzeleid… Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.
Also gab es auch früher solche Leute wie wir, (nachdenklich) Ihre Füße sind eilend Blut zu vergießen…
Erzähler: Plötzlich sah Paul die flehenden Männer vor sich, die sie heute gefangen,
beraubt und dann ermordet hatten.
Paul: Was waren das wohl für Männer, und wozu hatten sie wohl dieses Buch?
Erzähler: Paul fing an im Neuen Testament zu blättern, in der Hoffnung irgendwelche Angaben über die Männer zu finden, doch vergebens. Auf der ersten Seite stand jedoch eine Inschrift:
Paul: 15. Mai 1898; der Tag meiner Bekehrung zu Gott. Jesus Christus vergab mir meine Schuld und wusch mich rein in seinem Blut… Was mag das wohl bedeuten?…
Erzähler: Paul blätterte weiter und las hier und da. Dann las er im 1. Korintherbrief:
Paul: (1 Kor. 6,9-11) Wisset ihr nicht, dass die Ungerechten werden das Reich Gottes nicht ererben?… wie viel Greuel?… auch die Räuber werden das Reich Gottes nicht ererben. Und solche sind euer etliche gewesen, aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus… Merkwürdig…
Erzähler: Paul blätterte hin und her, las von Zachäus, dann kam er zu Lukas 23 und las von der Kreuzigung Jesu Christi. Er kam auf die Räuber, die auch am Kreuz hingen und las wie der eine Schächer sich richtete und Jesus bat:
Paul: „Herr gedenke mein, wenn du in dein Reich kommst! Wahrlich ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein!…“ Kann dies möglich sein?
Erzähler: Paul legte das Buch weg und wollte einschlafen, doch immer wieder standen die zwei vor ihm, die so um ihr Leben gefleht hatten wegen ihrer Familien, und er…
Erst gegen Morgen schlief Paul ein und erwachte bald wieder, bedrückt und unruhig. Seine Mitgenossen merkten, dass mit Paul etwas nicht stimmte, doch er sagte nichts. Einige Tage ging er so umher, bis er endlich zu einigen von seinen Kollegen sagte:
Paul: Freunde, ich finde kein Ruhe mehr, seit jenem Abend, wo wir die zwei ermordet haben, die diese 2 Bücher bei sich hatten. Ich las in dem einen Buch, und es hat mich tief getroffen.
Erzähler: Den Angesprochenen wurde auch schwer zu Mute.
Die Räuber unter sich
Räuber 1: Was muss das nur für ein Buch sein, dass einen Menschen so verändern kann?
Räuber 2: Soll er uns das Buch doch geben, damit wir den Zauberkram verbrennen!
Räuber 4: Nicht so hitzig Junge! Ich und andere wollen es erstmals lesen!
Räuber 3: Vielleicht liest uns Pecher daraus vor, wenn wir alle beisammen sind, oder?
Chef: Ein guter Vorschlag! Heute abend wird uns Pecher aus diesem Buch vorlesen.
Erzähler: Als sie dann alle beisammen waren las Paul vor; besonders die Stellen, die ihn so getroffen hatten. Plötzlich sprang Solowjow auf und rief aus:
Räuber 4: Ich kenne dieses Buch! Es ist das Neue Testament, meine Mutter ist Stundistin, sie las uns Kindern beständig daraus vor, so wie auch in der Kinderstunde, wohin sie uns immer führte.
Erzähler: Das Lesen dauerte eine Zeit. Zerschlagen ging jeder in seine Ecke. Keiner verstand wieso, jedoch jeder spürte die gewaltige Wirkung dieses Buches auf sich. Nun wurde immer wieder von Zeit zu Zeit aus diesem Buch gelesen. Nach etwa einem Monat nahm Solowjow sich den Mut und sagte vor allen:
Räuber 4: Genossen! Ich habe dieses Räuberleben satt, ich gehe von nun an den Weg, den Christus ging.
Paul: Ich gehe mit dir Bruder.
Erzähler: Man hatte die beiden schon vorher auf Knien weinen und beten gesehen. Doch da stand ein dritter auf:
Chef: Auch ich kann nicht mehr weiter, nehmt mich mit Brüder!
Erzähler: Was nun geschah ist nicht schwer zu erraten; die ganze Bande sagte sich los von ihrem grausamen Verbrecherleben und wollten nun ein neues Leben beginnen. Doch wie? Etwas versuchen gutzumachen? Unmöglich. Also sich den Behörden stellen. Jedoch hier teilten sich die Meinungen. Die meisten wollten einfach nur neu anfangen, doch Solowjow, Pecher und noch fünf andere wählten den härteren Weg. Als nun der Tag der Scheidung kam, standen alle gerührt da, da erteilte der Chef seinen letzten Befehl:
Chef: Pecher, lies uns zum Abschied noch einen Abschnitt aus dem heiligen Buch!
Paul: Von Herzen gern mein Bruder.
Erzähler: Paul las aus Matthäus 8 von den 2 Besessenen, wie sie so furchtbar waren, so das sich niemand in ihre Nähe wagte. Dann sagte er:
Paul: So sah es auch mit uns aus, doch genug des Verbrechens! Lasst uns jetzt Christus nachfolgen.
Erzähler: Mit diesen Worten fiel Paul auf die Knie und bat Gott noch einmal für alles um Vergebung und mit ihm die anderen alle. Ergreifend waren diese Gebete, als die Bande ihre Herzen und Hände zu Gott emporhoben. Dann trennten sich die 7 von den anderen mit den besten Segenswünschen und gingen zur nächsten Stadt, mit dem Ziel sich samt ihren Waffen den Behörden auszuliefern. Sie fanden mit Hilfe eines Polizisten bald das gewünschte Haus und baten den Adjutanten um eine Audienz beim Staatsanwalt. Verwundert betrachtete der Diener wie auch die anderen Anwesenden die 7 schwer bewaffneten Männer.
Staatsanwalt: (etwas aufgeregt) Was ist euer Anliegen, meine Herren?
Paul: Erlauben Sie mir Ihnen zu erklären wer wir sind!
Staatsanwalt: Bitte sehr, ich höre zu.
Paul: Wir alle sind Räuber, doch bitte keine Angst vor uns, denn wir sind gekommen unsere Verbrechen vor dem Gesetz und den Menschen zu bekennen und uns dem Gesetz auszuliefern. Handelt mit uns wie ein Rechtsstaat mit Verbrechern zu handeln hat.
Erzähler: Wie auf ein Kommando legten die 7 ihre Waffen auf einen Haufen. Der Staatsanwalt konnte sich kaum beherrschen, denn so etwas hat er noch nie erlebt. Er rief nun den Polizeimeister und einige andere Polizisten herbei um ein Verhör durchzuführen. Einige konnten kaum die Tränen zurückhalten als sie die ungezwungenen Bekenntnisse der Räuber hörten. Es war nicht schwer zu erkennen, dass den plötzlichen Wandel der 7 ehemaligen Räuber ausschließlich das Neue Testament erreicht hatte. Zum Schluss sagte Paul:
Paul: Ich heiße jetzt nicht mehr Pecher, sondern Paul Tichomirow. Ich will jetzt Gott und den Menschen dienen und will still die Strafe büßen, die ihr mir auferlegen werdet. Wir sind in euren Händen.
Erzähler: Dasselbe bestätigten auch die anderen. Die 7 wurden abgeführt, doch der Staatsanwalt und der Polizeimeister sprachen noch lange über diesen Vorfall. Zuletzt sagte der Staatsanwalt:
Staatsanwalt: Groß muss doch die Kraft dieses Buches sein, wenn es Menschen wie neu geboren macht.
Erzähler: Dann ging er nach Hause. Dort traf er seine Frau an.
Staatsanwalt: Denk dir Tanja was ich heute erlebt habe.
Frau: Was ist denn passiert?
Staatsanwalt: Stell dir vor: Ich sitze in meinem Büro und plötzlich stürmt mein Adjutant herein und meldet mir 7 bewaffnete Männer zu einem dringenden Gespräch an. Ich ließ sie eintreten, da sagte der eine: „Wir sind Räuber. Jedoch keine Angst, wir sind gekommen unsere Schuld zu bekennen und abzubüßen.“ Kannst du dir meine Gefühle vorstellen?
Frau: Das ist ja ein großartiges Wunder! Was hat sie denn dazu bewogen?
Staatsanwalt: Ein Buch.
Frau: Juri, ich bin doch deine Frau, wie kannst du…
Staatsanwalt: Tanja, ein Buch sage ich dir! Es heißt: „Das Evangelium“. Ich sagte schon zum Polizeimeister: Groß muss doch die Kraft dieses Buches sein, wenn es Menschen wie neu geboren macht.
Frau: Ich hab in dem Buch auch mal gelesen. (etwas nachdenklich) Ah, ich habs! Mit Jesus wurden auch 2 Räuber gekreuzigt, der eine tat ja auch Buße, aber was ist das gegen diese! Jener hing fest und hatte nur auf den Tod zu warten, aber diese waren doch frei! Ich verstehe nichts mehr. – Ein Buch, und solche Kraft?!
Erzähler: Dann ging Tanja in die Küche, um sich ums Abendbrot zu kümmern. Jury aber ging das Testament zu suchen. Er schlug zufällig das 12. Kapitel des Johannesevangeliums auf und las. Ihn interessierte manches, doch dann kam er zu Vers 31:
Staatsanwalt: „Jetzt geht das Gericht über diese Welt…“ Welches Gericht? „Und ich wenn ich erhöht werde von der Erde, soll ich sie alle zu mir ziehen.“ Erhöht?.. Also gekreuzigt?…
Erzähler: Erst verstand Jury das Gleichnis vom Weizenkorn nicht, dass es ohne zu sterben nicht Frucht bringen kann, doch jetzt spürte er plötzlich eine Kraft, die ihn zum Gekreuzigten hinzog und sein Herz erwärmte; wie ihm Jesus auf einmal so teuer wurde. Er hörte im Geist wie Jesus ausrief: „Es ist vollbracht!“ Da durchfuhr ihn der Gedanke:
Staatsanwalt: Ist das nicht die Kraft, die die Räuber umkehrte?
Erzähler: Er las weiter, doch bei Vers 47 wurde ihm selbst, als Richter, bange. (Zitternd liest er):
Staatsanwalt: „Wer mein Wort hört und glaubt nicht, den werde ich nicht richten, denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt selig mache.“
„Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter: das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am jüngsten Tage.“
Erzähler: Jetzt wurde ihm, als Richter, klar, warum die Räuber ihr gräuliches Verbrechen gelassen hatten. Dann kam Tanja:
Frau: Jury, das Abendbrot ist fertig! (sie sieht Jurys besorgtes Gesicht an und fragt) Was ist mit dir los, Liebling, was hat dich so bewegt?
Staatsanwalt: Ach Tanja, jetzt wird selbst ein Richter gerichtet. Hier, lies selbst!
Erzähler: Doch Tanja verstand weder das Wort, noch ihren Mann. Jury fand in dieser Nacht keine Ruhe. Immer wieder das Wort: “Mein Wort wird ihn richten am jüngsten Tage”. Selbst im Traum sah er sich gerichtet zur ewigen Gefangenschaft in der äußersten Finsternis, für seine Untaten. Gegen Morgen erzählte er der Frau alles, was er abends und nachts durchlebt und durchdacht hatte.
Frau: Ach Jury, du bist einfach übermüdet.
Staatsanwalt: Nein, mein Schatz. Ich bin nicht mehr der alte Staatsanwalt, ich werde mein Amt aufgeben.
Frau: (erschrocken) Aber Jury, du bist doch nicht verrückt?!
Staatsanwalt: Nein, das bin ich nicht! Und wenn ich verrückt bin, dann auf einen neuen Weg, wo Jesus mein Retter und Führer ist.
Erzähler: Nun war auch der Richter dem Gericht entgangen. Auch in den Zellen, wo die Räuber in Untersuchungshaft waren, tat Gott Wunder. Die orthodoxischen Priester klagten: Man sollte die Räuber isolieren, denn sie verführen die anderen zu einem anderen Glauben. Nach einem Jahr wurden sie gerichtet. Hier trat der ehemalige Staatsanwalt als Rechtsanwalt auf. Trotzdem wurden alle sieben für 10 Jahre zu Zwangsarbeit verurteilt, die sie auch ohne Widerspruch annahmen. Ihr letztes Wort nutzten sie aus, indem sie ihre Untaten beklagten und die Macht des Evangeliums rühmten. Und nicht vergeblich, denn in manch einem Herz fand die Saat fruchtbaren Boden. Alle wurden einzeln verschickt, nur Paul und Solowjow ließ man zusammen. Beim Abschied:
Paul: Liebe Brüder! Wir müssen uns nun trennen. Doch lasst uns im Geist immer zusammenbleiben! Lasst uns dem Herrn treu dienen und nicht schweigen von dem, was er an uns armen Sündern getan hat.
Räuber 1: O Paul und Solowjow, ihr seid die Erstlinge, die Stärksten; betet für uns, dass all das geschehe, was du gesagt hast, Paul!
Räuber 2: Ja Brüder, lasst uns fest und unbeweglich bleiben und zunehmen im Wort des Herrn, denn unsere Arbeit ist nicht vergeblich in Ihm!
Räuber 3: Ja, lasst uns treu bleiben bis in den Tod, auf dass wir die Krone des Lebens empfangen!
Erzähler: Danach trennten sich die Sieben. Paul und Solowjow kamen hinter den Bajkal. Sie ließen keine Gelegenheit ungenutzt, um den armen Gefangen das Evangelium zu bringen, und überall wo sie hinkamen fanden sie auch willige Zuhörer und gar mancher ergab sich völlig dem Herrn. Doch bei alldem vergaß Paul nicht sich nach den Sosnowern zu erkunden, ob er vielleicht auch seine Schwester Schura noch einmal finden könnte. Eines Tages sagte Paul zu Gregor Solowjow:
Paul: Ach Gregor, ich sehne mich manchmal so nach Schura! Wieviel gäbe es zu erzählen, und vor allem, dass ich gerettet bin! Ob sie noch lebt?
Gregor: Mir geht es ähnlich, aber mit Mutter. Wie würde sie sich freuen, ihren Sohn gerettet wiederzusehen! Aber wir wollen Gott vertrauen. Er kann Wunder tun!
Erzähler: Und wirklich! Nach einigen Jahren wurden die beiden aufgrund eines Staatsereignisses amnestiert. Schwer war der Abschied von all den gläubig gewordenen im Gefängnis. Ähnlich dem, als sich die Sieben trennten. So gingen Paul und Gregor zu Fuß los. Ihr erstes Ziel war Tomsk-Irkutsk, doch ihre Herzen trieb es weiter nach Westen in die Gegend der Heimat. Überall, wo sie übernachteten oder den Sonntag feierten, erzählten sie von ihrer Vergangenheit, ihrer Bekehrung und ihrem Leben in Christus, was hohes Interesse bei jung und alt hervorrief und manches Herz erwärmte. In einem Dorf ergaben sich an einem Sonntag etwa 30 Seelen dem Herrn, worüber die Freude der Gemeinde groß war. Paul und Gregor wanderten immer in der Nähe der Bahn. Gern hätte Paul die Station noch einmal gesehen, wo er soviel durchlebt und durch litten hatte, doch er wusste den Namen nicht mehr. Da seufzte er auf:
Paul: Ach meine Lieben! Ihr habt mich verlassen, nun muss ich allein auf der Welt sein.
Gregor: Ach Paul! Auch Christus hatte nicht wo er sein Haupt hinlegen konnte, obwohl er Mutter und Geschwister hatte.
Paul: Danke Gregor, du machst mir Mut, und zu dem sind wir ja zu zweit. Und doch möchte ich Schura noch sehen!
Gregor: Weißt du Paul, wenn Gott durch uns schon so viele Seelen errettet hat, dann kann er auch dies noch tun.
Erzähler: Es wurde Abend. Paul und Gregor kamen an ein Städtchen nahe der Bahn und kehrten dort ein. Sie fragten nach Gläubigen, da wurde ihnen ein schönes Häuschen gezeigt. Dort gingen sie hin. Auf dem Hof spielten zwei Kinder, und weiter hinten war die Hausfrau mit etwas beschäftigt.
Paul: Hallo, liebe Frau! Wir sind Gläubige, würden Sie uns für diese Nacht beherbergen?
Schura: Oh ja. gerne! Für Brüder finden wir immer Platz.
Erzähler: Eilig rief die Frau ihren Mann, der weiter hinten im Garten arbeitete.
Schura: Alex, wir haben Gäste! Es sind Brüder. Komm, führe sie ins Haus, und ich will mich ums Abendessen kümmern.
Alex: Kommt Brüder, seid bei uns herzlich willkommen! Es soll euch bei uns gut gehen.
Erzähler: Die Männer waren bald in einem lebhaften Gespräch vertieft, während die Frau den Tisch deckte. Was erwartete da nur die müden und hungrigen Wanderer: Weißbrot, Butter, Sahne und Milch, Gebäck, Marmelade, Eier und vieles mehr.
Schura: Kommt ihr Lieben. Der Tisch ist gedeckt!
Alex: Ja, liebe Brüder, kommt zum Mahl. Gott hat uns reich gesegnet. Lässt uns ihm dafür danken.
Erzähler: Noch nie hatte Paul einen so reich gedeckten Tisch gesehen, und auch wohl nie einen so herzlichen Empfang erlebt. Nach dem Abendessen erzählte Paul auch diesem Haus seine Geschichte. Da schlug es auch schon 12 Uhr. Alle standen auf, Alex betete für die Nacht um den Segen, da fragte die Frau plötzlich:
Schura: Was ist jetzt euer Ziel Brüder?
Gregor: Wir gehen nach Hause; ich ins Kiewer Gebiet. Ich habe oder hatte dort eine Mutter und möchte sie gerne wenn möglich noch sehen.
Paul: Und ich gehe ins Mogilewer Gebiet. Ich habe dort zwar niemanden mehr, möchte jedoch mein Heimatdorf noch einmal sehen und den Verwandten das Evangelium bringen.
Schura: Sind sie schon lange ein Waise?
Paul: Meine Eltern habe ich irgendwo hier in dieser Gegend verloren. Sie starben an Cholera auf der Reise hierhin, wo wir uns ansiedeln wollten.
Erzähler: Die Frau klammerte sich an den Tisch fest und schaute dem Gast wie gebannt in die Augen. Ihr Mann verstand sie nicht, denn anstatt das Bett zu machen, bestürmte sie die Gäste mit Fragen. Paul erzählte weiter:
Paul: Ich blieb allein mit meiner Schwester, die etwas älter war als ich. Doch schon am nächsten Tag wurden wir auseinandergerissen, und so weiß ich nichts mehr von ihr. Ach wie war sie so gut zu mir, wie eine Mutter!
Erzähler: Da musste Paul weinen. Die Frau wurde totenblass und rief auf einmal zitternd aus:
Schura: Paul, bist du es denn, mein lieber Bruder?!
Paul: Schura! Meine Schwester, darf ich dich hier sehen?! Ist es denn möglich?!
Schura: Ja Paul, ich bin’s, deine Schwester Schura! Ach wie habe ich mir um dich Sorgen gemacht! Und nun solche Freude!
Erzähler: Schura und Paul fielen sich um den Hals, küssten sich weinend, dann begrüßte er auch seinen Schwager mit Küssen und Tränen; und wieder fiel Schura ihrem Bruder um den Hals und rief vor lauter Glück und Freude:
Schura: Oh Paul! Bist du es wirklich? Oh mein Bruder welch ein Glück dich hier wiederzusehen! Als ihr auf den Hof gekommen seid, durchdrang mich eine so selige Ahnung, aber ich wusste nicht warum. Doch jetzt weiß ich’s! Oh Gott sei Dank!
Erzähler: Und wieder fielen alle auf die Knie und lobten und priesen den Herrn für dieses große Wunder. Endlich, gegen Morgen, begaben sich alle zur Ruhe. Als sie dann erwachten und gefrühstückt hatten, bat Schura Paul wieder zu erzählen vom dem, was er erlebt hatte, dann erzählte sie auch von sich:
Schura: Ach Paul, auch ich habe genug durchlebt! In der Baracke für Mädchen blieb ich bis zum späten Herbst. Die Baracke wurde nicht beheizt, Krankheiten brachen aus, zu Dutzenden starben die Kinder. Da kamen gute Leute aus den Dörfern und nahmen die noch lebenden Kinder zu sich. Mich nahm eine gläubige Tante als fünftes Kind in ihre Hütte auf. Sie las uns oft aus dem Neuen Testament vor und betete mit uns. In dem Dorf war auch eine Schule. Ich liebte das Lernen, aber besonders das Evangelium lesen. Mit 14 Jahren bekehrte ich mich und ließ mich dann auch taufen, diente in der Gemeinde, denn ich sang im Chor. Jeder hielt mich für Tante Dunjas eigenes Kind.
Paul: Aber wie fandest du denn Alex, deinen Mann?
Schura: Unser Chor reiste oft in den umliegenden Dörfern umher und wir dienten dort, samt den Dienern am Wort. So kamen wir auch in dieses Städtchen. Nach dem Gottesdienst bekehrten sich einige dutzende Seelen, darunter auch ein junger Buchführer – und der wurde nach einem Jahr dann mein Mann.
Paul: Wie wunderbar! Du warst ja schon immer ein Engel! Hättest du mich damals nicht aufgehalten, ich wäre unter den Zug gelaufen. Und jetzt: Wieviel Wunder hat der Herr durch uns getan! Ehre sei nur ihm gebracht.
Erzähler: Als Paul und Gregor dann weiter reisen wollten, bot Schura sich an nach Sosnovka mitzureisen, um Paul dort in geistlicher Arbeit zu unterstützen. Alex ihr Mann stimmte dem Vorschlag freudig zu: Ich werde schon mit allem fertig, meinte er. Im Heimatdorf angekommen, fanden sie bald Nah- und Fernverwandte. Als diese dann das Wiedersehen mit Alkohol feiern wollten, sagten Paul und Schura sich ab. So fing dann bald das Fragen und Antworten an. Tief drang das Wort Gottes, gewürzt durch die Erlebnisse von Paul und Schura, in die Herzen der Sosnower ein, so dass auch hier bald eine neue Verfolgung auf Paul den angeblichen Ketzer entstand. Denn etwa 100 Seelen hatten sich zu Gott bekehrt und gingen nun nicht mehr zu den Priestern um zu beichten. So kam eines Tages ein Polizist und nahm Paul fest. Schura musste abreisen, ohne Paul zu sehen, was sie tief betrübte. Doch bald bekam sie einen Brief von Paul:
Schura: Liebe Schwester! Weine nicht um mich, denn jetzt leide ich nicht mehr als ein Räuber, sondern als ein Christ. Die Anklage lautet: „Dieser Ketzer verwirrt die Menschen und bringt sie vom rechten Glauben ab, was der Regierung schaden könnte.“ Doch ich bin glücklich. Denn auch hier sind viele durstige Seelen nach Errettung, welche ich ihnen in Jesus Christus verkündigen kann. Zage nicht! Betet für mich! Es grüßt euch alle euer Paul!
Erzähler: Bis zum Gericht verging ein Jahr. Paul war schon im dritten Gefängnis, denn auch da baten die Priester, diesen Ketzer loszuwerden, weil sich auch dort manch ein armer Sünder bekehrte. Sein Urteil lautete: Verbannung auf 2 Jahre in Jenißej Gebiet wegen Verführung vom orthodoxen Glauben. Nun gings wieder nach dem wohlbekannten Sibirien. Es war Paul gelungen, Alex und Schura zu benachrichtigen, wann er bei ihrer Station vorbeikommen würde, so dass sie ihn wenigsten durchs Gitter sehen konnten. Als sie ihn sahen, rief Schura aus:
Schura: Ach lieber Brüder, wie tust du mir so leid!
Paul: Weine nicht Schura! Ich freue mich in meinen Leiden, denn auch ich kann nun, wie einst Paulus sagen: erstatte an meinem Leib was noch mangelt an Trübsal in Christus für Seine Gemeinde. ( Kol. 1,24)
Erzähler: Auch diese 2 Jahre gingen vorbei. Pauls Ziel war: Predigen. Und das mit Wort und Wandel, was auch zu großem Erfolg führte. Inzwischen hatte Paul auch mit Gregor Briefkontakt, welcher ihm berichtete:
Gregor: Ich bin in meiner Heimat geblieben, wo eine kleine Gemeinde ist und darf auch hier dem Herrn dienen. Zugleich kann ich auch meine Mutter versorgen, die nun hoch glücklich ist, dass sie ihren Sohn noch einmal sehen durfte und dazu noch als einen Geretteten. Auch sie weiß nicht, wie sehr sie den Herrn preisen soll für solche Gnade. Gott segne Dich! Dein Gregor.
Erzähler: Nach Ablauf der Frist zog Paul dann ganz zu Schura.
Paul: Da bin ich wieder ihr Lieben! Nehmt ihr mich wieder auf?
Schura: Sei uns willkommen, lieber Bruder, von Herzen gern!
Paul: Auch für immer?
Alex: Nun, das geht auch mich wohl etwas an. Jawohl Paul, auch für immer!
Paul: Wisst ihr, ich möchte allein bleiben, um so dem Evangelium besser zu dienen, darum diese Frage.
Schura: Dann will ich dir helfen, so gut ich nur kann!
Alex: Und ich will dann den Haushalt führen, um am Werk des Herrn teilzuhaben.
Erzähler: Und in dem Neuen Testament, welches Paul bei dem ermordeten Bruder entnommen hatte, schrieb er jetzt:
Paul: Vergib mir, mein Bruder, dass ich dich getötet habe, weil ich selbst in Sünden tot war, doch dein Tod hat mir und auch vielen anderen Räubern und Sündern das ewige Leben gebracht! Gelobt sei dein und mein Herr und Gott in Ewigkeit! Amen.
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