Nov 27 2008
Gottes Führung
Gottes Führung, ein christliches Anspiel für 5 Personen
Autor: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Psalm 8,5.
„Wie die Zeit doch langsam rumgeht“, seufzte der Pförtner, der in dem großen Krankenhaus Nachtwache hielt. Es war gegen zwei Uhr morgens, und eben wollte er ein Buch nehmen, um sich die Zeit zu vertreiben, als es heftig klingelte. Mehrere Polizisten brachten auf einer Tragbahre einen Kollegen, der sich bei einem Brand, zu dessen Bekämpfung auch eine Polizeiabteilung herbeigerufen worden war, schwere Brandwunden zugezogen hatte. Vorsichtig trugen sie ihn in einen Operationssaal. Der Arzt war bald zur Stelle, und mit Umsicht wurden die Brandwunden behandelt. Dann legte man den Unglücklichen in ein freies Bett in einem großen Saal.
In demselben Raum lagen auch Kinder, da das Krankenhaus überfüllt war. Unmittelbar neben dem Bett, in das man den Verunglückten schlief ein Junge von etwa sieben Jahren. Als er aufwachte, bemerkte er, dass das Bett neben ihm besetzt war. Flüsternd Fragte er die Krankenschwester, die gerade zum Fiebermessen kam:
Paul: Wer ist das?
Schwester: Wer das ist? Ein Polizist – sorg deshalb nur dafür, dass du immer recht brav bist, sonst …
Autor: Als der kleine Junge hörte dass sein Bettnachbar Polizist sei, erschrak er doch ein wenig. Scheu blickte er zu dem gefürchteten Mann hinüber und fragte.
Paul: Ist es ein richtiger Polizist?
Schwester: Ja, gewiss, ein ganz richtiger; aber er ist sehr, sehr krank. Darum musst du schön still und ruhig bleiben, nicht wahr?
Autor: Noch einmal richtete sich der Kleine auf und schaute zu dem Verunglückten hinüber, dann legte er sich still hin. Es war ihm doch nicht ganz geheuer neben einem Polizisten, und am liebsten hätte er in einem anderen Bett liegen wollen.
In diesem Augenblick trat der Arzt in den Saal, ging sofort auf das Bett des Verunglückten zu und fühlte seinen Puls. Durch diese Berührung geweckt, schlug der Mann zum erstenmal die Augen auf und blickte verwirrt um sich her. Erst allmählich kehrte die Erinnerung an das Vorgefallene zurück.
Polizist: Wie lange werde ich hier bleiben müssen, Herr Doktor?
Doktor: Das kommt ganz darauf an; einen Monat werden Sie schon rechnen müssen, aber seien Sie dankbar, dass Sie mit dem Leben davongekommen sind.
Autor: Bitterkeit und Unmut stiegen in dem Herzen des Mannes auf bei dem Gedanken, so lange im Krankenhaus liegen zu müssen. Ärgerlich sagte er:
Polizist: Dankbar, für was soll ich den dankbar sein?
Autor: Unwillig drehte er den Kopf zur Seite und – blickte in ein Paar halb neugierige, halb ängstliche Augen. Es waren blaue, unschuldige Kinderaugen, deren treuer Blick ihm zu Herzen ging. Und jetzt vernahm er sogar eine zarte Kinderstimme, die im Flüsterton fragte:
Paul: Geht es Ihnen besser, Herr Polizist?
Polizist: Besser? Davon kann noch keine Rede sein. Aber wer bist du denn? Wie heißt du?
Paul: Ich heiße Paul und bin schon lange hier. Ich kann nicht mehr gehen. Meine Füße sind gelähmt und schmerzen mich sehr; aber ich will ganz ruhig sein, denn die Schwester hat mir gesagt, dass Sie Polizist sind.
Autor: Trotz seiner Schmerzen konnte der Mann ein Lächeln nicht unterdrücken. Das ermutigte den Kleinen, denn ein Polizist, der lachen konnte, war sicher kein so böser Mann. Freimütig begann er nun mit dem Nachbarn zu plaudern, bis die Schwester kam und der Unterhaltung ein Ende bereitete.
Gegen Abend hörte er wieder die Stimme des kleinen Jungen. Er unterhielt sich leise mit der Schwester, aber der Polizist konnte trotzdem alles verstehen.
Paul: Ich habe nach ihm gesehen, Schwester, aber ich glaube nicht, dass er betet. Ich denke, er hat zu große Schmerzen, um beten zu können. Wenn meine Füße mir so weh tun, dann kann ich auch nicht beten; ich muss dann oft weinen. Vielleicht ist das bei ihm auch so, aber ein Polizist weint doch nicht, Schwester, oder?
Schwester: Ich glaube auch, Paul, dass der arme Mann arge Schmerzen hat und sehr leidet. Er hat viele große Brandwunden.
Paul: Wissen Sie was, Schwester? Ich will von jetzt an, so wie ich für mich bete, auch für den Polizisten beten, bis er selber so gesund ist, dass er für sich beten kann. Das wird sicher dem Herrn Jesus recht sein, denn Er weiß ja, wie krank der Mann ist, nicht wahr, Schwester?
Schwester: Ich glaube es auch, Paul, und…
Autor: Weiter kam sie nicht, denn ein anderer Patient rief nach ihr. Noch einmal schaute er zu seinem neuen Freund hinüber, dann schloss er die Augen, faltete die Hände und betete leise, aber doch laut genug, dass der Polizist es verstehen konnte:
Paul: Lieber Heiland, heute muss ich zweimal beten. Einmal für den Poli-zisten, und einmal für mich. Lieber, treuer Heiland, willst Du bitte sein Schaf in dieser Nacht bewahren und bis zum Morgen darüber wachen? Sei Du bei Ihm! Amen.
Autor: Einen Augenblick später lag der Kopf mit den blonden Locken tief in den Kissen; der Kleine war eingeschlafen.
Der Polizist, der alles gehört hatte, konnte jedoch den Schlaf nicht finden. Die Schmerzen hinderten ihn daran. Aber mehr noch beschäftigte ihn das kurze Gebet, das der kleine Junge für ihn an den guten Hirten gerichtet hatte. Sollte wohl dieses Gebet Erhörung finden? Würde Jesus ihm in dieser Nacht wirklich nahe sein? Unmöglich! Für ihn befand sich Gott in weiter, weiter Ferne. Doch das Kind hatte gebetet: Sei Du bei ihm! Sollte das noch möglich sein?
Er war ein Irrtum. Er war kein Schaf des Herrn Jesus. Was lernte er doch vor vielen Jahren in der Sonntagsschule?
Polizist: Heißt es nicht irgendwo in der Bibel: Meine Schafe hören mein Stimme, und sie folgen mir? Aber ich habe nicht auf die Stimme gehört! Ich habe ihr auch nie gefolgt.
Autor: Ein Polizist weint nicht, hatte der kleine Junge gemeint. Wie erstaunt wurde er aber gewesen sein, wenn er jetzt zu seinem Nachbarn hinüber geschaut hätte. Große Tränen rollten dem starken Mann über die Wangen. Anton Hagebuch, weinte zum erstenmal über sein Gott – Fernsein und sein verlorenes Leben. Die Tränen brachten ihm etwas Erleichterung. Der gute Hirte schien ihm in diesem Augenblick nicht mehr ganz so ferne zu sein. Mit den Worten „Herr Jesus! Sei Du bei mir!“ schlief er endlich ein.
-Musik-
Einige Tage später, als er sich etwas besser fühlte, erbat er sich eine Bibel. Er begann eifrig darin zu lesen, aber sie brachte ihm keinen Trost. Im Gegenteil! Seine Sündenlast drückte ihn immer mehr, und in seinem Innern wurde es dunkler und dunkler.
(unter Musikbegleitung) Das einzige, was ihn manchmal aufmunterte, waren die wenigen Augenblicke, wenn Paul mit ihm plauderte.
Eines Nachmittags las Hagebuch eifrig in der Bibel. Auf einmal kam er zu den Worten: „Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg; und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit“ Jesaja 53.6
Lange blieb er bei diesem Vers stehen. Dann flüsterte er vor sich hin.
Polizist: Ja zu diesen Schafen gehöre ich auch. Ich bin auch ein Schaf das seinen eigenen Weg gegangen ist.
Autor: Weiter kam er mit seinen Gedanken nicht, aber wie viel ist schon erreicht, wenn ein Mensch einsieht, dass er zu den verlorenen, irregehenden Schafe gehört!
Als Paul am Abend seinem Nachbarn wie gewöhnlich eine gute Nacht wünschte, bat der Polizist:
Polizist: Paul, mein lieber, kleiner Freund, bete vor allem heute Abend für mich!
Autor: Paul faltete die Hände, wie er es immer tat, und betete mit leiser und schwacher Stimme: (Musik ende)
Paul: Herr Jesus, willst Du Dein Schaf in dieser Nacht bewahren und bis zum Morgen darüber wachen? Sei Du bei ihm! Amen.
Gute Nacht, Herr Polizist, ich bin so arg müde.
Autor: Es wurde mit jedem Tag klarer, dass die Tage des kleinen Paul gezählt waren. Er wurde zusehends schwächer. Meistens lag er im Halbschlummer. Polizist Hagebuch hingegen durfte bereits etwas aufstehen und machte gute Fortschritte. Doch mehr wert als sein körperliches Wohlbefinden, das war der Umstand, dass es nach Tagen voller Kämpfe und Zweifel in seiner Seele plötzlich hell wurde.
Eines Abends stand der Polizist in einiger Entfernung in ernstem Gespräch mit der Schwester.
Polizist: Ist es wirklich so, dass mein Liebling höchstens noch zwei Tage leben soll?
Autor: Da hörte der Polizist, dass Paul seinen Namen rief. Er eilte auf dessen Bett zu, beugte sich über den Kleinen und fragte freundlich.
Polizist: Ich bin hier. Was wünschst du von mir?
Paul: Oh, ich möchte so gern, dass Sie sich zu mir setzen und meine Hand halten, bis der Herr Jesus kommt und mich heimholt.
Autor: Hagebuch fühlte, wie seine Kehle sich bei diesen Worten zuschnürte. Er verdankte Paul ja so viel, darum konnte er vorerst kein Wort erwidern.
Paul: Ach, meine Füße tun mir so schrecklich weh; aber in der Sonntagsschule sangen wir.
Denn nach diesen schönen Tagen
Werd‘ ich endlich heimgetragen
In des Hirten Arm und Schoß.
Amen, ja, mein Glück ist groß!
(Musikbegleitung) Die Schwester hat mir gesagt, dass der Heiland bald kommen wird, um mich heimzuholen.
Autor: Polizist Hagebuch konnte seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Dann sprach Paul weiter.
Paul: Warum weinen Sie denn, Herr Polizist, tut es Ihnen leid, dass ich weggehe? Möchten Sie auch gern mitgehen? Dann will ich es dem Herrn Jesus sagen, wenn ich Ihn sehe.
Polizist: Ja, Paul, sag es Ihm jetzt, dass ich auch gern kommen möchte.
Autor: Der kleine Junge faltete die Hände und flüsterte:
Paul: Herr Jesus, der Herr Polizist will auch zu Dir kommen.
Autor: Dann sank das Lockenköpfchen müde in das Kissen zurück. Sein Atem ging schwer. Plötzlich öffnete er noch einmal die Augen, sah seinen Freund an und stammelte:
Paul: Treuer Hirte – dein Lämmlein kommt – zu Dir – aber auch das Schaf – der Polizist – will auch – bei Dir sein - (Musikende)
Autor: Ein letzer Seufzer, und die Seele Pauls war dort, wo es keine Leiden, keine Schmerzen und keine Tränen mehr gibt, wo alles herrlich und voll Freude ist. Der gute Hirte hatte Sein Lämmlein zu sich genommen; aber vorher hatte er es benutzt, einem verlorenen Sünder den Weg des Heils zu zeigen. Große tränen perlten über die Wangen des starken Mannes. Er schämte sich nicht darüber. Sein kleiner Liebling, der von ihm gegangen war, hatte ihm den Weg zum Himmel gewiesen.
Liebe Zuhörer, lasst uns heute auf Gottes Wort hören, und wandeln im Lichte, solange es Tag ist, es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.
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