1. Sprecher: In der Schule nannten ihn die Knaben” Prahler” und” Kieke”. Heute hatten einige von ihnen sogar verächtlich gelacht, als der Lehrer die Auszeichnung der Woche in Mathematik ihm zuerkannte. Keiner löste die Rechenaufgaben so rasch wie er, und was das Sprachstudium an betraf; so sprach wohl jeder von ihnen Englisch, er aber las, sprach und schrieb in sieben verschiedenen Sprachen. Es war ihm wohl bewusst, warum sie ihn so niederträchtig behandelten: er war nämlich ein Jude – und als solcher verhasst!
Davids Zorn brannte heftig, als er nach der Schule seinen Heimweg antrat. An der Ecke stieß er unvermittelt auf Anderson, den Raufbold der Schule.
Anderson: He da, Prahler, wo schleichst du hin?
David: Ich bin kein Prahler. Ich bin ein Hebräer.
Anderson: Hallo! ,, Hebräer!” Das tönt großartig! Ein” Kieke” bist du – ein Jesustotschläger.
1. Sprecher: Seine Beschimpfungen bekräftigte er mit einer Handvoll Kieselsteinen, die er David plötzlich entgegen schleuderte. Bleich vor Wut und Schmerz und wie ein gejagtes, verwundetes Tier eilte der prächtige Israeli heim. Nie mehr, nein wirklich nie mehr wollte er in diese Schule zurückkehren!
An jenem Abend erzählte er alles seinem Vater. Es war Sabbat- Abend- Freitag.
Die Vorhänge waren gezogen, und die brennenden Kerzen warfen einen hellen Schein auf die fein profilierten jüdischen Gesichter, die sich um den Tisch versammelt hatten. Am oberen Ende stand der Vater: er war Rabbiner. Vor ihm saßen die anmutig – sanfte Mutter, ihre beiden bildhübschen Töchter, sowie David, der 12 jährige einzige Sohn. Das Nachtessen war vorüber, der” Tenach” (Altes Testament) wurde gelesen und dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs waren Gebete dar gebracht worden.
Plötzlich fragte David:
David: Vater, haben die Juden Jesus tatsächlich getötet?
Vater: Was soll das bedeuten, mein Sohn? Weißt du nicht, dass dieser Name in unserem Haus nicht genannt werden darf?
David: Aber, Vater, ein Knabe nannte mich heute in der Schule Jesus – Totschläger. Ich hasse ihn! Ich will nie wieder in diese Schule zurückkehren. Ich kann nicht mehr!
Vater: Beleidigungen – ja, mein Sohn, die müssen wir in Kauf nehmen, wo immer wir sind. Leiden sind nun mal das Los der Juden! Du aber musst zur Schule gehen, David. Wenn du ein großer Rabbiner werden willst, musst du die beste Ausbildung genießen. Was diesen Namen Jesus anbetrifft, mein Sohn, so waren es nicht die Juden, die ihn kreuzigten, sondern die Römer. Und es war recht so, David, denn er lästerte Gott als er behauptete, er sei Gottes Sohn. Er vollbrachte herrliche Wunder, weckte selbst Tote auf, aber weil er sich der Sünde schuldig gemacht hatte, zu behaupten, Israels Messias zu sein, war sein Tod unvermeidlich. Lass diesen Namen nicht wieder über deine Lippen kommen. Geh jetzt für eine Stunde in den Park, dann heim und früh zu Bett.
1. Sprecher: Langsam und nachdenklich spazierte er zum Park, setzte sich auf eine Bank. Ein Frau saß am anderen Ende der Bank.
Missionarin: Ist jener Stern nicht ganz wunderbar?
David: Ja, Venus ist der hellste von allen.
Missionarin: Weißt du, an wen sie mich erinnert? Wie heißt du?
David: David Rabinovitz.
Missionarin: O, du bist ein jüdischer Knabe! Ich habe viele jüdische Freunde. Nun, weißt du, David, an wen mich dieser Stern erinnert? An den Stern von Bethlehem. Kennst du die Geschichte von diesem Stern, David?
David: Nein, wie heißt sie?
Missionarin: Es war ein wunderbarer Stern, der die Weisen vom Morgen lande nach Bethlehem führte, wo sie das kleine Kind fanden, das soeben als König geboren wurde.
David: Ein König?
Missionarin: Ja, David, König der Juden – Israels Messias!
David: O, nein! Nicht der Messias! Der ist noch nicht gekommen. Aber mein Vater sagt, sein Kommen sei jetzt sehr nahe.
Missionarin: Sein zweites Kommen ist nahe, David, sein Kommen in Herrlichkeit. Aber das erste Mal musste er als Opfer für die Sünden kommen. Du weißt, dass Gott Opfer fordert. Und deshalb musste der Messias sterben – für dich und für mich.
David: Aber mein Vater hat mir das nie erzählt. Woher wissen Sie das?
Missionarin: Höre mir zu, David, ich will es dir erzählen. In diesem Buch – es ist dein Altes Testament – schrieben die Propheten: Er würde in Bethlehem geboren werden; er würde arm und niedrig sein; er würde nach Ägypten hinunter ziehen und dann in Nazareth ein Leben der Vollkommenheit, Heiligkeit und Liebe leben. Als erwachsener Mann wurde er große Wunder vollbringen; und schließlich würde er am Kreuz sterben und am dritten Tage auferstehen. Nun, im letzten Teil des Buches – dem Neuen Testament – wird uns von diesem Kind alles erzählt. Jede alttestamentliche Prophetie ist mit ihm in Erfüllung gegangen.
David: Sie meinen doch nicht etwa den Menschen Jesus?
Missionarin: Doch, David, gewiss! Ich glaube von ganzem Herzen, dass Jesus Christus Israels Messias ist!
David: Nein, nein! Er ist nicht der Messias! Er ist schuld, dass unser Volk so leiden muss. Mein Vater sagt, ich dürfe diesen Namen nicht einmal erwähnen.
Missionarin: Lieber David, ich glaube, dein Vater hat die wunderbare Geschichte von Jesus und seiner Liebe noch nie richtig gelesen. O, es ist eine ganz wunderbare Geschichte!
David: Ja, wenn sie wahr wäre.
Missionarin: Sie ist wahr! Ich will dir dieses Neue Testament schenken, wenn du versprichst, dass du es lesen wirst. Willst du David?
David: Ja, wenn es mir mein Vater erlaubt!
Missionarin: Wenn ich darf; komme ich morgen zu dir heim und rede mit deinem Vater, Ich werde das kleine Testament mitbringen.
1. Erzähler: Die neuen Freunde reichten sich die Hand und verabschiedeten sich.
David: Ob die Geschichte wahr ist? Ich möchte wissen, ob die Dame recht hat, und ob mein Vater sich vielleicht irrt? Ob Jesus möglicherweise doch der Messias sein könnte?
1. Erzähler: Die Dame spazierte am Ufer entlang, und betete zu ihrem Herrn.
Missionarin: O Gott, gib mir diesen prächtigen Jüngling. Schenke es, dass David und alle Lieben in seinem Heim ihren wahren Messias finden.
2. Erzähler: Ein kalter Novembertag schlug gegen die Fenster. Im Hause der Familie Rabinovitz war es warm und hell.
Mutter: Ich fühle mich so müde. Bitte Vater, lies, dann lege ich mich zur Ruhe.
2. Erzähler: Der Rabbiner las den wunderbaren 80. Psalm und erbat Gottes Segen für sein Heim und seine Lieben. David nahm seine Mutter in seine starke Arme und trug sie die Treppe hinauf Sanft legte er sie auf ihr Bett und küsste sie.
Mutter: Gute Nacht, David, mein Geliebter. Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
2. Erzähler: Er ging die Treppe hinunter und betrat wieder das Wohnzimmer.
Vater: David ich habe einen Plan, den ich schon lange mit dir besprechen wollte. Ich glaube, nun ist die Zeit gekommen, ihn auszuführen. Im Oktober sollst du dich in der Hebräischen Universität in Jerusalem einschreiben. Und nach fünf Jahren wirst du einer der leitenden Rabbiner in ganz Palästina sein. Ja, wer weiß vielleicht kommt bis dann sogar unser Messias! Und du, David, darfst Ihm in den Tempelvorhöfen dienen!
2. Erzähler: Davids Herz schlug wild. Seit er vor zwei Jahren zum Glauben gekommen war, suchte David die Gelegenheit seinen himmlischen Vater zu bekennen. Und nun wusste er – der Moment war gekommen.
David: Lieber Vater, höre mich; ich kann nicht nach Palästina gehen, um Rabbiner zu werden, weil ich an Jesus Christus glaube! Ich bekenne Ihn jetzt vor dir als meinen Erretter und meinen Herrn als Gottes Sohn und Israels Messias!
Vater: David Rabinovitz, bist du verrückt? Wie wagst du es diesen Namen in meinem Haus auszusprechen! David, mein Sohn, willst du deines Vaters Herz brechen?
David: O, mein Vater, sprich nicht so. Ich liebe dich, mein Vater, und es bricht mein Herz, dich zu verwunden. Aber ich muss Ihm, meinem Herrn und Erretter, Jesus Christus, den ersten Platz einräumen. O, Vater, Lass mich dir erzählen, wie ich zu dieser Erkenntnis kam.
2. Erzähler: Er zog das Neue Testament aus seiner Tasche. Dann erzählte er, wie er es sorgfältig mit dem alten Testament verglichen habe. Es gehe durch die ganze Bibel, vom ersten Buch Moses an bis zur Offenbarung, ein Beweis dafür, dass das Alte und das Neue Testament eine Einheit bilden, und dass sowohl das Neue als auch das Alte Testament das inspirierte bevollmächtigte Wort sei. Mehr konnte der wütende orthodoxe Jude nicht ertragen. Weiß vor Wut riß er das Neue Testament aus Davids Hand und warf es ins Feuer.
Vater: Halt kein Wort mehr! David, ich stelle dir nur diese eine Frage: Willst du dich hier und jetzt von deinem Glauben an Jesus Christus los sagen?
David: Niemals!
Vater: Dann höre mich! Es ist jetzt zehn Uhr. Fünf Minuten vor zwölf werde ich mir deine Antwort holen. Wenn du bis dahin deine Torheit bereut hast, so werde ich dir freimütig vergeben. Aber, wenn du auf diesem gottlosen Unsinn beharrst, wirst du von meinem Heim und Herzen für immer scheiden müssen. Das wird deine Mutter töten. Und wenn sie sterben wird, dann wirst du ihr Mörder sein! – Nun triff die Wahl!
2. Erzähler: David blieb allein. Jede Faser seines Körpers zitterte vor Angst. So verstrich beinahe eine Stunde und dann ganz langsam, aber bestimmt, fühlte er in seinem Herzen den Frieden Gottes einkehren. ,,Fürchte dich nicht; denn ich bin mit dir; schaue nicht ängstlich umher, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ja, ich schütze dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit.”
Fünf Minuten vor zwölf erschien der Vater. Sein Gesicht totenblass.
Vater: David Rabinovitz, glaubst du an Jesus Christus?
David: Ja! Ich glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, den Messias Israels.
Vater: Dann geh! – verlasse mein Herz und mein Heim . Geh – für immer – in die äußerste Finsternis.
2. Erzähler: Mit satanischer Wut wurde David durch die Eingangstüre hinaus gestoßen, kopfvoran die Steintreppe hinunter. Wund am Körper, nieder geschmettert und gequält an Seele und Herz, lag er einige Augen blicke da, ohne Hut und Mantel. Aber sein Geist in ihm triumphierte noch immer. Dann einen letzten Blick auf das geliebte Heim werfend, rannte er fort. Im Park suchte er seine vertraute Bank auf, die kostbare Erinnerungen in ihm wach rief Hier hatte er sich auf alle Zusammenkünfte mit der Missionarin gefreut. Hier war es auch, wo David an jenem Nachmittag im Herbst vor zwei Jahren durch das Wort Gottes allein, endlich seinen Messias gefunden hatte. Er, David Rabinovitz, war jetzt völlig mittellos! Aber trotzdem fürchtete er sich nicht.
Er war völlig erschöpft, aber seltsam getröstet. Morgen würde er zu der Missionarin gehen und sie würde ihm sicher helfen. David legte seinen Kopf auf seinen Arm, streckte sich auf der harten Bank und schlief- von Gottes Liebe umgeben – bald darauf ein.
3. Erzähler: Ein stolzes Schiff der Amerika-Palästin-Linie näherte sich an einem Dezembernachmittag kurz vor Sonnenuntergang seinem Ankerplatz im New Yorker Hafen. Zwei verließen als die ersten den Landungssteg. Es war David Rabinovitz – jetzt Dr. Rabinovitz – der angesehene Rektor einer christlichen Schule von Palästina. Zusammen mit seiner Gattin war er, dem kurzen, aber dringenden Telegramm: ,,Mutter liegt im Sterben, komm!” gefolgt.
In Montreal angekommen, eilten David und seine Frau zum Hause seines Vaters. Hier war alles noch genauso, wie er es vor zehn Jahren verlassen hatte. Ein weißhaariger Herr betrat das Zimmer.
Vater: Meine Frau liegt im Sterben. Sie, mein Herr, können hinauf kommen.
3. Erzähler: David folgte seinem Vater. Gerade vor der Tür standen seine Schwestern. Davids Mutter lag auf ihrem Bett, genau dort, wo er sie vor zehn Jahren sanft niedergelegt hatte. Sie hatte es seither nie mehr verlassen. Sobald sie David erblickte, vernahm man ein leises von Freude und Schmerz gemischtes Stöhnen. Im selben Augenblick umschlang David die zerbrechliche Gestalt. Nachdem alle an der Seite ihres Bettes standen, hörten sie:
Mutter: Ich glaube an Jesus Christus.
3. Erzähler: Dann schlossen sich ihre Augen, mit einem strahlenden Lächeln auf ihrem noch immer schönen Gesicht, für immer.
Davids Herz frohlockte – seine Gebete waren erhört. Laut lobte und dankte er Gott. Während seine Schwestern laut zu wehklagen anfingen, wurde David von seinem Vater mit unerbittlicher Härte zum Zimmer hinaus und die Treppe hinunter gejagt. Wieder einmal wurde er aus seines Vaters Hause ausgewiesen.
Musik
Drei Wochen später wurde in der kleinen jüdischen Missionsstation in Montreal das Weihnachtsfest gefeiert.
David Rabinovitz erzählte die Weihnachtsgeschichte ganz einfach, aber überzeugend, dass es im Raum ganz still ,wurde. Drei der Anwesenden, ein Jüdischer Herr und zwei junge Jüdinnen, schienen von der Geschichte ganz besonders gefesselt. Als David seine Geschichte beendet hatte, lud er ein.
David: Wie viele von euch wollen diesen Herrn Jesus annehmen als ihren Messias, ihren Erretter, ihren König?
3. Erzähler: Da kam eine ganze Schar jüdischer Kinder nach vorn und kniete nieder. Da erhob sich der ältere Herr und ging langsam, aber entschlossen nach vorn und fiel dann neben den Kindern auf seine Knie, indem er seinen Kopf in seinen Armen verbarg und herzzerbrechend weinte. Der stolze Geist hatte sich gebeugt. Mit unaussprechlicher Freude kniete David neben dem gebrochenen alten Mann nieder und zog ihn sanft an sich und umarmte ihn innig. Dicke Tränen strömten über sein Gesicht, als sein Vater mit herzzerbrechender Stimme um Vergebung flehte. Dann kamen Davids Schwestern, zuerst Debora, dann Miriam, und standen neben ihren Vater. Auch sie schenkten ihre Herzen dem Herrn.