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Apr 25 2009

Keine Strafe – sondern Liebe

Geschrieben von Christ under Evangelisation, Ewigkeit

Keine Strafe – sondern Liebe, ein christliches Anspiel zum Thema Evangelisation, Ewigkeit für 11 Personen

Autor: Es war in einer hellen Mondscheinnacht gegen Weihnachten. Der frisch gefallene Schnee lag wie feiner Puder auf dem Dünenland. Der Wind strich mit leisem Wehen daher, das mit der zunehmenden Nacht stärker und stärker wurde. Es dauerte noch lange bis die Sonne aufging, aber in Ole Konges Stube brannte schon Licht. Dort saß sein Sohn Erik auf einem Stuhl und war eifrig damit beschäftigt, seine Wasserstiefel einzucremen. Er war von kräftiger Gestalt, groß und breitschultrig, mit regelmäßigen, derben Gesichtszügen. Die dicke isländische Jacke ließ ihn noch vierschrötiger erscheinen.
Auf dem Tisch stand schon das Frühstück, das die Mutter hereingebracht hatte. Als Erik mit den Stiefeln fertig war, begann er zu essen. Da wurde die Tür geöffnet und Eriks Schwester Ellen, kam herein.

Ellen:
Guten Morgen Erik. Gehst du jetzt?

Erik: Guten Morgen, ich werde jetzt gehen, aber warum bist du so früh auf, wo du doch die Erlaubnis hattest auszuschlafen?

Ellen: Oh, ich konnte nicht schlafen, ich muss mit dir reden.

Autor:
Ellen setzte sich auf eine Bank neben dem Tisch und sah Erik an.

Erik: Nun, was wolltest du denn sagen?

Ellen: Erik, es ist mir, als sollte heute etwas geschehen – dir – irgendein Unglück zustoßen.

Autor: Doch er sagte mit scherzhaftem Lächeln:

Erik: Du träumst gewiss noch, Herzensschwesterchen.

Ellen: Das kann sein, aber ich habe doch Angst um dich. Ich hatte einen so sonderbaren Traum: Das Meer verschlang dich und du riefst mir zu „Ellen, wie viel gehört dazu?“ und dann verschwandest du in den Fluten. Oh, ich habe solche Angst um dich, Bruder.

Erik: Warum sorgst du dich so sehr um mich? Du solltest mehr um dich sorgen. Ich habe keine Angst vor dem Tod.

Ellen:
Darf ich das denn nicht?

Erik: Doch, das darfst du, Schwesterchen, aber ich fürchte du vergisst, dass du eine unsterbliche Seele hast, die teuer erkauft ist. Du weißt wohl, dass ich zu jeder Stunde wenn mich Gott abrufen will, bereit bin, aber du? Hast du denn nicht über die Frage nachgedacht, die dir gestellt wurde? Was willst du darauf antworten?

Ellen: Ich weiß es nicht!

Autor: So saßen sie ein paar Minuten, doch dann stand Erik auf, verabschiedete sich von der eben hereingekommenen Mutter und Ellen, und trat in die mondhelle Nacht hinaus. Ellen wurde von der Mutter ins Bett geschickt, denn sie sah blass aus.

Musikstück

Autor: Ellens vergangenes Leben war ohne Gott verlebt worden. Sie hatte ihn wegen einem Mann, den sie sehr liebte, abgelehnt, weil dieser nichts davon wissen wollte. Der Maler, Knud Albäk, war in ihr Leben getreten, als sie schon ganz nah an Gott war, aber da er es nicht wollte, gab sie Gott auf. Ellens Großvater hatte die Verlobung, die stattgefunden hatte, traurig gestimmt, weil er einer von den wenigen Christen in dem Fischerdorf war. Er hatte oft mit Ellen darüber gesprochen, dass sie sich bekehren sollte, aber sie hatte das Glück dieser Welt gewählt. Die Eltern hatten auch nichts gegen die Verbindung, denn sie kannten Gott auch nicht. Ellen war ganz zufrieden in ihrem Glück; sie wollte kein anderes. Doch die Frage die ihr nachts gestellt wurde, hatte sie zum Nachdenken gezwungen.
Der Mond, der hoch am Himmel stand, war von hastig jagenden Wolken verdeckt. Ellen stand am Fenster und schaute den Schatten nach, die über den Schnee glitten, denn schlafen konnte sie nicht. Die Frage „Wie viel gehört dazu?“ stand ihr vor den Augen. Ihrem Bruder hatte sie darauf geantwortet „Ich weiß es nicht“, aber sich selbst gegenüber musste sie ehrlich sein. Jetzt musste sie anders antworten. Sie würde diese Frage gerne so weit wegschieben, um nicht darauf antworten zu müssen und sie zu vergessen, aber sie wusste genau, dass sie das nicht tun konnte. Sie wusste auch, dass sie seit ihrer Verlobung vor Gott geflohen war. Vorher hatte sie schon etwas von Gottes Nähe gefühlt, aber seit sie Knud liebte, stand Gott so vor ihr, als ob er nur verlangte und sie wollte ihm nichts geben. Sie war sich im Klaren darüber, dass Gott alles, ihr ganzes Herz wollte. Doch sie wusste, dass es nicht sein konnte, wenn sie sich das Glück, das jetzt ihr ganzes Leben ausfüllte, bewahren wollte. Doch gleichzeitig stieg eine Angst in ihr auf, Gott könnte gewaltsam in ihr Leben eingreifen, um ihren Sinn zu beugen. Diese Angst war in dieser Nacht mit erneuter Stärke über sie gekommen; der schreckliche Traum hatte sie hervorgerufen.
Ellen warf sich auf ihr Bett und presste ihr Gesicht fest in das Kissen. So lag sie einige Zeit. Endlich fiel sie in einen unruhigen Schlummer. Als sie aufwachte war sie sehr müde und die Stirn brannte ihr. Da klopfte es an die Tür und die Mutter trat ein. Sie überreichte Ellen mit ein paar freundlichen Worten einen Brief von Knud Albäk, dann sagte sie:

Karin: Es gibt gewiss hohen Seegang. Vater hat den Ballon aufgezogen.

Autor: Ellen sprang wie elektrisiert aus dem Bett, zog sich in Windeseile an, trank auch den Kaffee nicht und ging so schnell sie konnte zum Strand. Unterwegs traf sie ihren Großvater und sie eilten zusammen weiter.

Ellen: Glaubst du, dass es heute schlimm wird, Großvater?

Opa: Es ist wohl möglich. Es sieht nicht all zu gut aus, aber es kommt ja hauptsächlich auf die Flut an.

Ellen: Sind denn alle Boote draußen?

Opa: Nein, nur ein Dutzend etwa.

Autor: Jetzt kam Ellens Vater und noch einige Männer von der Mannschaft des Rettungsbootes, zu ihnen.

Ellen: Wird das Rettungsboot ausgesetzt, Vater?

Vater: Ich halte es für meine Pflicht, die Brandung tobt ja fürchterlich und ich meine, sie nimmt zu.

Autor:
Es kamen noch viele andere vom Dorf an den Landungsplatz. Drei Boote waren schon nahe am Ufer, aber etliche waren noch weit draußen, doch alle strebten dem Ufer zu. Ellen hatte sich auf den Rand eines Bootes gesetzt, das am Ufer lag, und beobachtete nur die drei Boote, wo sich auch ihr Bruder befand; anderes sah sie nichts.

Maria: Nun kommt das Rettungsboot.

Autor: Mit diesen Worten setzte sich Maria, eine junge Frau aus dem Dorf, neben Ellen auf den Bootsrand.

Ellen: Ob sie wohl in das Rettungsboot hinübergehen?

Maria: Das müssen sie wohl, aber sie tun es ja sehr ungern.

Ellen: Aber es ist auch kein Spaß, wenn man das Boot und die Geräte im Stich lassen soll. Aber das Leben ist trotzdem wertvoller.

Autor: Maria fiel es auf, dass Ellen leichenblass aussah und ihre Lippen zitterten.

Maria:
Ellen, du siehst krank aus, du solltest nach Hause gehen.

Ellen: Nein, ich gehe nicht nach Hause – nicht ehe die Boote hereingekommen sind.

Autor: Plötzlich erklangen durchdringende Schreie vom Ufer. Das Rettungsboot, das ein ganz neues System war und ziemlich sicher schien, hatte sich quer gegen die Wogen gedreht und in weniger als in einer Sekunde lag es mit dem Kiel nach oben im Wasser. Sofort fuhren etliche andere Boote vom Ufer ab. Denn Minuten, ja Sekunden können kostbar sein, wenn Menschen im eiskalten Wasser umhertreiben.
Erik war unter das Boot gekommen. Mit aller Kraft schaffte er es irgendwie hinaus zukommen. Als er endlich soweit zur Besinnung gekommen war, sah er ein Boot, nur ein paar Meter entfernt. Er schwamm drauf zu und klammerte sich an ein Seil des Bootes, wo sich auch noch ein paar andere festhielten. Als plötzlich eine große Welle alle von dem Boot wegriss, fühlte Erik schon wie seine Kräfte von der Kälte gelähmt wurden. Während sich eine neue Woge über ihn ergoss, fühlte er etwas neben sich; er griff danach und bekam ein Ruder zu halten. Daran hielt er sich über Wasser. Dann sah er eine Gestalt, die auf ihn geschleudert wurde. Es war Stefan, einer der Fischer vom anderen Boot.

Erik: Halt dich an dem Ruder fest.

Stefan:
Ich kann beinahe nicht mehr.

Autor: Stefan stöhnte, aber er fasste doch nach dem Ruder.

Erik: Ist kein Boot zu sehen?

Stefan:
Ich weiß nicht. Ich meinte, vorhin hätte ich eins gerade vor mir gesehen.

Erik: Warum hast du keinen Rettungsgürtel an?

Stefan: Ich hatte keine Zeit mehr dazu.

Erik:
Hör Stefan, Ich merke, dass uns das Ruder nicht beide tragen kann, denn ich kann nicht mehr schwimmen.

Stefan: Was sollen wir denn tun?

Erik: Du sollst dich daran festhalten. Ich kann sterben, du aber nicht.

Stefan:
Erik, ich danke dir!

Erik: Aber bekehre dich dann, Stefan, hörst du, wenn Gott dir das Leben rettet.

Stefan: Ja, Herr errette mich – rette meine Seele, so wie ich jetzt bin, kann ich nicht sterben!

Autor: Eriks Kräfte waren erschöpft. Er fühlte wie ihm die Kälte alle Glieder lähmte.

Erik: Lebewohl, Stefan – grüße – grüße alle – Ellen – Jesus -

Autor: Dieses waren Eriks letzte Worte, die er noch herausbrachte, dann ließ er das Ruder los und versank.
Stefan schlang die Arme um das Ruder; er versuchte noch um Hilfe zu rufen, aber er war wie gelähmt von der Kälte. Schließlich verlor er das Bewusstsein vollständig. In diesem Augenblick wurde er von zwei kräftigen Armen erfasst und in ein Boot hineingezogen.
Währenddessen hatte Ellen gehört, dass sich alle Fischer, auch Erik, ins Rettungsboot gerettet hatten und es überkam sie eine wohltätige Ruhe. Sie wusste, dass ihr Vater das Boot lenkte, da war nun wohl alle Gefahr vorüber.

Ellen: Wie töricht ist es doch gewesen, dass ich mich von ein paar Traumgeschichten so habe erschrecken lassen. Was heute geschehen ist, habe ich ja schon oft miterlebt.

Autor: Mit einem müden Lächeln lehnte sie ihren Kopf zurück, denn sie war sehr müde und brauchte dringend Ruhe. Sie fühlte sich krank. Aber kaum hatte sie sich etwas entspannt, erklang vom Ufer her ein durchdringender Jammerruf, der sie wieder aufscheuchte. Ein einziger Blick auf die Brandung genügte, dass ihr Hals sich zusammenschnürte, als ob sie ersticken müsste. Endlich erklang es wie ein Jammerschrei:

Ellen: Mein Vater – Erik!

Autor: Dann fiel sie Maria ohnmächtig in die Arme. Obwohl Marias Herz vor Angst und Schmerz zusammengeschnürt war, weil ihr Mann noch draußen mit den Wogen kämpfte, wagte sie trotzdem nicht das kranke Mädchen allein zu lassen. Endlich kam Ellen wieder zu sich. Sie konnte kaum aufrecht sitzen. Sie hatte offenbar heftiges Fieber.

Ellen: Er ertrinkt und Vater vielleicht auch. Da draußen liegen sie – in dem kalten Wasser – ich sehe, wie sie sich an das Boot anklammern. Nun kommt eine Sturzwelle. Maria, ich kann es nicht mehr mit ansehen.

Autor: Sie hielt die Hände vor die Augen, nahm sie aber sofort wieder weg.

Ellen: Oh, es ist schrecklich – nun sind nur noch zwei Mann am Boot – und dort schwimmt einer – ist das nicht Erik?

Autor: Ellen hatte ihren Bruder erkannt. Sie stieß einen Schrei aus und wäre rückwärts über den Bootsrand gefallen, wenn Maria sie nicht gestützt hätte. In diesem Augenblick trat Ellens Großvater zu ihnen. Er half Maria, Ellen in das Fischerhäuschen zu bringen. Dann setzte er sich neben Ellen.

Ellen:
O Großvater, sie ertrinken -  er ertrinkt, Erik!

Opa: Gott ist allmächtig, Ellen.

Autor: Ellen versuchte über diesen Satz nachzudenken, aber ihr Kopf war zu müde. Sie sah nur die schreckhaften Bilder der letzten Stunden vor sich.

Ellen: O nein, er ertrinkt – ich weiß es – ich sah ihn ja, nachts.

Opa: Und wenn es nun wirklich geschieht, was dann, Ellen?

Ellen: O, ich weiß es wohl, es ist die Strafe Gottes.

Opa: Nein, es ist der Ruf Gottes, der Ruf der Liebe Gottes, mein liebes Kind.

Ellen: Ja, es ist der Ruf Gottes, er klang von draußen herein, und er tönt mir noch immer in den Ohren, aber ich wollte ihn nicht hören – ich wollte nicht.

Autor: Diese Worte flüsterte Ellen eintönig und klagend.

Opa: Aber willst du es jetzt, Ellen? Oder soll Albäck eine ewige Fessel für dich sein?

Ellen: Albäck?

Autor: Ellen fasste nach ihrer Stirn. Sie schwieg eine Weile, dann sagte sie plötzlich:

Ellen:
Großvater, wie streng Gott ist!

Opa: Gott ist lauter Liebe.

Ellen: Auch heute?

Opa: Ja, Ellen, auch heute.

Ellen: Ach wenn…

Autor: Sie kam nicht weiter. Einige Männer brachten eine leblose Gestalt herein und legten sie auf den Boden. Ellen sprang auf und schwankte vorwärts und warf sich mit einem Schrei über den Toten.

Ellen: Erik, Erik!

Autor: Die Stimme versagte ihr und sie wurde ohnmächtig. Schnell wurde sie wieder zu Bewusstsein gebracht und nach kurzer Zeit saß sie, an ihren Großvater gelehnt, auf einem Wagen mit dem sie heimwärts fuhren. Hinter ihr, mit einem Segel zugedeckt, lag ihr Bruder.

Musikstück

Autor:
Es war ein harter Kampf, der draußen in der Brandung ausgekämpft wurde. Die drei kleinen Boote wurden mehrmals halb mit Wasser gefüllt und es sah verzweifelt aus. Aber mit der Entschlossenheit und Unerschrockenheit der Mannschaft gelang es doch sie über den erregten Wogen zu halten. Acht Mann, darunter zwei von der Rettungsmannschaft, mussten das Leben lassen. Die anderen wurden gerettet, aber alle in einem mehr oder weniger ermatteten Zustand.
Die meisten wurden in dem Hause des Strandvogts untergebracht, wo ihnen eine kräftige und kundige Pflege zuteil wurde. Im Moment war man mit Ole Konge beschäftigt. Er konnte gar nicht wieder warm werden. Er wurde von zwei Männern im Zimmer umher geführt, doch er schwankte noch wie ein Betrunkener. Der starre Ausdruck in seinen Augen zeigte, dass er noch nicht ganz zum Bewusstsein zurückgekehrt war.
Auch mit den anderen Verunglückten war man beschäftigt. Einer lag bewusstlos auf dem Tisch und ein paar Männer rieben ihm die Füße und den Unterleib. Plötzlich ertönte Wagengerassel und gleich danach trat der Arzt ein. Es war ein alter Mann und er schien keine Eile zu haben, sich mit den Kranken zu beschäftigen. Er legte seinen Pelz ab, zog ein Notizbuch aus seiner Tasche und begann einen Geretteten, der am Ofen saß, über das Unglück auszufragen. Er war nämlich mehr Zeitungsreferent als Arzt.

Karin: Aber wollen Sie denn nicht nach den Kranken sehen, Herr Doktor?

Autor: fragte Ole Konges Frau, denn es hatte ihr zu lange gedauert.

1.Arzt: Ja gewiss, meine gute Frau, ich komme jetzt zu ihnen. Na,- ist das ihr Mann? Wie geht es ihm? Noch recht schlecht – jawohl das sieht man. Habt ihr Wasser aus ihm herausgebracht? Das ist sehr gut.

Autor: Er legte die Hand auf Ole Konges Herz.

1.Arzt: Tut es hier weh – na, er kann nicht gut sprechen – nun, macht nur so weiter mit ihm. – Und da sitzt einer – hör mein Freund, hier ist ein wenig Wein – nehmen sie einen Schluck davon.

Fischer:
Nein, danke!

1.Arzt:
Also nicht, nun es ist vielleicht auch am Besten es nicht zu nehmen. Und da liegt einer – ist er tot? Nein, es ist noch Leben da – aber schwach. Er hat sich auch noch irgendwo gestoßen, er blutet ja – die Haut ist hier etwas abgeschürft – na, das ist nicht schlimm. Ja, nun werde ich etwas aufschreiben, das könnt ihr dann anwenden.

Autor: In diesem Augenblick trat der Distriktsarzt ein. Es war ein jüngerer Mann. Sobald er eingetreten war, wandte der Alte sich zum Gehen.

1.Arzt: Na, Karlsen, nun können sie weiter machen – ich muss noch ins Nachbardorf zu einer alten Frau.

Autor: Der junge Arzt hatte die Lage bald überschaut.

2.Arzt: Sind Tote da?

Karin: Ja – Erik, unser Sohn – ist tot.

Autor: Karin führte ihn zum Toten und nach einer kurzen Untersuchung bestätigte dies der Arzt.

2.Arzt: Ja, hier ist nichts mehr zu machen.

Karin:
Und unsere Tochter ist bestimmt sehr krank.

2.Arzt: Ich werde gleich nach ihr sehen. Aber zuerst müssen die Männer hier aus aller Gefahr sein.

Autor:
Schnell traf der Arzt seine Anordnungen und nahm sich selbst des Schlimmsten an. Als er es soweit gebracht hatte, dass er ihn den anderen überlassen konnte, ging er zu Ellen. Nach einer sorgfältigen Untersuchung, meinte der Arzt.

2.Arzt: Ein Organ ist nicht erkrankt. Es ist eine starke Erkältung mit einer Überspannung der Nerven. Aber wenn nichts Unvorhergesehenes dazu kommt, wird sie bald wieder hergestellt sein. Sie muss nur vollständige Ruhe haben und selbstverständlich muss immer jemand bei ihr sein.
Autor: Inzwischen war Maria wieder von Hause gekommen.

Maria:
Ich kann hier bleiben, bis ihr mit den Männern fertig seid. Ihr habt ja noch alle Hände voll zu tun.

Karin: Ich danke dir, Maria.

Autor:
Eine Stunde später war alles ruhig im Haus. Die Männer waren fortgegangen und Ole Konge war zu Bett gegangen. Doch er konnte nicht schlafen. Er stand wieder auf, denn eine unwiderstehliche Macht zog ihn zur der Leiche seines Sohnes. Dort setzte er sich hin und weinte wie ein Kind. Stunde um Stunde saß er da und das wiederholte sich, solange die Leiche noch im Hause war. In dieser Zeit war Ole Konge schweigsam und verschlossen. Eines Tages, als er wieder so dasaß, trat Grönhöj, der Großvater, ein. Auf dem Gesicht des Strandvogts zeigte sich ein Ausdruck des Widerwillens. Grönhöj betrachtete Erik eine Weile, dann legte er Ole Konge die Hand auf die Schulter und sagte leise:

Opa: Wenn du glauben könntest, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen.

Ole K.: Ist das die Herrlichkeit Gottes?!

Opa: Du siehst nur deinen Sohn, aber nicht  Gottes Sohn – den Herrn der Herrlichkeit. Und er hat gesagt: Wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage.

Ole K.: Es gibt keinen Gott!

Opa: Doch, Ole, und du hast seine Macht gefühlt.

Ole K.: Warum hat er dann nicht seine Hand über meinen Jungen gehalten?

Opa: Um dein Herz zum Sohn Gottes hinzuziehen. Niemand kommt zum Sohne, der Vater, der ihn ausgesandt hat, ziehe ihn denn. Lieber Ole – komm zum Sohn Gottes, und du wirst sehen, welche Herrlichkeit auch über diesem Sarg liegt.

Autor: Ole Konge zuckte ungeduldig die Schultern, stand kurz entschlossen auf und verließ das Zimmer.

Musikstück

Ellen überwand ihre Krankheit schneller, als irgendjemand zu hoffen gewagt hatte. In der zweiten Nacht schon befiel sie ein schwerer tiefer Schlaf, aus dem sie mit vollem Bewusstsein erwachte. Doch sie war sehr müde. Ihre Mutter saß neben Ellens Bett, als diese die Augen aufschlug. Ellen sah ihre Mutter nicht sofort. Als das Geschehene ihr wieder in den Sinn kam, legte es sich ihr wie ein schwerer Stein auf ihre Brust, und sie stöhnte laut auf. Die Mutter fasste ihre Hand und einen Augenblick ruhten die Blicke der Beiden ineinander. Eine Frage bedrängte Ellen besonders. Sie wagte sie kaum auszusprechen, doch schließlich kam es wie ein angstvolles Flüstern von ihren Lippen:

Ellen: Mutter? Vater ist doch nicht…?

Karin: Nein, mein Kind, Gott sei Dank! Aber Erik…!

Autor: Ein Schluchzen erstickte ihre Stimme. Ellen weinte nicht. Nach einer Weile sagte Ellen:

Ellen: Mutter, ich bin schuld daran!

Karin: Was meinst du damit, mein Kind?

Ellen: Ich bin schuld daran, das Erik sterben musste.

Karin: Plage dich doch nicht mit solchen Gedanken! Was hättest du denn dagegen tun können?

Ellen: Ja, Mutter, er starb um meinetwillen, weil ich Gott widerstand. O, Mutter es ist schrecklich, wenn man Gott widersteht.

Autor: Die Mutter wusste nicht was sie antworten sollte. Sie konnte ihrer Tochter nichts Tröstendes oder Helfendes sagen, denn das Gebiet war ihr unbekannt. Auch hatten die Worte ihrer Tochter ihr einen Stich ins Herz gegeben. Sie hatte ja selbst auch nicht Gott angenommen, obwohl ihr Vater und Sohn oft darüber gesprochen hatten. Doch sie wollte nichts unversucht lassen was Ellens Herz aufmuntern könnte, deshalb sagte sie:

Karin: Der Großvater sitzt draußen in der Küche. Er möchte sehen wie es dir geht. Soll ich ihn herein rufen?

Ellen: Ja, bitte Mutter.

Autor: Als der Großvater eintrat, glitt ein müdes Lächeln über Ellens Gesicht.

Opa: Nun liebe Ellen, jetzt geht es dir ja besser.

Autor: Er strich ihr zärtlich über die bleichen Wangen.

Ellen: Ich weiß nicht. Ich weiß es nicht, ob es mir je wieder besser gehen wird.

Opa: Gewiss, gewiss, kleine Ellen, nur kein grübeln, sei froh, dass du so weit bist.

Ellen: O Großvater, es war ein furchtbarer Tag.

Opa: Es war einer der großen Tage Gottes.

Ellen: Ja, des strengen, strengen Gottes.

Opa: Ja, des Gottes, der streng erscheinen kann, der aber doch die Liebe ist. Glaubst du nicht, dass er die Liebe ist, Ellen?

Ellen: Ich kann gar nichts glauben. Ich erinnere mich nur, ich sehe, ich höre. Ich höre das schreckliche Branden der Wogen und einen Hilferuf, und niemand kann helfen, weil Gott es nicht will, – und alles, alles tönt wie eine Stimme des jüngsten Gerichts.

Opa: Liebe Ellen, ich verstehe dich so gut – es erscheint alles so streng, ja böse, aber ich glaube, dass du soweit kommst, es auch noch in einem anderen Lichte zu sehen.

Autor: Ellen fuhr in ihrem eigenen Gedankengang fort.

Ellen: Und ich höre andere Stimmen. Sie klingen weich und mild. Es sind deine und Eriks Worte. Aber sie sprechen von Gericht, Gericht, Gericht.

Autor: Sie verbarg das Gesicht in den Händen, wie in Angst.

Opa: Ja, liebe Ellen so tönt es aus einem Herzen, das nicht in Gemeinschaft mit Gott steht. Wir müssen Gott zuerst als Richter begegnen, ehe wir ihn als Erlöser ergreifen können.

Ellen: Alles ist durch die Macht Gottes geschehen, und warum musste das alles geschehen? Nicht um derentwillen, die da draußen waren, sondern um meinetwillen, Großvater.

Opa: Das war vielleicht einer der Gründe. Jedenfalls war es eine mächtige Stimme, die auch zu dir sprechen wollte.

Ellen: Gott wollte mich strafen.

Opa: Nein Ellen, du kennst Gott nicht.

Ellen: Doch, Großvater, ich kenne ihn. Ich bin ihm einmal – ja mehr als einmal sehr nahe gewesen,- aber – aber dann sagte ich doch nein. Ich konnte nicht anders: Und jetzt – jetzt ist es zu spät. Es gab eine Zeit, da verstand ich, dass des Herrn Angesicht über uns leuchten kann. Doch seitdem ist es mir so, als ob er sein Angesicht von mir gewandt hätte – für immer und ewig.

Opa: Nein, Ellen, nein nicht für ewig. Seine Augen sind nie von dir abgewandt gewesen. Doch deine Augen sind geblendet, dass du ihn nicht sehen konntest.

Ellen: Doch, doch, ich sage dir – ich glaube, Erik wäre gerettet worden, wenn ich damals mein Herz hätte beugen können. Aber mein Herz war hart, ich konnte mich nicht beugen. Knud hatte es damals gefesselt. Dies ist nun die Strafe Gottes, und jetzt ist es zu spät. Ich hatte meine Gelegenheiten und ich wollte nicht, nun ist es zu spät. Zu spät.

Autor: Ellen stöhnte laut auf.

Opa: Liebe Ellen, du warst früher im Irrtum und bist es jetzt auch noch. Aber ich sage dir aufs Neue – du kennst Gott nicht, du kennst Jesus nicht, denn ihn erkennen ist das ewige Leben, sagt er selbst.

Autor: Die Worte des alten Mannes waren nur leere Laute für Ellen. Sie konnten nicht bis in ihr Herz dringen.

Ellen: Ach Großvater, ich bin so unglücklich. Es ist, als ob die Sonne für mich verloschen wäre.

Opa: Ellen, darf ich dir etwas sagen – wenn du nur beten könntest – zu Gott beten, der dich liebt, auch wenn du es nicht weißt – du würdest dann bald merken, dass die Sonne aller Sonnen für dich nicht verloschen ist.

Autor: In diesem Augenblick trat Ole Konge ins Zimmer. Der alte Mann stand auf und Ole Konge setzte sich an seinen Platz.

Ole K.: Guten Morgen, mein Mädchen.

Autor: Seine Stimme hatte einen weichen leicht bebenden Klang im Gegensatz zu seinem Gesicht, das noch strenger als sonst schien.

Ellen: Guten Morgen, Vater.

Autor: Hätte Ole Konge jetzt dem Drang seines Herzens nachgegeben, so wäre er in lautes Schluchzen ausgebrochen. Er bezwang sich aber, weil er es nicht ge-wohnt war, seine Gefühle zu zeigen. Er richtete sich gerade auf und sagte mit erzwungener Gleichgültigkeit.

Ole K.: Du musst jetzt etwas essen und dann musst du ruhen.

Autor: Der Großvater verstand diese Anspielung und wollte gehen.

Ellen: Vater? Großvater darf doch bei mir bleiben?

Ole K.: Ja, aber ich meine… na du weißt schon, was ich meine.

Ellen: Ach Vater, wenn wir nun an Eriks Stelle gewesen wären, meinst du nicht, dass es dann gut gewesen wäre, wenn wir Eriks Glauben gehabt hätten?

Ole K.: Ich weiß es nicht.

Autor: antwortete Ole Konge bestimmt. Nun war er wieder ganz der Alte.

Ole K.: Ich glaube, dass ich mit dem Glauben, den ich habe, wohl sterben kann.

Autor: Damit verließ er das Zimmer und der Großvater folgte ihm. Kurz darauf kam die Mutter mit etwas Speise ins Zimmer.

Ellen: Ich kann nichts mehr essen, Mutter.

Karin: Doch, du musst wirklich etwas essen, mein Kind, sonst kannst du ja nicht zu Kräften kommen. Und du sollst doch bis zur Beerdigung wieder gesund sein.

Autor: Als die Mutter sie wieder allein gelassen hatte, fiel Ellens Blick auf das Bild über ihrem Bett: Knud Albäck, ihre große Liebe. Und schon stürmten die Gedanken wieder auf sie ein.

Ellen: Ich liebe ihn ja. Aber diese Schatten verdunkeln mein glänzendes Märchenland der Zukunft, das ich mir so oft erträumte. Und diese Schatten kommen von Gott. Die Wahrheit hat mein widerspenstiges Herz getroffen. Ich bin wie ein angeschossener Hirsch, der zu fliehen versucht hatte, doch nun bin ich gestürzt und bin am verbluten. Ja, ich weiß, ich kann nicht mehr vor Gott fliehen. Ich werde ihn nie vergessen können. Es ist mir nun klar, dass das Leben ohne Gott, das ich mir ausgemalt habe, nur das Leben Evas außerhalb des verlorenen Paradieses gewesen wäre. Die einzelnen seltenen Sonnenstrahlen hätten nicht die Macht die Todesschatten zu durchdringen. Ich habe soviel mal nein zu Gott gesagt und jetzt kann ich ihn nicht finden. Ich kann nicht.

Autor: Sie ergriff Knud Albäck’s Brief und begann zu lesen.

Ellen: Freue dich Ellen. Nun geht es bald zum Traualtar…

Autor: Weiter kam sie nicht. Sie fühlte plötzlich, als ob sich eine eiskalte Hand auf ihr Herz legte.

Ellen: Traualtar – Hochzeit. Ich bin zu einer anderen Hochzeit geladen. Zur Hochzeit des Lammes bin ich geladen. Und ich habe abgesagt, genau wie die Geladenen in dem Beispiel Jesu. Und der Hausherr ist zornig geworden. Ja. Gott ist zornig über mich geworden. Meine Hoffnung ist aus. Ich bin verworfen. Ich werde in der Ewigkeit nicht mit Erik zusammen sein. Er ist bei Gott. Ach Erik!

Autor: Unwillkürlich hatte sie den Namen laut gerufen. Es klang wie ein Schmerzensschrei. Sie schlug die Hände vors Gesicht und fing an zu weinen. Das wirkte beruhigend auf ihr Gemüt.

Musik

Autor: So verging Stunde um Stunde. Ellen sprach kaum etwas im Laufe des Tages. Gegen Abend schlief sie ein, erwachte aber gegen Mitternacht wieder. Sobald sie die Augen aufschlug, war sie gleich wieder mitten in ihrem tiefen Seelenkampf. Während ihrer Krankheit hatte man ein zweites Bett in ihr Zimmer gestellt. In diesem lag ihre Mutter und schlief ruhig. Plötzlich erwachte diese und hörte Ellen stöhnen.

Karin: Was ist dir denn, Ellen?

Ellen: Ach Mutter, ich bin verloren.

Karin: Was ist das für ein Gerede? Wie kommst du darauf?

Ellen: Gott hat es gesagt.

Karin: Nein, ganz gewiss nicht, es ist ja entsetzlich sich so etwas auch nur einzubilden.

Ellen: Ach Mutter, es ist keine Einbildung, es ist Wahrheit.

Autor: Die Mutter erkannte bald, dass sie das Heilmittel nicht besaß, das die kranke Seele ihrer Tochter heilen könnte. Deshalb fragte sie im  verzweifelten Ton:

Karin: Was sollen wir denn tun, mein Kind?

Ellen: Ich weiß es nicht. Ach, wenn ich doch tot wäre – tot wie Erik!

Karin: Ellen, so darfst du nicht sprechen.

Ellen: Doch, Mutter, denn Erik sitzt nun an der großen Hochzeitstafel im Himmel, aber ich werde dort nicht dabei sein.

Karin: Ellen, hör doch auf mit solchen Reden! Das ist ja krankhaft. Warum solltest du denn nicht dabei sein?

Ellen: Weil ich Gottes Ruf nicht gehorcht habe und – Mutter – ich fürchte, auch du und der Vater haben nicht gehorcht.

Karin: Nun wird es aber zu schlimm Ellen, denk doch ein wenig darüber nach was du sprichst. Du richtest ja deinen Vater und deine Mutter.

Ellen: Ach, nein, liebe Mutter, ich richte keinen von euch beiden. Aber du weißt, Großvater und Erik haben mit euch darüber gesprochen und wir waren oft der Meinung, man sollte sich nichts daraus machen.

Karin: Ja, man kann zu weit gehen mit der Religion, das habe ich immer gesagt und das ist auch jetzt noch meine Ansicht.

Ellen: Glaubst du wirklich dass Erik zu weit gegangen ist?

Karin: Nein – es war nur gut für ihn. Aber glaubst du nicht, dass der Herr uns andere auch annehmen würde?

Ellen: Für euch ist die Tür noch offen, aber ich habe dem Ruf des Herrn widerstanden und nun ist meine Seele verdammt.

Autor: Die Mutter antwortete nicht; sie war aus dem Gleichgewicht gekommen. Schließlich sagte sie:

Karin: Mein liebes Kind, versuche nun einzuschlafen, dann wollen wir morgen weitersehen.

Autor: Ellen versuchte auch einzuschlafen, aber es gelang ihr nicht. Sie fühlte sich einsam und verlassen. Erst gegen Morgen fiel Ellen in einen tiefen Schlaf. Als sie wieder erwachte, war es hell und das Bett der Mutter leer. Im Laufe des Tages kam der Großvater. Ellen sprach lange mit ihm. Doch ihr Ohr schien für die freie Gnade Gottes taub zu sein. Um ihr Herz lag ein dicker Panzer, den das Wort Gottes nicht zu durchdringen vermochte. Sie wähnte sich verworfen, verstoßen, verloren.

Ellen: Ach Großvater, in meinem Herzen tönt es immerfort: hätte ich doch nur der Stimme des Herrn gehorcht, hätte ich doch seine Hand ergriffen, damals, ja damals! Dann wäre ich jetzt glücklich – selig. Aber nun tönt es nur zu spät, zu spät!

Autor: Der Großvater wusste nichts mehr zu sagen, aber  in seinem Herzen war er sicher, dass der Teufel seine gemarterte Beute loslassen müsse und dass sie Ruhe finden würde in den Armen Jesu. Deshalb sagte er freudig; indem er aufstand um zu gehen.

Opa: Meine kleine Ellen, keine Seele auf der Welt, die nach den Wasserströmen schreit, wird verschmachten und du auch nicht.

Autor: Am Nachmittag kam Maria um sich nach Ellens Befinden zu erkundigen. Auch sie versuchte ihr die Liebe Gottes vorzustellen, aber mit demselben Erfolg wie der Großvater.
Auf diese Weise verging ein Tag nach dem anderen. Ein paar mal musste man Ellen in den Saal führen. Sie wollte ihren Bruder sehen und die Szenen die sich da abspielten, waren herzzerreißend.
Endlich kam der Begräbnistag. Von allen Seiten strömten festlich gekleidete Leute herbei. In einigen Stunden würde sich ein langer Trauerzug nach dem kleinen, einfachen Friedhof begeben, wo ein großes geschmücktes, gemeinsames Grab bereit war, die acht Särge aufzunehmen.
Bei Ole Konge waren auch schon die ersten Gäste eingetroffen. Maria war zu Ellen hineingegangen. Plötzlich wurde die Tür ein wenig geöffnet.

Stefan: Darf ich hereinkommen?

Maria: Es ist Stefan – darf er hereinkommen?

Ellen: Ja, gern.

Autor: Stefan setzte sich auf einen Stuhl am Fenster.

Stefan: Ich hatte dir eigentlich noch einen Gruß zu überbringen, Aber ich habe noch keine Zeit dazu gehabt. Wir haben ja seit dem Unglück so viel zu besorgen gehabt.

Ellen: Einen Gruß?

Stefan: Ja, von Erik. Du weißt doch, dass ich der letzte war, mit dem er gesprochen hat, ehe er unterging. Dein Name war der letzte, den er aussprach. Nein, das stimmt nicht ganz, der allerletzte war Jesus. Und wie geht es dir?

Ellen: Es geht mir nicht gut, mein Körper ist müde und meine Seele ist krank.

Stefan: Warum ist sie krank?

Ellen: Weil ich von Gott verworfen bin, Stefan.

Stefan: Das klingt sonderbar, aber könntest du dich nicht auch täuschen?

Ellen: Nein, ich täusche mich nicht. Ich habe zu Gott mit Wissen nein gesagt, und deshalb bin ich verworfen.

Stefan: Nein, Ellen, das stimmt nicht, denn wenn das wahr wäre, dann läge ich jetzt auf dem Grunde des Meeres, oder jedenfalls würde mein Leib jetzt hier liegen wie Eriks; und meine Seele wäre an einem noch viel traurigeren Ort.

Ellen: Ich verstehe dich nicht, Stefan.

Stefan: Nein, da hast du recht, aber nun will ich es dir erklären. Ich bin auch von Gott gerufen worden, das ganze letzte Jahr hindurch. Und ich hatte auch nein gesagt, weil mir die Branntweinflasche lieber war, als meine Seele.

Ellen: Ja, aber du warst dir des Rufes nicht bewusst gewesen.

Stefan: Du kannst mir glauben, das ich mir dessen bewusst war, im letzten halben Jahre wenigstens. Und ich konnte nicht anders, ich musste Gott recht geben, aber ich wollte nicht. Ich löckte wider den Stachel, wie weh es auch tat.

Ellen: Aber das, was du vorhin sagtest, Stefan, vom Grund des Meeres und von Erik?

Stefan: Ja. Wir wurden da draußen umher geworfen, nachdem das Boot gekentert war. Ich war am Ende meiner Kräfte, als ich durch Gottes Finger an Eriks Seite geschleudert wurde. Bis zu diesem Tag hatte ich zu Gott nein gesagt. Und als ich nun im Wasser lag, da konnte ich weder ja noch nein sagen. Mir war es, als sei mein Herz ein Stein. Aber da begegnete mir Gott wieder, und da wurde es ernst.

Autor: Sehr lebendig schilderte Stefan dann, wie es in dem großen Augenblick draußen zugegangen war und schloss mit den Worten:

Stefan: Du siehst, Ellen, dass Gottes Langmut größer war als mein Trotz, und das ich nicht verworfen war.

Autor: Ellen war immer aufmerksamer geworden. Sie sah Stefan unverwandt an.

Stefan: Ja, sieh mich nur verwundert an, aber es ist doch wahr, dass ich nicht verworfen war. Er hat mich so innig geliebt, dass er zwei für mich sterben ließ. Denk dir, zwei Leben für einen so elenden Trunkenbold wie ich es war.

Autor: In Ellen wallte und wogte es. Ein warmer Hauch zog über ihre Seele hin.

Stefan: Na, siehst du nun, dass das nur so ein Gerede ist, wenn du sagst, du seist verworfen. Das ist nur so  ein Unsinn, den dir der Teufel einbilden will.

Ellen: Glaubst du also nicht, dass Eriks Tod eine Strafe Gottes war?

Stefan: Ich will dir sagen, was ich glaube, Ellen. Du bist ein Mädchen mit einem starken Willen, und solche Menschen muss Gott oft härter anfassen, um ihr Herz beugen zu können. Nein, eine Strafe war es nicht, es war nur ein harter Griff, um dich zu Gott zu ziehen. Gott kannte uns besser als wir ihn gekannt haben. Und da hat er ungefähr so gedacht: Erik muss sterben, damit die Beiden endlich begreifen. Etwas Geringeres tut es nicht.

Autor: Ellens Herz füllte sich allmählich mit Sonnenschein und Leben; schließlich brach es jubelnd hervor.

Ellen: Dein Friede wird sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswogen. Wunderbarer Gott, du wolltest also den kleinen Wurm nicht zertreten, sondern ihn zu dir erheben. So war es also keine Strafe – sondern Liebe. Dank dir Herr Jesus. Lob und Dank sei dir für das Leben, das du für die Sünde der Welt gegeben hast, auch für meine Sünden – und Lob und Dank für das Leben, dass du genommen hast, um mein widerspenstiges Herz zu dir zu ziehen!

Autor: Da trat der Großvater ein und lächelnd rief Ellen ihm entgegen.

Ellen: Großvater, nun ist meine Seele gesund und mir ist, als sei auch mein Körper gesund.

Autor: Der Großvater hatte es schon gesehen, denn auf dem Gesicht, das ihm entgegenleuchtete, lag der Glanz der Sonne Gottes.

Ellen: Darf ich nun Erik noch einmal sehen, nur einen Augenblick hineingehen? Das darf ich doch?

Autor: Dies konnte man ihr natürlich nicht verweigern. An Marias Arm ging Ellen in das Zimmer, wo Erik lag. Die Gäste waren schon um den Sarg versammelt und in einer kleinen Weile sollte die Feier beginnen.
Ellen blieb lange an dem Sarg stehen, unbeweglich und stumm, die Augen unverwandt auf den Toten gerichtet. Sie weinte nicht. Nur ein feuchter Glanz war in ihren Augen zu sehen. Endlich riss sie sich los. Sie legte die Hand auf die Stirn ihres Bruders und sagte leise, aber doch so laut, dass es alle hören konnten.

Ellen: Erik, so viel gehörte dazu?

Autor: Dann wurde sie in ihr Zimmer zurückgeführt.

Lieber Freund, der du noch nicht Gottes Kind bist, vielleicht fühlst auch du dich heute von Gott verstoßen, weil du seinen Ruf schon mal abgelehnt hast. Doch Gott verstößt keinen, der sich nach Frieden sehnt. Auch dich ruft er heute wieder. So komme zu Jesus. Lege deine Sündenlast bei seinem Kreuz ab. Er wartet auf dich!

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Nov 30 2007

Ich will nicht zurückbleiben!

Geschrieben von Christ under Evangelisation, Ewigkeit

Ich will nicht zurückbleiben, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit und Evangelisation für 4 Personen

Mutter: Verena, nimm doch bitte diese Äpfel und bringe sie Frau Lorenz, wir haben ja so viel geerntet.

Verena: Sicher, Mama.

Autor: Verena nahm den Korb und ging zu Frau Lorenz’ Haus. Sie schellte, aber niemand machte auf. Als Verena die Klinke herunterdrückte, öffnete sich die Tür. Seltsam! Sie war unverschlossen. Verena klopfte an die Küchentür. Keine Antwort. Sie klopfte an die Wohn- und an die Schlafzimmertür. Sie rief:

Verena: Hallo! – (zu sich) Vielleicht ist Frau Lorenz hinter dem Haus.

Autor: Aber auch dort und im Garten war niemand zu sehen, außer der Katze.

Verena: Wie sonderbar. Das ist doch gar nicht die Art von Frau Lorenz, auszugehen und alles offen zu lassen, wo sie doch sonst so sorgfältig ist. – (aufgeregt) Sollte der Herr Jesus gekommen sein und Frau Lorenz und alle wahren Christen zu sich geholt, mich aber zurückgelassen haben?

Autor: Wie betäubt sank Verena auf einen Stuhl. Jeder wusste, dass Frau Lorenz eine wiedergeborene Christin war, denn sie sprach zu den Leuten von ihrem Heiland. Auch mit Verena hatte sie oft ernste Gespräche geführt. Sie hatte ihr erklärt, wie wichtig es ist, dem Herrn Jesus seine Sünden zu bekennen, um errettet zu werden. Denn bald würde er wiederkommen und alle die zu sich nehmen, deren Sünden Er mit Seinem Blut abgewaschen hatte. Warum hatte sie nur der freundlichen Aufforderung von Frau Lorenz nicht Folge geleistet? Wie oft hatte sie sich nach solchen Gesprächen vorgenommen, den Herrn Jesus als ihren Retter und Heiland anzunehmen. Und jetzt – war es zu spät? Verena war erschrocken und verzweifelt. Einige Minuten später öffnete sich die Tür und Frau Lorenz trat ein. Verena seufzte erleichtert. Es war noch nicht zu spät.

Frau: (überrascht) Verena, wie schön, dich zu sehen. Aber wie bist du hier hereingekommen? Ich war ja schon erstaunt, dass die Tür offenstand.

Autor: Verena erzählte nun, wie es ihr ergangen war.

Frau: Dann muss Barbara mich falsch verstanden haben, als sie zur Arbeit ging und die Tür nicht zuschloss.

Verena: Ich denke, Gott wollte es so, dass die Tür unverschlossen blieb.

Autor: Als Frau Lorenz sie fragend ansah, erzählte Verena, was sie gerade erlebt hatte.

Verena: Und jetzt will ich keinen Augenblick länger zögern. Bitte, liebe Frau Lorenz, helfen sie mir, dass ich bereit bin, wenn der Herr Jesus wiederkommt.

Frau: Dann musst du jetzt mit dem Herrn Jesus sprechen.

Autor: Beide falteten ihre Hände und knieten nieder zum Gebet. Verena sagte dem Herrn Jesus, was für ein böses Mädchen sie oft gewesen war. Wie sie den Eltern manches Mal nicht gehorcht, wie sie gelogen und gestohlen hatte. Ja, alles was ihr einfiel, bekannte sie dem Heiland. Sie bat Ihn, Er möge doch alle ihre Sünden wegnehmen.

Frau: Nun dank Ihm auch, Verena.

Verena: Aber ich merke doch gar nicht, dass der Herr Jesus mich errettet hat.

Autor: Ja, zunächst hatte Verena Mühe, zu erfassen, dass der Herr Jesus ihre Sünden weggenommen hatte. Sie hatte Schwierigkeiten zu verstehen, dass der Herr “nur” auf dieses ihr ernstes Gebet gewartet hatte, um sie zu erretten. Doch bald schenkte Gott ihr die Gewissheit, sein Kind zu sein und sie konnte freudig sagen:

Verena: Ich bin Gottes Kind und nun gehe ich mit, wenn der Herr Jesu wiederkommt. Ich werde nicht zurückgelassen zum Gericht.

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Nov 25 2007

Drei Kreuze und neun Galgen

Geschrieben von Christ under Ewigkeit

Drei Kreuze und neun Galgen, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 6 Personen

Sprecher: Vor bald zweitausend Jahren waren auf Golgatha drei Kreuze aufgerichtet. Am mittleren hing Jesus Christus, der Heiland der Welt; rechts und links von ihm zwei Mörder, von denen der eine im letzten Augenblick seines sündigen Lebens Reue zeigte und um Vergebung bat, worauf ihm ein sofortiger Zugang ins Paradies zugesagt wurde. Der andere ging ungerettet hinüber in die Ewigkeit. Das Kreuz steht nicht mehr, aber die Früchte, die das stellvertretende Leiden und Sterben Christi trägt, werden immer noch offenbar. Der amerikanische Feldprediger Henry Gerecke war für die geistliche Betreuung der deutschen Kriegsverbrecher zuständig. Im August 1943 wurde er in einem großen Krankenhaus angestellt. Einige Monate später wurde er als geistlicher Pfleger der hohen Nazi- Personen während ihres gerichtlichen Verhörs angestellt. Auch seine eigenen zwei Söhne waren Opfer dieser Missetäter geworden. Als er den Nazi- Führern in ihren Zellen vorgestellt wurde, fragte er sich selber:

Gerecke: Wie muss ich diese Menschen begrüßen, die so unendlich viel Leid über die Welt gebracht haben, und die Ursache sind vom Verlust von Millionen von Leben? Wie soll ich diese Männer bearbeiten und die Saat von Gottes Wort in ihre Herzen legen, ohne selber das Wachstum zu verhindern?

Sprecher: Zuerst wurde er in Görings Zelle gebracht, dann machte er allen anderen einen kurzen Besuch. Er hatte Gott um eine Botschaft für diese Männer gebeten. Diese Menschen sollten etwas hören vom Heiland, der auch für sie am Kreuze litt und starb. Es waren 21 Angeklagte. Eine Doppelzelle wurde zu einer kleinen Kapelle eingerichtet, wo die Gottesdienste gehalten werden konnten. Ein früherer Oberstleutnant der SS war der Organist. Das einfache Evangelium vom Kreuz hatte sein Herz umgewandelt. Keitel, von Ribbentrop, Reader, Dönitz, von Neurath, Speer, Schacht, Frick, Funk, Fritzsche, von Schirach, Sauckel und Göring waren unter Gereckes Zuhörerschaft. Sie sangen drei Lieder, dann folgte eine kurze Ansprache und zum Schluss das Gebet. Nie wurden sie durch irgendetwas gestört. Sauckel war der erste, der sein Herz dem Evangelium öffnete. Er war Vater von 10 Kindern und hatte eine gläubige Frau.

Sauckel: Kann denn der Sohn Gottes mich wirklich frei machen von allen meinen Sünden? Ich habe doch so viel Schlechtes getan.

Gerecke: Sicher kann er das. Er ist doch für deine Sünden am Kreuz gestorben und wieder auferstanden, damit wir, auch du, das ewige Leben erleben können. Du musst glauben, dass er dir die Sünden vergibt, dann macht er dich ganz frei.

Sauckel: Oh, ist das schön, ganz frei zu sein, keine Schuld mehr zu haben. Oh Gott, sei mir Sünder gnädig.

Sprecher: Gott hat durch sein Wort und seinen Geist mächtig an drei weiteren Männern gearbeitet und als reuige Sünder durften sie die Vergebung um Christi willen annehmen. Keitel, der Chef der Wehrmacht, dankte Gerecke für seine geistliche Hilfe.

Keitel: Sagen sie bitte denen einen großen Dank, die daran gedacht haben, uns Verbrechern geistliche Hilfe zukommen zu lassen. Sie haben mir mehr geholfen, als sie vermuten können. Möge Christus mir beistehen!

Sprecher: Dieses sagte er unter Tränen. Dann folgte die Verkündigung der Urteile. 10 von den Männern, darunter auch Keitel, Kaltenbrunner und Göring, wurden zum Strang verurteilt. Die andern bekamen lebenslängliche Haft oder 20 Jahre Haft. Nur drei Männer wurden freigesprochen. Noch zum letzten mal durften die Verurteilten mit ihren Frauen sprechen. Es waren schwere Augenblicke für sie alle. Sauckels Frau musste versprechen, die Kinder in der Furcht des Herrn zu erziehen. Göring war einer von denen, die den Herrn noch nicht angenommen hatten. Er fragte nur nach seinem Töchterchen.

Frau: Bitte, denk doch daran, dass du jetzt bald Gott begegnen wirst. Wie willst du ihn empfangen? Tu doch Buße und lass dich versöhnen mit Gott.

Göring: Ich brauche keinen Gott. Ich habe bis jetzt ohne Gott gelebt, ich kann auch ohne ihn sterben und jetzt hör doch endlich auf, davon zu sprechen. Was sagt denn unsere Edda dazu, dass sie den Vater verurteilt haben?

Frau: Edda hofft, ihren Vater im Himmel wiederzusehen. Das Kind glaubt und du nicht. Oh, wie wird es enttäuscht sein, wenn es hört, dass du den Herrn nicht annehmen willst, dass du so kalt und hart sein kannst. Wir haben immer für dich gebetet!

Göring: Ach dieser Kinderglaube, und du bist such schon davon angesteckt. Hör doch nicht auf das Gefasel des Kindes.

Frau: Die Liebe Jesu Christi hat mich ergriffen und ich durfte die Vergebung meiner Sünden erlangen. Das Kind hat mir den richtigen Weg gezeigt und zeigt ihn auch dir. Du willst aber ohne Gott und ohne die Vergebung deiner Sünde in den Tod gehen.

Sprecher: Nach dem Gespräch mit seiner Frau war Göring gerührt und zum ersten Mal sah man Tränen bei ihm. Am Abend vor der Hinrichtung hatte Gerecke noch ein langes Gespräch mit ihm. Er wies ihn auf die Notwendigkeit hin, sich bereit zu machen, Gott zu begegnen.

Gerecke: Denken sie doch daran, dass Jesus für ihre Sünden gestorben ist. Sie können sie alle bei ihm abladen und brauchen sie nicht mit in den Tod zu nehmen. Sie müssen ihn nur darum bitten, er wartet doch darauf.

Göring: Ich brauche keinen Gott zum Sterben. Sie meinen wohl, sie werden mich weich kriegen. Das ist doch nur für Kinder und Frauen. Christus starb für sie aber nicht für mich.

Gerecke: Wie wollen sie Gott mit ihren ganzen Schulden begegnen? Haben sie denn gar keine Angst davor?

Göring: Ich kenne keine Angst. Ich habe bis jetzt nicht in Angst gelebt. Wenn ich sterbe, treffe ich keinen Gott, tot ist tot.

Gerecke: Ihr Töchterchen Edda hofft und glaubt, ihren Vater im Himmel wiederzusehen.

Göring: Das Kind glaubt auf seine Art und ich auf meine.

Sprecher: Eine Stunde später nahm Göring sich das Leben. Eine kleine Ampulle lag auf seiner Brust. So ging er hinüber in die Ewigkeit. Und dann brach auch die letzte Stunde für die neun anderen an. Zwei von ihnen gingen mit einem „Heil Hitler“ in die Ewigkeit. Die andern starben, auf Gottes vergebende Gnade trauend. Das tat Gott in dem Leben derer, die nach menschlichem Maßstab die tiefste Verachtung verdienten. Wenn du auch in der Zelle deines Gefängnisses sitzt, wenn du auch ein zum Tode Verurteilter bist, oder wenn du als eine gebundene Seele auf freien Füßen herumläufst, jedermanns Achtung genießend, es ist keine Sünde zu groß und kein Sünder zu schnöde für das Opfer, das Gott in Christus uns bot. Er hasste die Sünde und strafte sie in seinem eigenen Sohn; darum hat er den Sünder unendlich lieb, das gilt auch dir!

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Nov 22 2007

In den Tagen des Menschensohnes

Geschrieben von Christ under Ewigkeit

In den Tagen des Menschensohnes, ein christliches Anspiel zum Thema Ewigkeit für 10 Personen

Erzähler: Viele Predigten hört man in den letzten Jahren vom Nahe sein und Wiederkommen des Herrn. Noch dringender reden die Zeichen der Zeit von diesem Ereignis, eine Sprache, die nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist. Alles deutet darauf hin, dass der Tag der Wiederkunft unseres Herrn nicht mehr ferne ist. Sind wir auf dieses große Ereignis vorbereitet? Gleichen wir den Jungfrauen, die genügend Öl in ihren Lampen hatten, den Bräutigam zu erwarten und ihm mit hellen Lichtern zu begegnen? Möge der Herr bei seiner Wiederkunft uns wachend finden, einen jeden auf dem Platz, den er für uns bestimmt hat.
In einem Zugabteil befanden sich drei Männer. Professor Bitter und der Fabrikant Gutter führten ein lebhaftes Gespräch miteinander, der dritte unbekannte Mann hörte schweigend zu.

Bitter: Sieh einer an! Das ist doch der Herr Gutter, mein lieber Freund? Ich habe Sie vorhin ja überhaupt nicht erkannt, wo kommen Sie denn her?

Gutter: Wir hatten eine Besprechung und mussten etliche Geschäftsfragen klären.

Bitter: Ach so!

Gutter: Ja, ja. Sie als Arzt sind ohne Sorgen. Ihre Patienten kommen nach wie vor, aber wir.-

Bitter: Ja, stimmt genau, niemand will sich aus diesem Jammertal entfernen, und wenn die Hütte noch so baufällig ist – der Professor Bitter soll sie doch noch mal reparieren. Jeder hängt an seinem Leben.

Gutter: Werter Herr Professor, aber alles können Sie doch wohl auch nicht. Oder ist es nicht mehr wahr, was Plato gesagt hat, dass unser Wissen ein Stückwerk ist?

Bitter: Meinetwegen Stückwerk, wenn wir nur vorwärts kommen in unserem Werk. Der Krebs ist schon heilbar. Ich habe ihn zuerst geheilt.

Gutter: Was sagen Sie?

Bitter: Der Krebs ist heutzutage nicht mehr schlimmer als Schnupfen.

Gutter: Wirklich? So weit ist die Medizin schon?

Bitter: Es wird nicht mehr lange dauern, dann kann man gerade das Einfältige von dem Stückwerk aus der Bibel auslöschen.

Gutter: Ach so, in der Bibel steht das? Nun, dann ist es kein Wunder. Da stehen ja lauter Phantasien drin.

Fremder: Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten.

Gutter: (verächtlich) Wie können Sie uns mit “euch” anreden?

Fremder: Mein Herr, man sollte sich fürchten, einen Spruch aus der Bibel zu schmähen. Sie beweisen damit, dass Sie in der Bibel gar nicht zu Hause sind. Trotzdem urteilen Sie darüber. Es kommt die Zeit, wo Sie einmal alles einsehen werden. Gebe Gott, dass es für Sie beide nicht zu spät sein möge.

Gutter: Nun hören Sie mal, bester Herr, läuten Sie bloß nicht die Höllenglocken! Wer glaubt denn heutzutage noch an diesen Unfug?

Fremder: Es bleibt doch, verzeihen Sie mir, meine Herren, bei dem Wort der Bibel: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen, es ist kein Gott.“

Gutter: (erregt) Hören Sie mal, das ist doch eine Frechheit! Was erlauben Sie Sich eigentlich?

Fremder: Bitte, regen Sie Sich doch nicht auf. Wenn Sie die Ehre meines Herrn antasten, dann kann ich nicht schweigen. Die Ehre meines Heilands, der mich mit Seinem Blut erkauft hat, der mich glücklich und selig gemacht hat… Meine Herren, bei Jesus hat man es wirklich gut. Bei Ihm allein ist wahrer Friede und dauerhaftes Glück zu finden. Weder Ihre Wissenschaft, noch Ihr Geld wird Ihnen ein Trost sein, wenn Sie sterben müssen, oder wenn der Herr kommt. Meine lieben Herren, bedenken Sie es doch, mit Seinem Blute hat der Herr auch für Sie bezahlt, und Sie verachten dies teure Blut. Ich bitte Sie, tun Sie es nicht mehr länger. Wir haben doch so einen herzlichen Heiland! (geht weg)

Gutter: Das war ja eine ganze Predigt!

Bitter: (erschrocken) Was ist denn das?

Gutter: (etwas erregt) Der Zug ist am bremsen – und hält an.

Bitter: Wir sind doch noch nicht da?

Gutter: Wir sind noch auf freier Strecke!

Bitter: Was soll denn das? Warum hält der Zug? (schaut auf die Uhr) Zwei Minuten nach Mitternacht. (der Schaffner kommt) Haben wir kein Einfahrtssignal, Herr Schaffner?

Schaffner: Der Lokomotivführer ist verschwunden.

Gutter: Was heißt das “verschwunden”? Der Kerl ist sicher betrunken gewesen und heruntergefallen.

Schaffner: Der und betrunken? Nein, das gab’s bei ihm nicht. Sein Gehilfe sagt, er sei in einem Nu verschwunden und dann hat der Gehilfe sofort den Zug angehalten.

Frau: (tritt erschrocken ein und in solchem Zustande redet sie) Herr Schaffner, wo ist mein Kind? Meine Tochter ist weg. Luise! Sie ist verschwunden und noch etliche aus unserem Fahrwagen.

Schaffner: Sie müssen doch gemerkt haben, wie das Kind verschwunden ist?

Frau: Nein, das ist es ja gerade. Ich habe etwas geschlafen. Als der Zug plötzlich anhielt bin ich aufgewacht. Ich schaute mich nach meiner Tochter um, konnte sie jedoch nirgends entdecken. Sie ist einfach verschwunden, spurlos verschwunden.

Bitter: Das gibt’s doch gar nicht. Hier fehlt jemand, dort fehlt jemand. Was soll das bloß heißen? Auch der unbekannte Mann aus unserem Abteil ist nicht mehr da!

Erzähler: Dem Professor war es, als ob eine kalte Hand nach seinem Herze griff. Der Zug fuhr endlich weiter. Professor Bitter saß still in einer Ecke des Abteils mit geschlossenen Augen. Was mochte das alles zu bedeuten haben? Sollten seine Frau und seine Tochter doch recht gehabt haben? Wie oft hatte seine Frau unter Tränen versucht, ihm von der Liebe Jesu zu berichten, aber er hatte sie dann nur aus seinem Zimmer geschoben und gesagt: “Ich habe für solche Dinge keine Zeit!” Seine Frau, ja sie war eine gute Hausfrau, eine so sorgsame Gattin, eine so liebende Mutter gewesen. Ob wirklich dieser Jesus auch seinem Herzen Frieden geben könnte? Der Zug fuhr endlich in den Bahnhof ein. Professor Bitter suchte so schnell wie möglich einen Wagen, und voller Ungeduld ging es dem Hause zu. Zu Hause angekommen machte Bitter schnell die Rechnung für die Fahrt, dann öffnete er mit zitternder Hand die Haustür. Jetzt wird er die Zimmertür aufgehen hören, und seine Frau, seine liebe Marta wird ihn begrüßen und willkommen heißen, wie sie es sonst getan hatte. aber – nein -… Die Wohnzimmertür öffnet sich nicht. Eine Unruhe steigt in ihm hoch. Er hört seinen eigenen Herzschlag. Sollte der schreckliche Augenblick wirklich da sein? Hastig legt er seinen Mantel ab und geht ins Wohnzimmer. Die Lampe brennt auf dem Tisch, das Zimmer ist leer. Ihm wird bange ums Herz; die Stille ist grausam. Kalter Schweiß perlt von seiner Stirn. Er eilt ins Schlafzimmer – Marta! – keine Antwort. Er macht das Licht an. Die Betten sind leer. Was mag das alles bedeuten? Er ruft laut außer sich. Nur das Echo dringt aus dem großen Wohnzimmer, dann wieder alles still. Eine Grabesstille. Jetzt eilt er ins Obergemach. Mit einigen hastigen Sätzen springt er die Treppe hinauf, klopft an die Tür und betritt das Dienstmädchenzimmer.

Bitter: (erregt) Sophie, wo ist meine Frau? Wo ist Edith?

Sophie: Herr Professor, die beiden Frauen saßen im Zimmer, als ich zu Bett ging. Der junge Herr ist ausgegangen. Er wollte in die Schenke gehen, wie ich hörte.

Bitter: Sophie, meine Frau ist nicht da, meine Tochter auch nicht! Da muss ein Unglück geschehen sein. Still, unten geht die Haustür auf, das wird sie sein.

Erzähler: Aber es war nur Werner, sein Sohn. Er arbeitete nicht, trieb sich gewöhnlich in den Kneipen herum und verzehrte so das Geld seines Vaters. Kein Wunder, dass Bitter nicht viel von seinem Sohn hielt, doch in diesem Augenblick war es eine Seele, mit der er seine Angst teilen konnte. Eilend stieg er hinunter.

Werner: Guten Abend, Vater, von der Reise schon zurück?

Bitter: Werner, wo ist Mutter?

Werner: Mutter, woher soll ich das wissen? Bin doch selbst eben nach Hause gekommen.

Bitter: Werner, die Mutter ist verschwunden und Edith auch.

Werner: Verschwunden? Vater, du machst wohl Witze?

Bitter: Junge, sehe ich nach Spaß aus?

Werner: Nein, natürlich nicht. Aber was soll das Ganze?

Bitter: Schau her, ihre Sachen sind alle da, Hut und Mantel. Ausgegangen sind sie also nicht.

Sophie: (kommt) Sind die beiden noch nicht da?

Bitter: Nein.

Sophie: Gleich nach 8 Uhr ist Ihre Frau und Ihre Tochter zur Bibelstunde zu Pastor Willmann gegangen. Von da kamen sie aber zurück und hielten sich im Wohnzimmer auf. Als ich sie um 10 Uhr verließ, lasen sie noch in der Bibel.

Bitter: Werner, komm setz dich einmal hin. Ich will dir sagen, weshalb ich so erregt bin. Du weißt, deine Mutter hat oft davon gesprochen, dass jeder Mensch sich bekehren muss. Sie meinte, ohne eine Übergabe des eigenen Lebens an Jesus Christus, sei es unmöglich, Vergebung der Schuld und ewiges Leben zu bekommen. Sie hat oft gesagt, dass jeder Mensch seine Seele vorbereiten muss; entweder für den Tod, oder aber für die Entrückung, wo der Herr in einem Augenblick alle Bekehrten zu sich holt. Hör zu, Werner, wir können nicht so weiterleben wie bisher. Unser Leben muss sich ändern.

Werner: Bitte, Vater, halte keine Moralpredigt. Es hat bei mir doch keinen Zweck.

Bitter: Werner, wir leben in der Sünde! Es darf nicht so bleiben. Gott wird uns zur Verantwortung ziehen.

Werner: Entschuldige, Vater, aber du bist so komisch.

Bitter: Warum?

Werner: “Warum” fragst du? Ich will dir sagen warum. Warst nicht du es, Vater, der mir den Glauben raubte? Sagtest nicht du es, dass die Religion nicht für solche Herrschaft, wie wir es sind, sei? Warst nicht du es, der stets über das Beten der Mutter lachte und spottete? Wer hat mir meinen Kinderglauben genommen? Wer anders, als du? Als ich zum seligen Pastor Berghausen in den Unterricht ging und mich bemühte, ein Leben mit Gott zu führen, wer hat mir da Extrastunden gegeben, dem Pastor entgegen zu arbeiten? – Du kannst zufrieden sein, Vater, dein Werk ist dir gelungen. Ich war ein gelehriger Schüler. Ich bin längst mit dem Glauben fertig geworden. Keine Spur ist davon übriggeblieben. Du hast ihn gründlich beseitigt. Das hast du erreicht. Besser bin ich durch deinen Unterricht nicht geworden, glücklicher auch nicht. Ich habe die Welt genossen. Alles ist öde und leer. Und du willst mir jetzt Moral predigen? Und wenn ich, wie die Mutter gesagt hat, verloren gehe, dann Vater, bist du schuld. Und wenn es eine Hölle gibt für solche Menschen wie du und ich, dann werde ich in der Hölle noch sagen: “Du bist schuld!”  (der Sohn geht weg)

Bitter: O, schreckliche Wahrheit – er hat recht! Ich bin schuld.

Erzähler: Professor Bitter saß noch lange da und weinte. Dann faltete er seine Hände und legte seine tränenvollen Augen darauf. Der allwissende Gott sah den Zustand dieses Mannes und wusste wohl, was dieser zusammengebrochene Mann wollte. Der Professor wurde ruhiger. Sein Leben zog an ihm vorüber, jener schöne Tag kam ihm in den Sinn, an dem er Marta fragte, ob sie seine Frau werden wollte. Da bekam er das Ja – Wort, aber er war nicht gläubig. Oh, damals versprach er ihr alles zu glauben, auch zur Kirche zu gehen. Und wie hatte er sein Versprechen gehalten? Wie oft hätte es Streit zwischen ihnen gegeben, wenn sie nicht Hut und Mantel hingelegt hätte und gesagt: „Ich kann ja auch zu Hause bleiben, wenn du mit uns den Abend verbringen willst.” Und er war dann doch nicht bei Ihr geblieben. Mehr und mehr schloss sie sich an ihre Tochter Edith. Nun, die Tochter, das ließ er sich noch gefallen, aber der Sohn sollte kein Gläubiger werden. Und was war aus ihm geworden? Ein Jüngling erst, aber ausgelaugt und abgelebt wie ein Greis. Und das war seine Schuld. Wie mag die Mutter doch gelitten haben, als sie die Entwicklung ihres Sohnes sah? Daher kam wohl das frühe Ergrauen ihres Haares. Wie oft hatte Bitter, wenn er zur ungewohnten Stunde in ihr Zimmer eintrat, sie betend vorgefunden. Da betete sie auch für ihn, der ihr das Leben verdorben hatte, der ihr das Glück stahl. Ja, diese treue Frau war jetzt nicht mehr da. Nur er und sein Sohn, aber daran war er schuld. Und schuldbewusst kam aus der Tiefe seines Herzens ein Gebet: „Gott, Du Heiland meiner Frau und meiner Tochter, sei Du auch meiner Seele ein Heiland! Kann so ein Mensch wie ich Vergebung erlangen?” Noch lange rang Bitter in diesem Zustand. Der Morgen graute schon als er sich endlich von seinen Knien erhob. Seine Gelenke waren wie erstarrt. Er machte sich auf die Suche nach seinem Sohn. Im Vorbeigehen warf er einen Blick in den Spiegel. Was war denn das? Diese eine Nacht hatte sein Haar schneeweiß werden lassen. Doch er kam nicht weit. Eilends wurde er zu einem Selbstmörder gerufen, der sich die Pulsadern aufgeschlitzt hatte. Der Mann schrie laut: „Ich bin schuld. Meine Frau hatte doch recht mit ihrem Gott und Jesus. Und nun ist sie verschwunden.” Ich will euch sagen wo sie ist” sagte Bitter zu den Umstehenden. Sie ist daheim bei dem Herrn Jesus. In dieser Nacht um 12 Uhr hat der Herr alle Frommen weggeholt in den Himmel. Wir aber    sind wegen unserer Sünden zurückgeblieben.“ Währenddessen machte er Arzthilfe an dem Verwundeten und dann verließ er das Haus. Auf den Straßen herrschte eigentümliche Unruhe. Arbeiter, die zur Fabrik gingen, kehrten wieder um, weil die Fabrik geschlossen war. Da fehlte ein Betriebsführer, da ein Maschinenaufseher, da mehrere Meister, und dort Arbeiter, kurz, überall Lücken. Und gerade die fehlten, die sonst am zuverlässigsten und am treuesten waren. Lauter nüchterne, ordentliche, ruhige Leute. Zu Hause angekommen, fragte ihn Sophie erschrocken, was mit dem Professor geschehen sei, denn sie sah sein schneeweißes Haar. Sie setzten sich und Bitter erzählte ihr seine Erlebnisse. “Sophie, meine Frau und meine Tochter sind wirklich fort. Sie sind daheim beim Herrn” sagte er langsam. Sophies Herz war tief erschüttert. Nach dem Kaffee entschloss sich Bitter zu Pastor Willmann zu gehen, wo seine Lieben gestern Abend gewesen waren. War das wirklich gestern Abend? Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Was hatte er seit gestern Abend nicht alles erlebt und erlitten.

Bitter: (im Hause Willmanns) Guten Morgen!

Diener: Guten Morgen.

Bitter: Ist Pfarrer Willmann schon zu sprechen?

Diener: Die Eheleute Willmann sind noch oben, sie müssten aber jeden Augenblick herunterkommen. Wen darf ich melden?

Bitter: Professor Bitter.

Diener: Bitte, nehmen Sie Platz.

Bitter: Also doch zurückgelassen. Ich hätte gedacht, dass er auch entrückt wäre. Ja, ja, dieser fromme Mann.

Diener: (erregt) Herr Professor, Familie Willmann ist nicht da. Die Betten sind leer, auch die Kinder fehlen. Was soll das bloß bedeuten?

Bitter: Sie sind beim Herrn. Ja, ja, das war ein frommer Mann, der Pastor Willmann. Sie sind entrückt.

Diener: Entrückt, entrückt? – Dann sind wir zurückgeblieben und ich war doch auch mal bekehrt. O mein Gott.

Erzähler: Nun ging Bitter zu Pastor Quante, seinem guten Freund. Dem Pastor Willmann war er bisher aus dem Weg gegangen, aber mit Pastor Quante verstand er sich besser. Er ist gewiss zu Hause. Richtig. Aber der Küster war auch schon bei ihm. Was der wohl wollte?

Quante: Herr Professor, was wollen Sie bei mir? Ich bin der elendste Mensch auf dieser Erde. Mein Leben ist verloren und wertlos. Ich bin ein blinder Blindenleiter gewesen. O Herr Professor, Sie können es nicht verstehen, Sie wissen nicht, was das heißt, das ganze Leben verloren zu haben.

Bitter: Ich verstehe Sie vollkommen, Herr Pastor. Ich bin genau in Ihrer Lage. Ich habe auch ein verlorenes Leben zu beklagen. Die Wissenschaft, der Ruhm, das waren unsere Götzen, bei Ihnen, wie bei mir. Herr Pastor, es ist jetzt zu spät.

Quante: Es ist zu spät, hören Sie nur, was der Küster mir heute früh schon erzählte. Er war früh morgens zum Kirchhof gegangen um nachzusehen, ob das Grab für den Klostermeister schon fertig wäre, denn er sollte heute begraben werden. Dort angekommen fiel er fast in Ohnmacht vor Schrecken. Er behauptete, dass wenigstens 50 – 60 Gräber offen, die Grabsteine weggewälzt und die Gräber leer seien. Ich habe den Küster noch nie in solchem Zustand gesehen. Er wusste nicht, was dies zu bedeuten hatte. Ich weiß es aber genau. Die Entrückung ist geschehen, und wir sind zurückgeblieben, wie schreck-lich!

Bitter: Die Toten in Christo werden zuerst auferstehen, schreibt Paulus. Wir haben das Größte der Weltgerichte miterlebt, aber wir waren nicht bereit. Ach, Herr Pastor, es war eine entsetzliche Nacht, auch für mich. Meine Frau und Tochter sind daheim. Mein Sohn und ich sind zurückgeblieben.

Quante: Ach, lieber Herr Professor, was sollen wir denn tun? Helfen Sie uns doch.

Bitter: Ich kann Ihnen nicht helfen.

Erzähler: Professor Bitter ging nach Hause. Auf den Straßen war ein großes Durcheinander. Sparkassen und Kaufhäuser wurden geplündert. Die Polizei war machtlos. Professor Bitter kam traurig nach Hause. Zu Hause angekommen, nahm er die Bibel und las: „Von der Zeit aber und Stunde, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben, denn ihr selbst wisset gewiss, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht“. Er las noch weiter, aber er konnte es nicht fassen. Es war jetzt deutlich, dass die Bibel recht behalten hatte. Die biblischen Prophezeiungen hatten sich erfüllt, und er hatte sich darüber lustig gemacht.
Über das Sinnen und Nachdenken hörte Bitter die Kirchenglocken läuten. Im Kirchenzettel stand, dass Pastor Willmann heute im Hauptgottesdienst predigen würde. Viele kamen zum Gottesdienst. Auch Bitter machte sich auf den Weg. Nein, die Zuhörer würden heute wohl enttäuscht werden. Pastor Willmann war nicht mehr da. Pastor Quante würde die Vertretung machen. Und so war es auch. Die Kirche war überfüllt. Da trat Pastor Quante vor den Altar, merkwürdig blass. Er beugte seine Knie zum Gebet, was er sonst nicht tat. Nach dem Gebet las er aus der Bibel: „Gleich aber, wie es zur Zeit Noahs war, also wird auch die Zukunft des Menschensohnes sein. Denn gleich wie sie waren in den Tagen der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah in die Arche einging und sie achteten nicht, bis die Sintflut kam und sie alle dahin nahm. Also wird auch die Zukunft des Menschensohnes sein. Da werden zwei auf dem Felde sein, einer wird angenommen, der andere wird verworfen werden; zwei werden mahlen auf der Mühle, einer wird angenommen, der andere wird verwarfen werden“ Da fing er an zu reden: „Meine Freunde, ich muss euch etwas bekennen. Alle Jahre, die ich Pastor dieser Gemeinde gewesen bin, bin ich ein Mietling, aber nicht ein Hirte gewesen. Ich habe euch gepredigt, und bin selbst verwerflich geworden. Ihr wisst, dass mein ganzes Leben verfehlt ist. Alle meine Predigten waren ohne Saft und Kraft. Ich habe Lob und Ehre gesucht für meine Person. Pastor Willmann ist nicht mehr unter uns. Der Herr hat seinen treuen Knecht heimgeholt. Wir aber sind zurückgeblieben.“
Anfänglich hörte man, wie Männer und Frauen schluchzten und weinten, dann aber gab es ein großes Durcheinander. Da kamen Beschuldigungen, Vorwürfe, Spotten und Lachen. Es brach dem alten Bitter fast das Herz. Er versuchte Pastor Quante zu verteidigen, denn schon hatte man eine Flasche Branntwein nach ihm geworfen. Pastor Quante und Professor Bitter entfernten sich schnell, denn es war in der Kirche, als wäre die Hölle entbrannt.

Quante: O, Herr Professor, was ist das? Haben sie je so etwas erlebt?

Bitter: Nein, aber wir werden noch schrecklicheres erleben. Dies ist erst der Anfang. Der Herr hat das Salz, seine Gemeinde, von dieser Erde hinweg genommen.

Quante: Ich möchte gerne noch gutmachen was ich verdorben habe.

Bitter: Ja, das möchte ich auch, aber es ist zu spät. Auf Wiedersehen. (Der Professor reicht dem Pastor die Hand und geht)

Erzähler: Draußen ging die Sonne unter. Ihr zarter Schein umstrahlte die höchsten Gebäude der Stadt. Professor Bitter eilte zu Pastor Quante, wie sie besprochen hatten. Beide wollten sich noch einmal sprechen. Auf den Straßen standen noch immer gruppenweise Menschen. Aus den überfüllten Wirtshäusern kamen andere dazu. Viele ballten ihre Fäuste und lästerten alle Frommen und die noch geistlich gesonnen waren. An polizeiliche Hilfe war nicht zu denken, denn es war nirgends ein Schutzmann zu sehen. Das Volk war bis zum Wahnsinn aufgebracht. Man wollte Rache nehmen an den Frommen, die an dem Elend so vieler Trennungen schuld sein sollten. Als erster sollte Pastor Quante seinen Lohn bekommen und dann Professor Bitter. Professor Bitter hatte das Haus des Pastors beinahe erreicht, als er eine Menschenmenge herankommen sah. “Was ist denn los?” fragte er die Herbeieilenden. “Nieder mit den Frommen!” brüllte man ihm entgegen. Einen Augenblick stand der Professor regungslos da, dann sprang er auf eine Treppenstufe und rief so laut er konnte der Menschenmenge zu: „Liebe Leute, der Herr hat Seine Frommen hinweg genommen, aber wir waren nicht bereit, und jetzt sind wir auf ewig…”  Ein Stein, der ihn an die Stirn traf, machte seiner Rede ein schnelles Ende. Die Menschenmenge schlug wie wild mit Steinen auf ihn ein. “Nieder mit den Frommen” hörte man überall schreien. Dann stürmten sie das Pastorhaus, wo Pastor Quante ein ähnlicher Tod widerfuhr. Der Anführer dieser Menge war der junge Bitter. Ihm war bewusst geworden, was es heißt, für immer verloren zu sein.
Diese Begebenheit ist nur ein Sinnbild der Entrückung der Kinder Gottes. Aber wie überraschend wird sie viele Menschen treffen? Wie viele werden sich in der Situation des Professor Bitter wiederfinden? Die Bibel spricht davon, dass dieser Tag wie ein Dieb in der Nacht plötzlich da sein wird. Dann wird offenbar werden, welches Verhältnis wir zu Jesus hatten. Dann wird keiner mehr danach fragen, wie gut wir es verstanden haben, Geld zu machen und unser Leben abzusichern, Zukunftspläne zu schmieden und unsre Persönlichkeit zu entfalten. Das einzige, was dann noch zählt ist die Frage: „Steht mein Name im Buche des Lebens? Habe ich auf diesen großen Tag hin gelebt?” Und dieser große Tag kommt immer näher. Bald wird es Wirklichkeit sein, und wir stehen alle vor dem großen Herrn. Wie wirst du ihm entgegentreten? Wie wirst du ihm begegnen?

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