Jun 16 2008

Eile mit Weile

Geschrieben von Christ in Kindergeschichten

Eile mit Weile, eine christliche Kindergeschichte

Ein Kaufmann hatte auf der Messe gute Geschäfte gemacht, alle Waren verkauft und seinen Geldbeutel mit Gold- und Silberstücken vollgestopft. Er wollte sich jetzt auf den Weg machen, um vor Einbruch der Nacht zu Haus zu sein. Er packte also den Mantelsack mit dem Geld auf sein Pferd und ritt fort. Zu Mittag rastete er in einem Gasthof in einer Stadt; als er weiterreisen wollte, führte ihm der Hausknecht das Ross vor, sprach aber: »Herr, am linken Hinterfuß fehlt im Hufeisen ein Nagel.« - »Lass ihn fehlen!« erwiderte der Kaufmann, »die sechs Stunden, die ich noch zu reiten habe, wird das Eisen wohl festhalten. Ich bin in Eile.« Nachmittags, als er wieder abgestiegen war und dem Pferd Futter geben ließ, kam der Knecht in die Stube und sagte: »Herr, es fehlt am linken Hinterfuß das Hufeisen. Soll ich es zum Schmied führen?« - »Lass es fehlen!« antwortete der Herr, »die paar Stunden, die noch übrig sind, wird das Pferd wohl aushalten. Ich bin in Eile.« Er ritt fort, aber nicht lange, so fing das Pferd zu hinken an. Es hinkte nicht lange, so fing es an zu stolpern, und es stolperte nicht lange, so fiel es nieder und brach sich ein Bein. Der Kaufmann musste das Pferd liegenlassen, den Mantelsack anschnallen, ihn auf die Schultern nehmen und zu Fuß nach Hause gehen, wo er erst spät in der Nacht ankam. »An allem Unglück«, sprach er zu sich selbst, »ist der dumme Nagel schuld.« Eile mit Weile!-
Stimmt das, liebe Kinder, hat der Nagel an allem schuld? - Nein, natürlich nicht. Wie kann denn ein Nagel an dem Unglück schuld sein? Der Kaufmann war schuld, weil er nicht zur rechten Zeit in Ordnung brachte, was kaputt gegangen war. So geht es uns auch, wenn wir irgendetwas getan haben, was nicht in Ordnung ist und es auf die lange Bank schieben. Nein, wir sollen gleich zu dem Herrn Jesus kommen und es von ihm wieder in Ordnung bringen lassen. Darum: Was du heute kannst besorgen, das verschieb nicht auf morgen.

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Jun 16 2008

Gott lässt sich nicht spotten

Geschrieben von Christ in Kindergeschichten

Gott lässt sich nicht spotten, eine christliche Kindergeschichte

Der Bauer Johannes fragte nicht viel nach Gott und auch nicht danach, was die Eltern und Großeltern sagten. Eines Sonntags sah er im Westen große Regenwolken aufkommen. Deshalb rief er seine Knechte und Mägde zusammen und sagte: „Rasch hinaus aufs Feld, es kommt Regen. Wenn wir uns beeilen, dann bekommen wir noch tausend Garben Korn trocken in die Scheune!“
Das hörte seine Großmutter, die schon achtzig Jahre alt war und sich nur mühsam an Krücken fortbewegen konnte. „Johannes, Johannes!“ rief sie ermahnend, „solange ich denken kann, wurde in unserem Tal noch nie am Sonntag eine Garbe Korn vom Feld geholt. Es ist der Tag des Herrn, und wir sollen den Feiertag heiligen. Wenn es regnet, so wird der Herr auch wieder Sonnenschein geben, und später kannst du das trockene Korn einfahren.“
Bei diesen Worten der Großmutter standen die älteren Erntearbeiter ganz ernst da und nickten zustimmend mit dem Kopf. Aber die Jungen lachten und riefen übermütig: „Altes Weibergeschwätz!“ Johannes sagte: „Großmutter, sei nicht böse. Die Zeiten haben sich geändert, und alles Neue muss zum ersten mal geschehen. Unser Herrgott wird uns deshalb nicht böse sein. Ob wir nun heute schlafen oder am Montag, die Hauptsache ist doch, das Korn ist unter dem Dach. Was wir eingefahren haben, das ist wohlbehalten in der Scheune, deswegen brauchst du dir keinen unnötigen Kummer zu machen.“
„Johannes“, sagte die Großmutter, „lass heute das Korn draußen; sonst könnte es sein, dass wir das ganze Jahr kein Brot zu essen haben werden.“
„Aber mach dir doch nur keine Sorgen, Großmutter“, lachte übermütig Johannes, „wenn wir das Korn unter dem Dach haben, dann feiern wir lustig, und die Knechte können mit den Mägden ein Fässchen Wein trinken.“
„Johannes, mein Junge, denke daran“, sagte die fromme Frau, „die Gebote Gottes bleiben für alle Zeit die gleichen, Himmel und Erde werden vergehen, aber des Herrn Wort nicht. Wenn du das Korn unter dem Dach hast, was hilft es dir, wenn du dabei das Gebot Gottes übertreten hast.“ „Um meine Seele brauchst du dich nicht zu kümmern!“ rief Johannes, „Auf! Burschen und Mägde, geht schnell aufs Feld, hurtig das Korn gebunden, was das Zeug hält und dann alles hinein in die Scheune, der Regen wartet nicht, und unsere Arbeit muss schnell getan werden.“ - „Johannes, Johannes“, rief die Großmutter noch einmal, aber es nützte nichts. Sie weinte und betete für die Erntearbeiter und ihren Enkelsohn.
Die Großmutter hatte ihren Enkelsohn umsonst gewarnt. Die Knechte und Mägde eilten auf das Feld, noch schien die Sonne am blauen Himmel, und die Tauben gurrten auf den Zweigen. Die Schnitter mähten das Korn mit der Sense, die Mägde brachten Körbe mit Brot und Wein auf das Feld und halfen den Knechten beim Binden der Garben, die auf den großen Erntewagen geladen wurden. Fuder um Fuder fuhren die Knechte in die Scheune. Alles schien gutzugehen, und ehe die ersten Tropfen vom Himmel fielen, war der letzte Wagen mit Korn in der Scheune.
Ein heftiger Regen begann, das Wasser prasselte auf die Straße und bildete kleine Sturzbäche. „Siehst du, Großmutter“, triumphierte Johannes, als er mit seinen Arbeitern in die Stube trat, „jetzt ist die Ernte unter Dach und Fach, jetzt mag es hageln und donnern wie es will, wir haben alles trocken in die Scheune eingebracht!“
„Johannes, aber über deinem Dach ist Gottes Dach!“ sagte die Großmutter feierlich, dabei hob sie flehentlich ihre Hände empor.
Plötzlich leuchtete es hell auf! Ein mächtiger Blitzschlag erschütterte das Haus. Es krachte, als würden Millionen Splitter durch die Luft fliegen.
„Großer Gott, es hat eingeschlagen!“ rief der erste, der reden konnte. Alles stürzte zur Tür hinaus.
Das Haus stand in hellen Flammen, in der Scheune brannte das eingebrachte Korn lichterloh. Alles stürzte in panischer Furcht aus dem Haus. Die alte Mutter rettete sich mit ihren Krücken in die Kirche und betete: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nehme doch Schaden an seiner Seele. Dein und nicht mein Wille geschehe, o großer Vater im Himmel.“ Das Haus und die Scheune brannten bis auf den Boden nieder, nichts konnte man retten. Der trotzige Bauer war ganz von Sinnen, er konnte nur noch vor sich hinlallen: „Ich hab es unter meinem Dach gehabt. Aber über deinem Dach ist des Herrn Dach. Was ich vor dem Regen gerettet habe, das hat der Blitz mir erschlagen“, und er weinte ganz bitterlich.
„Ja“, sagten die Leute im Dorf, „es stimmt gewiss: Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“

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Jun 16 2008

Gott sorgt

Geschrieben von Christ in Kindergeschichten

Gott sorgt, eine christliche Kindergeschichte

In der Nähe der polnischen Hauptstadt Warschau lebte in einem Dorf ein deutscher Bauer mit Namen Dobry. Dieser Bauer hatte eine große Familie, und immer so viel zum Leben, wie er gerade brauchte. In seinem Hause herrschte ein wunderbarer Friede Gottes. Täglich lasen der Bauer und die Bäuerin aus der Heiligen Schrift und beteten zum Schöpfer aller Dinge. Obwohl der Bauer dem Gutsbesitzer sehr viele Steuern bezahlen musste, waren die Eltern und die Kinder immer zufrieden, denn sie hatten stets genug, um satt zu werden.
Wenn es Herbst wurde und bald der Winter kam, bekamen die Dobrys stets einen seltsamen Gast. Ein alter Rabe, den schon der Großvater aus einem Nest genommen und gezähmt hatte, kam jährlich über die Winterszeit, wenn auf den Feldern wenig zu finden war in Dobrys Haus, um dort sein Winterquartier zu beziehen. Er spazierte dann sehr ernst und besonnen auf Tischen und Bänken umher und setzte sich manchmal auf die Schultern des Bauern oder seiner Kinder. Der Rabe war ein angenehmer Gast und bereitete der Familie viel Freude.
Während eines Sommers, zu der Zeit, da das Korn gut stand, zerstörte ein fürchterlicher Hagelschlag den größten Teil der Ernte. Der Bauer konnte kaum den vierten Teil des Getreides abliefern. Deshalb verkaufte er seine beste Kuh und später einen guten Acker, um die nötigsten Ausgaben bestreiten zu können. Aber das Geld reichte nicht, deshalb borgte sich Dobry von einem reichen Mann noch Geld.
Dieser Mann war ein ekelhafter Geizhals und ein geldgieriger Halsabschneider. Er forderte hohe Zinsen und lieh dem Bauern nur deshalb das Geld, um sich später den gesamten Besitz der Dobrys anzueignen.
Auch im nächsten Jahr gab es keine gute Ernte, und als es Winter wurde, bestand der Geizhals darauf, sein Geld zu bekommen. Der Bauer bat den hartherzigen Mann, doch noch bis zum Frühjahr zu warten, damit er seinen Bauernhof günstig verkaufen könne, um später nach Russland auszuwandern. - Doch der Geizhals ließ nicht mit sich reden. Er holte die Gerichtsdiener und nahm den Dobrys die letzte Kuh und die Wohnungseinrichtung samt den Betten fort. Er drohte ihnen sogar, er würde sie ins Gefängnis werfen lassen, wenn nicht bis zu einer bestimmten Zeit alle Schulden bezahlt wären.
Der Bauer Dobry kam sich ganz von Gott verlassen vor. Es lässt sich kaum beschreiben, welch ein großer Jammer in die friedliche Hütte der frommen Leute eingekehrt war. Dobry hatte kein Geld, um Brot für die Familie zu kaufen. Bald würde der Winter seinen Einzug halten, und woher sollte der Vater Holz und Kohlen zum Heizen nehmen? Wenn er aber nun auch noch bei strengem Frost mit Frau und Kindern sein kleines Haus verlassen müsste, wohin sollte er gehen? Man hatte schon alle Stühle und Bänke im Herd verbrannt, um die letzten Kartoffeln kochen zu können. Da erinnerten sich die Kinder des alten Raben, ob er in diesem Winter wiederkommen würde? Eines Morgens sprangen die Kinder von ihrem armseligen Strohlager auf und eilten an das Fenster. Sie hatten das Krächzen des Raben gehört. Da saß das treue Tier in den Ästen des alten Nussbaumes und flog gleich in das Fenster hinein, das ihm die Kinder öffneten. Nach langer Zeit hörte man wieder in der Hütte des armen Bauern ein riesiges Freudengeschrei. Auch der Bauer freute sich von ganzem Herzen: „Komm nur herein“, sagte er, „du findest zwar alles sehr verändert, aber wir haben dich genauso lieb wie eh und je. Falls noch ein Stückchen Brot zu finden ist, sollst du es haben“, dabei streichelte er den schwarzen Vogel. „Es wird das letzte Mal sein, wo du uns noch lebend antriffst, aber du erinnerst uns an bessere Tage, die wohl nicht wiederkommen werden. Wenn der alte Geizhals einst das Haus besitzen wird, kannst du hier keine Unterkunft mehr bekommen.“ Bei diesen traurigen Worten fingen die Mutter und ihre Kinder an zu weinen, auch dem alten Dobry standen die Tränen in den Augen.
Der Rabe schien etwas von der notvollen Situation zu spüren, mit großer Verwunderung sah er sich das ausgeräumte Haus des Bauern an. Er blickte ganz erstaunt auf die weinenden Kinder und Eltern und sprang von einem Balken zum anderen. Von dem kärglichen Brot, das ihm die Kinder reichten, fraß er nichts. Er sprang auf das Fensterbrett und hackte mit dem Schnabel an die Scheibe. Als die Kinder ihm öffneten, flog er eilig davon, man sah in tagelang nicht mehr.
Die Kinder sagten: „Es hat ihm bei uns bestimmt nicht mehr gefallen!“ - „Er hat auch kaum etwas gefressen!“ - „Ob er überhaupt noch einmal wiederkommt?“
Der hartherzige Geizhals hatte einen bestimmten Tag festgesetzt, an dem der Bauer Dobry das Geld zurückgezahlt haben sollte. Der Winter wurde immer härter, meterhoch lag der Schnee auf den Feldern und Straßen, das Brot wurde immer teurer, und die Dorfbewohner wollten dem Bauer Dobry nicht helfen. Sie lachten vor Schadenfreude über das Unglück des armen Mannes und tuschelten untereinander: „Wo ist denn nun sein Vater im Himmel? Gott hilft ihm auch nicht. Wahrscheinlich gibt es gar keinen Gott im Himmel.“ Viele lästerliche Reden hielten die Menschen im Dorf.
Der Bauer Dobry und seine Familie vertrauten aber trotzdem auf Gottes Hilfe, täglich las der Bauer einen Abschnitt aus der Bibel. Danach knieten alle nieder und beteten zum himmlischen Vater. Eines Abends wanderte die ganze Familie Dobry zu dem geizigen Mann. Der Bauer dachte: Wenn der reiche Geizhals meine kleinen Kinder sieht, wird er sicher nachgeben und mir die Schulden weiterhin stunden.
So kamen sie in des Reichen Haus und baten den hartherzigen Geldgeber um etwas Geduld, sie würden so schnell wie möglich das Geld im Frühjahr zurückzahlen.
Aber der reiche Mann sagte hart: „Nein, ich bin kein Armenpfleger, wenn das Geld nicht in sieben Tagen zurückgezahlt ist, werfe ich euch aus dem Haus heraus! Jetzt verschwindet hier aus meiner Wohnung, damit ich meine Ruhe habe.“
Als der Bauer mit seiner Familie wieder daheim war, sagte er zu seiner Frau: „Maria, es war alles umsonst, in acht Tagen wirft uns dieser böse Mensch gewiss aus der Wohnung. Vielleicht muss ich noch ins Gefängnis, und ihr werdet von Tür zu Tür gehen, um euch das tägliche Brot zu erbetteln. Mach dir und den Kindern Brotsäcke, die ihr umhängen könnt und schnitzt euch einen Bettelstab. Ich kann euch nicht mehr helfen.“
Alle begannen zu weinen, als gerade vom Kirchturm das feierliche Läuten zum Abendgebet rief. Die Eltern und die Kinder fielen wieder auf ihre Knie und beteten das wunderbare Lied: »Befiehl du deine Wege!«
Während sie noch sangen, pochte es an das Fenster. „Unser Rabe, unser Rabe!“ schrien die Kinder. Schnell öffneten sie das vereiste Fenster. „Vati, schau mal, was hat denn der Rabe da im Schnabel?“ riefen die Kleinen, „das glitzert ja so prächtig.“
Der Rabe aber flatterte gerade auf Dobry zu und legte ihm das glänzende Ding in die Hand, krächzte ganz munter und wetzte seinen Schnabel auf Dobrys Knie, so, als wolle er sagen: „Hab ich das nicht gut gemacht?“ Der Bauer sah nun in seiner Hand einen Ring mit Edelsteinen liegen. Alles drängte sich an den Vater, um den wertvollen Ring zu bewundern. Niemand von ihnen konnte ahnen, wie viel dieser kostbare Ring wert war.
Voller Freude umarmte Dobry seine Frau und rief: „Gott ist ein treuer Helfer in der Not. Er verlässt den Armen nicht, der zu ihm ruft bei Tag und in der Nacht.“ Der Bauer schätzte, dass der Ring vielleicht einige hundert Taler wert sei. Die Kinder standen jubelnd bei den Eltern und streichelten den Raben ganz liebevoll.
„Mutter, schenk dem Raben das Beste, was wir noch haben!“, rief eines der Kinder. „Ja, das wollen wir tun!“ Gleich holte die Mutter das letzte Brot und ein wenig Käse dazu. Der Rabe, der sehr abgemagert aussah, ließ sich das Abendessen gut schmecken.
„Aber hör einmal, alter Freund“, sagte der Vater nach einiger Zeit zu dem Raben, der stolz auf dem Tisch herumspazierte, „wem hast du denn diesen Ring gestohlen? Du hast ihn gewiss irgendwo heimlich weggenommen und bringst uns da etwas, das wir nicht mit gutem Gewissen behalten können.“ Der Rabe stolzierte übermütig auf dem Tisch herum und ließ nur hin und wieder sein: „Kräh! Kräh!“ erschallen.
„Maria“, sagte der Bauer zu seiner Frau, „den Ring müssen wir wieder zurückgeben, mag er gehören, wem er will. Auf unrechtem Wege soll uns nicht geholfen werden. Schickt uns Gott durch den Raben Glück, so wird es uns nur guttun, wenn wir ehrlich sind. Schickt uns aber der Teufel eine Versuchung, so darf es ihm nicht gelingen!“ Die Frau nickte still und ergeben. Dann beteten die Eheleute wieder zu Gott.
Der Bauer Dobry wollte unter allen Umständen das Böse meiden, doch glaubte er, dass der Eigentümer ihm für den kostbaren Ring gewiss eine schöne Belohnung geben würde. Deshalb sagte er: „Wenn Gott uns durch den Raben mit diesem Ring die erbetene Hilfe gesandt hat, dann wollen wir dem Vater im Himmel noch mehr dienen als bisher.“ Den Raben ließ man am Abend zum Fenster hinaus, die Kinder legten sich zur Ruh, aber Dobry konnte nicht einschlafen. Kaum war der Tag angebrochen, da eilte er schnell zum Pfarrer und erzählte ihm die seltsame Geschichte.
„Ich möchte den Ring dem Eigentümer zurückgeben, aber ich weiß nicht, wie ich ihn finden soll“, erklärte Dobry. Der Pfarrer war erstaunt über diese geheimnisvolle Geschichte, er betrachtete den Ring und war sehr überrascht, auf dem Ring die Krone und den Namenszug des Königs Stanislaus zu erblicken. Der Pfarrer erstattete bei der Behörde einen Bericht über die seltsamen Vorgänge in seiner Gemeinde.
Schon am folgenden Tag rollte ein königlicher Wagen in das Dorf, um den Pfarrer und Dobry in das königliche Schloss zu holen. Das war eine Freude bei den Kindern, als der Vater mit dem Pfarrer in die schöne Kutsche stieg. Die Mutter klatschte vor Freude in die Hände. Der Kammerherr, der im Wagen saß, erzählte den beiden, wie sich der König über diese Geschichte gefreut habe.
Als sie in das Schloss kamen, empfing sie der König höchst persönlich. Dobry erzählte dem König mit aller Gewissenhaftigkeit, wie alles gekommen war. Einige Hofleute erinnerten sich jetzt, wie der Rabe an mehreren Tagen vor den Fenstern des Schlosses umhergeflogen sei. Der König beschenkte Dobry mit sehr vielen Goldstücken und lobte seine Treue und Ehrlichkeit.
Ein Jahr, nachdem diese seltsame Geschichte geschehen war, stand an der Stelle der armseligen Hütte ein neues, schönes Haus. Äcker und Wiesen hatte Dobry von der Belohnung des Königs gekauft, und er besaß den besten Viehbestand des Dorfes. Er selber gehörte nun zu den wohlhabendsten Bauern der ganzen Gegend. Aber das Glück verblendete ihn nicht, er blieb in Gottes Gnade treu und demütig. Er führte ein gottseliges Leben und half den Armen, wo er nur konnte. Auch mit seinen Kindern durfte er viel Freude bis ins hohe Alter erleben.

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