Christliche Schatzkammer

Leuchter 2

Titelnummer 1

Titelnummer 2

Titelnummer 3

Titelnummer 4

Titelnummer 5

Titelnummer 6

Titelnummer 7

Titelnummer 8

Titelnummer 9

Titelnummer 10

Titelnummer 11

Leuchter 1

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Titelnummer 9

Zurück

Vom Irren müd, vom Wandern matt,
Vom Darben, ach, so lang,
Von Erdenfreuden übersatt,
Im Herzen Angst und Bang,
Denk ich zurück ans Vaterhaus,
Dort, dort nur, wohnt das Glück.
Hier halte ich’s nicht länger aus,
Jetzt eile ich zurück.

Die Freuden, die die Welt versprach,
Das alles, was sie bot,
Da ich ihr blindlings folgte nach,
Hinweg von meinem Gott,
Das alles ließ mein Herz so leer,
Dort fand ich nicht das Glück.
Da bleibe ich nicht länger mehr,
Jetzt eile ich zurück.

Ich gehe heim, so wie ich bin,
In dem zerriss’nen Kleid.
Mein Kindesrecht ist längst dahin,
Wie tut mir das so leid.
Mir wird zwar angst, ich schäme mich
Vor meines Vaters Blick.
Wird er noch mein erbarmen sich?
Doch eile ich zurück.

Da eilte ich zurück nach Haus,
Ich, der verlor’ne Sohn.
Mein Vater schaute lange aus,
Sah mich von weitem schon,
„Mein Vater, ach, ich bin zu schlecht,
Noch wieder Kind zu sein,
Lass mich nur noch ein schlichter Knecht
In deiner Nähe sein!“

Da nahm er mich voll Lieb und Huld,
Mich, der ihn so betrübt,
Vergab mir alle meine Schuld, –
O, wie mein Vater liebt!
Nahm das zerriss’ne Kleid von mir,
Gab mir ein neu Gewand.
Als Kindeszeichen gab er mir
Den Reif an meiner Hand.

Wie möchte ich voll Dankbarkeit
Sein treues Kind nun sein
Und jede Stunde meiner Zeit
Zu seinem Dienst mich weih’n;
Es andern sagen, wie so gut
Mein liebster Vater ist.
Und wie durch Seines Sohnes Blut
Er niemand von sich stößt.

Doch kenn‘ ich die Gefahren wohl,
den Kampf, oft heiß und schwül.
Und wie der Feind, des Zornes voll,
Uns wieder fällen will.
Doch weiß ich auch, dass Er verheißt,
Dass jene, die Ihm treu,
Aus Seinen Händen niemand reißt,
Wie stark der Feind auch sei.

Treue

Die Treue ist,
ein wuderbares Mittel.
Geprüft wird sie mit langer Frist,
und ist nicht nur ein Titel.

Treue fängt an wo Selbstsucht endet.
Sie achtet nicht auf sich,
bewährt sich wenn das Blatt sich wendet.
Die Treue eifert nicht.

Die Treue ist das bindend Band,
wenn Lebensstürme toben.
Treue, heißt zu halten Gottes Hand,
ihm zu trauen in den Lebenswogen.

Liebe lässt Treue wohl gedeihen.
Treue wird bald das Herz erfreun.
Wer wird der Treue treuster Hüter sein?
Es ist Gott, der Herr allein.

In Treue und Geduld,
täglich vergibt er unsere Schuld.
Ich klage meine Sünden stets aufs neue,
dann zeigt Gott in Jesus seine Treue.

Drum will ich treu sein,
dir Heiland ganz allein,
denn treu gedenkst du mein,
trifft mich auch Kummer, Leid und Pein.

Treu führst du mich,
drum will ich folgen.
Treu sorgst du für mich,
drum fühle ich mich geborgen.

Amen
D.S.

Gott ist und bleibt getreu

Gott ist und bleibt getreu,
Er tröstet nach dem Weinen
und lässt nach trüber Nacht
die Freudensonne scheinen;
der Sturm des Unglücks geht
zu rechter Zeit vorbei;
sei, Seele, stille nur,
Gott ist und bleibt getreu.

Gott ist und bleibt getreu,
Er hilft ja selber tragen,
wenn Er uns auferlegt
die Last der schweren Plagen.
Er schickt die Prüfung oft
und bleibet doch dabei
ein Vater, der uns liebt;
Gott ist und bleibt getreu.

Gott ist und bleibt getreu,
sein Herz ist voller Lieben,
pflegt Er gleich auch einmal
die Seinen zu betrüben;
Er prüfet durch das Kreuz,
wie rein der Glaube sei,
wie standhaft die Geduld;
Gott ist und bleibt getreu.

Chr. Wilhelmi, um 1720

Ich hab Ihn treu erfunden

Ich hab Ihn treu erfunden,
könnt ich nur sagen wie!
Ich möcht‘ die Knie beugen
und immer nur bezeugen:
Es mangelte mir nie.

Seitdem Er Seine starke
und treue Hand mir lieh,
dass ich Ihm trauen sollte,
weil Er mich führen wollte:
Es mangelte mir nie.

Trotzdem ich Ihm gekostet
unendlich viele Müh,
Ihn ach so oft betrübet,
Ihn nie genug geliebet:
Es mangelte mir nie.

Sooft aus dunklen Nächten
mein Herze zu Ihm schrie,
Er wusste stets Erquickung,
Er brachte mir Beglückung:
Es mangelte mir nie.

Ich mochte zu Ihm kommen
des Abends oder früh,
verwundet oder schuldig
nie ward Er ungeduldig:
Es mangelte mir nie.

Sooft ich in Gedanken
mein Leben rückwärts zieh,
in all den tausend Fragen,
in all den tausend Lagen:
Es mangelte mir nie.

Und könnt ich je nicht reden
die Worte, schwänden sie,
dann sollt ihr immer wissen,
ich ruh zu Seinen Füßen:
Es mangelte mir nie.

Anni von Viebahn (1884- 1931)

Bitte für den Tag

Herr, gib mir neuen Mut
das unter Deiner Hut
froh ich zur Arbeit geh,
tapfer und männlich steh,
dann wird es gut.

Was auch der neue Tag
alles mir bringen mag,
hilf mir, dass ich als Christ,
selbst wenn es schwierig ist,
doch nicht versag‘.

Bin ich gleich in die Welt
mitten hineingestellt,
gib, dass mich Deine Gnad
stets auf dem Glaubenspfad
schützt und erhält.

Rufen nun Pflichten viel,
Herr, lass mich treu und still
all meine Arbeit tun.
Einmal, dann darf ich ruhn,
droben am Ziel!

P.W. 1982

Zur Jahreswende

Des alten Jahres Stunden
sind alle bald entschwunden.
Was haben sie uns wohl gebracht?
Gab es nur Glück und Segen
auf allen unsren Wegen?
Vielleicht auch manche Trübsalsnacht?

Lasst uns nun an der Wende
des Jahrs‘, das bald zu Ende,
still stehn, und wenden unsern Blick
zu den verflossnen Tagen
und stellen uns die Fragen:
Wünsch ich mir dieses Jahr zurück?

Hab ich auch nicht versäumet,
aus Lässigkeit verträumet
die angebotne Gnadenzeit?
Werd ich vor Gott bestehen,
wenn ich dereinst werd gehen
von hier? – Trag ich das Hochzeitskleid?

Hab ich in Krankheitstagen
die Hand, die mich geschlagen
auch dankbar, ehrfurchtsvoll geküsst?
Der Feinde bittres Schmähen,
der Freunde übersehen,
demütig, stille auch begrüßt?

Darf ich auch stille sagen:
Ich habe still getragen
die Last, die Gott mir auferlegt?
Hab ich nicht oft mit Murren
mich wegen Gottes Führen
voll Trotz und Zorn sich aufgeregt?

Ließ sich mein Herz erweichen
durch all die Liebeszeichen
die Gott an mir erwiesen hat?
Ach, wenn ich daran denke
vor Scham die Augen senke
ich dann und fleh zu Gott um Gnad.

Zum neuen Jahr

Zum neuen Jahr den alten Vater,
Des starker Arm die Welten hält;
Er hat sein Volk seit grauen Tagen
Auf Adlersflügeln treu getragen,
Ihm sei die Zukunft heimgestellt;
Zum neuen Jahr den alten Vater,
Des starker Arm die Welten hält!

Zum neuen Jahr den neuen Segen,
Noch Wasser genug hat Gottes Born;
Harrt fröhlich sein, ihr Kreaturen,
Bald deckt er die beschneiten Fluren
Mit grüner Saat und goldnem Korn;
Zum neuen Jahr den neuen Segen,
Noch Wasser genug hat Gottes Born!

Zum neuen Jahr die alten Sorgen,
Noch sind wir nicht im Jubeljahr;
Noch wallen wir auf Pilgerwegen
Berg auf und ab in Sonn’ und Regen,
Noch gilt’s zu kämpfen immerdar;
Zum neuen Jahr die alten Sorgen,
Noch sind wir nicht im Jubeljahr!

Zum neuen Jahr ein neues Hoffen,
Die Erde wird noch immer grün;
Auch dieser März bringt Lerchenlieder,
Auch dieser Mai bringt Rosen wieder,
Auch dieses Jahr lässt Freuden blüh’n.
Zum neuen Jahr ein neues Hoffen,
Die Erde wird noch immer grün!

Zum neuen Jahr den alten Glauben,
In diesem Zeichen siegen wir;
Glück zu, mein Volk, auf allen Bahnen.
Entrolle kühn der Zukunft Fahnen,
Doch Christus bleib’ das Reichspanier:
Zum neuen Jahr den alten Glauben,
In diesem Zeichen siegen wir!

Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Ein frisches Blatt im Lebensbuch!
Die alte Schuld sei ausgestrichen,
Der alte Zwist sei ausgeglichen,
Und ausgetilgt der alte Fluch;
Zum neuen Jahr ein neues Herze,
Ein frisches Blatt im Lebensbuch!

Zum Jahreswechsel

Ein Jahr ist wiederum dahin
mit seinen Leiden, seiner Freud´,
und neue Pfade gilt´s zu ziehen,
die uns das Leben wieder beut!

War es für dich an Freuden reich,
o danke Gott, der dir´s geschenkt!
War´s schicksalsschwer, der Nacht gar gleich,
nur Mut, Gott hat es gut gelenkt!

Verstehst du oft Sein Walten nicht,
scheint dir dein Weg auch gar so steil –
trau nur auf Gott! Er gibt Sein Licht
zur rechten Stund´, macht alles heil!

Und fragt sich heut auch manches Herz,
was wohl die Zukunft alles bringt –
hoffe nur auf Gott! Schau himmelwärts!
Dann sicher alles gut gelingt.

Und wird dir oft auch nicht erfüllt,
was du dir wünschtest gar so sehr –
dein Gott dich trotzdem doch umhüllt
mit Seiner Liebe hoch und hehr!

Er weiß gar gut, was jedem dient
zu seiner Seele Glück und Ruh´,
Drum lass nur Ihn, du als Sein Kind,
im Leben walten immerzu!

So geh den Weg, den Gott dich führt!
Sei es durch schöne Auen hin,
durch Wüsten, wo die Sonne glüht –
es ist doch Gott mit dir darin!

O nütze deine Lebenszeit
und baue fort am Reich des Herrn,
dass, wenn dich ruft die Ewigkeit,
du heimgehen kannst dann froh und gern!